Antisemitismus und Antizionismus: Neue Studie

Wilhelm Kempf ist Professor für Psycho­logie an der Universität Konstanz und dort Leiter der Projektgruppe Friedens­forschung. Vor drei Jahren bewilligte ihm die Deut­sche Forschungsgemein­schaft (DFG) Gelder für ein Projekt zur empirischen Erforschung des Zusam­menhangs von „Israelkritik“ und „Anti­semitismus“ im heutigen Deutschland, also des Zusammenhangs zwischen kri­tischer Einstellung zu Israels Politik und Abneigung gegen Juden…

Prof. Dr. Rolf Verleger, Dipl.-Psych., Lübeck, 3. 11. 2011

Vermintes Gelände

Als dies 2009 ruchbar wurde, kam es zu erregten Reaktionen im Internet. Auf der einen Seite befürchtete man, dass dieses Projekt eine schein­wissen­schaftliche Unterfütterung der häufig zu hörenden Vorwürfe liefern würde, dass der wahre Grund für Kritik an Israel der ewige Antisemitismus sei. Auf der anderen Seite fanden sich auch Menschen, die gegen Kempf wegen seiner Be­schäf­ti­gung mit diesem Fragen­komplex den Vorwurf des Antisemi­tis­mus erhoben.
Als ich – neugierig geworden – an Kempf schrieb, um Informationen aus erster Hand zu erhalten, hatte dies das unerwartete Ergebnis, dass er mich zum Berater im Projekt ernannte. So habe ich auf den regelmäßig stattfindenden pro­jekt­be­gleitenden Besprechungen am Fortgang des Projekts teilhaben können.

Das Positive an der wissenschaftlichen Psychologie ist, dass sie neue empirische Befun­de liefern muss. Auch und gerade über so emotional aufgeladene Fragen wie Antisemi­tismus sollte sie es nicht bei Spekulationen belassen, wie sie in Zei­tungs­redaktionen oder in Parla­ments­de­batten angestellt werden. Daran hat sich Kempfs Projekt gehalten; eine Fülle neuer Daten sind erhoben und zum großen Teil ausgewertet. Man kann jetzt schon sagen: Es sind interessante Dinge herausgekommen.

Dringend gesucht: Friedliche Israel-Freunde

In einer Studie des Projekts an 400 Per­sonen aus allen Bevölkerungsschichten bekam jede Person einen Zeitungsartikel zum Nahostkonflikt vorgelegt.

Davor wurden die Teilnehmer zu ihrer Einstellung zum Nahost-Konflikt und zur Befür­wortung friedlicher vs. kriege­ri­scher Lösungen dieses Konflikts befragt.
Gemäß diesen Einstellungen ließen sich vier Gruppen unterscheiden.

  • 1) „Un­in­formierte Pazifisten“: Keine Posi­tion zum Konflikt und wenig Kenntnis, aber jedenfalls für friedliche Lösung.
  • 2) „Infor­mierte Pazi­fisten“: Kenntnis des Konflikts, Anerken­nung der Interessen beider Seiten als le­gitim.
  • 3) „Palä­sti­na­freunde“: Parteinah­me für die Palästi­nenser, wobei der grö­ße­re Teil fried­li­che Mittel der Konflikt­lösung befürwor­te­te.
  • 4) „Isra­el­freunde“: Parteinahme für Israel, mit Befürwor­tung gewalt­sa­mer Mittel.

Ein erstes interessantes Ergebnis dieser Studie war also: Wer heutzutage in Deutschland im Nahostkonflikt für Israel Partei ergreift (Gruppe 4), der befür­wor­tet gewaltsame Mittel der Konfliktbe­wältigung: Es gibt so gut wie keine Leute, die Partei für Israel ergreifen und den Konflikt friedlich lösen wollen. (s. auch unten, die größere Studie.)

Auf die gemischte Zusammensetzung der „Palästinafreunde“ komme ich wei­ter unten zurück, anhand der größeren Studie.

Frieden und Versöhnung: die größten Übel?

Jeder der 400 Teilnehmer sah nun einen Zeitungsartikel. Der Artikel handelte von einem Gewaltakt entweder der palä­sti­nensischen Seite (Selbstmordanschlag in Tel-Aviv im April 2006) oder der israeli­schen Seite (Militäreinsatz gegen den Gasa-Streifen im Früh­jahr 2008). Die Original-Zeitungsartikel wurden vor der Studie von Kempfs Team auf drei Arten bearbeitet: Entweder sollten sie einen deeskalationsorientierten, friedlichen Ansatz vermitteln (Zwischenüberschrif­ten u.a. „im Kreislauf der Gewalt“, „die Bevölke­rung auf beiden Seiten ist trau­matisiert“) oder sie sollten einen eskalationsorientierten, kriegerischen Ansatz propagieren, entweder pro-Israel („Ha­mas schickt weitere Raketen“) oder pro-Palästina („die Lage im Gasa-Streifen ist verzweifelt“). Diese Bearbeitungen be­trafen sowohl den Titel als auch die Zwi­schenüberschriften (in der hier darge­stellten Art), den Inhalt und das Bild­material.

Jeder Studienteilnehmer sah einen die­ser Artikel und wurde nach dem Lesen danach gefragt, ob der Artikel parteilich geschrieben sei, und wenn ja, parteilich für welche Seite.

Die Antworten von „Uninformierten Pa­zi­fi­sten“ (oben beschriebene Gruppe 1) ergaben ein konfu­ses Muster; dies soll hier nicht weiter besprochen werden.

Die Antworten von „Informierten Pazifi­sten“ und „Palästinafreunden“ (Gruppen 2 und 3) ergaben das zu erwartende Muster: Die deeskalationsorientierte Version wurde als relativ unparteilich eingeschätzt, die pro-Israel-Version als parteilich für Israel und die pro-Palä­sti­na-Version als parteilich für Palästi­nen­ser.

„Israelfreunde“ (Gruppe 4) fanden eben­falls die pro-israelische Version partei­lich für Israel und die pro-palästinen­si­sche Version parteilich für Palästinenser. Jedoch die deeskalationsorientierte Ver­sion fanden sie nicht neutral, sondern noch extremer parteilich für Palästinen­ser als die eskalationsorientierte pro-Palästina-Version: Zeitungsartikel über den Konflikt, die auf Basis der Werte von Frieden und Mit­menschlichkeit geschrie­ben sind, richten sich nach Einschätzung von Israelfreun­den direkt gegen Israel.

Antisemitismus und Israelkritik: Methodik

Die Hauptstudie von Kempfs Projekt war eine große Befragung zum Zusam­menhang von Einstellungen gegenüber Juden und gegenüber Israel in der deut­schen Bevölke­rung. In Süd­baden und Thüringen wurden ca. 1500 Personen befragt und daraus eine Stich­probe von 1000 Personen herausgefil­tert, die in Alter, Geschlecht und Bildung reprä­sen­tativ für die deutsche Bevölke­rung ist.
Neben solchen demographi­schen Daten wurde auch die Parteipräfe­renz erfragt („Wenn nächsten Sonntag Wahlen wären“) und vor allem: Einstellun­gen zur Verteidigung von Menschen­rechten und zu ihrer Durchsetzung, zu Juden, zur Judenvernichtung durch Nazi­deutsch­land (Schlussstrich unter die Vergan­gen­heit, Täter-Opfer-Umkehr), zum Zionis­mus, Faktenkenntnis über Israel, Ein­stellung zum Palästinakonflikt, persön­li­che Betroffenheit vom Konflikt, Partei­nah­me für eine der beiden Seiten und Befürwortung von friedlichen oder gewaltsamen Mitteln bei dieser Partei­nahme.

Die Befragung wurde hauptsächlich im zweiten Halbjahr 2010 durchgeführt. In­wieweit die Ergebnisse durch die ge­waltsame Erstürmung der Mavi-Marma­ra–Hilfsflotte für Gasa beeinflusst waren oder stabile Einstellungen widerspie­geln, lässt sich durch diese einmalige Be­fragung nicht beantworten.

Um die Antwortschwelle der Probanden zu senken, wurden die Fragen zu Ein­stellungen nicht eingeleitet mit „Was denken Sie?“, sondern mit der Passage „Bitte geben Sie an, wie sehr Sie die fol­genden Meinungsäußerungen für sach­lich rechtfertigbar oder für ein unbe­gründetes Vorurteil halten.“ Es folgten dann die Fragen mit einer fünfstufigen Antwortskala von „gerechtfertigt“ über „unentschieden“ bis „Vorurteil“.

Es kommt Kempfs Arbeitsgruppe darauf an, in diesen komplexen Daten Ver­knüp­fun­gen zwischen den einzelnen Einstel­lungen aufzufinden und dadurch ver­schiedene Klassen von Einstellungen zu beschreiben. Daher nimmt die Auswer­tung Zeit in Anspruch und ist noch nicht abgeschlossen. Ein paar vorläufige Er­gebnisse können jedoch benannt wer­den.

Antisemitismus

Die Fragen bestanden aus drei Äuße­run­gen zur Abneigung gegen Juden (z.B. „Es ist bes­ser, man hat mit Juden nichts zu tun“), drei Äußerungen zur Weltver­schwörung (z.B. „Es gibt ein jüdisches Netzwerk mit großem Einfluss auf poli­ti­sche und wirtschaftliche Vor­gänge auf der Welt“) und drei Äußerungen zur Ausgrenzung von Juden (z.B. „Man sollte sich nicht auf Geschäfte mit Juden ein­lassen“). Ebenso gab es je drei Äuße­run­gen zum Schlussstrich unter die Vergan­genheit, zur Abwehr und Relativierung der deutschen Schuld und zur Opfer-Täter-Umkehr.

Äußerungen zur Abneigung gegen Juden, zur Ausgrenzung von Juden und zur jü­dischen Welt­verschwörung nannten 5 % der re­präsentativen Stichprobe rechtfer­tig­ba­re Meinungen. Das ist nicht viel, aber natürlich auch wiederum 5 % zu viel. Die Hauptfrage der Studie war nun aber, wie solche antisemitische Ein­stel­lung mit Antizionismus und mit der Ein­stellung zum Nahostkonflikt zusammen­hängt.

Antizionismus

Die Fragen zum Antizionismus bestan­den aus je drei Äußerungen zum „Israel-bezogenen Antisemitismus“ (z.B. „Ohne die weltweite Macht des Judentums könnte sich Israel nicht so leicht über internationales Recht hinwegsetzen.“) und direkt zum „Antizionismus“ (z.B.  „Zionismus ist im Wesentlichen eine Art von Rassismus.“). Ein knappes Viertel der Befragten (23 %) nannten diese Äußerungen rechtfertigbare Meinungen.

Zusammenhang von Antisemitismus und Antizionismus

Diese 23 % teilten sich scharf in zwei Gruppen. Die eine Gruppe – ein gutes Drittel dieser 23 %, nämlich 9 % der Ge­samtstichprobe – antwortete gleich­mä­ßig hoch „rechtfertigbare Meinung“ auf die Meinungen zu Antisemitismus und Antizionismus (oder zumindest „unent­schieden“, daher mehr als die oben er­wähnten 5 % antisemitischen Antwor­ten). Die andere Gruppe – knapp zwei Drittel dieser 23 %, nämlich knapp 15 % der Gesamtstichprobe – fanden antizio­nistische Aussagen rechtfer­tig­bar, anti­semitische aber nicht.

(Methodische Anmerkung: Diese durch Latent-Class-Analyse ermittelte Aufspal­tung beider Arten von Antworten bestätigte sich auch in einer Hauptkomponentenanalyse.)

Das heißt: Diese große, methodisch sorg­same Studie kann die Ergebnisse vorhe­ri­ger kleiner Studien nicht bestä­ti­gen, die einen klaren einfachen linearen Zusam­menhang von Antisemitismus und Anti­zionismus behaupteten. Richtig ist durch­aus, dass so gut wie alle Befragten, die die antizionistischen Äußerungen für ein Vorurteil hielten, auch die antisemi­ti­schen Äußerungen für ein Vorurteil hiel­ten („Gutmenschen“). Ebenso hielten so gut wie alle Befragten, die die antisemi­tischen Äußerungen rechtfertigbar nannten, auch antizionisti­sche Äuße­run­gen für rechtfertigbar („Antisemiten“). Aber diejenigen Befragten, die antizio­ni­stische Äußerun­gen für rechtfertigbar hielten, bestanden eben nicht nur aus diesen Antisemiten, son­dern mehrheitlich aus den genannten 15 % der Gesamt­stich­probe, die antizioni­sti­schen Äußerungen zustimmten und antisemi­ti­sche Äußerun­gen ablehnten. Ob diese Gruppe „Krypto-Antisemiten“ zu nennen ist (wie andau­ernd von interessierter Seite in der öffentlichen Diskussion behauptet wird) oder ganz im Gegenteil aus einer men­schenrechtsorientierten Position heraus denkt (wie die tägliche Erfahrung nahe­legt), dafür wird die weitere Auswer­tung dieser Daten Belege erbringen, mit einer Verknüpfung verschiedener Ein­stellungsmuster zu Menschenrechten, Zionismus und Juden. Die vorläufige Auswertung weist in Richtung men­schenrechtsorientierte Position.

Dieses Fehlen eines Zusammenhangs zwischen kritischer Einstellung zum Zio­nismus und Abneigung gegen Juden be­stätigte sich auch in einer weiteren, on­line durchgeführten Befra­gung an einer für ihre kritische Einstellung zu Israels Politik selektier­ten Gruppe. Von den ca. 450 Antwortenden hatte die Mehrheit eine kri­ti­sche Einstellung  zum Zio­nis­mus, aber niemand aus dieser Gruppe fand die antise­mi­ti­schen Äußerungen rechtfertigbar.

Unterstützung für Israel und für Palä­stina und Stellung zu Gewalt

In dieser repräsentativen Stichprobe von 1000 Befragten ergab sich folgende Verteilung:

  • 1) Israels Position im Konflikt unter­stützten 10 % der Befragten, durchweg mit Befür­wortung einer gewaltsamen Behandlung des Konflikts.
  • 2) Die palästinensische Position im Kon­flikt unterstützten 40 % der Befragten. Details dazu siehe im nächsten Absatz.
  • 3) Beiden Seiten gerecht zu werden ver­suchten 34 %, und bestanden dabei auf einer friedlichen Konfliktlösung.
  • 4) 16 % der Befragten wollten oder konnten sich in diesen Fragen nicht positionieren.

Von dem großen Block (2) der Palästina-Freunde

  • 2.a) befürwortete rund jeder Vierte (11 % der Gesamtstichprobe) strikt friedliche Methoden
  • 2.b) schloss rund die Hälfte (21 % der Gesamtstichprobe) den Nutzen von gewaltsamen Methoden nicht aus, und
  • 2.c) befürwortete das restliche knappe Viertel (9 % der Gesamtstichprobe) eine gewalt­same Behandlung des Konflikts.

Diese repräsentative Befragung bestä­tig­te also das Ergebnis des „Zeitungs-Expe­ri­ments“: Es gibt so gut wie niemanden, der sich auf Seiten Israels stellt und den Konflikt friedlich lösen will: Wer auf Seiten Israels steht, sieht, dass Gewalt angewendet werden muss. Die Unter­stützer Israels – so scheint es – haben an Dialog als Mittel zur Konflikt­lösung kein Interesse mehr (falls sie es je hatten).

Auf der Gegenseite zu diesen 10 % ge­waltbefürwortenden Israelfreunden (Grup­pe „1“) stehen 9 % gewalt­befür­wortende Palästinafreunde (Gruppe „2c“). Auch diese Unterstüt­zer Palä­sti­nas – so scheint es – haben an Dialog als Mittel zur Konfliktlösung kein Inter­esse mehr (falls sie es je hatten).

Ein knappes Drittel der Befragten, näm­lich 31 %, sind Palästinafreunde, die nicht („2a“) oder nicht unbedingt („2b“) Gewalt zur Lösung des Konflikts befür­worten. Diese Position hat auf der pro-israeli­schen Seite keinen entspre­chen­den Gegenpart und findet daher keine Dialogpartner.

Abschließende Bemerkung: Wie schon oben gesagt, kommt es Kempfs Arbeits­gruppe darauf an, in den vielschichtigen Projektdaten Verknüpfungen zwi­schen den ein­zelnen Einstellungen auf­zufinden und dadurch verschiedene Klassen von Einstellun­gen zu be­schrei­ben: Bei­spiels­weise auszuwerten, wie verschie­de­ne Einstellungen zu Men­schen­rechts­ver­let­zungen unter­schied­liche Bewer­tun­gen des Nahost-Konflikts bewirken. Diese Auswertung wird noch einige Zeit in Anspruch neh­men.

 Fazit:

a) Die deutsche Politik

Die deutsche Politik gibt sich sowohl israelfreundlich als auch friedens­orien­tiert. Diese Position ist aber in der realen Meinungswelt der Bevölkerung nicht vorhanden.

Diese fehlende Verankerung in der Bevölkerung kann man auf zwei Weisen bewerten. Auf der einen Seite kann man die Positionierung der deutschen Politik als einen Versuch ansehen, die Realität hin zu dieser wünschbaren Position  zu än­dern. (Und wünschbar wäre diese Position in der Tat, s. unten, b.) Auf der anderen Seite kann man diese Position aber auch als ein hohles Luftschloss an­sehen, dessen wesent­licher Zweck es ist, den Blick von der Realität abzu­wen­den.

