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Todesangst: Iranischer TV-Kanal muss 100.000 Pfund Strafe zahlen

Die britische Medienregulierungsbehörde Ofcom hat den englischsprachigen Kanal des iranischen Staatsfernsehens mit einer Geldstrafe von 100.000 Pfund belegt. Der Sender mit Namen Press TV soll ein Interview mit dem 2009 im Iran gefangen gehaltenen Newsweek-Journalisten Maziar Bahari ausgestrahlt haben, das unter Zwang geführt wurde…

Ofcom verzichtet auf Lizenzentzug nach Zwang-Interview
Teheran: TV-Sender muss zahlen

London – pteofcom.org.ukfreemedia.at – Ursprünglich hatte die Ofcom sogar mit dem Entzug der Rundfunklizenz gedroht. „Bahari soll mit einer Anklage bedroht worden sein, die ein Todesurteil zur Folge gehabt hätte. Wenn das stimmt, kann sich Press TV glücklich schätzen mit einer Geldstrafe davonzukommen“, sagt Steve Ellis vom internationalen Presseinstitut (IPI) gegenüber pressetext.

Erzwungenes Geständnis

Maziar Bahari wurde 2009 im Iran festgenommen. Er wurde anschließend vier Monate lang in Teheran festgehalten. Im Juli 2009 strahlte Press TV ein Interview mit dem Journalisten aus. Darin gab Bahari an, über illegale Versammlungen berichtet zu haben. Außerdem sagte er, dass westliche Journalisten als Spione im Iran tätig seien. Die Aussagen sind unter Druck entstanden, wie Bahari nach seiner Freilassung angab. „Bahari sagt, dass er unter Zwang gesprochen hat. Wenn dem so ist, handelt es sich nicht nur um eine unerhörte Missachtung von journalistischen Richtlinien, sondern auch um eine Menschenrechtsverletzung“, sagt Anthony Mills vom IPI im Gespräch mit pressetext.

Die Ofcom hat den Vorfall anschließend über ein Jahr lang behandelt und ist zum Schluss gekommen, dass es sich um einen ernsthaften Verstoß gegen britische Standards handelt. Im Mai hat die Ofcom Press TV offiziell für schuldig befunden. Letzten Monat hat Press TV vom geplanten Lizenzentzug erfahren und daraufhin die USA und Israel beschuldigt, das Urteil beeinflusst zu haben. Auch das abgemilderte Strafmaß wird von Press TV als „absurd“ bezeichnet.

Diplomatische Verwerfungen

Das bilaterale Verhältnis zwischen England und dem Iran ist momentan extrem angespannt, da die britische Botschaft in Teheran Anfang der Woche von einer wütenden Menge gestürmt worden ist. Auch andere europäische Länder haben empört reagiert und begonnen, ihre Botschafter aus der islamischen Republik abzuziehen. Einen Zusammenhang zwischen dem Eklat in Teheran und der Entscheidung, Press TV nicht aus dem britischen Äther zu verbannen, bestreitet die Ofcom. Auch die britische Regierung lässt verlautbaren, dass sie keinerlei Einfluss auf das Urteil der Regulierungsbehörde genommen hat.