Januar-Fernsehtipps

Vom 16. bis 31. Januar 2012…

Mo, 16. Jan · 03:20-03:35 · RBB
Warschauer Notizen

Themen: * Der Bernsteinbaron * Das belastete Symbol * Juden verunglimpft * Der Bernsteinbaron Seit 40 Jahren ist er dem goldenen Harz verfallen. Lucjan Myrta besitzt die größte Bernsteilsammlung der Welt. * Das belastete Symbol Er ist für Warschau das, was der Eiffelturm für Paris ist. Die Sowjetunion hat dem Bruderland den Kulturpalast vor fast 60 Jahren geschenkt. Die Warschauer mögen ihr Wahrzeichen nicht so recht. * Juden verunglimpft Ein Taschenkalender für das Jahr 2012, herausgegeben von der Stadtverwaltung Warschau, sorgt für Ärger. Feuilletonistisches aus der polnischen Hauptstadt von und mit Ulrich Adrian und dem ARD-Team Warschau.

Di, 17. Jan · 19:30-20:15 · BR-alpha
Wir Kinder aus der Leopoldsgasse

Alte Zinshäuser, ein paar Geschäfte, eine Kirche. Auf den ersten Blick ein Grätzel wie viele andere in Wien. Auf den zweiten Blick fallen die Kinder auf, in der Leopoldsgasse, im zweiten Wiener Bezirk. Sie kommen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, gehören unterschiedlichen Religionen an, gehen in unterschiedliche Schulen. Bis vor kurzem trafen sich viele dieser Kinder im „Zuckerlg´schäftle“ von Frau Angermann. Jetzt ist der Rollbalken für immer geschlossen und die Ladenbesitzerin denkt wehmütig an die vielen strahlenden Kinderaugen. Ausgehend von der noch existierenden Fassade des ehemaligen Zuckerlladens befinden sich im Umkreis von 200m etliche Bildungseinrichtungen und religiöse Stätten wie das katholische Schulzentrum St. Elisabeth, eine Sonderschule für Schwerstbehinderte mit musisch-kreativem Schwerpunkt, die älteste jüdische orthodoxe Talmud Thora-Schule, die „Augartenschule“, eine öffentliche Kooperative Mittelschule, eine Moschee der Islamischen Glaubensgemeinschaft und die katholische Pfarrkirche zum heiligen Leopold. Die Sendung geht der Frage nach, inwieweit sich eine so multikulturelle Nachbarschaft im Zusammenleben der Kinder auswirkt. Im Vordergrund stehen dabei ihre Sichtweisen, ihre Wünsche und ihr Umgang mit eigener und fremder Kultur. Angesichts der hier vorhandenen Bildungsstätten, die neben Wissen auch streng religiöse Werte vermitteln, versucht Regisseur Martin Polasek zu erfahren, wie sehr sich die Jugend für andere Religionen interessiert und ob dies zu mehr Verständnis und Toleranz gegenüber Andersgläubigen führt.

Mi, 18. Jan · 21:45-22:40 · arte
Coming Home – 75 Jahre Israel Philharmonic Orchestra

Das Israel Philharmonic Orchestra – eine kulturelle Instanz des Staates Israel und eines der bedeutendsten klassischen Ensembles der Welt – feiert am 26. Dezember 2011 seinen 75. Geburtstag. Der Film erzählt von seiner bewegten Geschichte. Interviews mit Orchestermitgliedern aus den frühen Jahren wechseln sich ab mit Gesprächen mit später hinzugekommenen Musikern. Daneben berichten Zubin Mehta, Daniel Barenboim, Yefim Bronfman und Pinchas Zukerman über ihr Leben mit dem Israel Philharmonic Orchestra. Die Dokumentation lässt die 75-jährige Geschichte des Orchesters lebendig werden, unter anderem mit Arturo Toscanini, Arthur Rubinstein, Leonard Bernstein und Isaac Stern. In der Gegenwart angekommen, begleitet die Dokumentation das Israel Philharmonic Orchestra mit Zubin Mehta am Dirigentenpult bei Proben und Konzerten.

Mi, 18. Jan · 22:45-00:20 · Das Erste (ARD)
Sir Nicky – Held wider Willen

Für viele Menschen ist Sir Nicolas Winton ein wahrer Held. Der Dalai Lama, Vaclav Havel und Madeleine Albright halten öffentlich Lobreden über ihn. Königin Elisabeth II. adelte ihn mit dem Ritterschlag. Tausende von Menschen, Erwachsene und Kinder, fühlten sich von ihm inspiriert. Im Spätherbst 1939, kurz vor dem Einmarsch der Deutschen in die Tschechoslowakei, rettete der Londoner Börsenhändler Nicolas Winton in Prag 669 jüdische Kinder vor dem Tod im KZ. In seinem Heimatland fand er Pateneltern, die bereit waren, die Kinder aufzunehmen. Das Dokudrama „Nickys Familie“ (Originaltitel: „Nicky’s Family“) rekonstruiert die dramatische Rettungsaktion und erzählt das Schicksal mehrerer Kinder, die dem inzwischen über 100-jährigen Briten ihr Leben verdanken. Nicolas Winton ist ein bescheidener Held: Gut 50 Jahre lang schwieg er über die Ereignisse im Spätherbst 1939. Nicht einmal seine Frau wusste davon. 1988 entdeckte sie auf dem Speicher ihres Hauses ein Notizbuch mit exakten Aufzeichnungen aus dieser Zeit und brachte die Geschichte an die Öffentlichkeit. Ein spannender und emotionaler Film über Mitgefühl und Zivilcourage, der auf dem Karlovy Vary Film Festival in Karlsbad, Tschechien, mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

Do, 19. Jan · 22:45-23:30 · RBB
Geheimnisvolle Orte: Am Wannsee

Es ist viel passiert am Wannsee. Ein Ort zwischen Idylle und Schrecken. Man spürt die Zerrissenheit, die Ängste, aber auch die Freuden des 20. Jahrhunderts. Hier das quirlige Strandbad, dort die Villen der gediegenen Berliner Gesellschaft. In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nisteten sich Nazis in zahlreiche Villen ein. Die Besitzer mussten fliehen, weil sie jüdischer Herkunft waren. Aus der einstigen „Colonie Alsen“, dem Sommersitz reicher Großbürger, wurde ein bedeutender Standort des Sicherheitsdienst der SS. Im herrschaftlichen Landhaus Oppenheim wurde ein geheimes Institut eingerichtet, um die Ausbeutung Osteuropas vorzubereiten. Im „Haus der Wannseekonferenz“ koordinierten die Nationalsozialisten die Vernichtung der europäischen Juden. Derweil jüdische Kinder und Jugendliche unter Bewachung der SS die Gärten der Umgebung pflegten. Nur ein paar hundert Meter weiter liegt ein Hochbunker, von dem aus im Zweiten Weltkrieg die Berliner Luftverteidigung koordiniert wurde. Nach dem Krieg wurde er als „Notfallkrankenhaus“ umgebaut. Bis zu 600 Menschen sollten hier einen Atomangriff überleben können. In den Nachkriegsjahren entdeckten amerikanische Soldaten die Vorzüge des Wannsees – und verliebten sich in deutsche Fräuleins. Ursula Buchwitz-Wiebach, die Enkelin des legendären Droschkenkutschers „Eiserner Gustav“, erzählt von einer solchen „unmöglichen Liebesgeschichte“. Peter Zander, der schöne Kindertage im exklusiven „Seglerhaus“ erlebte, erinnert sich an die Ausgrenzung seiner Familie und den schweren Gang ins Exil. Und Peter Rieck berichtet, wie 1948 Luftbrücken-Flugzeuge hier „wasserten“.

Fr, 20. Jan · 21:45-23:20 · arte
Beirut Hotel

Beirut bei Nacht: Zoha ist Sängerin in einem noblen Hotel. Eines Abends, als sie für ihr Publikum gerade die letzte Strophe gehaucht hat und sich noch einen Drink genehmigen will, begegnet sie dem französischen Anwalt Mathieu. Zoha, eine schöne Libanesin, verdient ihr Geld als Sängerin in einem Beiruter Nobelhotel. Nach einem Auftritt verwickelt sie der Franzose Mathieu an der Hotelbar in ein Gespräch. Zwischen dem Anwalt auf der Durchreise nach Syrien und der verheirateten Libanesin entwickelt sich eine stürmische Romanze, die schnell auf eine harte Proben gestellt wird: Zohas Ehemann, von dem sie sich trennen will, stellt ihr nach und bedrängt sie. Zudem muss sie sich vor ihrem Onkel, einem Geheimdienstler, der Mathieu als einen Spion verdächtigt, für die Beziehung zu dem unbekannten Franzosen rechtfertigen. Der Pariser Jurist kann von einem alten libanesischen Freund hochbrisante Informationen über einen Terroranschlag bekommen, sofern Mathieu als Gegenleistung seine Verbindungen zur französischen Botschaft spielen lässt, um einem anderen Freund zur französischen Staatsbürgerschaft zu verhelfen. Abbas erzählt, dass man ihn für einen israelischen Spion halte und dass er in Gefahr sei. Während Mathieu bald Zohas Ehemann auf den Fersen hat, wird Abbas von mysteriösen Männern beschattet. Als Zohas Onkel Mathieu mit Fotos konfrontiert, auf denen er zusammen mit Abbas zu sehen ist und ihn zwingt, das Land zu verlassen, spitzt sich die Lage zu.

Sa, 21. Jan · 03:15-03:45 · PHOENIX
Wer ein Leben rettet, rettet die Welt

Winter 1944: Dekan Hermann K. Zeller und seine Frau Elsbeth verstecken das jüdische Ehepaar Krakauer in ihrem Pfarrhaus in Waiblingen, dreimal hintereinander. Das jüdische Ehepaar überlebt. Die noch lebenden Töchter, ihre Kinder und andere Verwandte empfinden heute die Rettung der Verfolgten als „selbstverständlich und normal“. Die überlebenden Opfer der Schoa nennen jene Christen, die in der Zeit des Nationalsozialisten Juden retteten, „Gerechte aus den Völkern“. Zu ihnen zählt das württembergische Pfarrerehepaar Zeller.