Für diese Luftschloss-Interpretation spricht der Umgang der Politik mit Kri­tik an der israelfreundlichen Position: Es werden routinemäßig Statements geäu­ßert und Bundes­tags­debatten abgehal­ten zur Gefahr des Umschlagens von Kritik an Israels Position in Antisemi­tis­mus und ganz schlicht zur Gleichsetzung von Kritik an Israel mit Antisemi­tis­mus. Jedoch, wie diese Umfrage zeigt: 5-9 % der Befragten (je nach Kriterium) neigten antisemitischen Äußerungen zu, aber dreimal so viel, nämlich 23 % der Befragten, kritisieren den Zionismus und mehr als fünfmal so viel, nämlich 40 % der Befragten, unterstützen die pa­lästinensische Position. Diese 40 % der Bevölkerung mit den 5 % Antisemiten gleichzusetzen ist nicht seriös.

Die viel realistischere Sorge der Politik müsste sein, dass die Unterstützer Pa­lä­sti­nas in die gleiche umfassende Ge­walt­bereitschaft abgleiten werden, in die die Unterstützer Israels schon längst abge­glitten sind.

b) Israel und Judentum

Die Befunde zum Fehlen einer pro-isra­e­lischen, friedensorientierten Position kom­men nicht wirklich unerwartet, wenn man ein paar Diskussionen mit „Israelfreunden“ geführt hat. Trotzdem sind die Befunde erschütternd. Denn sie zeigen die Änderung in der Ausstrah­lungskraft des Judentums.

Stre­ben nach Frieden und Mitmensch­lichkeit war bis vor kurzem das Marken­zeichen des Judentums. Diese Werte be­stimmten auch die Hauptlinie des Zio­nismus unter Führung von Weizmann bis 1940: Diese Hauptlinie – selbst­ver­ständlich israelfreundlich, da für den Auf­bau der jüdischen Heimstätte in Pa­lästina arbeitend –, verfolgte ihr Ziel grund­sätz­lich mit friedlichen Mitteln, ungeachtet des teilweise gewalttätigen arabischen Wider­stands gegen das Projekt. Heute dagegen wird das Projekt „Israel“ von seinen Unter­stüt­zern als Antithese zu Friedfertigkeit und allge­meiner Menschenliebe verstanden.

Quellen:

Dieser Bericht basiert auf der Arbeit des Projekts von Wilhelm Kempf Israel­kri­tik, Umgang mit der deutschen Geschich­te und Ausdifferenzierung des moder­nen Antisemi­tismus (Aktenzeichen KE300/8-1 bei der Deutschen Forschungsge­mein­schaft), insbesondere auf folgenden Arbeitspapieren:

  • Kempf, W. (2011) Criticism of Israel, modern anti-Semitism and the media. Diskussionsbeiträge der Projektgruppe Friedensforschung Konstanz, Nr. 70, 2011, www.regener-online.de, ISSN 1611-1818
  • Kempf, W. (2011) Peace Journalism, the Israeli-Palestinian conflict, the German press and the German public. Diskussionsbeiträge der Projektgruppe Friedensforschung Konstanz, Nr. 72, 2011, www.regener-online.de, ISSN 1611-1818
  • Thiel, S.  (2011)  Konstruktion und Eva­lu­ation des Untersuchungsmaterials für eine experimentelle Studie der Inter­akti­on zwischen mentalen Modellen und Medienframes des Israelisch-Palästinen­si­schen Konflikts. Diskussionsbeiträge der Projektgruppe Friedensforschung Kon­stanz, Nr. 71, 2011, www.regener-online.de, ISSN 1611-1818

Zum Autor: Prof. Dr. Rolf Verleger, Dipl.-Psych., Lübeck, 3. 11. 2011 , habil. 1994 in Lübeck, seit 1998 apl. Professor an der Universität Lübeck (Klinik für Neurologie). Forschungs­schwerpunkt in kog­nitiver Neuro­wissenschaft und Neuropsy­cho­lo­gie

245 Kommentare zu “Antisemitismus und Antizionismus: Neue Studie

  1. Willow – der Angriff ging jedenfalls von Israel aus, und wenn ich der Einschätzung führender am Angriff beteiligter israelischer Militärs glauben darf, dann bestand dazu a) nicht wirklich eine Notwendigkeit und b)wurde dies schon lange geplant

    Weiterhin muss man die Aktionen der Nachbarn auch vor dem Hintergrund sehen, dass natürlich auch diese Maßnahmen treffen, weil sie sich von Israel bedroht fühlen.

    Israel hatte 56 Ägypten mit Frankreich und England angegriffen, weil Nasser den Suezkanal verstaatlichen wollte. Das ist ein veritabler Kolonialkrieg. Nasser hatte die ausländischen Firmen finanziell entschädigt und das ist eine völlig legitime Aktion. Ägypten deshalb anzugreifen, dass ist überhaupt nicht rechtens.

    1964 hatte Israel Syrien anegriffen, weil es den Headwater Diversion Plan umsetzte, der den Zufluss von Wasser nach Israel blockiert hätte und dieses zu seinem Vorteil hätte nutzen können; dazu muss man aber wissen, dass die Israelis ähnlich für die Nachbarn nachteilige Projekt umsetzten, das National Water Carrier Project. Auch hier beanspruchte Israel für sich Vorrechte und ganz konkret Wasser..

    Vor diesem Hintergrund, der Wasserverteilung zu Israels Gunsten, kam es auch damals zu der angespannten Situation, aber ehe Sie oder ich das beurteilen, glaube ich doch eher der Einschätzung von führenden israelischen Generälen – und die sagten, dass eine ernste Gefahr nicht bestand und auch dass Israel der Angreifer  war – ’seien wir ehrlich‘ sagte Rabin – wir trafen die Entscheidung anzugreifen.

    @Herr Schlickewitz – ich rechne nicht damit dass es 15% waren, wie kann man sowas auch erwarten, ich erwarte von niemanden sich zum Märtyrer zu machen. Das kann man auch nicht. Aber Tatsache ist, dass die Kirche mit den Nazis laviert hat, weil die Nazis letztendlich kirchenfeindlich gesinnt waren und diese über kurz oder lang abschaffen wollte und Tatsache ist, dass auch Priester, auch deutsche Priester teilweise wegen ihrer Haltung verfolgt und in KZs gebracht wurden. Aber ich erwarte von niemanden ein Held zu sein. Wie kommt man dazu? Sind sie das, weil Sie dauernd Ihre lexika wälzen? Glauben Sie nicht dass Sie da etwas verwechseln? Heute ist das jedenfalls keine gefährliche Tätigkeit.

    Aber die Vorstellung einer einhelligen Allianz von Kirche und National-Sozialismus ist schlichtweg nicht haltbar, auch wenn es nach der Machtergreifung der Nazis viel Anbiederei in Teilen der Kirche gegeben hat, so ist dies doch nicht die ganze Geschichte. Das Verhalten von Papst Pius XII muss man im Nachhinein schon eher als vorbildlich bezeichnen, auf gar keinen Fall als judenfeindlich. Einen Platz in der ‚Halle der Schande‘ in Yad Vashem hat er ganz sicher nicht verdient.

    Nicht nur das – Papst Pius schützte seinerseit jüdische Siedler in Palästina.

    Doch der spätere Papst Pius XII. hatte offensichtlich Sympathie für den Zionismus. Das beweisen jetzt aufgetauchte Dokumente, die WELT ONLINE vorliegen. Als Apostolischer Nuntius in München soll sich Eugenio Pacelli für jüdische Siedler in Palästina eingesetzt haben.

    ….Im Vatikanischen Geheim-Archiv meint er Beweise gefunden zu haben, dass Pacelli 1917 als Nuntius in München erfolgreich zugunsten jüdischer Siedler in Palästina interveniert hat. Es sind fünf Papiere aus dem Archiv der „Nunziatura Apostolica Baviera“ unter dem Eintrag „Guerra Europ., Palestina # 1, Pop. Giudaica e della Città Santa della Palestina“, zu einem Vorgang, in dem zunächst indirekt dokumentiert wird, dass die israelitische Kultusgemeinde der neutralen Schweiz sich an Papst Benedikt XV. mit der Bitte gewandt hatte, seinen Einfluss geltend zu machen, dass die zivile jüdische Bevölkerung Palästinas im Osmanischen Reich nicht von den Türken angetastet würde.

    …Die Korrespondenz beginnt mit einer Note Kardinalstaatssekretärs Gasparris vom 15. November, in der er Nuntius Pacelli in München über die „flehentliche Bitte der Israelitischen Gemeinde in der Schweiz an den Heiligen Vater“ informiert, sich bei der deutschen Regierung für „die Unversehrtheit der jüdischen Stätten und Bevölkerung von Jerusalem“ einzusetzen.

    Am 16. November entwirft „der unterzeichnende Apostolische Nuntius“ danach auf Italienisch per Hand ein Schreiben an den Königlich-Bayerischen Außenminister Ritter von Dandl mit der Bitte, dringend in Berlin Verbündete für diese Intervention zu gewinnen….

    …Am 11. Dezember 1917 nahm General Allenby Jerusalem den Türken ab. Wenige Tage später schrieb Dr. Thon, der Leiter des Zionistischen Büros in Jerusalem, er müsse „mit tiefer Dankbarkeit an P(acelli) denken, der die Zivilbevölkerung durch Verhinderung einer geplanten vollständigen Evakuierung dieses Gebietes vor dem Untergang bewahrt hat“.

    …De facto unterstützte er zu dieser Zeit in Berlin das „Deutsche Komitee Pro Palästina zur Förderung der jüdischen Palästina-Siedlung“ mit seiner Ermutigung prominenter Katholiken, der Initiative beizutreten. Sein damals engster Freund, der Zentrums-Politiker Prälat Ludwig Kaas, gehörte dem Präsidium des Komitees an.

    Michael Hesemann: „Der Papst, der Hitler trotzte. Die Wahrheit über Pius XII.“, 255 Seiten, Verlag: Sankt Ulrich Verlag, 19,90 Euro

  2. Noch mal in einfachen Wortten für die Lernresistenten:
     
    Zwischen Ägypten und Israel bestand „nur“ ein recht fragiler Waffenstillstand.
    Da Ägypten *massiv* gegen die Bedingungen des Waffenstillstandes verstoßen hat, war Ägypten der Agressor … paßt nicht in manche Weltbilder, ist aber so. Würde z.B. Südkorea Armeeeinheiten in die dortige entmilitarisierte Zone entsenden, dann wären sie die Agressoren. Nur daß sie keine Ahnung vom Völkerrecht haben und Israel hassen bedeutet noch lange nicht, daß sie Recht haben 😉
     
     

  3. Ich bin immer für die vollständige Aufarbeitung so wie die Dinge waren, im guten und im schlechten…
     
    Was glauben Sie,
    @jane,
    wieviele deutsche Geistliche derart selbstlos, zivilcouragiert und entschlossen Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben, dass sie dafür mit einem KZ-Aufenthalt büßen mussten?
     
    Was schätzen Sie?
    Könnten es 60 % gewesen sein, oder 40 %, oder lediglich 15 %?
     
    Würde mich nur interessieren, was Sie meinen, denn recht viele unserer Landsleute, besonders die Katholiken, glauben immer noch, ihre Kirchen wären regelrechte Bastionen gegen den NS gewesen.
     
    (ezrüK ni tglof gnusölfuA)

  4. Also wenn man ein neutrales Geschichtsbuch schreiben wollte, dann entweder mit einem oder zwei blauen Augen, oder mit einer Kommission, die sich fest vornimmt nicht zuzuschlagen.

    Das zeigt wie verfahren die Situation ist.

     

  5. Einer der Kronzeugen von Jane ist Shraga Elam, ein ehemaliger Israeli, der dem Holocaustleugner und Antisemiten David Irving geschmeichelt hat und der ziemlich regelmäßig dem deutschsprachigen Radio Iran Interviews gibt.
     

  6. Einfach nur falsch …
     
    1.  Israel wurde überfallen.
     
    Nein – Willow – Israel hat die Nachbarn überfallen. Israel war der Agressor.

    Der erste Angriff erfolgte auf Ägypten. Ägypten hatte Israel nicht angegriffen.

    Jordanien hatte 5 Tage zuvor einen Verteidigungspakt mit Ägypten geschlossen und war daher zur Hilfe verpflichtet.

    Syrien welches ebenfalls dem Verteidigungspakt angehörte wurde auch von Israel angegriffen.
    Ob dieser ‚Präventivkrieg‘ wirklich ’notwendig‘ war – nun laut Aussagen führender israelischer Militärs war er das nicht.

    Dass Israel von „angriffsbereiten arabischen Armeen eingekreist“ und Angst um seine Existenz haben musste, gehört somit ins Reich der Mythen. Israelische Politiker wie Militärs haben später bezeugt, tatsächlich bestand für Israel seinerzeit keine akute Kriegsgefahr. Yitzhak Rabin, 1967 Stabschef der Armee, „glaubte nicht, dass Nasser Krieg wollte. Die zwei Divisionen, die er in den Sinai schickte, reichten für eine Offensive nicht aus. Dies wussten er und wir.“

    Auch der Likud-Politiker Menachem Begin, damals Mitglied einer Regierung der Nationalen Einheit, äußert sich in seinen Erinnerungen ähnlich. „Wir müssen zu uns selbst ehrlich sein. Wir trafen die Entscheidung, ihn anzugreifen.“ Und der ehemalige Außenminister Abba Eban erinnert sich in seinen Memoiren, „Nasser wollte keinen Krieg, er wollte den Sieg ohne Krieg.“

    Auch General Matti Peled räumt am 3. Juni 1972 im Gespräch mit der französischen Zeitung Le Monde ein, es sei ein „Bluff“ gewesen, die Vision von einer „tödliche Gefahr für Israel“ heraufzubeschwören – das Land habe sich seit 1949 niemals in einer solch prekären Situation befunden. „All jene Geschichten über die große Gefahr, der wir wegen unseres kleinen Gebietes ausgesetzt waren, kamen erst auf, als der Krieg zu Ende war, sie spielten in unseren Überlegungen vor Ausbruch der Feindseligkeiten keine Rolle.

    ..Und der damalige Luftwaffengeneral Mordechai Hod erinnert sich heute: „16 Jahre Planung gingen in diese entscheidenden 80 Minuten ein. Wir lebten mit dem Plan, wir überschliefen den Plan, wir verzehrten den Plan. Wir perfektionierten ihn ständig.“ Schon Ende 1966 kam es zu einem Treffen zwischen dem Außenministerium, dem Militärgeheimdienst und dem Geheimdienst Mossad, um Szenarien über die Zukunft der Westbank zu besprechen.

    http://www.freitag.de/2007/22/07220601.php

    Zudem lagen die Pläne für die Eroberung des West-Jordanlands schon seit 16 Jahren in der Schublade.
    Es stimmt dass die arabischen Nationen in dieser Situation jegliche Zugeständnisse ablehnten, was man als Fehler bezeichnen kann.

    Es ist aber nicht richtig, dies dann als Legitimation für Annexionen zu missbrauchen.

    Später wäre es jedenfalls möglich gewesen und wie meine Auflistung schon zeigte, gab es schon seit Anfang der 70er immer wieder arabische Angebote, die von israel allesamt ignoriert und ausgesessen wurden.
    Da kann man unmöglich nur die Muslime als die angeblichen Blockierer darstellen. Da wird die Geschichte doch allzu sehr reduziert.

     

  7. Herr Schlickewitz –

    ich will gar nicht bestreiten, dass es in den Kirchen Komplizenschaft und dass es zuvor auch schon antijüdische Agitation gab, die den Boden für das unsägliche Verbrechen der Nazis mitbereitete.
    Allein die Kirche darauf zu reduzieren halte ich auch für falsch. Wie ich schon sagte, die Rolle der Kirche im National-Sozialismus war eine höchst zwiespältige.
    Über die Gewichtung dieser zwiespältigen und vielgestaltigen Geschichte lässt sich sicherlich lange debattieren, worüber es allerdings wenig zu deuteln gibt, ist die antikirchliche Einstellung der NationalSozialisten selbst.

    Natürlich konnten weder diese noch Hitler einfach gegen die Kirchen Sturm laufen, denn damit hätten sie dann wohl doch den Widerstand heraufbeschworen; das Christentum war ja nun seit 1000 Jahren tief im Volk verankeret und lässt sich nicht so mir nichts Dir nichts eleminieren.

    Allerdings kann man eine Bewegung die die heiligsten Sakramente der Kirche durch heidnische Rituale ersetzen wollte, wohl kaum als christenfreundlich bezeichnen.

    Daher zitiere ich mal zum Thema:

    Die beiden großen christlichen Kirchen sahen sich ab Frühjahr 1933 daher in Auseinandersetzungen mit dem NS-Regime verstrickt und dem Versuch der Gleichschaltung ausgesetzt. Adolf Hitler war sich jedoch durchaus bewußt, daß die Etablierung des NS-Regimes nicht gegen massiven Widerstand der Kirchen zu erreichen war – gehörten 1933 doch immerhin 62,7 Prozent der Deutschen der protestantischen und 32,5 Prozent der katholischen Kirche an. Die antichristliche Weltanschauung des Nationalsozialismus und taktische Züge bestimmten daher eine widersprüchliche und uneinheitliche NS-Kirchenpolitik in den ersten Jahren. Langfristiges Ziel blieb die Eindämmung des gesellschaftlichen Einflusses der Kirchen.

