WKR-Ball, Hofburg und Rechtsextremismus

Der Tage fand die Pressekonferenz der Israelitischen Kultusgemeinde und SOS Mitmensch statt. Anlaß: Rechtsextreme Organisation wollen ihren Ball in der Wiener Hofburg am Holocaust Gedenktag (27.1.2012) durchführen…

Der Glocalist, 16.12.2011

Wie schon berichtet, geht die Auseinandersetzung um den WKR (Wiener Korporationsring) Ball in die nächste Runde. SOS Mitmensch fordert, dass „…die Pforte der Hofburg für Rechtsextreme muss verschlossen sein!“ Aktuell hat sich auch der Mitgesellschafter der Wiener Hofburg, die Casinos Austria, gegen den Ball ausgesprochen.

Es ist, so führt SOS-Mitmensch weiter aus, „ein Ball, der von einer rechtsextrem durchsetzten Organisation getragen wird, hat in der Hofburg nichts verloren – schon gar nicht am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz!“

Zu den Fakten: Am 27. Jänner 2012 will der Wiener Korporationsring (WKR) zum wiederholten Mal einen Ball in den Festsälen der Wiener Hofburg abhalten. Das Kongresszentrum Hofburg hat diese Veranstaltung genehmigt, obwohl dem WKR zahlreiche rechtsextreme Burschenschaften angehören. Was an-sich schon einen Skandal darstellt, wird durch die Tatsache, dass der 27. Jänner der Tag der Befreiung von Auschwitz und von der UNO offiziell ausgerufener Holocaust-Gedenktag ist, noch ein Skandal mehr darauf gesetzt.

Die privaten Betreibergesellschaften, wie die Casino Austria, der Hofburg haben kürzlich beschlossen, dass ab 2013 keine rechtsextremen Vereinigungen mehr Zugang zu den Festsälen der Hofburg erhalten sollen. Doch den laufenden Vertrag mit dem WKR wollten die Hofburg-Betreiber bis dato nicht kündigen. Dazu SOS-Mitmensch: „Diese Inkonsequenz der Hofburg-Verantwortlichen ist skandalös! Die Würde der Opfer des Holocaust und von rechtsextremer Gewalt wird auf diese Weise missachtet.“

Die Israelitische Kultusgemeinde führt auf der Pressekonferenz am 14.12 aus, „…dass es in einem demokratischen Österreich keinen Platz für Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft geben darf. Ein von rechtsextremen Organisationen veranstalteter Ball in der Hofburg ist ebenso untragbar wie ein Mitglied einer rechtsextremen Burschenschaft als Nationalratspräsident.“

Die Verknüpfung des WKR Ball mit Rechtsextremismus und mit der FPÖ führen die Experten Heribert Schiedel vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes und der Journalist und Autor Hans-Henning Scharsach aus.

„Dem Wiener Korporationsring, der von seinen Mitgliedern „ein Bekenntnis zum angestammten Volkstum im Rahmen der abendländischen Kulturgemeinschaft“ verlangt, gehören einschlägig bekannte Organisationen wie die Burschenschaften Olympia, Teutonia, Gothia oder die Landsmannschaft Cimbria an.“ Dem WKR-Ball komme, so Rechtsextremismusexperte Schiedel, nicht nur in Österreich, sondern auch in Europa eine wichtige Vernetzungsfunktion innerhalb der extremen Rechten zu. Hans-Henning Scharsach betonte, dass in keinem anderen Land der Welt so viele Korporierte im Parlament und in Landtagen vertreten seien wie durch die FPÖ in Österreich.

Die FPÖ richtet via Pressemitteilung aus: „Ein klassischer Fall von Gutmenschen-Apartheid sei die hasserfüllte Hetze von SOS-Mitmensch und Co, gegen die Ballveranstaltung des Wiener Korporationsrings (WKR) in der Hofburg“, so der freiheitliche Generalsekretär NAbg. Herbert Kickl. Man kann replizieren, dass Rechtsextremismus und Faschismus keine Meinung sind, sondern Verbrechen und der einstige Parteiobmann der FPÖ Jörg Haider wurde 1992 von Peter Pilz als Ziehvater des Rechtsextremismus bezeichnet. Den daran anschließenden Prozess gewann Peter Pilz.

SOS Mitmensch fordert daher die politischen RepräsentantInnen Österreichs dazu auf, klar gegen einen WKR-Ball am 27. Jänner 2012 in der Hofburg Stellung zu beziehen. Ein Schweigen des offiziellen Österreichs zu dem, was am internationalen Holocaust-Gedenktag in der im Eigentum der Republik stehenden Hofburg passiert, wäre eine Schande für die Politik und käme einer Verhöhnung der Opfer des Holocaust gleich.

Mittlerweile hat das Ballkommittee des WKR angekündigt, rechtlich gegen SOS-Mitmensch und die Israelitische Kultusgemeinde vorzugehen.