Sa, 21. Jan · 16:15-17:00 · HR
Der ultimative Religions-Check

„Treffen sich ein Rabbi, ein Iman und eine Nonne …“ so könnte ein guter Witz beginnen. Tatsache ist, dass die drei an diesem Nachmittag im „Horizonte“-Studio zu einem hintersinnigen Wettstreit aufeinandertreffen. Es geht um die Alltagstauglichkeit der Religionen. Eigentlich haben das Judentum, das Christentum und der Islam, die sich alle drei auf den gemeinsamen Stammvater Abraham beziehen, das gleiche Ziel: das Leben auf dieser Welt zu regeln, ihm einen Sinn zu geben und die Seele ins Jenseits zu retten. Dabei sind sie auch noch ganz schön in die Jahre gekommen. Selbst die Jüngste unter ihnen, der Islam, ist schon knapp 1.400 Jahre alt. Wie aktuell und alltagstauglich sind die drei monotheistischen Religionen heute noch? „Horizonte“ will es wissen und hat einen Rabbiner, eine katholische Nonne und einen muslimischen Imam ins Studio geladen. Auf spielerische und unorthodoxe Weise sind sie gefordert, Antworten auf die Fragen zu geben, die Menschen heute beschäftigen. Es geht um Essensvorschriften, um Alkohol und Sex, um Gottesbilder, Paradiesvorstellungen und um die Frage, wie gleich und zugleich unterschiedlich die drei Religionen sind. Rede und Antwort stehen im Studio der jüdische Rabbiner Andrew Steiman, die katholische Nonne Jordana Schmidt und der islamische Imam Mustafa Cimsit. Zusätzlich hat Meinhard Schmidt-Degenhard ein „Expertenteam“ an seiner Seite, das kritisch nachfragt und kommentiert: die Kabarettisten Sinasi Dikmen und Robert Treutel (alias Bodo Bach) sowie die „Hessenschau“-Moderatorin Constanze Angermann.

Sa, 21. Jan · 20:15-21:15 · BR-alpha
Hitler vor Gericht

Basierend auf Tagebucheinträgen, Polizeiberichten und den Protokollen der 24 Prozesstage erzählt der Regisseur Bernd Fischerauer in szenisch-dramatisierter Form die authentische Geschichte eines historisch folgenreichen Rechtsbruches. Am 1. April 1924, wird der vorbestrafte, nationalsozialistische Propagandist Adolf Hitler wegen Hochverrats zu fünf Jahren „Festungshaft“ (Ehrenhaft) verurteilt. Kein Wort über die vier Polizisten, die während seines Putschversuches am 9. November 1923 in München erschossen wurden, oder über die 16 getöteten Putschisten. Kein Wort darüber, dass der 1922 bereits einmal wegen Landfriedensbruchs verurteilte Hitler keine Bewährungsfrist mehr hätte bekommen dürfen, als Ausländer sogar hätte abgeschoben werden müssen. Bei Würdigung aller Umstände kommt man nicht umhin, das Urteil auch aus damaliger Sicht als klare Rechtsbeugung zu werten, die vor dem Hintergrund des weiteren Verlaufs der Geschichte eine dramatische Tragweite bekam. Die Richter stellten dem Angeklagten baldige Entlassung in Aussicht, schließlich seien die Angeklagten, „bei ihrem Tun von rein vaterländischem Geiste und dem edelsten selbstlosen Willen geleitet“ gewesen. Ein Grund für das skandalöse Urteil ist bereits die bewusste Einsetzung des rechtskonservativen Richters Georg Neithardt (George Meyer-Goll), der Hitler schon 1922 zunächst wegen Landfriedensbruchs und Körperverletzung verurteilt und ihm dann zwei von drei Monaten Haft „erlassen“ hatte. Er sympathisierte offen mit den Putschisten und schritt nicht ein, als der Hochverräter Adolf Hitler den Gerichtssaal zum öffentlichen Forum für mehrstündige Propagandareden gegen die „Novemberverbrecher“ in Berlin, die parlamentarische Demokratie und die Weimarer Verfassung machte. „Ich habe natürlich das Bestreben und erkenne an, dass es im Interesse der Angeklagten liegt, möglichst vor breiter Öffentlichkeit zu verhandeln. Das Gericht wird dem selbstverständlich, soweit es möglich ist, Rechnung tragen“, so Neithardt zu Beginn der Hauptverhandlung. Die Einsetzung Neithardts geschieht jedoch nicht zum Schutz Hitlers, sondern um die Mitwirkung der hohen Staatsbeamten Gustav von Kahr (Alexander Held), Otto von Lossow (Johannes Silberschneider) und Hans von Seißer (Franjo Marincic) am Putsch zu verschleiern. Ein falsches Spiel, in dem Hitler selbst jedoch mehr Bauer als König ist. Lediglich der untersuchungsführende Staatsanwalt Hans Ehard (Heinrich Schmieder) versucht, dem Recht Geltung zu verleihen – vergeblich. Auch die von dem Prozessbeobachter und späteren Bayerischen Ministerpräsidenten Wilhelm Hoegner (Andreas Nickl) gesammelten Prozessprotokolle, seine Bemühungen, diesen Prozess wieder aufzurollen, und ein Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags bleiben in den folgenden Jahren ohne Wirkung. Die Haftzeit in Landsberg am Lech verlebt Adolf Hitler mehr als Pensionsgast denn als Strafgefangener. Unzensiert darf er Post empfangen und verschicken, ungehindert zahlreiche Besucher empfangen. Die Zeit nutzt er, um seinem Sekretär Rudolf Heß das erste Kapitel von „Mein Kampf“ zu diktieren. Hitler verlässt Landsberg schließlich 3 Jahre, 333 Tage, 21 Stunden und 50 Minuten vor Ablauf der Strafe – mit einer weit größeren Anhängerschar als je zuvor. Den Putsch 1923 hatte er verloren, den Prozess 1924 gewonnen. Das für BR-alpha produzierte Dokumentarspiel beginnt beim versuchten Staatsstreich am Abend des 8. November 1923 im Münchner Bürgerbräukeller und endet mit Adolf Hitlers Freilassung im Dezember 1924. Erstmals wird ausschließlich anhand der Originaltexte dieses Ereignis deutscher Geschichte von Schauspielern (u.a. Johannes Zirner als Adolf Hitler, Peter Fricke als General Erich Ludendorff, Alexander Held als Gustav Ritter von Kahr) dargestellt, das aus Mangel an zeitgenössischem Film- und Fotomaterial bislang filmisch nur wenig beachtet wurde.

Sa, 21. Jan · 21:45-22:00 · BR-alpha
Rückblende

20.12.1924: Erich Mühsam und Adolf Hitler aus der Strafanstalt entlassen. Porträt des linken politischen Aktivisten Erich Mühsam (6.4.1878-10.7.1934), das seine schikanösen Haftbedingungen von 1919 bis 1924 in Niederschönenfeld schildert. Ein Exkurs thematisiert die skandalös rücksichtsvolle Behandlung des verurteilten Hochverräters Adolf Hitler in der Festung Landsberg am Lech, der – wie Mühsam durch eine Amnestie am 20. Dezember 1924 – jedoch bereits nach nur neun Monaten Haft frei kam.

So, 22. Jan · 11:20-11:45 · arte
Kleider und Leute

Israel – ein Land der Gegensätze, auch was Kleidung betrifft. Die Kleidung der orthodoxen Juden, allgegenwärtige kakifarbenen Uniformen der Soldaten und die in bunte Gewänder gekleideten Hippies bestimmen das Bild auf den Strassen der Städte. Die Kleidung der orthodoxen Juden in Israel ist stark von religiöser Symbolik geprägt. Ihre Träger sind teilweise fanatische Antizionisten und stehen im starken Widerspruch zur israelischen Wirklichkeit. Aus religiös-fundamentalistischen Gründen lehnen sie den zionistischen Staat kategorisch ab, da dieser allein vom Messias am Jüngsten Tag ausgerufen werden darf. Israelische Soldaten tragen unter den allgegenwärtigen kakifarbenen Uniformen T-Shirts, auf denen steht, dass ihre „Zahal“ genannten Streitkräfte keine Angriffsarmee bildet. Auch die Kibbuzniks, die seit den Pionierzeiten gegenseitige Hilfe und soziale Gerechtigkeit auf ihre Fahnen geschrieben haben, tragen eine – allerdings eher minimalistisch gestaltete – Uniform. Überraschenderweise sieht man nirgends so viele in die typischen aus Indien stammenden bunten Gewänder gekleidete Hippies wie auf den Straßen israelischer Städte. Dagegen müssen gläubige Frauen – ob jüdische oder muslimische – bei ihrer Kleidung ständig komplizierten religiösen Vorschriften Rechnung tragen. So sind Hosen für sie häufig tabu, und die Haare müssen verborgen werden, mit Tuch oder Perücke. Und die Siedler in den besetzten Gebieten mischen in ihrer Kleidung zahlreiche Elemente: die der Militärs, der Gläubigen und der Hippies.

Mo, 23. Jan · 06:00-06:45 · PHOENIX
Auf den Spuren der Götter – Mit Gerd Helbig durch die Wüsten Negev und Sinai