    Die protestantische Kirche war inhaltlich wie organisatorisch zersplittert, die 28 Landeskirchen waren im Deutschen Evangelischen Kirchenbund nur locker zusammengeschlossen. Die nationalsozialistische Machtübernahme wurde zunächst überwiegend positiv aufgenommen. Bereits ab 1932 existierte die  “Glaubensbewegung der Deutschen Christen“. Diese Vereinigung protestantischer Nationalsozialisten hatte bei den Synodalwahlen in der Altpreußischen Union, der größten evangelischen Landeskirche, im September 1932 fast ein Drittel der Stimmen erhalten. Die Gleichschaltung der protestantischen Kirche von innen heraus schien der NS-Führung daher möglich. Nach massiver Propaganda gewannen am 23. Juli 1933 die Deutschen Christen die Kirchenwahlen in der neugeschaffenen einheitlichen Reichskirche und stellten damit die Bischöfe in fast allen evangelischen Landeskirchen.

    Bereits am 5. September hatte die Altpreußische Union den für Beamte geltenden “Arierparagraphen“ auch für protestantische Geistliche eingeführt. Die Deutschen Christen forderten nun seine Einführung in der gesamten Reichskirche und verwarfen gleichzeitig das Alte Testament als „jüdisch“.

    Gegen diese Anschauungen richtete sich der Protest vieler Kirchenmitglieder. Im September 1933 rief deshalb der Pfarrer Martin Niemöller gegen die Deutschen Christen gerichteten Pfarrernotbund ins Leben. Das Programm der Deutschen Christen und die Befürwortung des „Arierparagraphen“ sah er als Verfälschung der christlichen Lehre an. Der Pfarrernotbund wurde zu einer der wichtigsten Wurzeln der Bekennenden Kirche, die sich ab 1934 formierte. Die Bekennende Kirche verstand sich als „rechtmäßige evangelische Kirche“ in Deutschland und berief sich auf ein „kirchliches Notrecht“. Mit ihrer offenen Gehorsamsaufkündigung gegenüber Reichsbischof Müller scheiterte der Versuch der Nationalsozialisten, die Reichskirche gleichzuschalten. Als politischen Widerstand begriff die Bekennende Kirche ihre Tätigkeit zunächst aber nicht. Der Versuch der Selbstbehauptung und die Artikulation abweichender Meinungen reichte jedoch aus, um vom NS-Regime als staatsfeindlich klassifiziert zu werden. Die Verfolgung der Bekennenden Kirche nahm zu, als im August 1936 eine Denkschrift an Hitler öffentlich wurde, in der sie die Existenz von Konzentrationslagern (KZ) angeprangerte und die „nationalsozialistische Weltanschauung“ verwarf.

    Die katholische Kirche in Deutschland war in den Jahren 1930 bis 1933 vielfach als Kritikerin des Nationalsozialismus aufgetreten. Nachdem sich jedoch Hitler mehrmals kirchenfreundlich äußerte und in seiner Regierungserklärung am 23. März 1933 die beiden großen christlichen Kirchen als „wichtigste Faktoren zur Erhaltung unseres Volkstums“ bezeichnete, relativierte die katholische Kirche ihre bisherige Kritik. Ihr Ziel war nun die rechtliche Sicherung ihrer institutionellen Sonderrechte.

    Im April 1933 ging von der deutschen Regierung die Initiative zu einem Reichskonkordat mit dem Vatikan aus, das am 20. Juli unterzeichnet wurde. Das Konkordat beinhaltete das Ende des politischen Katholizismus, garantierte der katholischen Kirche aber institutionelle Selbstverwaltung, das Fortbestehen der katholischen Bekenntnisschulen und die Freiheit des Bekenntnisses sowie seiner öffentlichen Verbreitung. Bereits im Herbst 1933 stellte der Episkopat jedoch fest, daß das NS-Regime das Konkordat fortwährend brach. Ab 1935 wurden in einer Verleumdungskampagne zahlreiche katholische Geistliche wegen angeblicher Sittlichkeits- und Devisenvergehen angeklagt und verfolgt, Eingaben des Episkopats blieben ohne Erfolg. Daraufhin erschien 1937 die päpstliche Enzyklika „Mit brennender Sorge“, in der Papst Pius XI. (1857-1939) die Konkordatsbrüche anklagte. Nach der Verlesung der Enzyklika von den Kanzeln erreichten die Verfolgungen von katholischen Geistlichen in Deutschland einen Höhepunkt. Zahlreiche Verfolgte flohen ins Ausland.

    Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 strebte das NS-Regime einen „Burgfrieden“ mit den Kirchen an. Die Verfolgung von Geistlichen nahm daher ab. Allerdings wurden sowohl die kirchliche Publizistik als auch die Militärseelsorge in erheblichem Maße behindert. Mit Kriegsbeginn begann im Deutschen Reich auch der Mord an unheilbar Kranken und Behinderten. Die “Euthanasie Aktionen‘ waren Gegenstand kirchlichen Protestes. Nach Predigten des Münsteraner Bischof Clemens August Graf von Galen im Sommer 1941 nahmen Proteste in der Bevölkerung derart zu, daß die Mordaktionenoffiziell gestoppt, heimlich jedoch weitergeführt wurden. Zur Verfolgung der Juden schwiegen die Kirchen hingegen zu lange. Weder zu den Nürnberger Gesetzen  von 1935, (die von der zionistischen Vereinigung begrüßt wurden) noch zum Pogrom vom 9. November 1938 äußerten die Amtskirchen sich öffentlich. Auch nach Beginn der Deportationen deutscher Juden in die Vernichtungslager im Oktober 1941 kam es zu keinem ähnlichen Protest wie gegen die „Euthanasie“. Nur indirekt verurteilten die katholischen Bischöfe in Kanzelworten und mit der Verlesung eines „Menschenrechtshirtenbriefs“ im März 1942 den NS-Völkermord. Einzelne Christen, die den Verfolgten zu helfen versuchten, bezahlten ihr Engagement aus Nächstenliebe zumeist mit der Einlieferung in ein KZ und wie der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg häufig mit dem Leben.

    http://www.dhm.de/lemo/html/nazi/innenpolitik/kirchen/index.html

    In einem privatem Gespräch mit dem damaligen Senatspräsidenten Hermann Rauschning aus dem Jahre 1933 sagte Hitler:

    „Mit den Konfessionen, ob nun diese oder jene, das ist alles gleich. Das hat keine Zukunft mehr. Für die Deutschen jedenfalls nicht. Der Faschismus mag in Gottes Namen seinen Frieden mit der Kirche machen. Ich werde das auch tun. Warum nicht“ Das wird mich nicht abhalten, mit Stumpf und Stiel, mit allen seinen Fasern das Christentum in Deutschland auszurotten… Man ist entweder Christ oder Deutscher. Beides kann man nicht sein.“

    Wenn ich von antikirchlicher Agitation spreche, dann vor allen Dingen über den viel gescholtenen Papst Pius den X II.

    Über ihn ist dermaßen viel verbaler Unrat ausgetragen worden und wie mir scheint doch sehr zu Unrecht.

    New research has found that Pope Pius XII may have facilitated the exodus of about 200,000 Jews from Germany shortly after Kristallnacht, the Daily Telegraph reports.

    ..New research, however, shows that the perception of Pius XII as „Hitler’s Pope“ may be historically incorrect.

    Hesemann said that Cardinal Eugenio Pacelli – the future Pius XII – wrote a letter on November 30, 1938, urging Catholic archbishops throughout the world to apply for visas for „non-Aryan Catholics“ and Jewish converts to Christianity who wanted to flee Germany.

    According to Hesemann, there is evidence that the visas would have been given to ordinary Jews and that the terms „converted Jews“ and „non-Aryan Catholics“ were a cover to prevent the Nazis from discovering the true purpose of the visas.

    Elliot Hershberg, the chairman of the Pave the Way Foundation, was quoted in the Daily Telegraph report saying: “We believe that many Jews who were successful in leaving Europe may not have had any idea that their visas and travel documents were obtained through these Vatican efforts. Everything we have found thus far seems to indicate the known negative perception of Pope Pius XII is wrong.”

    http://www.haaretz.com/jewish-world/pope-pius-xii-saved-thousands-of-jews-1.300589

    Als Diplomat Benedikt’s XV hatte sich Pacelli bereits 1915 für die Verurteilung antisemitischer Gewalt, die in Polen zum Ausbruch gekommen war, eingesetzt und in den Dreißigerjahren machte er als Staatssekretär Pius XI. der antijüdischen Rundfunkpropaganda eines katholischen Priesters in den Vereinigten Staaten (Charles Coughlin), ein Ende.
     
    „Obwohl seine weltlichen Mittel und seine Macht bescheiden waren, half er in dieser Zeit wo er nur konnte. Auf seine persönliche Veranlassung hin wurden tausende Juden in Klöstern und kirchlichen Einrichtungen versteckt und so vor der Vernichtung gerettet (85 % der 8000köpfigen jüdischen Gemeinde Roms in 155 römischen Klöstern [nämlich 4238 Juden], im Vatikan [477 Juden] und auf dem päpstlichen Anwesen von Castelgandolfo [ca. 3000]. Dem römischen Großrabbiner Eugen Maria Israel Zolli gewährte er höchstpersönlich Asyl. Dieses Zeugnis der christlichen Nächstenliebe beeindruckte den Rabbi so tief, dass er zum katholischen Glauben fand und als Taufnamen den Namen des Papstes Eugenio, wählte.“ 

    Mit mehreren Radioansprachen versuchte er später die Krieg führenden Länder zum Frieden aufzurufen. Er wollte in einer sehr energischen Enzyklika die Verfolgung der Juden anprangern. Doch die deutschen Bischöfe befürchteten, dass ein solches Rundschreiben die Verfolgung der Juden noch mehr verschärfen würde. Robert Kempner, ein jüdischer Jurist deutscher Herkunft, schrieb 1964: Jede propagandistische Stelllungnahme der Kirche gegen die Hitler-Regierung wäre nicht nur ein geplanter Selbstmord gewesen, sondern hätte die Ermordung einer noch viel größeren Zahl von Juden und Priestern beschleunigt. Über diplomatische Kanäle stoppte Pius XII. den Abtransport der Juden in Rumänien. Aufgrund der Aussagen von Schwester Pascalina , weiß man, dass es zwischen dem Papst einserseits und verschiedenen Bischöfen anderseits, darüber zu Gesprächen gekommen ist. In Holland, wo die Bischöfe damals gegen die Verfolgung der Juden offen aufgetreten sind, hat es sich gezeigt, dass als Rache selbst die katholisch gewordenen Juden deportiert wurden (darunter Edith Stein; Vergeltungsschlag gegen 4.000 niederländische Juden).

    Auch andere Rettungsaktionen fanden nicht nur auf Weisung Pacellis statt, sondern wurden von ihm finanziert – so ließ er etwa ein Schiff chartern, um jedes halbe Jahr 500 jüdische Flüchtlinge von Lissabon aus in die Dominikanische Republik zu bringen, weil Diktator Trujillo bereit war, dem lokalen Nuntius eben diese Anzahl an Visa auszustellen. Allein auf diesem Weg wurden um die 10.000 Juden gerettet. In Istanbul koordinierte Nuntius Roncalli die Anmietung von Schiffen und den Transport jüdischer Flüchtlinge aus Rumänien nach Palästina. 1954 erklärte der spätere Papst Johannes XXIII : „In all diesen schrecklichen Dingen habe ich mich an den Heiligen Stuhl gewandt, und später führte ich einfach die Anweisungen des Papstes aus: zuerst und vor allem Menschenleben zu retten.“……….

    http://www.kathpedia.com/index.php?title=Pius_XII.

    Nach Angaben des Buches „Rom und die Juden“ des Diplomaten Pinchas Lapide war Pius XII. „maßgeblich für die Rettung von mindestens 700.000 Juden verantwortlich, vermutlich sogar 860.000 Juden, die so dem sicheren Tod durch die Hand der Nationalsozialisten entkamen“.

    Ich glaube da kann man nur konstatieren, dass man diesem Papst insgesamt mit der Titulierung als ‚Hitlers Papst‘ massiv unrecht getan hat.

    Ich bin immer für die vollständige Aufarbeitung so wie die Dinge waren, im guten und im schlechten, aber vor lauter starrem Blick auf die Verbrechen, die Scheinheiligkeiten in der Kirche etc. ist es genauso wichtig das unverfälscht zu betrachten, was eben nicht so war.

    Herr Schlickewitz – ich zweifle nicht daran, dass vieles von ihren Aufarbeitungen begründet ist. Ich habe nur den Eindruck, dass sie ziemlich verbissen auf eben ihren ‚ganz eigenen Steckenpferd‘ herumreiten und meinen, dass es immer und über allem den maßgeblichen Platz einnehmen müsse und alles andere wird von ihnen ignoriert. Das finde ich ein wenig vermessen. Vielleicht wollte Ihnen ja auch nur der Kollege das ‚durch die Blume‘ auf höfliche Art und Weise nahe bringen – und Sie haben es vielleicht nicht mit bekommen.
     

  8. Beachten Sie @jane, die Vorzugsbehandlung deutscher und österreichischer Geistlicher im KZ – gegenüber anderen Häftlingen:
     
    „Vorzugshäftlinge 
    Ende März wurden sie von den Arbeitskommandos abberufen und mit der täglichen Verteilung des Essens im Lager beauftragt. Ihre Wohnblocks teilte die SS nun mit Drahtzäunen ab, der Kontakt zu normalen Häftlingen war ihnen untersagt.
    Ab dem 11. April 1941 erhielten alle Geistlichen eine größere Brotration und andere Vergünstigungen, zum Beispiel täglich einen Viertelliter Kakao, einen Viertelliter Messwein und einen Achtelliter Bier. Die Lebensmittelprivilegien waren vom Vatikan finanziert. Einmal wöchentlich wurden die Priester gewogen, zweimal pro Woche nahmen sie ein Bad. Je eine Stunde vormittags und nachmittags teilte ihnen die SS „Bettruhe“ zu. Die Vergünstigungen kamen bei anderen Häftlingen und bei SS-Leuten nicht gut an. Die SS-Truppen waren nun z.B. darauf bedacht, dass die Geistlichen nur in ihrem Beisein das Bier austranken, oder den Gottesdienst abhielten, und jeweils möglichst schnell.
    Einerseits ermöglichte die Separierung die vom Vatikan für seine Geistlichen geforderten Hafterleichterungen. Andererseits entzog man die übrigen Häftlinge dem Einfluss der Seelsorger. Die Privilegien waren mit Schikanen seitens der SS sowie Misstrauen und der teilweise tiefen Abneigung anderer Häftlinge gegen die „Pfaffen“ verbunden. Man warf ihnen vor, arbeitsscheu zu sein. Im September 1941 entfiel das bessere Essen. Die restlichen Privilegien gestattete man von nun an nur noch deutschen und österreichischen Geistlichen.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Pfarrerblock_%28KZ_Dachau%29

  9.  
    @ Karl Pfeifer

    „Die Alliierten haben einen Krieg führen müssen, um die Barbarei, der man anheimgefallen war zu beenden.“

    Sie dürfen gern Ihre Art der Geschichtsbetrachtung beibehalten. Ich hatte Ihnen an Hand von Fakten schon mehrfach widersprochen. Daraus die Notwendigkeit einer bellizistischen Grundhaltung ableiten zu wollen grenzt nicht an, sondern ist Geschichtsklitterung. Bellizismus ist die Bankerotterklärung der Vernunft.

    „Pazifismus kann es nur in demokratischen Gesellschaften geben. Die Diktaturen dulden keinen Pazifismus.“

    Auch da kann ich Ihnen leider nicht zustimmen: Pazifismus besteht als innere Haltung eines Menschen aus eigenständiger Einsicht – unabhängig von der Regierungsform!

    In Bezug auf Hitler schätze ich Kershaws Urteil höher ein als Ihres, haben Sie doch wiederholt gezeigt, dass sie lediglich über sehr selektiv wahrgenommene Geschichtskenntnisse verfügen.

    Martin Buber sprach in seiner am 31. Oktober 1929 in Berlin gehaltenen Rede diesen Satz:

     „Wir haben in Palästina nicht mit den Arabern, sondern neben ihnen gelebt. Das Nebeneinander zweier Völker auf dem gleichen Territorium muß aber, wenn es sich nicht zum Miteinander entfaltet, zum Gegeneinander ausarten. So droht es auch hier zu geschehen. Zum bloßen ‚Neben‘ führt kein Pfad zurück. Aber zum ‚Mit‘ kann, so groß sich auch die Hindernisse aufgetürmt haben, immer noch vorgedrungen werden. Ich weiß nicht, wie lange noch. Ich weiß nur, dass wir, wenn wir dahin nicht gelangen, nicht zu unserm Ziel gelangen werden. Zum dritten Mal werden wir an dem Land erprobt.“

    Ich kann diesen Satz in mein pazifistisches Manifest für Deutschland aufnehmen, Menschen zu ermutigen, auch bei unterschiedlichen politischen oder religiösen Glaubenbekenntnissen miteinander zu leben, wissend, dass in Neid, Hass, irrationalen Feindbildern, Paranoia, Angst vor Assimilation sowie Überheblichkeit Gefahren enthalten sind, denen wir auch in Deutschland immer wieder neu begegnen müssen.

    Kenntnisse über die Nazizeit – die hier ja sehr ausführlich vorgetragen werden – nützen herzlich wenig, wenn man nicht in der Lage ist, zureichend über die Gefahren menschlichen Fehlverhaltens zu reflektieren.

