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Ein Fünftel der Deutschen ist antisemitisch eingestellt

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, forderte die islamische Gemeinschaft auf, sich stärker gegen Antisemitismus in den eigenen Reihen zu stellen. Graumann reagierte damit auf die Ergebnisse einer neuen Studie zu Antisemitismus in Deutschland. Dem Bericht des „Expertenkreis Antisemitismus“ zufolge, sind rund 20 Prozent der Deutschen „latent antisemitisch“…

Laut dem Bericht besitzt der Islamismus inzwischen ein erhebliches Gefahrenpotential und fördert die Radikalisierung arabisch- und türkischstämmiger Jugendlicher. Antisemitische Argumentationsmuster würden dazu dienen, das Existenzrecht Israels infrage zu stellen. Der Rechtsextremismus sei jedoch weiterhin der wichtigste Mittler antisemitischer Inhalte, so die Experten. Dieter Graumann betont, dass es vor allem darum gehe, „den Rechtsradikalen die Strukturen zu nehmen, die Möglichkeiten, sich zu entfalten. Die Behörden sollten genau dort aktiv werden, wo sich Faschisten heute tummeln und ihre menschenverachtende Ideologie verbreiten – insbesondere im Internet und in der Hooliganszene.“

Das Verbot der NPD könne dabei nur ein Anfang, jedoch unverzichtbarer Schritt sein. „Diese Partei nutzt die Parlamente als Plattform, sie wird staatlich subventioniert. Es ist höchste Zeit, der NPD all diese Privilegien zu nehmen“, so Graumann.

Graumann wies außerdem im Besonderen auf das schulische Umfeld hin, wo es gute Ansätze gäbe, jedoch weitere Anstrengungen unternommen werden müssten, den antisemitistischen Haltungen und Klischees etwas entgegenzusetzen. Es könne nicht hingenommen werden, „dass „Jude“ auf Schulhöfen inzwischen zum Schimpfwort geworden ist. Da sind nicht nur die Lehrer gefordert, sondern die gesamte Gesellschaft. Es sind häufig gerade junge Muslime, die sich so betont judenfeindlich äußern.“

Vor dem heutigen Spitzentreffen zum Rechtsextremismus im Bundesinnenministerium hatte Graumann mangelnde Fortschritte bei der Aufklärung der Neonazi-Mordserie beklagt: „Die Behörden sind bei der Aufklärung dieser schrecklichen Taten noch immer in den fortgesetzten Winterschlaf verfallen.“ Es müsse jetzt schnell Klarheit geschaffen werden, „Glaubwürdigkeit gewinnt man nur, wenn man mehr Transparenz zulässt – daran mangelt es derzeit offenbar.“

Das Treffen sieht Graumann dagegen sehr positiv. Es könne ein “ Fanfarenstoß gegen Rechts sein“ mit dem klaren Signal: „Es gibt null Toleranz in der Gesellschaft für Antisemitismus und Rassismus.“ Dazu müssten dem Treffen jedoch auch Taten folgen.

Der Bericht des Expertenkreis (pdf)