Sie sind von der gleichen atemberaubenden Schönheit, die Wüsten Negev und Sinai. Geologisch sind sie eine Einheit. Erst seit 1948 teilt sie die Grenze zwischen Israel und Ägypten. 700 Kilometer hat Gerd Helbig, ZDF-Nahost-Korrespondent, auf seiner Reise durch Sinai und Negev zurückgelegt. Anders als die endlosen Sandwüsten, wie die Sahara, türmen sie sich als Gebirgswüsten auf. Sie sind jedoch genauso gefährlich, unwirtlich, wasserarm und dennoch waren sie die Welt von Propheten, Nomaden, Eroberern und Pilgern. Vielleicht, weil sie sich alle auf diesen kahlen Bergen ihren Göttern näher fühlten. Deshalb folgen wir ihren Spuren. Statt mit Kamelen zwar mit Allrad-Jeeps, aber die entlegensten und aufregendsten Orte müssen wir wie seit Tausenden von Jahren erklettern – mitsamt Ausrüstung. Die Reise beginnt am Toten Meer, an dessen Ufer eines der kühnsten Bauwerke der Menschheit auf einem schroffen Bergplateau errichtet wurde: Masada, Festung und Palast zugleich. Im Jahre 74 beging ein jüdischer Stamm Massenselbstmord, um der Vernichtung durch die Römer zu entgehen. Masada gilt den Juden als Symbol für Widerstand. In nächster Nachbarschaft ist zu besichtigen, was Israel der Wüste abgerungen hat: endlose Dattelplantagen, Orangenhaine, Gemüsefelder, ein tropisches Kibbuz – und Fischzucht. Nicht ohne urweltliche Hilfe, denn tief unter der Wüste fand sich 30 000 Jahre altes Brackwasser, das aus eigener Kraft nach oben drängt. Nicht weit davon zerpflügen die mächtigen Merkawa-Panzer im Manöver den Wüstenboden, gefahren von blutjungen, hübschen Kommandantinnen – so ist eben Israel. Auf dem Weg nach Süden liegen drei gewaltige Gebirgsbecken – Maktesh – genannt, einmalige geologische Wunder, deren Entstehung vor 70 Millionen Jahren die Wissenschaft bis heute nicht erklären kann. Staunend schaut man in die runden Schluchten. Dann erhebt sich das wunderbar erhaltene Avdat auf einer Hochebene. Der arabische Stamm der Nabatäer, den weltlichen Genüssen nicht abgeneigt, hat diese prächtige Stadt an der Gewürzstraße errichtet. Hochkultur 400 Jahre vor Christi Geburt. Bei den pharaonischen Kupferminen von Timna, im südlichen Zipfel der Negev, verlassen wir Israel. Auf der ägyptischen Seite der Grenze nimmt uns Saiad, ein Beduine, unter seine Fittiche. Nur die Beduinen kennen sich in der Sinai richtig aus, wissen, wo man in militärische Sperrgebiete gerät, wo man noch fahren kann und wo es zu gefährlich wird. Im Gegensatz zur Negev ist die Sinai im Inneren noch unzivilisiert und urwüchsig. Erste Station ist St. Katharina, das älteste Kloster der Welt. Hätten uns die griechisch-orthodoxen Mönche nicht in das geheimnisvolle Innere ihrer Kartause gelassen, die sie gegen die Welt abschirmen – wir hätten diesen touristischen Rummelplatz umfahren. Unglaublich, was sich um das herrliche Kloster herum abspielt. Aber dann wird die Reise zu einem Wüstenabenteuer, das immer neue Überraschungen bereit hält. Dass es das noch gibt: drei Tage kein Handy-Empfang. Geschlafen wird auf dem Boden, die Beduinen kochen und backen Brot. Sie führen uns zu der ältesten Mine, in der die Pharaonen den Türkis aus dem Felsen brechen ließen. Sie nehmen uns mit zum Gebet am Grab ihrer Väter. Sie zeigen uns, wie ein Kamel sich weit von der Herde entfernt, um ein Junges zu bekommen. Und sie steigen stundenlang mit uns auf ein Hochplateau, auf dem die einzige Tempelanlage der Pharaonen auf dem Sinai liegt – 5000 Jahre alt und unfassbar gut erhalten. Wo der legendenumwobene Sultan Saladin eine trotzige Festung samt zwei Moscheen auf einem Bergkegel errichten ließ, beenden wir unsere Reise. Die Zitadelle wurde gegen die Kreuzritter gebaut, aber als sie fertig war, hatte Saladin die Eindringlinge schon geschlagen. Seit 800 Jahren liegt sie verlassen und düster da. Nur Wind und die wenigen, heftigen Regengüsse zehren an ihr. Luftverschmutzung gibt es nicht. Die grandiose Wüstenlandschaft um sie herum scheint unberührt.

Mo, 23. Jan · 10:50-11:20 · RBB
Auserwählt und ausgesondert

Die Nazis sortierten Jugendliche nach ihrem Wertesystem der Rassenhygiene und Eugenik: Die „wertigen“ Kinder wurden gefördert, die „unwertigen“ aussortiert. Der Film erzählt von einem bisher kaum veröffentlichten Thema. Streiche in der Schule, Spiel und Sport mit Freunden, die erste Liebe – Erhard Mannheim und Günter Discher haben keine unbeschwerte Jugend erlebt. Ihre Zeit im nationalsozialistischen Internat und im Jugend-KZ war voller Demütigungen, Schläge und Hunger, geprägt von der Angst um das bloße Leben. Erhard Mannheim verbrachte die Schulzeit seit seinem 13. Lebensjahr im Schloss Drachenburg, das zur Adolf-Hitler-Schule gehörte. Nur die Elite kam damals dort hin, erinnert er sich: wer sehr guten Schulnoten hatte, sportlich war, mutig und vor allem germanisch aussah. Schnell wurde Erhard Mannheim und den anderen Jungen klar, dass nicht nur der Studienplatz sicher war, sondern auch ein Platz an vorderster Front, an den Brennpunkten, wo viele gefallen sind: „Wir hatten keine Kindheit. Darum hat man uns komplett betrogen.“ Als „Momente des totalen Verlorenseins“ beschreibt Günter Discher sein Leben als Jugendlicher. Er war damals Swing-Liebhaber und kam deshalb 1935 in das KZ Moringen in Niedersachsen. Swing galt als rebellisch und regimegefährdend. Günter Discher musste Strafarbeit leisten, jeden Tag zehn Stunden in einer unterirdischen Munitionsfabrik arbeiten. „Ich war so erschöpft, dass ich nicht mehr laufen konnte“, erinnert er sich an die Zeit und weiß bis heute nicht, wie er das überhaupt überleben konnte.

Di, 24. Jan · 22:45-23:45 · HR
Ein Jude, der Deutschland liebte – Das Tagebuch des Willy Cohn

Die Veröffentlichung der Tagebücher von Willy Cohn („Kein Recht, nirgends“) war 2006 eine zeitgeschichtliche Sensation. 1200 Seiten über das Leben seiner Familie, über die jüdische Gemeinde in Breslau und über die zunehmende Marter der Juden. Seit der Machtübernahme der Nationalsozialisten saßen sie „in einer Mäusefalle“: Vom Januar 1933 bis zum 17. November 1941 beschreibt Willy Cohn die Qual eines Patrioten, der sein Vaterland liebte, und eines gläubigen Juden, der sich ein neues Leben nur in „Erez Israel“ vorstellen konnte. Als er sich zur Auswanderung entschloss, war es zu spät. Im November 1941 wurden Cohn, seine Frau und seine beiden kleinen Töchter verschleppt, deportiert und erschossen. Seine drei ältesten Kinder Louis „Wölfl“, Ernst und Ruth hatte Willy Cohn noch rechtzeitig nach Frankreich und Palästina geschickt. Die Journalistin Petra Lidschreiber hat die drei filmisch begleitet. Louis Wölfl Cohn besucht seine Heimatstadt Breslau zum ersten Mal, seit er 1933 als 18-Jähriger geflohen war. Das alte Wohnhaus ist noch erhalten, auch das „Johannesgymnasium“, in dem er Abitur machte und der Vater unterrichtete. Schließlich das Familiengrab: Hier stand die letzte Bank, auf der Willy Cohn mit seinen Kindern sitzen durfte. Ein filmischer Dialog zwischen den Kindern und ihrem ermordeten Vater entsteht: Warum kehrte Willy Cohn wieder zurück, als er 1937 mit seiner Frau den Sohn Ernst in Palästina besuchte? Warum zögerte er, die deutsche Heimat zu verlassen? Das Tagebuch endet wenige Tage vor Willy Cohns Ermordung. „Doch habe ich den eisernen Wunsch, im Interesse der Familie keinesfalls schlappzumachen“, schreibt er Mitte November 1941.

Mi, 25. Jan · 00:15-01:55 · BR
Ein Geheimnis

Frankreich, zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg: François, dem die Fußstapfen seiner im Spitzensport erfolgreichen Eltern zu groß sind, flüchtet sich in den Dialog mit seinem imaginären großen Bruder sowie seiner jüdischen Nachbarin Louise. Der Zweite Weltkrieg ist seit rund zehn Jahren zu Ende. François, sieben Jahre, Einzelkind, kann die hohen Erwartungen seiner schönen und sportlichen Eltern nicht erfüllen: Mutter Tania ist eine leidenschaftliche Schwimmerin, Vater Maxime ein durchtrainierter ehemaliger Spitzenathlet. Trost findet François bei seinem imaginären großen Bruder, der als sein Doppelgänger all die Erwartungen erfüllt, die er enttäuscht – und der für ihn so real wird, dass er beim Abendessen sogar für ihn aufdeckt – und bei Louise, der älteren jüdischen Nachbarin und Freundin der Familie. Sie erzählt ihm schließlich an seinem fünfzehnten Geburtstag das dunkle, streng gehütete Familiengeheimnis. Ihm wird klar, dass die Vergangenheit seiner Eltern keineswegs so idyllisch verlaufen ist, wie er sich das als Kind ausgemalt hat. Im Gegenteil: Maxime und Tania sind durch eine fatale Verknüpfung von tragischen Umständen während des Zweiten Weltkrieges miteinander verbunden. Sein Vater war vor dem Krieg schon einmal verheiratet und hatte einen Sohn namens Simon. Auf der Flucht vor den Nazis mit falschen Papieren aufgegriffen, hatte Maximes Frau Frau Hannah sich in einem demonstrativen Akt zu ihren jüdischen Wurzeln bekannt – aus Rache an Maxime, der sie schon damals mit Tania betrog. Eine unerklärliche Handlungsweise, bedeutete sie doch auch für den Sohn den Tod. Bei seinem verwobenen Netz der Zeitebenen bedient sich Claude Miller unterschiedlicher Farbcodes. Gegen die Gewohnheit wählt er Schwarzweiß für die Szenen, die in der Gegenwart spielen, während die Vergangenheit in Farbe inszeniert wird. Damit orientiert sich der Regisseur am Aufbau des Romans, in dem die Gegenwart in der Vergangenheitsform und die Vergangenheit im Präsenz erzählt wird.

Mi, 25. Jan · 21:15-21:45 · MDR
Die Spur der Ahnen – Wie mein Uropa das KZ überlebte

Anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus befasst sich die „Spur der Ahnen“ in dieser Ausgabe mit einem ganz besonderen Fall. Gabriele Blechschmidt ist überzeugt davon, dass ihr Urgroßvater Julius Arnfeld eine schillernde Persönlichkeit gewesen ist. Ein Tausendsassa, der die Welt bereiste, im 1. Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz dekoriert wurde und bis in die Dreißiger Jahre als umjubelter Schauspieler arbeitete. Obwohl ihn heute kaum jemand mehr kennt, war er ein berühmter Künstler seiner Zeit und sogar für den Karrierestart des jungen Heinz Rühmann verantwortlich. Doch die Machtergreifung der Nazis war auch für den Juden Julius Arnfeld der Anfang vom Ende. Er entgeht zwar zunächst auf abenteuerlichste Weise dem Zugriff der Gestapo, doch schließlich wird er aufgegriffen und als Häftling ins KZ Theresienstadt gebracht. Normalerweise ein Todesurteil. Verzweifelt kämpft er dort ums Überleben und empfiehlt sich für die KZ-Theatergruppe. Dort spielt er unter schrecklichen Umständen die großen Dramen, sodass man ihn bald nur noch als den „Faust von Theresienstadt“ kennt. Mit diesen Engagements kann er immer wieder seine Deportation nach Auschwitz verschieben. Im letzten Moment rettet ihn der Angriff der Roten Armee vor dem sicheren Tod in den Gaskammern der Nazis. Nach dem Krieg verliert sich die Spur von Arnfeld in London. Um die letzten Geheimnisse seines Lebens aufzuklären, unternimmt Gabriele Blechschmidt eine bewegende Reise zu den Lebensstationen von Julius Arnfeld und stellt sich der schwierigen Suche nach weiteren Nachkommen von ihm. Dabei bleiben Gabriele Blechschmidt auch die Schattenseiten ihres Urgroßvaters nicht erspart und sie erfährt, dass auch die Prominenten und Künstler vor rund 100 Jahren mit dem Rausch des Ruhmes zu kämpfen hatten.