    Ich werde den Eindruck nicht los, dass manch einer meint, dies sei ein spezifisch deutsches Problem – sozusagen ein genetisch fixiertes -, wie man ja unschwer auch aus der Geschichte der Deutschen erkennen könne.

    Doch zu oft erkennt man deutlich die Neigung sich den selbstkritischen Blick auf den Balken im eigenen Auge ersparen zu wollen.

  10. @jane
    Die Rolle der Kirchen im Dritten Reich als die eines Kompolizen darzustellen, ist zwar in manchen Fällen berechtigt,  greift aber viel zu kurz, denn die Kirche stand letztendlich selbst auch unter Beschuss; die NationalSozialisten waren der Kirche feindlich gesinnt
     
    Als weithin anerkannte Israel-Spezialistin kann man von Ihnen selbstverständlich nicht erwarten sich ebenso hervorragend auch in deutscher Geschichte auszukennen.
    Oben schrieb ich vom „langandauernden wie schädlichen Einwirken auf die Deutschen“ durch die Kirchen.
    Damit bezeichnete ich klar und deutlich jene blutigen und opferreichen 20 bis 23 Jahrhunderte christlich-kirchlichen Judenhasses und nicht die zwölf Jahre Hitler allein. Hier empfehlenswerte Lektüre:
    http://www.goodreads.com/review/show/47660627
     
    Außerdem ist die von Ihnen so beschworene angebliche Opferstellung der beiden Kirchen im Dritten Reich bereits sehr früh schon angezweifelt worden, sogar von angesehenen und einflussreichen Katholiken höchstselbst:
    „Nach meiner Meinung trägt das deutsche Volk und tragen auch die Bischöfe und der Klerus eine große Schuld an den Vorgängen in den Konzentrationslagern. Richtig ist, daß nachher vielleicht nicht viel mehr zu machen war. Die Schuld liegt früher. Das deutsche Volk, auch Bischöfe und Klerus zum großen Teil, sind auf die nationalsozialistische Agitation eingegangen. Es hat sich fast widerstandslos, ja zum Teil mit Begeisterung gleichschalten lassen. Darin liegt seine Schuld.“
    http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Adenauer
    (Konrad Adenauer in einem Brief vom Februar 1946 an einen katholischen Geistlichen)
     
    Wollen Sie, jane, auch Adenauer „anti-kirchliche Agitation“ vorwerfen?
     
    Dass katholische Priester in KZ’s gelitten haben, wird kein Vernünftiger je anzweifeln. Jedoch, waren es schändlicherweise weit mehr ausländische als deutsche Geistliche und schlimmer noch: Katholische Bischöfe im KZ, oder gar Kardinäle im KZ, werden Sie mit der Lupe (oder besser mit dem Mikroskop) suchen müssen.
     
     
    Zu Bayern:
    Bayern war nun mal eben die Brutstätte, der Geburtsort, die Wiege des Bösen. Wo sonst als dort, wo das Böse entstand, sollte man ansetzen(?).
    Falls Sie noch Zweifel über den Stellenwert Bayerns hegen sollten, empfehle ich die Lektüre von:
    http://www.amazon.de/Hitlers-M%C3%BCnchen-Aufstieg-Hauptstadt-Bewegung/dp/3423307943/ref=sr_1_2?ie=UTF8&qid=1323680771&sr=8-2
    Lesen Sie zunächst eine Rezension dazu:
    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensio/buecher/2000/szch0500.htm
     
    Lassen Sie, jane, es nicht dabei bewenden allein Aly zu lesen – in der Fülle der Argumente und Autoren, liegt die Würze.
     
     

  11.  
    „Israel hatte die arabischen Staaten überfallen und einen Teil davon besetzt; in dieser Situaiton waren sie auch nicht zu Friedensverhandlungen bereit“
     
    Einfach nur falsch …
     
    1.  Israel wurde überfallen.
     
    2.  Israel hatte sich bereiterklärt, alle Gebiete jenseits der „grünen Linie“ im Tausch gegen einen Friedensvertrag zu räumen.
     
    die „arabische“ Antwort waren die
    ”3 Nein in Khartum
    Kein Frieden mit Israel
    Keine Anerkennung Israels
    Keine Verhandlungen mit Israel”



  12. Zu Buber und Gandhi: nach allem was ich fand ging es in der Korrespondenz zwischen Buber und Gandhi und den Weg des gewaltfreien Widerstands nicht um die Situation in Palästina, sondern um die Situation der Juden in Deutschland.

    Auf die Situation in Palästina lässt sich dies allerdings nicht übertragen. Man kann die Ablehnung Bubers verstehen, die Gedanken Gandhis, vor allem vor dem Hintergrund der eigenen überzeugend gelebten Vita jedoch auch bedenken. Sein Annahme dass breiter ziviler Ungehorsam auf Seiten der deutschen Juden, welcher fraglos umgehend zu vielen Opfern geführt hätte, was auch ihm klar war, die bessere Antwort wäre ist vielleicht nicht ganz falsch, gleichzeitig eben aus nachvollziehbaren Gründen für viele nicht lebbar.

    Tatsache ist, dass er genau das in Indien praktizierte und die protestierenden Massen sind dort sehenden Auges in die Kugeln der britischen Soldaten gelaufen, auch wenn die Situation dort eine andere war.
    Diese Form des Widerstands forderte tausende Märtyrer, führte aber wohl schließlich dazu, dass die Engländer anfingen sich vor sich selbst zu ekeln und das führte dann mit zum Ende der englischen Herrschaft in Indien. Die Situation ist nicht die gleiche, das Prinzip aber möglicherweise trotzdem nicht falsch – aber natürlich unglaublich heroisch – erwarten kann man das nicht. Tatsächlich sind ja 2 Drittel der deutschen Juden dem Holocaust entkommen, da sie sich rechtzeitig absetzten, schlimmer noch traf es die Juden in Ost-Europa – sie hatten fraglos keine Chance.

    Heute praktizieren Palästinenser in Niilin gewaltfreien Protest gegen die Landenteignung durch Israel erklärtermaßen nach dem Vorbild Gandhis. Das israelische Militär setzt immer wieder unverhältnismäßige Gewalt gegen die Proteste ein und ab und an wird mal ein Stein geworfen, was wohl nicht ganz Gandhi entspricht, aber die Proteste sind waffenfrei.Dieser Protest findet seit mehreren Jahren statt und das israelische Militär ist immer zugegen. Von israelischer Seite wird immer wieder scharf auf die unbewaffneten geschossen und in den letzten Tagen hat dieser Protest wieder ein weiteres Opfer gefordert.
     
    28-Jähriger starb nach Angriff bei einer Demonstration im Westjordanland

    Ein Palästinenser ist bei einer Demonstration im Westjordanland von einer Tränengasgranate im Gesicht getroffen worden und seinen Verletzungen erlegen. Ein Soldat habe am Freitag in der Nähe des Ortes Nabi Saleh aus einer Entfernung von weniger als zehn Metern direkt auf den 28-Jährigen geschossen, berichteten Angehörige und Augenzeugen. Einen Tag später sei er an seinen schweren Gesichtsverletzungen in einem israelischen Krankenhaus gestorben.

    Der 28-Jährige protestierte nach Angaben von Aktivisten in Ramallah dagegen, dass Wasserquellen und Land für eine nahe gelegene jüdische Siedlung beschlagnahmt worden waren. Die Siedlung sei auf Land errichtet worden, das zu Nabi Saleh gehöre. Das israelische Militär teilte mit, der Vorfall werde untersucht. (APA)
     
    http://derstandard.at/1323222707334/Palaestinenser-getoetet—Von-Traenengasgranate-im-Gesicht-getroffen
    Was hat dieses Raubrittertum mit ‚Selbstverteidigung‘ zu tun?

  13. “3 Nein in Khartum
    Kein Frieden mit Israel
    Keine Anerkennung Israels
    Keine Verhandlungen mit Israel“

    Israel hatte die arabischen Staaten überfallen und einen Teil davon besetzt; in dieser Situaiton waren sie auch nicht zu Friedensverhandlungen bereit, das ist an und für sich nicht so schwer zu verstehen. Es musste erst die Forderung der UNO erfüllt werden, nämlich der Rückzug und DANN hÄtte es Friedensverhandlungen geben können. Die arabischen Führer und auch die PLO hatten später oft genug ihre Fühler in diese Richtung ausgestreckt, aber sind da eben auf israelischer Seite auch nur auf Granit gestoßen.

    Diese Situation war übrigens schon 49 gegeben:
    Kurz darauf vermutete Robert McClintock, damals Mitglied der US-Delegation bei den Vereinten Nationen, der Sicherheitsrat müsse sich wohl bald mit der Frage befassen, ob „die jüdischen bewaffneten Aktionen gegen arabische Gemeinschaften in Palästina legitim sind oder ob sie die internationale Friedens- und Sicherheitsordnung so sehr gefährden, dass der Sicherheitsrat Zwangsmaßnahmen ergreifen muss.“(3) McClintock wies auch darauf hin, dass ein Eingreifen arabischer Streitkräfte in Palästina die jüdische Seite zu der Behauptung veranlassen werde, ihr Staat werde „militärisch angegriffen. Sie werden alles tun, um davon abzulenken, dass ihre militärische Aggression gegen die Araber in Palästina den arabischen Gegenangriff erst verursacht hat.“ In diesem Fall, so McClintock, seien die USA verpflichtet, einzugreifen.
    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2011/10/14.mondeText.artikel,a0049.idx,16
     
    Nun zu den zahlreichen israelischen ‚Neins‘ zum Frieden:

    Im Frühjahr und Sommer 1949 trafen sich Israel und die arabischen Staaten unter dem Schutz des Palestine Conciliation Commitee (PCC) in Lausanne in der Schweiz. Israel wollte keinerlei territoriale Konzessionen machen und auch nicht 100.000 der 700.000 Flüchtlinge wieder aufnehmen, wie von den Arabern gefordert. Der israelische Verhandlungsteilnehmer Elias Sasson berichtete, Ben Gurion habe in einer Kabinettssitzung bemerkt, die israelische Öffentlichkeit sei „betrunken vom Sieg und nicht in Stimmung für Konzessionen, maximale oder minimale“.

    1949 erklärte Syriens Staatsoberhaupt Husni Zaim offen seine Bereitschaft, der erst arabische Regierungschef zu sein, der einen Friedensvertrag mit Israel abschließt – ebenso sei er bereit, die Hälfte der palästinensischen Flüchtlinge in Syrien anzusiedeln. Er bot wiederholt an, sich mit Ben Gurion zu treffen, der aber standhaft ablehnte. Am Ende wurde nur ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichne.

    König Abdullah von Jordanien engagierte sich zwei Jahre lang für Verhandlungen mit Israle, war aber nie in der Lage, vor seiner Ermordung einen bedeutenden Durchbruch zu erreichen. Sein Angebot, sich mit Ben Gurion zu treffen, wurde ebenso abgelehnt. Außenminister Moshe Sharet kommentierte vielsagend: „Transjordanien sagte – wir sind sofort zum Frieden bereit. Wir sagen – wir möchten natürlich auch Frieden, aber wir können nicht rennen, wir müssen im Schritttempo laufen.“ Drei Wochen bevor er ermordet wurde, sagte König Abdullah: „Ich könnte einen Frieden rechtfertigen, indem ich Zugeständnisse der Juden vorweise. Aber ohne Zugeständnisse von ihrer Seite bin ich gescheitert, bevor ich anfange.“

    1952 – 1953 wurden extensive Verhandlungen mit der syrischen Regierung Adib Shishaklis geführt, einem proamerikanischen Regierungschef, der eine Einigung mit Israel anstrebte. Diese Gespräche scheiterten, weil Israel auf der alleinigen Kontrolle über den See Genezareth, den Huleh-See und den Jordan bestand.

    Gamal Nassers wiederholtes Angebot, mit Ben Gurion Friedensgespräche zu beginnen, bald nach der Revolution von 1952, endete schließlich mit der Ablehnung durch Ben Gurions Nachfolger Moshe Sharet, den Prozess fortzusetzen, und mit einem verheerenden israelischen Angriff (unter der Leitung von Ariel Sharon) auf eine ägyptische Militärbasis in Gaza.

    Generell ist Israels Nachkriegsinflexibiltät seinem Erfolg im Aushandeln von Waffenstillstandsabkommen zuzuschreiben, der es in einer politisch, territorial und militärisch überlegenen Position ließ. „Die erneute Kriegsbedrohung war erfolgreich abgewiesen worden“, schreibt der israelischen Historiker Benni Morris in seinem Buch „Righteous Victims“. „Warum also sich anstrengen für einen Frieden, der mit bedeutenden territorialen Konzessionen einhergeht?“ In einem Telgramm an Moshe Sharet umriss Ben Gurion in einfachen Worten die israelische Politik für die weitere Zukunft, wie sie im Wesentlichen bis heute gilt: „Israel wird keine Gespräche führen über einen Frieden, der mit irgendwelchen territorialen Konzessionen verbunden ist. Die Nachbarstaaten verdienen nicht eine Handbreit israelischen Boden… Wir sind bereit für Frieden gegen Frieden.“ Im Juli 1949 sagte er einem amerikanischen Journalisten: „Ich habe es nicht eilig, ich kann zehn Jahre warten. Wir stehen überhaupt nicht unter Druck.“ Nichtsdestoweniger tauchte in dieser Periode das Bild der arabischen Führer als störrische Feinde auf, das von Israel so bedacht gezeichnet wurde und einen solch wirkungsvollen Teil im israelischen Gedankengebüude darstellt. Benni Morris (1999, S.268) fasst dies kurz und bündig zusammen:

    Jahrzehntelang belog Ben Gurion – und ebenso nachfolgende Regierungen – die israelischen Öffentlichkeit über die Friedensbemühungen nach 1948 und über das arabische Interesse an einem Übereinkommen. Die arabischen Führungspersönlichkeiten (möglicherweise mit der Ausnahme von Abdullah) wurden insgesamt als einen Ansammlung von störrischen Kriegstreibern dargestellt, die auf Teufel komm raus Israels Zerstörung im Sinn haben. Die Öffnung der israelischen Archive in der jüngsten Zeit bietet ein sehr viel komplexeres Bild der Lage.

    Ende 1965 lud der Vizepräsident und Zweite Kommandeur der ägyptischen Armee, Abdel Hakom Amer, den Leiter des Mossad, Meir Amir, nach Kairo ein. Nachdem Isser Har’el, Levi Eshkols Geheimdienstberater, entschieden Einspruch dagegen einlegte, wurde der Besuch abgesagt. Hätte der Krieg 1967 vermieden werden können? Wir werden es nie wissen.

    Unmittelbar nach dem Krieg 1967 streckte Israel seine Fühler aus für eine Annäherung sowohl mit den Palästinensern in der Westbank als auch mit Jordanien. Die Palästinenser waren bereit, Friedensgespräche aufzunehmen, aber nur, wenn sie Aussicht auf einen unabhängigen palästinensischen Staat hätten, eine Möglichkeit, die Israel nie auch nur in Erwägung zog. Die Jordanier waren ebenso bereit, aber nur, wenn sie die volle Kontrolle über die4 Westbank und besonders über Ostjerusalem und die heiligen Stätten erhielten. König Hussein traf sich sogar mit israelischen Regierungsbeamten, doch Israels Ablehnung, eine vollständige Rückgabe der (besetzten) Gebiete zu erwägen, brach den Prozess ab. Die Annektierung des Gebiets für ein „größeres“ Jerusalem und das unmittelbar begonnene Programm der Errichtung von Siedlungen schloss von vornherein jede Chance für einen umfassenden Frieden aus.

    1971 sandte Anwar as-Sadat einen Brief an die Jarrings- Kommission der Vereinten Nationen, in dem er Ägyptens Bereitschaft ausdrückte, ein Friedensabkommen mit Israel abzuschließen. Israels Zustimmung hätte den Krieg 1973 verhindern können. Nach dem Krieg lehnte Golda Meir Sadats erneute Angebote zu Friedensgesprächen in Bausch und Bogen ab.
     
    Israel ignorierte Anfang der 70er-Jahre zahlreiche ausgestreckte Fühler Jasir Arafats und anderer palästinensischer Führungspersönlichkeiten, die mehrfach die Bereitschaft zeigten, mit Israel über Frieden zu sprechen.

    Anwar as-Sadats V ersuche 1978, die Palästinenserfrage als Teil des israelisch-ägyptischen Friedensprozesses zu lösen, wurden von Menachem Begin abgewiesen, der sich weigerte, alles, was weiter ginge als eine palästinensische „Autonomie“. In Betracht zu ziehen.


    1988, in Algier, erkannte die PLO in der palöstinensischen Unabhängigkeitserklärung Israel innerhalb der „Grünen Linie“ an und erklärte ihre Bereitschaft, Gespräche aufzunehmen.


    1993, zu Beginn des Oslo-Prozesses, bestätigten Arafat und die PLO schriftlich ihre Anerkennung Israels innerhalb der Grenzen von 1967 (nochmals: Dies sind 78 Prozent des historischen Palästina). Obwohl sie Israel als „legitimen“ Staat im Nahen Osten anerkannten, erwiderte Israel nicht entsprechend. Die Regierung Rabin erkannte nicht das nationale Recht der Palästinenser auf Selbstbestimmung an, sie war lediglich bereit, die Palästinenser als Verhandlungspartner anzuerkennen. Weder ins Oslo noch in der Folgezeit war Israel je bereit, zugunsten eines palästinensischen Staates auf die 1967 besetzten Gebiete zu verzichten, obwohl dies die Position der UNO (Resolution 242), der internationalen Gemeinschaft (inklusive USA, vor George W. Bush) und, seit 1988 der Palästinenser ist.