Mi, 25. Jan · 21:50-23:10 · arte
Waltz with Bashir

In einem animierten Dokumentarfilm verarbeitet der israelische Regisseur und Drehbuchautor Ari Folman seine Erlebnisse als Soldat im Libanonkrieg Anfang der 80er Jahre, die er beinahe vollständig verdrängt hatte. In einer Kneipe diskutiert der israelische Regisseur Ari Folman nachts mit einem Freund über dessen regelmäßig wiederkehrenden Alptraum, in dem er von einer 26-köpfigen Meute zähnefletschender Hunde gehetzt wird. Dieselbe Anzahl Hunde hatte der Freund während des Libanon-Einsatzes töten müssen. Am nächsten Tag tauchen bei Ari Folman erstmals eigene Erinnerungen an jene Zeit auf, darunter immer wieder ein Bild, das ihn als jungen Soldaten zusammen mit zwei Kameraden beim Baden in einer Beiruter Bucht zeigt. Plötzlich spürt er den unbändigen Drang, das reale Geschehen zu rekonstruieren, und beschließt, einige seiner ehemaligen Kriegskameraden aufzusuchen und zu befragen. Dabei werden verdrängte Erinnerungen Schicht um Schicht freigelegt.

Mi, 25. Jan · 22:45-23:15 · RBB
„Man ist doch ein Mensch!“

„Man ist doch ein Mensch!“, sagt WIadysIaw Bartoszewski auf die Frage, woher er Zeit seines Lebens seinen Mut nahm. Mit dieser Haltung hat er Auschwitz überlebt und das Gefängnis der polnischen Staatssicherheit überstanden. Er hat sich wie kaum ein anderer polnischer Politiker für die deutsch-polnischen Beziehungen eingesetzt: WIadysIaw Bartoszewski, zwei Mal polnischer Außenminister, Preisträger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, „Gerechter unter den Völkern“ in Israel. Am 19. Februar 2012 wird er 90. Ein rbb-Team hat den leidenschaftlichen Politiker, Publizisten, Aktivisten im Dienste der deutsch-polnischen Beziehungen mit der Kamera begleitet – was nicht einfach war. Mit dem Tempo seines Schritts und seiner Gedanken hängt er viele Jüngere in seiner Umgebung ab! Noch immer veröffentlicht er Bücher, hält Vortragsreisen, sitzt unzähligen nationalen und internationalen Gremien und Komitees vor. Er ist Staatsminister für die deutsch-polnischen Beziehungen im polnischen Außenministerium. Er ist Beiratsvorsitzender der deutsch-polnischen Ausstellung „Tür an Tür – 1000 Jahre Deutsche und Polen“ im Berliner Gropiusbau. Und er ist Mitglied des Internationalen Auschwitz Komitees (IAK). Schon in den 60er Jahren knüpfte er Kontakte zu bundesdeutschen Jugendorganisationen. Sein Beichtvater hatte ihm mit auf den Weg gegeben: „Du hast die Freiheit bekommen – du sollst erzählen und erinnern!“ Seine Abiturarbeit hatte er über Minna von Barnhelm geschrieben und dachte, die Deutschen wären Dichter und Denker. Bis sie sein Land überfielen und ihn nach Auschwitz verschleppten. Dort, auf dem Appellplatz, vor Hunger, Angst und Kälte zitternd, hätte er jeden „für einen Narren gehalten“, der ihm vorher gesagt hätte, dass er ein paar Jahre später mit Deutschen befreundet sein würde. Als dann bundesdeutsche Jugendorganisationen ihn baten, mit ihnen zu sprechen, setzte er den Rat seines Beichtvaters in die Tat um. Schwer krank wurde er 1941 aus Auschwitz entlassen – und gründete den Hilfsrat für die verfolgten Warschauer Juden. Für die polnische Exilregierung schrieb er Meldungen über das Warschauer Ghetto. 1944 nahm er am Warschauer Aufstand gegen die deutschen Besatzer teil. Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg, während der stalinistischen Zeit, geriet er ins Visier der polnischen Staatssicherheit und verbrachte sechs Jahre im Gefängnis. 1980 war er einer der ersten, die sich für die Gewerkschaft Solidarnosc engagierten. Woher nimmt ein Mensch soviel Mut und soviel Kraft? Das ist eine der häufigsten Fragen, die junge Deutsche ihm stellen. Seine Antwort ist immer so plausibel, wie einfach: „Man ist doch ein Mensch!“

Mi, 25. Jan · 23:15-00:50 · RBB Berlin
Nicht alle waren Mörder

Frühjahr 1943. Die nationalsozialistische Führung erlässt den Befehl, alle noch in Deutschland lebenden Juden zu verhaften und zu deportieren. Die Berliner Jüdin Anna Degen und ihr Sohn Michael verlassen ihre Wohnung, um unterzutauchen. Es beginnt ein Leben in ständiger Angst vor Entdeckung und Verrat. Lona Furkert, eine Freundin der Familie, weiß eine Adresse, bei der Mutter und Sohn unterkommen können. Sie bringt die beiden zu Ludmilla Dimitrieff, wohlhabende russische Emigrantin mit guten Beziehungen zu Nazigrößen, die Anna und Michael in ihrer großbürgerlichen Wohnung versteckt. Bedingung, neben der Bezahlung: Wenn Ludmilla ihre Hauskonzerte gibt, müssen Mutter und Sohn unsichtbar bleiben und dürfen bei Alarm nicht in den Luftschutzkeller. So erleben die beiden eines Nachts unter Todesangst einen Luftangriff, bei dem mit der gesamten Straße auch Ludmillas Wohnung in Brand gerät. Sie müssen fliehen. Lonas Bekannter Karl Hotze, als Kommunist ein entschiedener Gegner der Nazis, verschafft ihnen einen Unterschlupf bei den Teubers, einer einfachen, höchst pragmatischen Familie. Deren unbestrittenes Oberhaupt ist Oma Teuber, die für ihre drei Töchter eine Art Privatpuff organisiert und geschäftstüchtig ihre Sofas an Anna und Michael vermietet. Hier können sie bleiben, bis Anna eines Tages auf der Straße von Gestapo-Leuten angehalten wird, die zu wissen scheinen, wer sie wirklich ist.

Do, 26. Jan · 00:20-02:15 · Das Erste (ARD)
Mr. Klein

Robert Klein, ein Elsässer, macht in Paris während der deutschen Besatzungszeit gute Geschäfte, indem er verfolgten Juden Kunstgegenstände und Antikes für einen Bruchteil des tatsächlichen Werts abkauft. Eines Tages sieht er sich von mysteriösen Machenschaften bedroht, die offenbar darauf abzielen, ihn vor den Behörden selbst als Juden erscheinen zu lassen. Er wird zunehmend mit einem jüdischen Namensvetter verwechselt. Auf der Suche nach dem Unbekannten gleichen Namens gerät er am Ende selbst in die Vernichtungsmaschinerie der Nazis. Alain Delon spielt die Titelrolle in dieser faszinierenden Filmparabel, die Joseph Losey nach einem Buch von Franco Solinas und Fernando Morandi inszenierte. Paris, im Jahr 1942. Wie in anderen besetzten Ländern Europas sind auch in Frankreich die Juden ihres Lebens nicht mehr sicher. Robert Klein (Alain Delon) lässt das ebenso kalt wie viele seiner Landsleute. Er nutzt ungerührt die Notlage der verfolgten jüdischen Mitbürger, indem er ihnen Kunstwerke und Antiquitäten zu lächerlich niedrigen Preisen abkauft. Als der opportunistische junge Kunst- und Antiquitätenhändler nach einem besonders schäbigen Handel ein jüdisches Informationsblatt mit seinem Namen vor der Wohnungstür findet, hält er das anfangs nur für einen Irrtum. Immerhin meldet er den Vorfall der Polizei – und macht sich gerade dadurch verdächtig. Nach und nach wächst in ihm die Überzeugung, dass ein tatsächlich existierender jüdischer Namensvetter darauf hinarbeitet, ihn als den Juden Robert Klein hinzustellen. Um sich dagegen wehren zu können, macht er sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Unbekannten, ohne diesen jedoch je zu Gesicht zu bekommen. Dabei zieht sich das Netz der Verfolgung immer enger um ihn zusammen. Joseph Losey hat hier beklemmend gezeigt, „was ganz gewöhnliche Menschen, wie wir ihnen in unserer Umgebung begegnen können, anderen gewöhnlichen Leuten anzutun imstande sind“. Sein Film ist die Geschichte einer Identitätskrise, die mit Selbstaufgabe und Untergang endet, und zugleich eine detaillierte Schilderung der Gleichgültigkeit vieler Franzosen gegenüber der Verfolgung ihrer jüdischen Mitbürger im besetzten Paris von 1942. Die kafkaesken Züge des Geschehens sind unübersehbar; bedrückender als die literarischen Assoziationen an die großen Romane Kafkas wirkt jedoch die historische Dimension des Films.

Do, 26. Jan · 22:45-00:10 · RBB
Hitlers Polizei

Die Polizei war während des Zweiten Weltkrieges eine wesentliche Stütze des NS-Systems. In ihrem Film zeigen die Autoren eindrucksvoll, wie weitgehend die deutsche Polizei während der NS-Zeit in verbrecherische Machenschaften verstrickt war. Mit Kriegsbeginn 1939 zogen viele Polizisten nach Osten. Sie sollten in den eroberten Gebieten für „deutsche Ordnung“ sorgen – und spielten eine verhängnisvolle Rolle im Vernichtungskrieg. Deutsche Polizisten exekutierten in ganz Europa die tödliche Weltanschauung der Nazis. Ohne das effektive Fachwissen von geschulten Polizeikräften wäre auch das ideologische Hauptziel des Nationalsozialismus, die Vernichtung der europäischen Juden, in diesem Ausmaß nicht erreichbar gewesen. Die Radikalisierung der Gesellschaft nach innen und außen in den letzten Kriegsjahren wird von den Polizeikräften entscheidend mitgetragen – bis zum Ende. So schnell die Polizei den Übergang von der Demokratie der Weimarer Republik zum verbrecherischen NS-Staat vollzog, schaffte die Polizei auch den Übergang nach dem verlorenen Krieg in die neue Zeit. Nur wenige Polizeibeamte mussten sich für ihre Taten verantworten. Diese Tatsache nährte den Nachkriegs-Mythos von der „sauberen Polizei“. Oft hieß es, lediglich die Geheime Staatspolizei, die Gestapo, habe Verbrechen begangen. Die Dokumentation verfolgt dabei anhand ausgewählter Biographien die Spuren des Terrors „ganz normaler Männer“, führt zu den historischen Schauplätzen im In- und Ausland und lässt Überlebende sowie ausgewiesene Experten zu Wort kommen.

Fr, 27. Jan · 00:10-00:35 · RBB
Das zerrissene Herz

Der britische Filmemacher Ben Lewis reflektiert das Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma in Berlin. Im Mai 2011 sollte das Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma im Berliner Tiergarten eingeweiht werden. Der Künstler Dani Karavan, der in Paris und Tel Aviv lebt und schon viele Skulpturen in Israel, Frankreich und Deutschland geschaffen hat, entwarf einen runden Brunnen mit fließendem Wasser und einem Dreieck in der Mitte, auf dem jeden Tag eine frische Blume liegen soll. Zeilen aus dem Gedicht „Auschwitz“ von Alexian Santino Spinelli, einem in Italien lebenden Roma, sind auf dem Brunnenrand schon zu lesen, aber fertig ist das Mahnmal noch immer nicht. Lange mussten Sinti und Roma kämpfen, um als Opfer des nationalsozialistischen Völkermords anerkannt zu werden. 1992, zehn Jahre nach der Anerkennung, entschied der Deutsche Bundestag, für jede Opfergruppe ein eigenes Denkmal zu errichten, obwohl Sinti und Roma ein gemeinsames Mahnmal mit den Juden bevorzugt hätten. Schließlich stand Ende der 90er Jahre fest, dass es bei getrennten Denkmälern bleiben wird. Und wieder vergingen mehr als zehn Jahre mit Auseinandersetzungen, Streit und Bauverzögerungen. Ben Lewis, Engländer und Jude, hat sich auf den Weg gemacht, um herauszufinden, was es mit dem Mahnmal auf sich hat. Er trifft in Berlin den Historiker Bill Niven sowie den Künstler Dani Karavan und besucht Sinti in einer Siedlung in Düsseldorf. Er entdeckt die Bilder von Otto Pankok, der die Sinti und Roma vor dem Holocaust und danach gemalt hat, und befragt Waltraud Mettbach, deren Angehörige im KZ umgekommen sind. Und er musiziert mit dem Dichter Santino Spinelli, dessen Worte den Brunnen in Berlin zieren. Ben Lewis versucht, unterschiedliche Gesichtspunkte zu verstehen. Er spricht mit Lea Rosh vom Förderkreis Denkmal für die ermordeten Juden Europas und mit Romani Rose vom Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. Was kann das neue Denkmal – ganz in der Nähe des Reichstags – leisten? Und wie sieht es nach der jahrelangen Entwicklung aus? Ben Lewis nähert sich diesem sensiblen Thema auf seine erfrischende, kluge und immer wieder überraschende Art.

Fr, 27. Jan · 00:25-01:55 · MDR Sachsen
Der Garten der Finzi Contini

Berührendes Melodram von Regie-Legende Vittorio De Sica. Basierend auf dem autobiografischen Roman von Giorgio Bassani, erzählt er die Geschichte einer jüdischen Familie im faschistischen Italien und zugleich von einer unerfüllten Liebe. Italien, 1938. Die norditalienische Stadt Ferrara hat eine kleine jüdische Gemeinde, deren Mitglieder durch die Rassengesetze Mussolinis zunehmend ausgegrenzt werden. Da es Juden beispielsweise nicht gestattet ist, dem örtlichen Tennisclub anzugehören, gründen die wohlhabenden Finzi Contini auf ihrem Anwesen einen eigenen, informellen Tennisclub. Unter den jungen Leuten, die sich während des Sommers im üppigen Garten der Finzi Contini treffen, ist auch der Jude Giorgio, der schon seit seiner Kindheit in Micòl, die Tochter des Hauses, verliebt ist. Auch Micòl scheint eine besondere Zuneigung zu Giorgio zu empfinden, der ihrem kranken Bruder Alberto so verblüffend ähnelt. Dennoch begegnet sie Giorgio mit einem seltsamen Wechsel aus Nähe, Verbundenheit und Distanz. Als sie für eine Weile nach Venedig reist, setzt Giorgio im Haus ihrer Eltern seine Studien fort, da es Juden nicht mehr gestattet ist, die Universitätsbibliothek zu betreten. Nachdem Micòl bei ihrer Rückkehr erklärt, ihn nicht mehr sehen zu wollen, geht Giorgio nach Frankreich, wo sein Bruder studiert. Hier erfährt er zum ersten Mal von Konzentrationslagern und der Gewalt gegen Juden in Deutschland. Bei seiner Rückkehr nach Ferrara sieht er Micòl mit Bruno, einem nichtjüdischen Mitglied des Tennisclubs, im Garten der Finzi Contini. Zwar erklärt Bruno ihm, dass die Beziehung rein freundschaftlicher Natur sei, doch zugleich macht Micòl Giorgio klar, dass es keine gemeinsame Zukunft geben kann. Mit Ausbruch des Krieges wird die Situation für Italiens Juden immer bedrohlicher. Schließlich verhaftet man im Jahr 1943 auch die Finzi Contini, um sie zu deportieren. In der Haft erfährt Micòl, dass wenigstens Giorgio die Flucht ins Ausland gelungen ist. Es ist das Letzte, was sie von ihm hört.

Fr, 27. Jan · 12:45-13:00 · 3sat
Auschwitz – Polen

Auschwitz ist ein Ort in Polen, zwischen Kattowitz und Krakau gelegen, und zugleich ein Synonym für das größte aller Verbrechen: die Ermordung der europäischen Juden. Auschwitz markiert einen Zivilisationsbruch. Es erinnert daran, dass die Deutschen mitten im 20. Jahrhundert zu einem singulären Verbrechen fähig waren, dem über fünf Millionen Juden zum Opfer fielen. Heute ist Auschwitz eine viel besuchte Gedenkstätte, ein Museum – mit allen Problemen: Wie lässt sich das Undarstellbare museal repräsentieren? Mit Bergen von Schuhen, mit aufgehäuften Haaren, mit Koffern, auf denen die Namen derer stehen, die in die Gaskammern getrieben wurden? „Auschwitz – Polen“ beginnt in der Gegenwart, zeigt die museale Wirklichkeit und endet damit, dass er die bekannten Fernsehbilder zitiert, ohne sie vollständig zu zeigen. Frank Hertweck versucht dem Stammlager Auschwitz und dem Ort der Vernichtung Birkenau gerecht zu werden, indem er sich ganz auf diese Orte konzentriert.

Fr, 27. Jan · 22:25-00:15 · 3sat
Die Grauzone

Auschwitz-Birkenau, 1944: Die ungarischen Juden des „Sonderkommandos“ werden gezwungen, ihre Landsleute in den Tod zu führen, um ihr eigenes Überleben für wenige Monate zu verlängern. Einer von ihnen, der Arzt Miklós Nyiszli, unterstützt den NS-Arzt Josef Mengele bei dessen Experimenten und hofft, dadurch Frau und Kind vor der Gaskammer bewahren zu können. Die mit Selbsthass erkaufte Sonderstellung der Männer ermöglicht es ihnen, einen Aufstand zu planen. Mit der Hilfe von Einwohnern eines nahen Dorfes und den Frauen aus der benachbarten Munitionsfabrik wollen sie einen strategisch wichtigen Teil des Vernichtungslagers zerstören. Nach einer Vergasung findet ein Sonderkommandomitglied ein junges Mädchen wie durch ein Wunder lebendig unter den Leichen und versteckt es bei sich. Als der SS-Mann Muhsfeldt die Überlebende entdeckt, steht plötzlich der gesamte Aufstand auf dem Spiel. Tim Blake Nelson, vor allem als Schauspieler aus Filmen wie „O Brother, Where Art Thou?“ und „Minority Report“ bekannt, verfilmte mit „Die Grauzone“ seine eigene Bühnenadaption der Erfahrungsberichte von KZ-Arzt Miklós Nyiszli. Entstanden ist ein schonungsloses Kammerspiel über die perfiden Methoden des NS-Systems und die daraus resultierende innere Zerrissenheit derer, die sich auf einen Pakt mit dem teuflischen System eingelassen haben. Für die Hauptrollen konnte Nelson einige namhafte amerikanische Schauspieler verpflichten, darunter David Arquette („Scream“) und Steve Buscemi („Fargo“). Den SS-Oberscharführer Muhsfeldt spielt Harvey Keitel. 3sat zeigt „Die Grauzone“ anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, der in Deutschland als „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ begangen wird.

Fr, 27. Jan · 23:30-01:40 · Das Erste (ARD)
Fateless – Roman eines Schicksallosen

Budapest 1944: Die jüdische Bevölkerung hofft auf ein baldiges Ende von Verfolgung und Krieg. Der 14-jährige György Köves erlebt den Abschied seines Vaters ins „Arbeitslager“, die Brandmarkung seiner Person und seiner Freunde durch den Judenstern und die quälende Frage nach dem Warum. Er erlebt die Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald und Zeitz. Er erlebt Leid, Demütigung, Solidarität, Angst und Gleichgültigkeit – aber „… dort bei den Schornsteinen gab es in den Pausen zwischen den Qualen etwas, das dem Glück ähnlich war.“ Der Junge überlebt. Die Lager werden befreit, der Krieg geht zu Ende. György kehrt zurück nach Budapest. Versteht man ihn? Vertraute Türen werden von Fremden geöffnet und schnell geschlossen. Kann er erzählen? Hört man ihm zu? Er kommt als Überlebender und als Fremder in seine Heimatstadt Budapest zurück. „Fateless“ ist die beeindruckende filmische Umsetzung des „Roman eines Schicksallosen“ von Nobelpreisträger Imre Kertész (2002), der auch das Drehbuch „Schritt für Schritt“ für diesen Film geschrieben hat. Imre Kertész beschreibt aus kindlicher Perspektive die Grauen des Lagerlebens und den Verlust an Identität und Persönlichkeit, den er selber während seiner Deportation nach Buchenwald, Auschwitz und Zeitz erfuhr.