    Die vielleicht größte aller vergeudeten Gelegenheiten war die Verunmöglichung eines lebensfähigen palästinensischen Staates durch die Reihe der Likud- und Labour-Regierungen, die während der sieben Jahre des Oslo-“Friedens-Prozesses“ (1993 – 2000) die Bevölkerung in den Siedlungen verdoppelte und damit wirkungsvoll eine Zwei-Staaten-Lösung eliminierten.


    Ende 1995 präsentierte Jossi Beilin, eines der führenden Mitglieder des Verhandlungsteams in Oslo, Itzhak Rabin das „Stockholm-Dokument“ (das mit Abu Mazens Team ausgehandelt worden war), um den Konflikt zu lösen. Die darin aufgezeichneten Übereinkünfte waren so vielversprechend, dass Abu Mazen Tränen in den Augen hatte, als er das Schriftstück unterzeichnete. Rabin wurde ein paar Tage später erschossen und sein Nachfolger Shimon Peres lehnte das Dokument umgehend ab

    Die syrische Bereitschaft zu Friedensverhandlungen unter der Bedingung von Konzessionen bei den besetzten Golanhöhen wurde bis zum heutigen Tag von Israel vielfach zurückgewiesen.

    Sharons komplette Missachtung des Angebots einer Anerkennung Israels durch die Arabische Liga 2002, inklusive des Angebots von Frieden und regionaler Integration im Austausch für ein Beenden der Besatzung.

    Sharons Disqualifizierung Arafats, des bei weitem kooperativsten Verhandlungspartners, den Israel je hatte, und der letzten palästinensischen Führungspersönlichkeit, die noch „liefern“ konnte „wie bestellt“, und der darauf folgende Boykott Abu Mazens.

    Olmert erklärte das „Gefangenen-Dokument“, in dem alle palästinensischen Fraktionen einschließlich Hamas ein politisches Programm mit dem Ziel einer Zwei-Staaten-Lösung beschlossen haben, als „irrelevant“. In der Folgezeit versuchte er mit Gewalt, die demokratisch gewählte Regierung der Hamas zu zerstören; dies geschieht bis heute.

    Hinzuzufügen wären hier all die unnötigen Kriege, kleineren Konflikte und blutigen Angriffe, die hauptsächlich dazu dienten, Israels Ausgangsposition für sein Vorhaben, die Kontrolle über das gesamte Gebiet westlich des Jordans auszuweiten, direkt oder indirekt bequemer zu machen: sas systematische Töten von 3.000 bis 5.000 „Infiltrierten“ in den Jahren 1948 – 1956, palästinensischer Flüchtlinge, zum Großteil unbewaffnet, die nur versucht haben, nach Hause zurückzukehren, ihre Felder zu bestellen oder verlorene Besitztümer einzusammeln; der Krieg von 1956, der teilweise stattfand, um das Wiederauftauchen des „Palästina-Problems“ auf der internationalen Agenda zu verhindern, wie auch, um Israel militärisch, territorial und diplomatisch zu stärken; Militäroperationen gegen palästinensische Zivilisten, beginnend mit den infamen Tötungen in Sharafat, Beit Jala und, der berüchtigtste Fall, in Qubia, ausgeführt von Sharons 101. Einheit. Solche Operationen werden in den besetzten Gebieten und im Libanon bis heute fortgesetzt, hauptsächlich als Kollektivstrafe und zur „Befriedung“. Hierzu zählen noch weitere, Jahrzehnte zurückliegende Operationen von systematischer Liquidierung wichtiger palästinensischer Führungspersönlichkeiten; drei Kriege im Libanon (die Operation Litani 1978, Operation Frieden für Galiläa 1982 und der Krieg von 2006) und vieles mehr.
    Jeff Halper vom Komitee gegen Hauszerstörung

    http://www.palaestina-heute.de/uber_uns/Was_wir_gefragt_werden/Warum_keine_Anerkennung_Israel/warum_keine_anerkennung_israel.html

  14. Herr Schlickewitz – Sie setzen halt auch ihre ganz spezifischen Schwerpunkte. Die Rolle der Kirchen im Dritten Reich als die eines Kompolizen darzustellen, ist zwar in manchen Fällen berechtigt,  greift aber viel zu kurz, denn die Kirche stand letztendlich selbst auch unter Beschuss; die NationalSozialisten waren der Kirche feindlich gesinnt und sahen sie letztendlich als einen tief im Vok verankerten, aber eben als einen ‚jüdischen Kulturimport‘, den sie früher oder später auch auszumerzen gedachten.Die Kirche war in einer höchst zwiespältigen Rolle, in der es alle Schattierungen gab, von Komplizenschaft, über vermutlich mehrheitlich diplomatisches Lavieren bis hin zu Widerstand.

    Genauso wie es antijüdische Agitation aus einer in meinen Augen pseudochristlichen Haltung heraus gab, gab es Anteilnahme und Stellungnahme gegen das Dritte Reich, es wurden auch zahlreiche Priester in KZs interniert (3000) und gerade gläubige Katholiken riskierten mitunter ihr Leben um Juden zu retten.
    Es gibt in meinen Augen auch in Folge des Dritten Reiches (oder vielleicht nicht nur in Fole) auch eine anti-kirchliche Agitation, die teils begründet, teils aber auch sehr an der Sache vorbei geht und ihr ebenfalls nicht gerecht wird.

    Götz Aly hat ein Auge auf die sozialogischen, ökonomischen etc. Gegebenheiten jener Zeit geworfen und das ist wahrlich erhellend.
    Schließlich geht es nicht nur um Bayern und die Kirchen, auch wenn das eben ‚Ihr ‚besonderes Steckenpferd ist, sondern es geht um eine Ideologie, die in ganz Deutschland und auch in Österreich Fuß fasste und es geht um die Frage, wie das möglich war – da reicht es nicht auf das ‚böse‘ Bayern oder die ‚bösen Kirchen ‚ zu verweisen, sondern es ist schon völlig legitim nach der allgemeinen Situation zu fragen, in welcher die Menschen lebten.

  15. Wir gehen schon auf die 100 Beiträge zu und in der Kommunikation kein Lichtblick auf Frieden. Wenn ich mir so die Beiträge sehe, dann sind wir alle auf ein Kernthema gekommen, was uns alle beschäftigt. Eher weniger diese Studie als die aktuelle Situation und wie man das Problem löst oder sieht.

    Haufenweise haben wir Erklärungsversuche wie es zu dem Konflikt gekommen ist. Und man kann ewig diskutieren, es wird auch nicht besser dadurch.

    Ein Konflikt hat nur zwei Möglichkeiten sich zu entladen, wenn man jetzt Richtung Nahen Osten schaut: Entweder Eskalation durch Gewalt oder Veränderung der Situation. 

    Es gibt keine andere Wahl.

    Ich bin für ein liebevolles Mittel für Juden und Araber. Wie viele der Juden sind für ein liebevolles Mittel und wie viele der Araber und der Islam sind für ein liebevolles Mittel?

    Alles andere kann man nicht besprechen als etwas Wünschenswertes oder als Qualität von Existenz.

    Wenn die Geschichte so verlaufen wird, wie hier manche es als notwendig sehen, dann kann nur jemand, der am Leben bleiben will, das Land verlassen.

    Man hat das Land angesiedelt, um wieder in die Diaspora zu gehen?
    Manchmal ist der Frieden ganz nah und manchmal ist er ganz fern.

    Ich glaube es liegt in der Entscheidung der Araber ganz alleine, ob sie den Frieden vorziehen oder den Krieg. Es ist keine Entscheidung Israels, außer sie wollen den Krieg, so wie Ben Josef es einzutrichtern versucht.

    Jerusalem, Jerusalem, was hat man aus dir gemacht?



  16. Götz Alys Warum die Deutschen? Warum die Juden? -Gleichheit, Neid und Rassenhass 1800 – 1933. habe ich ebenfalls mit gemischten Gefühlen gelesen. Obwohl Aly doch bayerische Verwandte hat(te) und auch kurz auf diese im NS eingeht, unterschlägt er vollkommen die wesentliche Rolle Bayerns beim Zustandekommen des NS und er blendet die christlichen Kirchen bzw. deren ebenso langandauerndes wie schädliches Einwirken auf die Deutschen aus. 
     
    Ein Kollege Alys, den ich kürzlich auf diese Schwächen hin ansprach, versuchte damit zu begründen (er wollte seinem Kollegen sichtlich nicht zu nahe treten), dass eben jede Generation, und Aly sei doch immerhin eine halbe Generation älter als wir, ihre ganz besonderen, spezifischen Schwerpunkte setze, usw.

  17. “Und wenn Sie Buber zitieren, dann sollten Sie auch nicht vergessen, dass nachdem was Buber sonst so von sich gab, er wohl der israelischen expansionistischen Politik und der Dauerbesatzung der Palästinenser wohl heute auch sehr kritisch gegenüberstehen würde.“

    Sie haben wohl überlesen Herr Pfeifer, dass ich in der Konditionalform redete, also brauchen Sie mir keine Belehrungen darüber zu geben, dass Buber die Besatzung nicht mehr erlebt hat. Freilich ist das was ich schrieb mehr als naheliegend. Buber hat ja schon die Vertreibung der Muslime aus dem israelischen Kernland abgelehnt, genauso das Absent Property Gesetz, gegen welches er sich in aller Klarheit aussprach, genauso war er für das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge und verabscheute die Verbrechen der Irgun.

    Was sollte er denn da von der Besatzung halten?

    schon arg traurig für Nazi-Mädels, dass der demokratische Staat Israel nicht mehr Opfer sein will…

    Klar – allzu viele tauschen einfach lieber die Rollen und findens dann cool Täter sein – und für alle Ewigkeit kann man sich auf die Verbrechen der Nazis berufen – ein richtiger Persilschein bis in alle Ewigkeit – nicht wahr Uri Degania – ei wie cool Mann?

  18. Immer wieder erstaunlich und beeindruckend, in welcher seelischen Konsequenz sich die Pathologie, der Vernichtungswahn von Nazi-Mädels hier austobt. Aber keine Sorge, ich lese so `nen das (weitgehend selbst verursachte, sowie von ihren arabischen „Brudervölkern“ bestärkte) Leid „der“ Palästinenser zur eigenen Schuldabwehr instrumentalisierenden Scheiß nicht…
    Ja, ja, Zvi Rix hat´s zutreffend formuliert – schon arg traurig für Nazi-Mädels, dass der demokratische Staat Israel nicht mehr Opfer sein will…
    Lieber Sebastian: Herzlichen Dank auch für Deine Lit.hinweise. Nur zu einem Punkt eine vorsichtige Korrektur: Zum neuen Buch von G. Aly (welches ich noch nicht gelesen habe!) gibt es mehrere recht kritische Rezensionen von kompetenten Autoren. So wird bereits im Editorial der neuen, Jubiläumsausgabe (Nr. 200!) der TRIBÜNE zu einer kritischen replik von Ricarda Haase auf Aly hervorgehoben:
    „Wenig Erfreuliches fand Ricarda Haase, als sie Götz Alys neues Buch einer genaueren Analyse unterzog: Fragwürdige Gewährsleute, eingeschränkte Perspektiven, ausgeblendete Forschungsergebnisse, so könnte man ihren Befund zusammenfassen (s. »Parforceritt in den Graben«).“
    http://www.tribuene-verlag.de/Zeitschrift.htm

  19. Jane bewundere ich sehr, Sie weiß was Buber heute sagen würde.
    Meinen Sie wirklich Buber hätte die Juden in Erez Israel  1947-48 aufgerufen sich nicht zu verteidigen? Es gab tatsächlich eine Minderheit unter den Juden, die von einem binationalen Staat träumten. Doch die arabischen Nachbarn setzten aufs Messer (B.Brecht) und mußten die Konsequenzen tragen.
    Die arabische Seite wurde damals vom Nazikollaborateur Hadj Amin el Husseini (der Mufti) angeführt, und der wollte eben keinen Frieden mit den Juden des Jishuv sondern das Werk seiner Nazifreunde fortsetzen. Nur dass die Juden ihm einen Strich durch die Rechnung machten.
    Der Jishuv hat den Vorschlag der Peel-Kommission 1937, der einen jüdischen Ministaat vorsah in der unmittelbaren Umgebung von Tel Aviv akzeptiert, die Araber akzeptierten dies nicht. Die Juden akzeptierten 1947 den Teilungsbeschluss der UNO, die Araber akzeptierten nicht und bereits am Tag nach diesem Beschluss begannen die Araber jüdische Zivilisten zu ermorden.
    Es kam nicht so wie sich das der Mufti vorgestellt hat.
    Aber auf dem Gebiet des Staates Israel blieben 150.000 Araber. In den von Arabern verwalteten Gebieten des Heiligen Landes durfte kein Jude bleiben. Auch nicht in Ost-Jerusalem.
    So bedauerlich das auch ist, es gab wie in Indien-Pakistan zur gleichen Zeit einen Bevölkerungstransfer.. Es flüchteten aus dem Heiligen Land ca. 650.000 Araber und eine höhere Anzahl von Juden mußten die arabischen Länder verlassen, die meisten von ihnen gingen nach Israel und wurden dort integriert. Die arabischen Diktaturen und Königreiche bevorzugten die Flüchtlinge Jahrzehnte in Lagern – die inzwischenzeit zu Städten geworden sind – zu halten, auch als Ablenkung von ihren eigenen Missetaten. Heute lebt schon die dritte und vierte Generation im Libanon z.B. noch immer als Fremde.
     

  20. Zu Martin Buber:
    Buber, der mit Theodor Herzl persönlich bekannt war, hatte das Problem der jüdischen Einwanderung in ein bereits besiedeltes Land schon frühzeitig im Rahmen seines Engagements in der zionistischen Bewegung zum Problem erhoben. So warnte er auf dem Zionistenkongreß in Karlsbad 1921 davor, sich zugunsten der jüdischen Besiedlung Palästinas der Rückendeckung des europäischen Imperialismus zu versichern, und verlangte, anstelle dessen mit den Arabern in Verhandlungen über eine zukünftige Koexistenz zu treten. 1929 hielt er in Berlin eine Rede zum Thema „Jüdisches Nationalheim und nationale Politik in Palästina“, in der er einmal mehr Zeugnis seines weitsichtigen Verständnisses für die Dynamik ablegte, die aus einer jüdischen Immigration erwuchs, die nicht eine gerechte Einigung mit den Arabern anstrebte:

    „Wir haben in Palästina nicht mit den Arabern, sondern neben ihnen gelebt. Das Nebeneinander zweier Völker auf dem gleichen Territorium muss aber, wenn es sich nicht zum Miteinander entfaltet, zum Gegeneinander ausarten. So droht es auch hier zu geschehen. Zum bloßen ‚Neben‘ führt kein Pfad mehr zurück. Aber zum ‚Mit‘ kann, so groß sich auch die Hindernisse aufgetürmt haben, immer noch vorgedrungen werden. Ich weiß nicht, wie lange noch. Ich weiß nur, dass wir, wenn wir dahin nicht gelangen, nicht zu unserem Ziel gelangen werden“.
    (zitiert nach Achim von Borries, „Bittere Bilanz“, Freitag, 22.02.2003)

    Schon kurz nach seiner Ankunft in Palästina 1938 prophezeite Buber den Verfechtern eines harten militärischen Vorgehens gegen die damals ihrerseits die britische Mandatsmacht wie die jüdischen Siedler bekämpfenden Araber eine unheilvolle Entwicklung: „Unsere Gewaltverehrer sind im Begriff, das Arabertum, im Land und außerhalb des Landes, gegen uns zusammenzuschweißen“. Bis zu seinem Tode im Jahr 1965 blieb der weltberühmte Philosoph dem Ziel einer Einigung mit den Palästinensern treu, er setzte sich für einen atomwaffenfreien Nahen Osten ein und warnte davor, daß Israel als militärischer Vorposten des Westens jede Möglichkeit zu einer Verständigung mit den arabischen Nachbarn verspielte. Die Worte dieses Propheten gelten nicht nur im eigenen Land, sondern auch in der Bundesrepublik nicht viel, wurde doch die öffentliche Förderung der Edition seiner Werke vor anderthalb Jahren gestrichen.
    http://www.schattenblick.de/infopool/politik/kommen/frie1050.html

  21. “Jane labert uns mit ihrer Propaganda-Mantra an“

    Was konkret meinen Sie Herr Pfeifer?

    “da  es sich bei den Nachbarn Israels nicht um Briten handelt,“

    In der Tat – das Verhältnis in dem Palästinenser zu Israelis stehen, lässt sich wohl kaum auf das Verhältnis der britischen Kolonialherren zu den kolonisierten Indern vergleichen. Es ist aber falsch so zu tun, als ob die Briten den Indern so menschlich begegnet wären; die Briten begegneten den friedlichen durch Gandhi geleiteten Aufständischen mit grausamen Massakern.

    Und wenn Sie Buber zitieren, dann sollten Sie auch nicht vergessen, dass nachdem was Buber sonst so von sich gab, er wohl der israelischen expansionistischen Politik und der Dauerbesatzung der Palästinenser wohl heute auch sehr kritisch gegenüberstehen würde.
    Martin Buber sprach im März 1949 gegenüber dem damaligen Premierminister David Ben Gurion von den arabischen Flüchtlingen als einer moralischen Frage für Israel.

    Martin Buber hatte in seinem Testament palästinensische Studenten mit Stipendien bedacht. Martin Buber hatte nach dem Massaker in Deir Yassin an arabischen Frauen und Kindern vier Mal an Ben Gurion geschrieben wegen Errichtung eines Gedenksteins. Ben Gurion antwortete kein einziges Mal.

    Martin Buber träumte davon, dass sich Israel vom Westen loslöse und sich in die arabische Welt integrierte und er mahnte, dass man in Israel nur ’neben‘ den Arabern leben und wenn es nicht ein miteinander werde, es dann zwangsläufig früher oder später zu einem gegeneinander werde.

    Nein – Martin Buber können Sie nun wirklich nicht vor ihren Karren spannen.

    • Was erzählen Sie da für Märchen. Bis 1967 gab es keine Besatzung, doch die arabischen Staaten wollten keinen Frieden mit Israel. Und die 1964 gegründete PLO hat sofort mit Terroranschlägen gegen Zivilisten in Israel begonnen. Nach dem Sechstagekrieg antworteten die arabischen Ländern auf israelische Initiativen mit den 3 Nein in Khartum

      Kein Frieden mit Israel
      Keine Anerkennung Israels
      Keine Verhandlungen mit Israel

      Jane, wer also wollte keinen Frieden?

  22.  
    Werter Herr Pfeifer,

    da Sie mich namentlich genannt haben, noch mal ein namentlicher Widerspruch zu Ihrem Kommentar von 16:41.

    Wenn es nach mir und meinen pazifistischen „Gesinnungsgenossen“ gegangen wäre, hätte es keinen WK 1 oder WK 2 als deutsche Angriffskriege gegeben. Wir hätten mit Sicherheit auch nicht das Problem Hitler bekommen – dem Ian Kershaw in seinem jüngsten Buch nun das bestätigt hat, was ich immer schon vermutete, dass Hitler kein Freund Deutschlands war; er war schlicht ein bellizistischer Rassist, der mit Charisma begabt die Welt als seine Bühne sah, von zu vielen bejubelt wurde und in seinem wachsenden Wahnsinn täglich bestätigt wurde, von Menschen, die das „sapere aude“ nicht leben konnten oder wollten und glaubten, Deutschland stehe vor weiteren Hungerkatastrophen („Volk ohne Raum“) und müsse vor dem jüdischen Bolschewismus beschützt werden, der nur in Person Stalins darauf lauere, Deutschland zu erobern und zu zerstören. Eine deutsche Paarung, der aus Rassismus, Bellizismus und Paranoia eine Höllengeburt entsprang.

    Mein Pazifismus bedeutet nicht, dass ich Menschen erlauben würde, mein Land oder meine Familie anzugreifen. Deshalb haben Soldaten, die der Verteidigung verpflichtet sind, meinen allergrößten Respekt, da sie ihr Leben für meine Freiheit und die unseres Landes einsetzen würden.

    Diktatoren muss man nicht dadurch bekämpfen, dass man ganze Länder mit Kriegen überzieht, es gab und gibt wirkungsvollere Waffen – wenn man tatsächlich etwas gegen Diktatoren gehabt hätte.
     

    • „Wenn es nach mir und meinen pazifistischen „Gesinnungsgenossen“ gegangen wäre, hätte es keinen WK 1 oder WK 2 als deutsche Angriffskriege gegeben“
      ___________________________________________________________________

      Alles klar, war eh nur ein Verteidigungsfall; solches lieb ich.

    • Klar doch Hitler war kein Freund der Deutschen und die Deutschen haben ja auch nichts übrig gehabt für Hitler im Umkehrschluss. Für wie dumm wollen Sie uns verkaufen? Und Sie tun so als ob all die Verbrechen nur von Adolf Hitler begangen wurden. 
      Ja wenn es nach Ihren Gesinnungsgenossen gegangen wäre, dann hätten die Alliierten nicht zu Waffen greifen dürfen. Und dann würden ja noch die Gaskammern funktionieren. Doch Tatsache ist, dass die Pazifisten in Deutschland mit wenigen Ausnahmen (Zeugen Jehovas) zur Wehrmacht gingen und ihre Pflicht für Volk, Vaterland und dem Führer erfüllten.
      Erst unlängst sahen wir ein Film, wie sich Deutsche anstellten um den Hausrat der gerade deportierten Juden billig zu kaufen.
      Klar doch laut Ihrer Anschauung hätte man der Volksgemeinschaft nur gut zureden brauchen, und diese hätte darauf verzichtet, beispiellose Verbrechen zu tolerieren bzw. in Auftrag zu geben. 
      Die Alliierten haben einen Krieg führen müssen, um die Barbarei, der man anheimgefallen war zu beenden. Alle Ihre Hypothesen, dass man mit gutem Zureden etwas erreicht hätte sind Resultate von Phantasien.
      Pazifismus kann es nur in demokratischen Gesellschaften geben. Die Diktaturen dulden keinen Pazifismus.
       

  23.  
    @Baruch Zion @Karl Pfeifer
    Danke Baruch Zion! Danke Karl Pfeifer!

    Es gibt so viele Bücher, in deutscher Sprache, in denen die Wahrheit nachzulesen ist. Seltsamerweise glauben immer noch viele Leute meiner deutsch christlichen Community, sich durch Geschwätz und Lügen, der historischen Wahrheit entziehen zu können. 

  24. Sebastian, Sie haben das wunderbar auf den Punkt gebracht. Diese Leute haben 0.0001% Kenntnisse und geben trotzdem vor, sich auszukennen. Jane labert uns mit ihrer Propaganda-Mantra an, Carmela mit ihren seelischen Problemen und Karl K. ist Pazifist, d.h. wenn es nach ihm und seinen Gesinnungsgenossen gegangen wäre, dann würden noch die Gaskammern in den deutschen Vernichtungslagern funktionieren, denn dann hätten sich ja die Alliierten dem Pazifismus hingegeben und auf die Einsicht des Führers der deutsch-österreichischen Volksgemeinschaft gehofft. So wie ihr Vorbild M. Gandhi.
    Gandhi war ja auch Pazifist und wandte sich mit zwei Briefen vom 23. 7. 1939 und vom 24. 12. 1940 an Adolf Hitler, den er mit «Sehr geehrter Freund» anredete und zur Gewaltfreiheit zu überreden versuchte.
    Was die Pazifisten Israel anbieten ist genau das, was Gandhi anzubieten hatte, auf Gewalt und da  es sich bei den Nachbarn Israels nicht um Briten handelt, daher auf das Leben zu verzichten. Martin Buber gab darauf bereits 1939 eine gebührende Antwort, die ich Karl K. raten würde zu lesen. Wenn wir ihn dazu gewinnen könnten, dann hätten wir etwas erreicht. 
     
     

  25.  
    Werter Sebastian!
     
    Zur Geschichte Rauffs noch ein weiterer Hinweis, der zeigt, dass Janes Hinweise, in welcher entsetzlichen Weise Nazionalsozialisten und Zionisten miteinander verbunden waren, ein weiteres schlimmes Kapital in der Geschichte darstellen.
     
    http://shraga-elam.blogspot.com/2011/09/der-nazi-schwerverbrecher-walther-rauff.html
     
    Ich kann durchaus verstehen, dass auch eine bellizistische Grundhaltung eine Lehre aus der Geschichte Deutschlands und Europas sein kann, meine ist es ganz bestimmt nicht.
     
    Und wenn Sie Beispiele anfügen, bei denen israelische Kinder Opfer wurden, so wissen sie, dass auch die anderen ihre Beispiele haben. Könnten beide Seiten Empathie aufbringen für die in ihrem Namen Getöteten, so stände es besser um eine Verständigung und um den Frieden in der Region.
     
    Dass Sie den „neuen deutschen Pazifismus“ als „übel verlogen und verdorben“ bezeichnen und diesen in die Nähe zu den Nazis stellen, lässt wenig von den Motiven der Friedenbewegung, sehr viel jedoch über Ihre undifferenzierte Haltung zum verbreiteten Pazifismus in Deutschland erkennen; Nazi-Vergleiche gehören für mich alle in die Rubrik „sittenwidrig“.
     
    Es wird auch nicht besser, wenn der Kritik an der Politik Israels das Motiv unterstellt wird, man wolle Israel „dämonisieren“, um „Auschwitz los werden“. Auschwitz wird auf dieser Erde so lange bestehen, wie es Juden und Deutsche geben wird!  Ob die Art der Erinnerungskultur an den Holocaust – der bekanntlich Züge einer säkularen Religion aufweist – dem Frieden in der Welt dienlich ist, darüber habe ich meine sehr großen Zweifel.
     
    Das „sapere aude“ verpflichtet zu selbstständigem und kritischem Denken, auch auf die Gefahr hin üble Motive unterstellt zu bekommen.

  26. Die Wut der Muslime auf den Westen liegt nicht in Neid auf unsere ‚Freiheit‘ begründet, sondern in dem Umstand, dass dem Westen die Freiheit der Muslime piepegal ist, und er allzu gerne sich mit allen möglichen Banditen vereinigt, alle möglichen korrupten Regime stützt (der Westen hat die Taliban stark gemacht und auch Bin Laden stand einst in seinem Sold), wenn es ihm nur wirtschaftliche Vorteile bringt,

    So ist der Westen oft nicht unschuldig an der Unterdrückung der Menschen und an dem Umstand, dass demokratische Reformen so lange auf sich warten lassen.

    Nasser wurde mit Krieg überzogen als er den Suezkanal verstaatlichen wollte und die westlichen Partner, die finanziell entschädigt worden waren, keine eigene Vorteilshabe daran mehr gehabt hätten.
    Im Iran wurde der relativ demokratisch legitimierte Präsident Mossadegh mit Hilfe des CIA weggeputscht, weil er das Ölgeschäft verstaatlichen und somit die Öleinkünfte zum Wohle seines Volkes führen wollte und nicht mehr für Konten ausländischer Ölfirmen. Statt dessen wurde ein enorm repressiv agierender Shah vom Westen mitinthronisiert.

    Lang genug hat der Westen Mubarak mit enormer finanzieller Unterstüztung im Amt gehalten, damit Israel an seiner Südflanke keine Probelme hat und die schwelende wunde Gaza immer unter dem Deckel gehalten wird.

    Der demokratisch, sozialistische gewählte chilenische Präsident Allende wurde ebenfalls mit Hilfe des CIA gestürzt, und ein grausames Militärregime eingesetzt, dass die Menschenrechte mit Füßen trat, weil man sich in einem Feldzug gegen den Sozialismus sah, auch dann wenn er demokratisch legitimiert war.

    Der Westen hat zwei Gesichter und die Menschen in der dritten Welt werden allzu oft mit dem Umstand konfrontiert, dass die wirtschaftliche Potenz (jedenfalls bis Dato) nichts von Menschenrechten und sozialem und ökologischen Fortschritt hält, sondern diese allzu gerne torpediert, weil sich mit denselben eben nicht ganz so einträgliche Geschäfte machen lassen.
    Man kann sagen, dass diese Doppelmoral im Westen, jetzt durch die Hintertür zu uns selber kommt und wir erleben das im Abbau vieler sozialer Errungenschaften, für die hier lange gekämpft wurde. Das Wegschauen rächt sich.

    Was die angebliche Affinität von Muslimen zum National-Sozialismus anbelangt, so muss man sich klar machen, dass in kriegerischen Verhältnissen die Leute die Feinde ihre Feinde gerne als ihre Freunde betrachten, auch wenn sie gar keine Ahnung von ihnen haben. Im Islam gibt es fraglos fragwürdiges und zu kritisierendes (aber nicht nur da) aber indem man aus Muslimen Nazis machen will betreibt man doch ein sehr an den Haaren herbei gezogenes Szenario, dass letztendlich vor allem der Selbstentlastung dienen soll.
    Auch wenn es den ein oder anderen muslimischen Akteur gab, der sein Heil in einer Kooperation mit den National-Sozialisten suchte, so kann man dies unmöglich dann auf die muslimische Welt hochrechnen – da blickt der Selbstzweeck doch allzu offensichtlich durch.

    Es gab ja sogar Zionisten die mit den Nazis kooperieren wollten, weil sie gegen die Engländer waren. Es gibt keinen Grund das überzubewerten. Soll man jetzt sagen die Juden sind die Nazis, denn da gab es ja Figuren, die mit den Nazis kollaborierten und die Mussolinie klasse fanden?

    Eine Affinität zwischen Nationalsozialismus und Islam ist im Grunde genommen ziemlich albern. Die Nazis betrachteten doch die Muslime mit als ‚Untermenschen‘.
    In den Konzentrationslagern landeten auch zahlreiche muslimische Immigranten, ganz einfach weil man sie als Sinti und Roma klassifizierte und sie schon rein optisch für die Nazis in die Kategorie ‚Untermesch‘ fielen.

    „Beirut, Berlin, Beirut“ lautet der Titel eines autobiographischen Berichtes, den der libanesische Journalist Kamil Mrowa wenige Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges veroeffentlichte. Istanbul, Sofia, Wien und Berlin waren die Orte seines Exils, in das Mrowa in den Jahren 1941 – 1944 gezwungen wurde.

    Diese Erzaehlung des spaeteren Gruenders der renommierten Tageszeitung al-Hayat, in der dessen Erlebnisse nach der Flucht in den nationalsozialistischen Machtbereich wiedergegeben werden, ist eine der wenigen Quellen, in denen ein arabischer Autor ueber seinen Alltag unter nationalsozialistischer Herrschaft berichtet.

    Trotz aller Beschwernisse und Einschraenkungen, die Mrowa waehrend dieser Kriegsjahre schildert, genoss er als Angehoeriger der Gruppe um den mit den Achsenmaechten zusammenarbeitenden Jerusalemer Mufti Hadj Amin al-Husseini zahlreiche Privilegien.

    Sie unterscheiden sein Schicksal grundlegend von Erfahrungen, die andere Araber als Studenten, Arbeiter oder Kriegsgefangene mit dem Nationalsozialismus sammelten.

    Mit aufwendiger Recherche bemuehte sich der kuerzlich verstorbene Berliner Nahosthistoriker Gerhard Hoepp in den vergangenen Jahren darum, die Spuren arabischer Migranten zu rekonstruieren, die sich jenseits von Kollaboration und Anbiederung im nationalsozialistischen Deutschland aufhielten.
    Staatliche Sondergesetze und der Rassismus der Bevoelkerung bildeten den alltaeglichen Rahmen, dem sich Araber aehnlich wie andere „nicht-arische“ Menschen ausgesetzt sahen.

    Ein Schwerpunkt des Interesses, das von Hoepp verfolgt wurde, bestand darin, die Situation von arabischen Haeftlingen in den unterschiedlichen Internierungs- und Konzentrationslagern zu beleuchten.

    Neben den zeitweise ueber 80.000 nordafrikanischen Kriegsgefangenen, die als Angehoerige der franzoesischen Armee in den zahlreichen Stalags und Frontstalags inhaftiert waren, lassen sich in den Quellen fuer nahezu alle Konzentrationslager arabische und muslimische Haeftlinge identifizieren.

    Widerstand, Teilnahme am Spanischen Buergerkrieg, Sabotage, vor allem aber auch bereits geringste Eigentumsdelikte oder Uebertretungen von Regelungen fuer Fremd- und Zwangsarbeiter dienten zur Begruendung ihrer Internierungen.

    Dennoch sei es wichtig zu betonen, dass die Muslime nicht wegen ihres Glaubens in den Konzentrationslagern inhaftiert wurden, erklaert die Mitarbeiterin der Gedenkstaette, in der die Existenz von muslimischen Haeftlingen in Zukunft ausdruecklich thematisiert werden soll.

    Trotz der rassistischen Repressionen seien Muslime eben nicht, wie die Juden, systematisch verfolgt und schliesslich ermordet worden.

    Im Fall der Gedenkstaette Neuengamme stellt sich fuer die Paedagogen zudem ein besonderes Problem: es handelt sich bei den Muslimen nicht um typische Opfer.
    Die Mehrheit der muslimischen Haeftlinge (in diesem KZ) bestand hier aus ehemaligen Mitgliedern der muslimischen SS-Einheit Handschar, die von den Nationalsozialisten unter den Muslimen des Balkans fuer den dortigen Einsatz gegen Partisanen ausgebildet wurde.

    Ende 1943 wurden ueber 800 der in der Ausbildung befindlichen SS-Leute nach einer Meuterei in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Zum Verstaendnis ihrer Situation im Lager ist ein Hinweis auf die vorangegangene Kollaboration unerlaesslich.
    Die arabischen Opfer, die sich lange „im Schatten des Mondes“ befanden, wie Gerhard Hoepp schreibt, werfen so nicht nur fuer die historische Forschung weiterhin zahlreiche Fragen auf.
    Auch in paedagogischer Hinsicht stellt ihr Schicksal die Gedenkstaetten vor die Herausforderung, die teilweise widerspruechliche Politik des Nationalsozialismus gegenueber Muslimen und Arabern angemessen zu vermitteln….
    http://www.muslimliga.de/archiv/nsverfolgte.html

     
    Die muslimische Welt stand dem Judentum nicht feindselig gegenüber, was immer man da herbei konstruiert stammt aus einer Zeit, als Zionisten Verbrechen in erheblichem Umfang an Muslimen begingen denn eine ethnische Säuberung in dem Ausmaß, wie sie 48 statt gefunden hat, ist ja ein enormes Trauma.
     