Sa, 28. Jan · 00:00-01:35 · RBB
Sein oder Nichtsein

1939: Im von deutschen Truppen besetzten Warschau schließt sich eine Gruppe Shakespeare-Darsteller der Widerstandsbewegung an. Der nach London geflüchtete Leutnant Sobinski bringt versehentlich einen Nazi-Spion auf die Fährte der Truppe. Um einer Verhaftung zu entgehen, hecken die Schauspieler einen Plan aus, um den Spion, die deutsche Gestapo und Adolf Hitler an der Nase herumzuführen. Polen, 1939. Am Warschauer Theater studiert das Ensemble ein komödiantisches Bühnenstück ein, das sich über Nazi-Deutschland lustig macht. Dann aber wird die Aufführung von der Regierung verboten. Statt der Nazi-Farce soll die Truppe unter Leitung des renommierten Schauspieler-Ehepaars Joseph und Maria Tura erneut Shakespeares „Hamlet“ ins Programm nehmen. Für Joseph Tura ist der Hamlet die Rolle seines Lebens. Umso unbegreiflicher ist es ihm, weshalb jedes Mal, wenn er zu seinem großen Monolog über „Sein oder Nichtsein“ ansetzt, ein junger Leutnant demonstrativ den Zuschauerraum verlässt. Tura ahnt ja nicht, dass dieser Leutnant Sobinski, ein heimlicher Verehrer seiner Frau ist – und dass er diese immer dann in der Garderobe trifft, wenn Joseph seinen Monolog beginnt! Dann marschieren die deutschen Truppen in Polen ein. Während Sobinski nach England entkommt, schließt sich das Ensemble der Widerstandsbewegung an. In London lernt Sobinski den berühmten Professor Siletsky kennen, der behauptet, als polnischer Widerstandskämpfer nach Warschau unterwegs zu sein. Erst nachdem der gutgläubige Sobinski und seine Kameraden dem Professor die Namen zahlreicher Widerstandskämpfer gegeben haben, erfahren sie, dass Siletsky in Wahrheit ein Nazi-Spion ist. Um seine Freunde zu warnen, reist Sobinski zurück nach Polen. Er kann zwar nicht verhindern, dass Siletsky sich bei Maria Tura als vermeintlicher Theateragent vorstellt – doch mit List und Witz gelingt es den Schauspielern, den heimtückischen Spion in die Falle zu locken. Durch das geplante Gestapo-Theaterstück bestens mit hochrangigen Nazi-Uniformen ausgestattet, führt das Ensemble fortan eine waghalsige Maskerade auf. Die größte Herausforderung steht Joseph Tura und seinen Leuten allerdings erst noch bevor. Adolf Hitler, der auf Staatsbesuchs in Warschau weilt, höchstpersönlich hinters Licht zu führen und mit dem gekaperten Flugzeug des „Führers“ aus Polen zu fliehen.

Sa, 28. Jan · 00:00-00:45 · WDR
Auschwitz war auch meine Stadt

„Als ich mit dem Zug nach Auschwitz fuhr, da guckte ich aus dem Fenster und sah in der Ferne lauter so gestreifte Häufchen, wie Kartoffelkäfer. Bloß größer. Und das wusste ich nicht, dass das Häftlinge waren. Das war meine erste Begegnung mit Häftlingen, die in Auschwitz stationiert waren“, erinnert sich Johanna Scherzberg, die mit 19 Jahren ihr strenges Elternhaus in Thüringen verließ und als kaufmännische Angestellte der IG-Farben nach Auschwitz zog. „Ich hatte nicht das Gefühl, in eine polnische Stadt zu fahren, das hieß ja Auschwitz. Und das war ja eine deutsche Bezeichnung,“ sagt Johanna heute, öffnet bereitwillig ihr Tagebuch und ihr Fotoalbum und erzählt von der, so sagt sie, „schönsten Zeit ihres Lebens“. Als eine der ersten beiden Frauen ging sie im Sommer 1942 zum Aufbau des neuen Chemiewerkes der IG Farben von Leuna nach Auschwitz. Auschwitz hieß bis Kriegsbeginn Oswiecim und war die Heimat des Juden Josef Jakubowicz. Er verbrachte hier eine unbeschwerte Kindheit, bis die Nazis kamen und der 14-Jährige als Zwangsarbeiter das Konzentrationslager Auschwitz bauen helfen musste, ohne zu ahnen, welchem Zweck es einmal dienen würde. Sein Elternhaus wurde abgerissen, weil es den Blick auf das Lager verstellt hätte, seine Familie deportiert. Im Nachbarhaus lebte Karol Parcer, Josefs Freund unter den Christen. Seine Familie musste ihr Haus räumen für die SS-Offiziere. Aus Brzezinka, dem Dorf, in dem die beiden Jungen zur Schule gegangen waren, wurde das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, in dem Josefs Eltern und fast seine ganze Familie ermordet werden sollten – wenige Meter von dem Ort entfernt, der einmal ihr zu Hause war. Josef wurde durch 8 Konzentrationslager getrieben und überlebte wie durch ein Wunder. Nach dem Krieg in seine Heimatstadt zurückzukehren, war für ihn undenkbar. Karol hat die Schreckensherrschaft der Deutschen in Auschwitz erlebt und die Stadt nie verlassen. Für die Deutsche Johanna Scherzberg waren die Jahre in Auschwitz eine produktive Zeit, eine Aufbauzeit. Sie saß im Vorzimmer des Betriebsleiters Walter Dürrfeld und ist vermutlich die letzte Zeitzeugin, die erzählen kann, wie sich das Leben der deutschen IG Farben Mitarbeiter in Auschwitz in Sichtweite zum Massenmord an den europäischen Juden im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau abgespielt hat. Und sie tut dies mit bemerkenswerter Offenheit und in zahlreichen, bisher unveröffentlichten Privatdokumenten. Aus der Perspektive dieser drei Zeitzeugen erzählt die Dokumentation, wie aus der Stadt Oswiecim, die wegen ihrer reichen jüdischen Kultur einmal als das polnische Jerusalem galt, die „deutsche Musterstadt“ Auschwitz wurde. Eine Stadt, in der tausende deutsche Siedler, SS-Angehörige und Angestellte der IG Farben in Saus und Braus lebten, während gleich nebenan millionenfach gemordet wurde. In den ganz persönlichen Lebensgeschichten von Johanna Scherzberg, Josef Jakubowicz und Karol Parcer spiegeln sich die historischen Ereignisse zwischen dem 1. September 1939, dem Tag des Überfalls auf Polen, bis zum 27. Januar 1945, dem Tag, an dem die Konzentrationslager von Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit wurden.

Sa, 28. Jan · 00:30-02:10 · MDR
Ein Leben für ein Leben – Adam Hundesohn

Adam Stein, vor dem Krieg ein begnadeter Berliner Clown und Varieteekünstler, wird ins Konzentrationslager deportiert. Hier trifft er auf den zynischen Lagerkommandanten Klein, einen „Bewunderer“ seiner Kunst. Zu Kleins Zerstreuung muss Adam dessen Schäferhund mimen und im Zwinger leben. Er erträgt jede Demütigung, in der Hoffnung, seine Familie vor der Gaskammer zu retten. Aber Klein kennt keine Gnade. Adam überlebt, wird von Schuldgefühlen gepeinigt und hat selbst Jahrzehnte später sein Trauma nicht überwunden. Als die Pensionswirtin Ruth Edelson wegen seines gewalttätigen Verhaltens wieder einmal die Polizei rufen muss, wird Adam in eine abgeschiedene Nervenklinik eingeliefert. Das Shoa-Sanatorium ist ein Museum der Qualen, in dem psychisch zerrüttete Holocaust-Überlebende die unvorstellbare Pein der Nazi-Herrschaft in einer Endlos-Zeitschleife wieder und wieder durchleben. Adam ist hier der einzige Lichtblick. Mit seinen furiosen Kaspereien rüttelt er Patienten und Personal gleichermaßen auf. Dank seines Einfühlungsvermögens als Komiker entwickelt er eine Methode, um die Insassen von ihrer „Überlebensschuld“ zu befreien. Sich selbst kann er jedoch nicht helfen. Nachdem eines Tages ein winselndes Kind eingeliefert wird, das sich unter dem Bett versteckt, „erschnüffelt“ Adam einen Seelenverwandten: Es ist ein Junge, der sich für einen Hund hält. Bellend und auf allen Vieren nähert Adam sich dem Kind, macht sich zu dessen „Alphatier“. Dank dieser Konfrontation findet der Junge ins menschliche Leben zurück. Auch Adam kann sich endlich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen.

Sa, 28. Jan · 11:00-11:30 · RBB
Eine Oase in Jerusalem – Das American Colony Hotel

Das ist Colony ein wunderschönes, luxuriöses Hotel mit zuvorkommenden Mitarbeitern: Juden, Christen und Muslime sind miteinander befreundet. Und für den Gast aus Amerika oder Europa ist das Hotel eine der schönsten Oasen des Nahen Ostens. Die reiche Geschichte des „American Colony“ geht bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Sie nahm ihren Ursprung in einer Reihe tragischer Ereignisse, die dazu führten, dass die strenggläubige christliche Familie von Horatio und Anna Spafford im Jahre 1881 ihre Heimatstadt Chicago verließ, um Frieden in der Heiligen Stadt Jerusalem zu finden und dort Familien in Not zu helfen. Sie waren keine Missionare, versuchten jedoch nach dem Vorbild der frühen Christen ein einfaches Leben zu führen. Wegen ihrer Wohltätigkeit sowohl den jüdischen Nachbarn als auch gegenüber den Beduinen von jenseits des Jordan gegenüber hatten sie bald das Vertrauen der lokalen Bevölkerung gewonnen, ihre Mildtätigkeit und ihr großes soziales Engagement sprach sich herum. Von den Anwohnern wurde die Familie einfach nur „die Amerikaner“ genannt. Nach drei Jahren, 1894, folgten ihnen 70 in den Vereinigten Staaten lebende Schweden, zwei Jahre später kamen weitere 55 Glaubensbrüder in Jerusalem an: Eine wesentlich größere Unterkunft wurde erforderlich. Es wurde ein Haus gekauft, das ursprünglich als Palast für einen Pascha und seine vier Ehefrauen entworfen worden war. Als Baron Ustinov (der Großvater des Schauspielers Sir Peter Ustinov) im Jahr 1902 eine Unterbringungsmöglichkeit in Jerusalem für seine Besucher aus Europa und Amerika benötigte, er aber die türkischen Gasthäuser dieser Zeit für unzumutbar hielt, da war die Idee für das American Colony Hotel geboren. Rasch hatte sich das „American Colony“ als Unterkunft für westliche Reisende und Pilger etabliert, hier wurden ihre hohen Ansprüche an Qualität und Komfort erfüllt. Bis heute ist das Hotel in Familienbesitz geblieben, die neutrale Haltung der Besitzer im Nahost-Konflikt hat das Hotel immer zu einem beliebten und manchmal auch geheimen Treffpunkt für Palästinenser und Israelis gemacht. Zum Beispiel begannen hier die Friedensgespräche, die 1993 zum Oslo-Vertrag führten. Auch Tony Blair, der das Nahost-Quartett vertritt, hat hier sein Büro.