    Weiterhin ist es natürlich geradezu lächerlich, festzustellen, dass die Muslime von den Kolonialreichen des Westens nicht gerade angetan war. Wer wäre das schon, und die Implementierung eines jüdischen Staates in Palästina sah man natürlich als eine Demütigung und als einen gewaltsamen Übergriff – was es letztendlich auch war.
     
    Aber viele der angeblich antisemitisch klassifizierten Untaten von Muslimen, stellen sich oft genug als antimuslimische Agitation heraus, die hier und da ein Körnchen Wahrheit, aber dabei auch jede Menge Unwahrheit enthält.
     
    Lassen wir zum Beispiel iranische Juden zu Wort kommen:
    Er sprach in einer Synagoge am Palästina-Platz mit Soleiman Sedighpoor, einem Antiquitätenhändler. Wie fühle er sich, wenn er Rufe wie „Tod Israel“ – „Marg bar Esraeel“ – höre?
    „Lass sie sagen ‘Tod Israel’“, sagte er. „Ich bin in diesem Geschäft seit 43 Jahren und hatte nie ein Problem. Ich habe meine Verwandten in Israel besucht, aber wenn ich so etwas sehe wie den Angriff auf Gaza, dann demonstriere ich auch, als Iraner.“

    Ähnlich war die Antwort, die Cohen von Muris Motamed, einst jüdischer Majlis(= Parlaments)-Abgeordneter, bekam. Ob er sich in seiner Funktion als Feigenblatt fühle, wie ein iranischer Quisling, wollte Cohen wissen. „Nein,“ antwortete er. „Tatsächlich spüre ich hier eine starke Toleranz gegenüber Juden.“

    Cohens Fazit aus seinen Gesprächen: „Es ist wichtig zu entscheiden, was prägender ist: die annihilistischen Anti-Israel-Kampfrufe, die Holocaust-Leugnung und andere iranische Provokationen – oder die Tatsache einer jüdischen Gemeinde, die in relativer Ruhe lebt, arbeitet und Gottesdienst hält. Vielleicht gebe ich Fakten gegenüber Worten zu viel Gewicht, aber ich sage, dass die Realität iranischer Zivilität gegenüber Juden uns mehr über den Iran berichtet – als all die rhetorische Zündelei. Das könnte daher kommen, weil ich Jude bin und selten so durchgängig mit Wärme umfangen wurde wie im Iran. Oder vielleicht hat es mich beeindruckt, dass die Wut wegen Gaza, die auf Plakaten und im iranischen TV hinaustrompetet wurde, niemals zu Beleidigungen oder Gewalt gegenüber Juden führte. Oder vielleicht, weil ich überzeugt bin, dass die Karikierung des Iran als ,Verrücktes Mullah-Regime‘ und das Gleichsetzen jedes Kompromisses mit ihm mit München 1938 – eine Position, die in einigen amerikanisch jüdischen Kreisen populär ist – in die Irre führt und gefährlich ist.

    http://www.nytimes.com/2009/02/23/opinion/23cohen.html

    Oder was die oft herbei zitierte angebliche Vertreibung von Millionen Juden aus muslimischen Ländern anbetrifft wird die historische Wahrheit allzu gerne verzerrt, negiert, ja völlig entstellt:

    Hierzu aus einem Brief kritischer Juden:

    Besonders signifikant ist zudem Ihre Aussage, Misrachi in arabischen Ländern wären „entweder von staatlicher Seite aus vertrieben oder von der muslimischen Bevölkerung bedrängt (worden), das Land zu verlassen“. Mit diesem Satz begehen Sie nichts weniger als eine Geschichtsfälschung – mit der drastischen Folge, dass Sie Verbrechen gegen die Menschlichkeit verleugnen.

    ..Die irakischen Jüdinnen und Juden mussten wegen eines Abkommens zwischen israelischer und irakischer Regierung ihr Land innerhalb eines Jahres verlassen, und nicht, weil sie vertrieben wurden. Noch während die israelische Regierung das Abkommen plante, wurde das Eigentum der irakischen Jüdinnen und Juden als Eigentum des Staates Israels betrachtet, mit der Absicht dieses mit dem Eigentum der vertriebenen Palästinenserinnen und Palästinenser, „die sich nicht dem jüdischen Staat angepasst haben“, wie ese in israelilscher Geheimdienstagent berichtete, zu verrechnen.

    Die Jüdinnen und Juden aus Marokko, die größte Gruppe der Misrachi in Israel, wurden ebensowenig aus ihrer Heimat vertrieben. Sie verließen Marokko, nachdem zionistische „Aliya“-Gesandte, die den staatlichen Auftrag hatten, die jüdische Bevölkerung dazu zu bringen, ihre Heimat zu verlassen und nach Israel auszuwandern, die jüdischen Gemeinden auseinanderbrachten. So wurden marokkanische jüdische Kinder in staatlichem Auftrag Israels entführt. Ihren Eltern wurde erzählt, die Kinder führen zum Urlaub in die Schweiz, stattdessen wurden sie nach Israel verschleppt. Die Eltern konnten ihre Kinder nur unter der Bedingung wiedersehen, dass die Eltern nach Israel emigrierten. In der Zwischenzeit wurden die Kinder in einem Kibbutz umerzogen.

    Die israelische Regierung bezahlte zudem dem marokkanischen König Kopfgeld, so dass es unzulässig ist zu unterstellen, dass die Migration durch repressive Politiken seitens des marokkanischen Staates verursacht wurde. Vielmehr setzte der Staat Israel alles daran, die marokkanisch-jüdische Bevölkerung zu entwurzeln. Die marokkanischen Juden verließen ihre Heimat über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren und in der Regel durfte jedes einzelne Familienmitglied hundert Kilogramm Gepäck mitnehmen. Damit kann von einer Vertreibung auch im Fall Marokkos nicht gesprochen werden. In Israel angekommen, wurden Tausende der marokkanisch-jüdischen Kinder wegen eines harmlosen Pilzbefalls der Haut mit den Röntgenstrahlen bestrahlt, die bei vielen Nebenwirkungen bis hin zum Tod verursachten, alles im Rahmen einer staatlichenen „Behandlung“ seitens israelischer Ärzte mit eugenischen Einstellungen, Beamte der „Abteilung der sozialen Medizin“ im Gesundheitsministerium….

    Ein Großteil der jemenitischen Jüdinnen und Juden kamen nach Palästina noch vor der Gründung Israels. In Israel angekommen erfuhren viele von ihnen großes Leid, nachdem ihre Kinder entführt wurden und vermutlich ashkenasischen Familien zur Adoption gegeben wurden. Bis heute verweigern die staatlichen Stellen Auskunft über diese Entführungen, trotz Zeugenaussagen der Familien und der Mitarbeiter der staatlichen Gesundheitsinstitutionen, die in diese Verbrechen involviert waren.

    Die Liste der jüdischen Gemeinden in muslimischen bzw.. arabischen Länder, die nicht vertrieben wurden, lässt sich erweitern: Auf die Jüdinnen und Juden der Türkei, einem Land, das Juden aus Deutschland aufnahm, als ihnen dort die Vernichtung drohte. Oder auf die jüdische Bevölkerung Algeriens, die durch die israelische Premierministerin Golda Meir auf dem Altar der israelischen Interessen mit Frankreich geopfert werden sollten, als sich die französische Kolonialmacht aus Algerien zurückzog. Auch jüdische Iranerinnen und Iraner lehnen es bis heute trotz israelischer finanzieller Anreize ab, nach Israel auszuwandern.

    ….Der Respekt für die Menschenrechte gebietet es, abschließend ein Verbrechen beim Namen zu nennen: die Vertreibung der in Ägypten übrig gebliebenen Jüdinnen und Juden. Diese kleine jüdische Gemeinde ist die einzige Gemeinde eines arabischen bzw. muslimischen Landes, deren Mitglieder in der Tat vertrieben wurden.

    Mit der falschen Behauptung, Misrachi seien aus ihren Ländern vertrieben wurden, leugnen Sie also diese lange Liste an Verbrechen der aschkenasischen Staatshegemonie gegen die Menschlichkeit: die Entführung von Kindern, ihre eugenische ärztliche „Behandlung“ mit Todesfolgen, ihre Umerziehung und Zwangssäkularisierung….

    http://www.ipk-bonn.de/kultur/news/2011011301.html
     
    Sicher gibt es in der muslimischen Welt anti-israelische Agitation, es gibt ja auch jede Menge anti-muslimische Agitation in Israel sowieso, aer hier ja mittlerweile leider auch.
     
    Das Problem mit all diesen Ideologien, natürlich gibt es immer Aufhänger, Anlässe, historische Begebenheiten, aus dem historischen Zusammenhang gerissene Zitate etc. an denen man eine solch rassistische Ideologie aufhängt, natürlich finden sich Körner von Wahrheit darin, das eigentlich Problem und das falsche daran: alles andere wird ausgeblendet, es wird nur rausgesucht was der Untermauerung der eigenen Ideologie, des eigenen Rassismus, ja der eigenen Kriegstreiberei dient. Das gibt es dort und hier leider auch. Um ein differenziertes Bild sind die Adepten solcher Ideologien nicht  bemüht.
     
    Zu Matthias Künzel, der ist aus eben diesen Gründen hochumstritten.

    Alexander Flores (Universität Bremen) sieht in Küntzels Buch Djihad und Judenhass hingegen groteske Verzerrungen der Wirklichkeit.In der Zeitung analyse & kritik bemängelt Bernhard Schmid an Küntzels Islamismusanalyse, sie bestehe „vor allem darin, Züge des deutschen Nationalsozialismus in den Islamismus hineinzulesen. Der Mühe, den Islamismus mitsamt seinem gesellschaftlichen Kontext zu analysieren, unterzieht er sich erst gar nicht“. Eine andere Einschätzung vertritt Katajun Amirpur im Deutschlandradio. Küntzel, so Amirpur, liege in einigen Fällen nachweislich so falsch, dass es dem Leser schwer falle, ihm da Glauben zu schenken, wo er Recht haben könnte. Der Gegendarstellung von Küntzel erfolgte eine Antwort von Amirpur auf NEFAIS (Netzwerk Fachjournalisten islamische Welt) sowie eine Erwiderung Küntzels.Fahimeh Farsaie im Freitag spricht noch deutlicher von „Verzerrung der Tatsachen“, der Autor wolle im Islamismus „partout die Fratze der Nazis“ erkennen.Der deutsche Islamwissenschaftler Michael Kiefer kritisiert den oftmals „alarmistischen Ton“ und die „terminologischen Fehlgriffe“ sowie falsche NS-Vergleiche und Übertreibungen, die Küntzel anschlägt.
     
    http://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_K%C3%BCntzel

     
    Wer tatsächlich friedliche Absichten pflegt, der wird vor allem um eines bemüht sein, um Differenzierung und nicht um Agitation.

     
     

    • „Wer tatsächlich friedliche Absichten pflegt, der wird vor allem um eines bemüht sein, um Differenzierung und nicht um Agitation.“
      _________________________________________

      Und WO SOLL DIE IN DER ISALMISCHEN WELT SEIN?
      jANE; DER ZUG IST ABGEFAHREN!

  27.  
    @ Carmela

    Danke für Ihre weiteren Hinweise zu Ihrer Grundhaltung. Ich brauche wahrscheinlich eine längere Anlaufzeit, um Ihre Grundhaltung zu verstehen. Allein das Wort Jerusalem hat für Sie eine Bedeutung, die ich in seiner vielschichtigen und tiefen Bedeutung nur aus meiner Beschäftigung mit dem Judentum bestenfalls ahnen kann.

    Dieser Satz hat mich betroffen gemacht:

    „Was glauben Sie wie gerne ich einmal in Jerusalem wäre, aber ich kann dort nicht hingehen, weil das ganze Stadtbild geprägt ist von traurigen Ereignissen auf beiden Seiten. Da ist so vieles schief gelaufen, dass man nicht wüsste wo man anfangen sollte aufzuzählen. Und das auf beiden Seiten.“

    Ich sehe darin, wie weit Menschen voneinander entfernt sein können – und wie viel Platz für Missverständnisse vorhanden ist.

    Da die Politik der israelischen Regierungen auch für Deutsche eine unmittelbare Bedeutung hat, besteht auch für mich die Notwendigkeit einer sehr kritischen Aufmerksamkeit. Kritik an Israel kann all das sein, was man Kritikern vorwirft. Deshalb muss ich selbst darauf achten, dass ich nicht selbst ein solches Motiv habe. Die Angst vor solchen Vorwürfen habe ich vor längerer Zeit abgelegt.

  28. Jane und Carmela, die ohnmächtige Wut gegen den jüdischen und demokratischen Staat wird verständlich, wenn man sieht was in Syrien abgeht, wo es schon mehr als 4.000 zivile Opfer gibt, man nimmt auch zur Kenntnis die Pogrome gegen koptische Christen in Ägypten, die vielen Todesopfer im Jemen und Lybien sowie im Sudan. All das läßt vieleDeutsche und Österreicher gleichgültig, denn ihrer rassistischen Meinung nach muss man die Kultur eines jeden Volkes respektieren und deswegen meinen sie ja auch das Morden gehöre zur arabischen Kultur.
    Dafür werden wir hier von Jane und Carmela (ist Carmela ein Deckname für Jane?) auch belehrt, dass der Zionismus übel ist und über all die Sünden, die „der Zionismus“ am Kerbholz hat. All das nur, um abzulenken von der Wirklichkeit des Nahen Ostens und zu implizieren, dass die ärgsten Menschenrechtsverletzer die Israelis sind.
    Dabei habe ich gar nicht über die Maffia von Beduinen auf der Halbinsel Sinai geschrieben, die Flüchtlinge aus Afrika, auf dem Weg nach Israel ausrauben, vergewaltigen und gelegentlich auch deren Organe verkaufen. Darüber und über die obskurantische Hamas verlieren „Friedenskämpfer“ kein Wort, denn das sind doch ihre Alliierten im Kampf gegen „den Zionismus“.
    Somit kann ich zusammenfassen, Jane und Carmela haben hier nur ein Ziel, den jüdischen und demokratischen Staat Israel madig zu machen.
    Sie sagen mehr über sich selbst aus, als über Israel und „den Zionismus“.
     

  29. @Karl K. @Carmela @Kassandra @Jane
     
    Grade in den letzten Jahren, ist es vielen Autoren gelungen, die geschichtlichen Hintergründe des Nahostkonflikts zu erforschen und zu erläutern. Hier seien genannt: Klaus – Michael Mallmann/Martin Cüppers, Klaus Gensicke, Matthias Küntzel, Tilman Tarach und viele Andere.
    Um verstehen zu können, mit welchen Gegnern es der jüdische Staat heute zu tun hat, und wie hoch der düstere Schatten der deutschen Nazivergangenheit über dem Nahostkonflikt steht, möchte ich hier auf das Buch von Klaus-Michael Mallmann und Martin Cüppers „Halbmond und Hakenkreuz“ hinweisen.  Mit zahlreichen Quellennachweisen haben die Autoren ein hochinformatives Werk  zur arabisch-nationalsozialistischen Kollaboration geschaffen.
    Auf Seite 251 des Buches schreiben die Autoren, was viele Leute meiner deutsch christlichen Community nicht wissen wollen.
    Zitat:
     „Nach 1945 war die Affinität zum Nationalsozialismus in der arabischen Welt weitgehend ungebrochen. (………) Historische Reminiszenzen an den Nationalsozialismus zeigen dabei die Kontinuität des Denkens auf. Eine in Damaskus erschienene Zeitung der Moslembrüder brachte das nach wie vor enge Verhältnis zum deutschen „Führer“ auf den Punkt, als darin 1956 zu lesen war: „Man darf nicht vergessen, daß Hitler, anders als in Europa, in der arabischen Welt hohe Achtung genießt. Sein Name erweckt in den Herzen unserer Bewegung Sympathie und Begeisterung.“ (….)
    Die jordanische „Jerusalem Times“ veröffentlichte am 24.April 1961, kurz vor Eröffnung des Prozesses gegen Adolf Eichmann in Jerusalem, einen offenen Brief an den Angeklagten. Der Mitorganisator der Vernichtung der europäischen Juden habe „der Menschheit einen wirklichen Segen“ erwiesen, heißt es darin. „Dieser Prozess“, so wurde weiter angekündigt, „wird eines Tages mit der Liquidierung der verbleibenden sechs Millionen (…) seinen Abschluss finden.
    Zitat Ende.
    Das Buch schildert die dramatische Situation der Jischuw, wie zunächst durch die Armee Rommels das braune Verderben aus Deutschland, den Juden in Palästina bedrohlich nahe kam.  Die engen Beziehungen des Dritten Reiches zur arabisch-islamischen Welt der gemeinsame Haß gegen die Juden im britischen Mandatsgebiet führte zu einer direkten Unterstützung arabischen Nationalisten durch die Nazis.

    Nun ein wenig darüber, womit der Staat Israel bis heute zu kämpfen hat.