Sa, 28. Jan · 15:20-17:00 · arte
Nur keine Wellen

Anfang 60er Jahre wollen drei österreichische Familien mutig in die neuen Zeiten gehen, ohne großes Aufsehen zu erregen. Anfang der 60er Jahre: Der junge Karl „Charlie“ Redlich versucht als Amerikaner getarnt sein Glück als Rock-’n‘-Roll-Musiker auf der Reeperbahn in Hamburg. Doch als sein Schwindel auffliegt, stehen Charlies Sterne für eine Musikkarriere im Ausland schlecht und er kehrt nach Wien zurück. Er eignet sich auch nicht für eine Beziehung mit Kellnerin Gina, die ihm zwar von der Alster an die Donau folgt, aber dann bitter enttäuscht wird. Charlies Mutter Elfi Redlich hat mit ihrer eigenen kränklichen Mutter, ihrem alkohol- und spielsüchtigem Ehemann Viktor, Tochter Moni, die endlich auf eigenen Beinen stehen will, und ihrer Arbeit als Zuschneiderin ebenfalls alle Hände voll zu tun. Die Maschinenfabrik des jüdischen Industriellen Paul Berkowitz und dessen Kompagnon Johann Ulmendorff entwickelt sich prächtig. Im Kreis seiner Familie kommt es jedoch immer häufiger zu Streit: Pauls Einsatz als Reservemajor der israelischen Armee erfordert immer wieder heimliche Reisen zur Truppe in der Heimat. Dies missfällt seiner Frau Rita. Diese ist damit beschäftigt die arisierten Kunstwerke ihrer Familie zu suchen. Aber nicht nur die Fabrik Berkowitz-Ulmendorff profitiert vom aufkeimenden Wirtschaftswunder: Auch die Firma Adelholz, das Sägewerk von Johann Ulmendorffs verfeindetem Bruder Gregor in Salzburg, floriert. Gregors ungarischer Schwiegersohn und Geschäftsführer Ferencz kommt alkoholisiert bei einem Autounfall ums Leben, nachdem ihm Ehefrau Valerie ein Verhältnis gestanden hat. Der Tod seines Schwiegersohns zwingt Gregor seinen Brunder um Hilfe zu bitten – die Unterredung bleibt jedoch ohne Erfolg. Als seine Tochter Valerie die Auszahlung ihrer geerbten Firmenanteile verlangt, um auf Ibiza ein neues Leben zu beginnen, sucht Ulmendorff Bestätigung in der Politik. Otto Hasak, der stadtbekannte Schurke spinnt weiter seine Intrigen zum eigenen Vorteil, der sich nicht so recht einstellen will. Nachdem er Ulmendorff zu einem Parteibuch verholfen hat, dieser jedoch in seiner politischen Tätigkeit weder taktisches Geschick noch die erwartete Wirtschaftskompetenz besitzt, erkennt Hasak, dass er aufs falsche Pferd gesetzt hat und orientiert sich neu.

Sa, 28. Jan · 20:15-21:45 · BR-alpha
Die Machtergreifung

Deutschland im Jahr 1932. Die Folgen des Zusammenbruchs der Weltwirtschaft lasten schwer auf der Weimarer Republik: Massenarbeitslosigkeit, Armut, Dauerregierungskrise. Nutznießer der instabilen Demokratie sind radikale Gruppen von links und rechts, die mit ihren autoritären Programmen milieuübergreifend beträchtliche Wahlerfolge feiern. Es kommt zu erbitterten Machtkämpfen, auch innerhalb der Parteien. Vor allem einer kann von diesem Zustand profitieren: Adolf Hitler. Die Republik steckt in der Krise. Seit zwei Jahren regiert Reichskanzler Heinrich Brüning mit Notverordnungen und von Reichspräsident Hindenburg geduldet am Parlament vorbei. Das Parlament wiederum hebt die Notverordnungen des Kanzlers auf, woraufhin der Reichspräsident das Parlament auflöst. Ständige Neuwahlen und wechselnde Kabinette schwächen so die demokratische Handlungsfähigkeit der Regierung. Schließlich wird Brüning gestürzt. An seine Stelle tritt ein Günstling Hindenburgs: Franz von Papen. Dieser wirbt nun um die Unterstützung der erstarkten NSDAP unter Adolf Hitler und löst dafür das bis dahin geltende Verbot von SA und SS auf. Straßenterror ist die Folge. Adolf Hitler sieht seine Chance, selbst endlich Reichskanzler zu werden und dann „aufzuräumen“ mit Demokratie, Gewaltenteilung und „Parteienherrschaft“. Was seinen Antisemitismus betrifft, hält er sich dabei auffallend zurück. Doch große Teile der Industrie bevorzugen noch von Papen als Kanzler. Zudem wird die NSDAP von Flügelkämpfen heimgesucht. Joseph Goebbels versucht sich als unermüdlicher Propagandist des Nazismus unentbehrlich zu machen. Ein Dritter im Kampf um die Macht, Reichswehrminister Kurt von Schleicher, versucht die NSDAP zu spalten. Schleicher hat – im Gegensatz zu von Papen – die Reichswehr hinter sich, ohne die Hitler nicht regieren kann. Aufgrund von fehlenden Bündnismöglichkeiten verliert von Papen schnell an Zuspruch. Nachdem Hitler kompromisslos auf das Amt des Reichskanzlers besteht und sich ansonsten einer Regierungsbeteiligung verweigert, wird von Papen gestürzt und Schleicher von Reichspräsident Hindenburg als dessen Nachfolger eingesetzt. Doch auch er scheitert nach kurzer Zeit. Schließlich gibt Hindenburg dem Druck aus seiner Umgebung und von Teilen der Großindustrie nach, die sich inzwischen für Hitler als Kandidaten aussprechen. Harry Graf Kessler sowie die von ihm geförderten und mit der KPD sympathisierenden Künstler, George Grosz, John Heartfield, Wieland Herzfelde und nicht zuletzt Tilla Durieux müssen zusehen, wie die Weimarer Demokratie im Zuge der ständigen Machtkämpfe zu zerbrechen droht. Wilhelm Hoegner und Marie Juchacz (beide SPD) kämpfen politisch und journalistisch gegen den Aufstieg der Nazis, während die Kommunistin Hannah Wöllke erleben muss, wie ihr Adoptivsohn Fritze zur SA überläuft. Zwar versucht Sie, ihn zurückzugewinnen und außerdem an einer Einigung zwischen der KPD Ernst Torglers und der SPD Hoegners mitzuwirken. Doch vergeblich: Eine Einheitsfront gegen den Nationalsozialismus kommt – anders als 1920 – nicht zustande. Obwohl die NSDAP im November 1932 schwere Stimmenverluste hinnehmen muss und die Partei praktisch pleite ist, wird Hitler so am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt. Sofort beginnt er den Kampf gegen Demokratie, Sozialisten und Juden. In wenigen Monaten hat er sein Werk der vollständigen Machtsicherung vollendet. Im Sommer 1934 schließlich lässt er in der „Nacht der langen Messer“ rachsüchtig seine ehemaligen politischen Konkurrenten ermorden, auch in den eigenen Reihen. Die Tage der ersten deutschen Demokratie sind gezählt.

So, 29. Jan · 23:40-01:10 · MDR
Geheimsache Ghettofilm – Das Warschauer Ghetto und die Propaganda der Nazis

62 Minuten Archivmaterial. Unbetitelt, unvertont, nur teilweise geschnitten. Eine außergewöhnliche historische Quelle. Alles, was an Filmbildern aus dem Warschauer Ghetto überliefert ist. Aber spiegeln diese Bilder das wirkliche Leben? Bei näherem Betrachten – verstörende Bilder: das nackte Elend verhungernder Bettler neben auffallend wohl gekleideten Männern und Frauen im Restaurant oder beim Tangotanzen. Bittere Armut neben vermeintlichem Wohlstand, das eine das jeweils andere scheinbar ignorierend. Jahrzehntelang wurden diese Ghettobilder – bzw. wenige immer gleiche Ausschnitte daraus – von Dokumentaristen und Museen in der ganzen Welt als authentisches Archivmaterial verstanden und verwendet. Erstmals wird nun das Material im Ganzen betrachtet. Bild für Bild, Einstellung für Einstellung, unter besonderer Beachtung gerade der herausgeschnittenen Szenen im Rohmaterial. Und erstmals fragt Regisseurin Yael Hersonski auch nach den Auftraggebern dieser Filmaufnahmen. Wer hat diese Bilder gedreht? Unter welchen Umständen? Und mit welcher Aussageabsicht? Spiegeln die Bilder das wirkliche Leben? Anhand von eindrucksvollen Schilderungen Überlebender, detailreichen Tagebuchaufzeichnungen aus dem Ghetto sowie eines protokollierten Interviews mit einem der Kameramänner Mitte der 70er-Jahre entsteht in diesem herausragenden Dokumentarfilm plötzlich ein ganz anderes Bild von der „Authentizität“ des Ghettofilms. Es stellt sich heraus, dass deutsche Propagandafilmer nur wenige Wochen vor der großen Deportation im Frühjahr 1942 gezielt ins Ghetto geschickt wurden, um Szene für Szene „jüdisches Leben“ für die Nachwelt zu inszenieren. Regieanweisungen für Todgeweihte. Und plötzlich sehen wir die Bilder mit anderen Augen. Lernen, genau hinzuschauen. Erkennen auf mehreren Einstellungen die Kameraleute bei der Arbeit, hören wie die „Protagonisten“ des Films perfide gezwungen wurden, so und nicht anders zu agieren. Und beginnen, unsere eigenen Vorstellungen und unseren Umgang mit „Archivmaterial“ zu hinterfragen … Ohne dabei – und dafür sorgt die meisterliche Montage dieses analytischen, aber zugleich hochemotionalen Dokumentarfilms – das reale Schicksal der Ghettobewohner zu vergessen. Der Kinder und Alten, der Frauen und Männer, jeder mit einer eigenen Geschichte. Als das Material 1942 schließlich im Schneideraum seiner Auftraggeber landete, waren all diese Menschen auf dem Streifen Zelluloid längst tot.

So, 29. Jan · 23:45-01:20 · BR
Endstation Seeshaupt

April 1945: Die Leitung des KZ-Außenlagers Mühldorf traf die Entscheidung, das Lager zu räumen. Knapp 4000 Lagerinsassen wurden in Güterwagen gepfercht und auf eine fünftägige Irrfahrt durch Oberbayern geschickt. Manche von ihnen konnten bei einem Zwischenstopp fliehen, viele starben während der Reise oder wurden von SS-Männern ermordet. Walter Steffens einfühlsamer Film dokumentiert die Irrfahrt des „Todeszugs“ entlang der damaligen Bahnstrecke und lässt Überlebende und Zeitzeugen zu Wort kommen. Am 14. April 1945 erteilt SS-Reichsführer Heinrich Himmler den Befehl, alle Konzentrations- und Vernichtungslager zu evakuieren. Kein KZ-Häftling soll in die Hände der Alliierten fallen und diesen von der Vernichtung der europäischen Juden berichten. Am 25. April wird auch das zum KZ Dachau gehörende Außenlager Mühldorf geräumt. Knapp 4000 überwiegend jüdische Häftlinge werden in 70 Güterwagen gepfercht und auf eine fünftägige Irrfahrt quer durch Oberbayern geschickt. Sein Ziel, eine Alpenfestung der Nationalsozialisten, erreicht der Zug nie. Immer wieder muss die Reise wegen Fliegerangriffen oder technischen Problemen unterbrochen werden. Von den SS-Wachmännern erhalten die Gefangenen weder Wasser noch Verpflegung. Viele der körperlich geschwächten Menschen kommen dabei ums Leben. Als die „Freiheitsaktion Bayern“ über das Radio den Sieg über den Nationalsozialismus ankündigt, flieht die Wachmannschaft bei einem Zwischenstopp in Poing. Doch der Aufstand scheitert und die SS-Männer kehren zurück, um die Häftlinge wieder in den Zug zu treiben und einige von ihnen bei einer Strafaktion hinzurichten. Dann setzt der „Todeszug“ seine Reise fort. Am Münchner Südbahnhof werden die Waggons auf zwei Züge aufgeteilt, die getrennt weiterfahren. In Tutzing und Seeshaupt werden die Überlebenden schließlich von der US-Armee befreit.

Mo, 30. Jan · 23:30-00:55 · SWR
Geheimsache Ghettofilm – Das Warschauer Ghetto und die Propaganda der Nazis

62 Minuten Archivmaterial. Unbetitelt, unvertont, nur teilweise geschnitten. Eine außergewöhnliche historische Quelle. Alles, was an Filmbildern aus dem Warschauer Ghetto überliefert ist. Aber spiegeln diese Bilder das wirkliche Leben? Bei näherem Betrachten verstörende Bilder: das nackte Elend verhungernder Bettler neben auffallend wohlgekleideten Männern und Frauen im Restaurant oder beim Tangotanzen. Bittere Armut neben vermeintlichem Wohlstand, das eine das jeweils andere scheinbar ignorierend. Wer hat das gedreht? Unter welchen Umständen? Und warum? Jahrzehntelang wurden diese Ghettobilder – bzw. wenige immer gleiche Ausschnitte daraus – von Dokumentaristen und Museen in der ganzen Welt als authentisches Archivmaterial verstanden und verwendet. Erstmals wird nun das Material im Ganzen betrachtet. Bild für Bild, Einstellung für Einstellung, unter besonderer Beachtung gerade der herausgeschnittenen Szenen im Rohmaterial. Und erstmals fragt Regisseurin Yael Hersonski auch nach den Auftraggebern dieser Filmaufnahmen. Wer hat diese Bilder gedreht? Unter welchen Umständen? Und mit welcher Aussageabsicht? Mitte der 70er-Jahre entsteht in diesem herausragenden Dokumentarfilm plötzlich ein ganz anderes Bild von der ‚Authentizität‘ des Ghettofilms. Es stellt sich heraus, dass deutsche Propagandafilmer nur wenige Wochen vor der großen Deportation im Frühjahr 1942 gezielt ins Ghetto geschickt wurden, um Szene für Szene ‚jüdischen Lebens‘ für die Nachwelt zu inszenieren. Regieanweisungen für Todgeweihte. Und plötzlich sehen wir die Bilder mit anderen Augen. Lernen, genau hinzuschauen. Erkennen auf mehreren Einstellungen die Kameraleute bei der Arbeit, hören wie die ‚Protagonisten‘ des Films perfide gezwungen wurden, so und nicht anders zu agieren. Und beginnen, unsere eigenen Vorstellungen und unseren Umgang mit ‚Archivmaterial‘ zu hinterfragen. Ohne dabei – und dafür sorgt die meisterliche Montage dieses analytischen, aber zugleich hochemotionalen Dokumentarfilms – das reale Schicksal der Ghettobewohner zu vergessen. Der Kinder und Alten, der Frauen und Männer, jeder mit einer eigenen Geschichte. Als das Material 1942 schließlich im Schneideraum seiner Auftraggeber landete, waren all diese Menschen auf dem Streifen Zelluloid längst tot.

Di, 31. Jan · 22:45-23:30 · HR
Babi Jar – das vergessene Massaker

Es war die größte Massenerschießung des Zweiten Weltkriegs, und doch ist das Massaker von Babi Jar den wenigsten ein Begriff. Im September 1941 erschossen Deutsche am Rande einer Schlucht der ukrainischen Hauptstadt Kiew 33.771 Juden – Frauen, Kinder und Greise. Zwei Tage dauerte das Grauen. Am 20. Januar 1942 wurde die so genannte Endlösung der Judenfrage beschlossen. Die planmäßige Vernichtung der Juden aber hatte da längst begonnen, wie die erschütternde Dokumentation von Christine Rütten und Lutz Rentner zeigt, die das hr-fernsehen anlässlich des 70. Jahrestages der Wannseekonferenz sendet. In der Erinnerung der Nachgeborenen steht „Auschwitz“ als Synonym für den Massenmord an den europäischen Juden. Der Vernichtungswille und die planmäßige Organisation des Mordens hatten aber eine Vorgeschichte, deren Blutspur mit dem Überfall auf die Sowjetunion immer breiter wurde. Babi Jar war der Vorläufer von Auschwitz – der Mord nach Dienstplan. Im Schichtbetrieb wurden die hilflosen Opfer erschossen und anschließend im Massengrab verscharrt. 1968 werden einige der Täter vom Landgericht Darmstadt wegen Beihilfe zum Mord verurteilt, andere freigesprochen. „Die Angeklagten saßen wie versteinert da, so als ob sie das nichts anginge“, erinnert sich Peter Gehrisch, einer der Geschworenen. Unter den Angeklagten befanden sich ein Frankfurter Bankdirektor, ein Kaufmann aus Neu-Isenburg, ein Steuersekretär aus Königsbrunn, ein Prokurist aus Hildesheim, ein Arbeiter aus Bremen. Elf Angeklagte holte hier ihre NS-Vergangenheit ein. So wie sie waren auch die anderen SS-Männer, Polizisten und Soldaten nach dem Krieg mühelos in ihre bürgerliche Existenz zurückgekehrt. „Es ist nicht einer aufgestanden, irgendeine Person, die gesagt hat, ich habe Gewissenbisse, ich kann nachts nicht schlafen. Ich sehe die Schreie der Frauen und Kinder. Es lässt mich nicht schlafen, ich habe gesündigt“, erklärt der Filmregisseur Artur Brauner erschüttert. 49 Verwandte hat er im Holocaust verloren. Einige gehören zu den 1,5 Millionen Juden, die in der Ukraine ermordet wurden. In einem Spielfilm hat er ihnen ein Denkmal gesetzt. Artur Brauner kommt in der Dokumentation von Christine Rütten und Lutz Rentner ebenso zu Wort wie die letzten Überlebenden, die wie durch ein Wunder dem Massaker von Babi Jar entkamen. Raissa Maistrenko wurde durch ihre furchtlose Großmutter gerettet, die das Kind mit ihrem Körper vor den tödlichen Schlägen deutscher Polizisten schützte. Wladimir Pronichev hat erst spät von seinem Schicksal und dem seiner Familie erfahren. Seine Mutter Dina hat sich aus dem Massengrab von Babi Yar gerettet. Sie erzählte ihm lange nichts von den schmerzlichen Erlebnissen. Aber sie sagte als Zeugin 1968 im Prozess in Darmstadt aus. Auch sie war schockiert zu sehen, dass die Mörder keine Reue zeigten. Stellvertretend für viele andere zeichnet die Dokumentation den Weg zweier Täter nach Originaldokumenten nach und lässt Angehörige zu Wort kommen. Ein schockierendes Zeugnis der Normalität des Verbrechens, denn es zeigt, dass die Mörder keine Bestien, sondern Männer waren, die fest daran glaubten, das Richtige zu tun, und das Morden als Arbeitsauftrag begriffen.

Di, 31. Jan · 22:45-00:55 · RBB
Rosenstraße

Nach dem Tod ihres Mannes herrscht bei Ruth Weinstein große Trauer! Sie erinnert sich an die Zeit in der ihr jüdischer Mann im dritten Reich interniert war und sie und andere Frauen sich für die Freilassung ihrer Ehegatten stark gemacht haben. Die New Yorkerin Ruth Weinstein trauert um ihren kürzlich verstorbenen Mann. In ihrem Schmerz besinnt sie sich ganz auf ihre jüdisch-orthodoxe Religion und lehnt daher auch die Heirat ihrer Tochter Hannah mit dem Südamerikaner Luis ab. Hannah will ihre Mutter verstehen und fragt eine Cousine nach der Vergangenheit, über die Ruth nie ein Wort verloren hat. So erfährt Hannah, dass Ruth 1943 in Berlin von einer Frau namens Lena Fischer durchgebracht wurde. Um mehr über ihre Mutter herauszufinden, sucht Hannah die greise Lena auf und hört von ihr eine erschütternde Geschichte: Im Kriegsjahr 1943 ist die preußische Adelige Lena glücklich mit dem jüdischen Musiker Fabian verheiratet. Als dieser von den Nazis verhaftet wird, harrt Lena zusammen mit immer mehr Angehörigen bei Regen und Schnee vor dem Gefängnis in der Rosenstraße aus. Dabei nimmt sie sich der damals achtjährigen Ruth an, deren jüdische Mutter Miriam ebenfalls hierher verschleppt wurde. Die couragierte Lena setzt unterdessen alle Hebel in Bewegung, um Fabian zu befreien, und durchläuft, als „Judenhure“ gedemütigt, die gesamte nationalsozialistische Bürokratie. Ihr Bruder verschafft ihr sogar eine Einladung zu einer Bonzenparty mit Goebbels. Irgendwann geschieht dann das Unglaubliche: Die Gefängnistore öffnen sich, und die Männer, unter ihnen Fabian, sind frei. Nur Ruths Mutter bleibt verschwunden, und so kümmert Lena sich um die Kleine, die schließlich in die USA auswandert.