    Während der Nazizeit in Deutschland konnten sich einige Juden durch Migration nach Palästina retten. Im damaligen Palästina gab es zwei große Klans. Die  Nashashibis, und die Husseinis. Die Nashashibis begrüßten die Einwanderung vieler Juden. Die Husseinis waren unter ihrem Führer Amin al Husseini Antisemiten. Es entbrannte ein Kampf zwischen beiden Klans. Durch massive Unterstützung der Nazis gewannen die antisemitischen Husseinis die Oberhand. Die den Juden zugewandten Nashashibis flohen oder wurden von den Schergen der Husseinis ermordet. Die Oberhand der antisemitischen Husseinis über die Palästinenser war ab da, durch die Unterstützung der Nazis, fest geschrieben und hält bis heute an. Jassir Arafat selbst war ein Ziehkind von Amin al Husseini, der die Vernichtungspläne der Nazis gegen die Juden unterstützt hat. Arafat nannte Amin al Husseini „unseren großen Führer“.  Nachlesen kann man das in den Büchern der o.g. Autoren.
    Fast Niemand weiß, dass der SS-Obersturmbannführer Walter Rauf, einer der Hauptverantwortlichen für die Durchführung des Holocaust in Osteuropa, „Erfinder“ der Gaswagen, mit seinen Schergen im Juli 1942 bereits nach Athen verlegt wurde, um dort jederzeit nach Afrika und dann nach Palästina überführt zu werden, um einen weiteren Massenmord an den dort lebenden Juden durchzuführen.  Die Truppen Rommels wurden geschlagen, so dass der Massenmort gegen die Juden durch Raufs Schergen in Afrika und Palästina in letzter Minute verhindert wurde (ausführlich in Halbmond und Hakenkreuz Seite 137 ff Mallmann/Cüppers). Oder für den Anfang hier http://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Rauff  unter „Einsatzkommando in Nordafrika“. 
    Diese geschichtlichen Hintergründe sind Ihnen Karl K, Carmela und Kassandra offenbar nicht bekannt.
    Große Teile meiner deutsch christlichen Community haben freilich kein Interesse an den o.g. Fakten.  Ohne das israelische Militär wäre der hier angesprochene Vernichtungswille der Araber gegen die Juden in Palästina, der durch die Nazis zusätzlich geschürt wurde, längst erfolgreich gewesen. Meine deutsch christliche Community gibt sich heute pazifistisch, um den Überlebenskampf der Juden als kriegerischen Akt zu diffamieren. Ohne jedes Hintergrundwissen über die tatsächlichen Zusammenhänge des Nahostkonfliktes wird der neue deutsche Pazifismus aus dem Land der Mörder den Juden gen Israel vor salbadert. Wer kennt schon die Geschichte des vier Jährigen Mädchens dem 1979  ein Palästinenser mit dem Gewehrkolben den Schädel eingeschlagen hat.
     
    Und wer kennt all die Namen der Israelis, die während der suizidalen Massenmorde auf Israels Straßen wahllos abgeschlachtet wurden.  Wenn die Hamas jahrelang Raketen auf Israel hageln lässt und in einem Bürgerkrieg die Palästinenser der Fatah massakriert, regt sich in unserer arischen Friedensbewegung nichts. Wenn aber der Terror gegen Israel unerträglich wird und Israel sich zur Wehr setzen muss, versucht die deutsche Friedensbewegung die Juden in Israel zum neuen deutschen Pazifismus zu bekehren, wie vor 500 Jahren Martin Lutter die Juden zum Christentum bekehren wollte. Wenn aus Nordkorea von Giftgasversuchen an Gefangenen berichtet wird, ist von deutschen Pazifisten nicht einmal ein müdes Gähnen zu erwarten vgl. hier http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,284644,00.html
    Diese Form des neuen deutschen Pazifismus ist genauso übel verlogen und verdorben wie die Schmierereien, die die Nazis am 9. November 1938 an jüdische Geschäfte geschmiert haben,„Deutsche wehrt Euch“. Wenn die Juden nunmehr aus ihrer eigenen Community heraus, noch dazu in Ihrem eigenen Land in der Lage sind, sich erfolgreich gegen den Vernichtungswillen seines Umfeldes zur Wehr zu setzen, kommt aus dem Land der Mörder der Bekehrungsversuch zum neuen deutschen Pazifismus, der den Untergang Israels bedeuten würde. Obwohl sich die Juden nur gegen den blinden Vernichtungswillen seines Umfeldes zur Wehr setzen, wird alles Übel und alle Schuld wie eh und je auf die Juden abgeladen. Mit dem kleinen Unterschied, dass aus dem intriganten Juden der intrigante Zionist geworden ist.  
    Große Teile meiner deutsch christlichen Community dämonisieren Israel, um so die Bürde von Auschwitz, die sechs Millionen ermordeten Juden los zu werden.
     
     

  30. @ Karl K

    Die Existenzberechtigung Israels ist ein heißes Thema, aber wie ich mich entsinne, habe ich dieses Wort nicht in den Mund genommen. 

    Was ich meine ist die Expansionsaktion Israels und einen als für Juden verpackten Staat so zu gestalten, dass man Angst hat hinzugehen, dort zu leben oder darüber zu reden.

    Ein Staat Israel ist etwas tolles und etwas einmaliges, aber was man dort gemacht hat, ist doch unmöglich.

    Was glauben Sie wie gerne ich einmal in Jerusalem wäre, aber ich kann dort nicht hingehen, weil das ganze Stadtbild geprägt ist von traurigen Ereignissen auf beiden Seiten. Da ist so vieles schief gelaufen, dass man nicht wüsste wo man anfangen sollte aufzuzählen. Und das auf beiden Seiten.

    Können Sie sich vorstellen, wie man sich fühlt, wenn man hört, dass Juden diesen Staat aufrichten durften mit dem Versprechen dort den Sonntag als Ruhetag aufzustellen? Ich könnte es auch nicht glauben, wenn man nicht 2 x versucht hätte dort den Sonntag als Ruhetag einzuführen. Nur einmal als Beispiel.

    Es geht nicht um dass man einen Staat hat, sondern um das wie… . Solange der Zionismus dort den Hebel hat, wird es keinen Frieden geben. Eine Ideologie wird nie eine Heimat finden im Nahen Osten, die den Menschen das Ersehnte bringt. Ein Staat im Nahen Osten muss so präzise in diesem Gefüge zugeschnitten werden, dass er ins Land passt. Mit einer sturen Sichtweise kommt man hier nicht weiter.
    Im Gegenteil, diese gefährdet das Leben vieler Menschen und hat schon vielen das Leben gekostet. 

    Ein Neuanfang ist die einzige Möglichkeit. Aber wenn man die Art und Weise so weiter  setzt, dass man wie Netanjahu sagte, dass man mit Palästinensern verfahren wird, dass sie froh werden, wenn sie nur paar Prozent des Landes bekommen werden, dann ist das eine Weise die mit dem Leben aller im Nahen Osten spielt.

    Verwechseln Sie bitte nicht das eine mit dem anderen. 

    Zion ist für mich kein Begriff, den ich nicht kennen. Zion ist das Lied, das ich singe. Aber das wollen die meisten von hier nicht hören. So wie sie andere Sachen nicht hören wollen. Man kann natürlich den Mund halten und die Leute ins Messer rennen lassen. Aber ob die Leute noch die Möglichkeit haben werden hinterher alles richtig zu machen, bezweifle ich.

    Es gibt keinen Staat auf Erden, der Narrenfreiheit hat. 

     

  31. Es ist völlig offensichtlich, dass die Zeloten und Pro-Israel-Stammhalter gewaltsame Mittel befürworten, das ist ja das Credo fast aller ihrer Statements. In endlos vielen Auseinandersetzungen versuchen sie einem ja dauernd zu erklären, dass es keine andere Möglichkeit gäbe, weil die andere Seite ja eine so große Gefahr darstelle. Die konsequente militärische Repression, Vertreibung, Enteignung gegen die Palästinenser sei ‚leider, leider‘ ebennotwendig.
     
    Daher ist dieser Punkt der Studie erst mal vollkommen naheliegend und kaum zu bestreiten. Die Ursachen des Konflikts, werden ausgeblendet und alleine ein kritisches Nachdenken über die Ursachen scheint vollkommen auf Grundeis gelegt.
     
    Weiterhin geht dies einher mit der Behauptung, dass Juden auch jenseits der Grünen Linie ein Vorrecht auf Land und Ressourcen hätten oder man gibt sich damit zufrieden einfach nicht darüber nachzudenken, hauptsache man heult mit den Wölfen.
     
    Warum – nun, das soll der Liebe Gott wissen – oder auch nicht – seis drum – dem kann man ja unterschieben was man will – das ist ja so praktisch daran.
     
    Dass die andere Seite dies nicht einsehen mag, ist ihnen nicht mal insofern verständlich, als dass die ganze Welt, sämtliche Verbündete etc. zu keiner anderen rechtlichen Expertise kommen. Israel hat das Recht zu existieren, natürlich, völlig unbestritten und zwar bis zur Grünen Linie und würden sie ihr Siedlerunternehmen einstellen, dann könnte es einen palästinensischen Staat morgen geben, oder eigentlich schon seit 1988 jenseits der Grünen Linie, wo Arafat ihn seinerzeit ausrief und Israel könnte darüberhinaus auch von allen arabischen Staaten längst anerkannt sein.
     
    Dass die Besiedelung der den Palästinensern restlich verbliebenen Gebiete nun einmal ein recht zweifelhaftes Unternehmen ist, und Ursache für die Unmöglichkeit diesen Konflikt zu beenden (einhergehend mit der absoluten militärischen Übermacht) – wird bestritten, verdrängt, verharmlost, veralbert – obwohl es vollkommen offensichtlich ist, genauso wie die dramatisch, existentielle Not, welches dieses Unternehmen für die Palsätinenser bedeutet, die da zu Hause sind oder sich dort ansiedelten, nachdem sie 48 schon mal vertrieben und enteignet wurden.
     
    So steht schlicht und ergreifend Macht gegen Recht, denn völkerrechtlich gibt es an dem Anspruch der Palsätinenser auf das West-Jordanland und Gaza nichts zu rütteln. Die ganze Welt spricht es ihnen zu und der Grundsatz, dass Landgewinn nicht durch kriegerische Akte legitimiert sein kann, gilt auch für Israel.
     
    Um diesen eigentlich in keiner Weise haltbaren israelischen Standpunkt zu unterfüttern, wird mit verallgemeinernden, entmenschlichenden Attributen auf den Palästinensern, oder auch den Muslimen im allgemeinen herumgehackt, die man daher als eine Untermensch darstellt, ein Habitus, der sich in der Geschichte immer wieder widerholt, in Europa in der Mitte des letzten Jahrhunderts in dramatischem Ausmaß gegen Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle, Linke etc. Wechselweise bietet das Elend der Palästinenser dafür eine gute Blaupause, und hämisch wird dann noch ab und an, darauf verwiesen, dass es ja auch gut genährte Leute in Gaza gäbe.
     
    Dass dieses Szenario von Gewalt von beiden Seiten begleitet wird, liegt wohl in der Natur der Sache, die Gewalt der Isrealis ist jedoch institutionalisiert und wird in ihrem Ausmaß massiv verharmlost und generell in ihrerr Alltäglichkeit kaum noch wahrgenommen, bzw auch noch heroisiert, wohingegen die palsätinensische Gewalt immer dramatisch ausgeleuchtet und selbstverständlich immerzu auf alle Palästinenser verallgemeinert wird. So wird dann Palästinenser ein Synonym für den angeblich blutrünstigen Terroristen und der israelische Soldat ist angeblich der edle Held, wobei das Tragen einer Uniform die Gewalt nicht besser und eben auch nicht unbedingt berechtigt (man denke nur an die Nazis) und da es sich hier um ein Unternehmen handelt, dass völkerrechtlich keinerlei Legitimation hat und darüberhinaus eine schleichende ethnische Säuberung bedeutet – ist daran gar nichts heroisch. Es ist verbrecherisch. Dass das nicht die Intention eines jeden Soldaten ist, die ja in Israel keine Möglichkeit der Wehrdienstverweigerung haben ist mir klar, und dass die angebliche Gefahr dauernd hochgehalten, die angebliche Alternativlosisgkeit zu dieser Politik den jungen Menschen eingetrichtert wird, ist mir auch klar.
     
    Was die Tradition des Likud, der seine Wurzeln im Revisionismus eines Jabotinsky und der faschistischen Irgun hat, sei gesagt, das waren große Bewunderer Mussolinis und die völkische Neuordnung Europas, sahen manche von ihnen, als ein Unternehmen, dass gewissermaßen im Einklang mit revisionistisch-zionistischen Interessen, eines jüdisch-völkischen Staates ging.
     
    Dieses Erbe wirkt bis heute.
     
    Zur Erinnerung an die terroristische, israelische Vorgeschichte vor der Staatsgründung:

    …1939, als zwischen Großbritannien und Deutschland der Krieg ausbrach, verweigerte Abraham Stern, einer der Irgun-Führer, der in Italien studiert hatte und ein Bewunderer Mussolinis war, den Briten jede Unterstützung gegen Deutschland. Er vertrat die Ansicht, die Briten seien der Hauptfeind. Es bestehe kein Unterschied zwischen den nazi-faschistischen Staaten und den westlichen Demokratien, zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten, zwischen Hitler und Chamberlain, oder zwischen dem Einsperren der Juden in Dachau und Buchenwald oder ihrem Aussperren aus Palästina. Als er die Irgun-Mehrheit nicht auf seine Seite gewinnen konnte, brach er mit der Bewegung der Revisionisten, und seine Fraktion wurde als Stern-Gruppe bekannt.

    Während sowohl die Haupttendenz der Zionisten wie auch die Revisionisten die Engländer gegen Deutschland unterstützten und in die britische Armee eintraten, lehnte die Stern-Gruppe die Aushebung von Juden ab und setzte bewaffnete Raubüberfälle, Morde und Terroranschläge gegen Briten und Araber fort. Sie führte eine Terrorkampagne, die darauf abzielte, die Briten aus dem Land zu vertreiben und im ganzen biblischen Palästina, inklusive Transjordanien, einen Judenstaat zu errichten. Da die Juden in Palästina die Minderheit waren, konnte ein solcher Staat nur die Vertreibung der arabischen Bevölkerung bedeuten, um seinen jüdischen Charakter zu wahren.


    Als Gegenleistung für die Unterstützung zuerst Italiens und später Deutschlands bei der Vertreibung der Briten aus Palästina versprach Stern, der neue jüdische Staat werde zu einem Ableger des deutschen Staats werden, wobei Jerusalem, mit Ausnahme der jüdischen Heiligtümer, zu einer Provinz des Vatikans werden könne. Anders ausgedrückt bedeutete dies, der Errichtung eines Judenstaats sogar Vorrang vor der Sicherheit der europäischen Juden einzuräumen.


    Kurz vor Kriegsende gaben sich die Stern-Anhänger, unter ihnen auch Schamir, der aus dem Gefängnis entlassen wurde, den neuen Namen Lehi. Sie verfolgten nach wie vor vergleichbare Ziele und bekannten sich weiterhin zu Sterns „Achtzehn Prinzipien der nationalen Erneuerung“, die einen jüdischen Staat vom Nil bis zum Euphrat proklamierten. In ihrem Kampf gegen die Briten bekannten sie sich zu den Methoden der IRA. Schamir wählte als nom de guerre sogar den Namen Michael, nach [dem IRA-Führer] Michael Collins. Die jetzt eher peinliche Verbindung zu den Nazi-Faschisten wurde fallengelassen, und stattdessen wurden Beziehungen zu Großbritanniens jüngstem Feind, der Sowjetunion, angeknüpft, obwohl einige von ihnen lieber eine Allianz mit den arabischen nationalen Befreiungsbewegungen gesehen hätten, die gegen ihre Marionettenregierungen von Gnaden des britischen Imperialismus kämpften.


    Lehi verurteilte die Labour-Zionisten und die Haupttendenz der Revisionisten-Bewegung, die auf Verhandlungen mit den Briten setzten. Was Lehi betraf, so setzten sie die Briten gleich der Gestapo gleich, die Labour-Zionisten mit Vichy-Frankreich, und Lehi selbst betrachtete sich dabei als die Resistance. Auf die Frage, ob es möglich sei, nationale Befreiung durch Terrorismus zu erreichen, lautete Lehis Antwort: „Die Antwort ist: Nein! Wenn die Frage lautet, sind terroristische Aktivitäten für den Fortschritt der Revolution und der Befreiung nützlich, dann ist die Antwort: Ja.“


    Lehis berüchtigtste Tat war 1944 die Ermordung von Lord Moyne, dem britischen Militärkommandanten in Ägypten.


    Colin Shindler, ein Experte für israelische Studien an der Schule für orientalische und afrikanische Studien der Universität von London und Autor von „The Land Beyond Promise: Israel, Likud and the Zionist Dream“, erklärte, Lehi imitiere die Methoden der IRA. Von September 1942 bis Juli 1946, als Schamir verhaftet und nach Eritrea ausgewiesen war, gab es sieben versuchte Mordanschläge auf das Leben des britischen Hochkommissars in Palästina, und es waren noch einige weitere geplant, zum Beispiel gegen Ernest Bevin, den britischen Außenminister, und gegen Mitglieder des britischen Geheimdienstes. Schamir plante den Mord an Lord Moyne. Außerdem unternahm Lehi vierzehn Mordversuche gegen Juden, die angeblich oder tatsächlich für den britischen Geheimdienst arbeiteten. Lehi war nicht abgeneigt, wenn nötig auch ihre eigenen Mitglieder umzubringen.


    Obwohl Lehi bei weitem die kleinste der zionistischen Terrorgruppen war, war die Stern/Lehi-Gruppe für 71 Prozent aller politischen Morde von 1940 bis 1948 verantwortlich. Fast die Hälfte davon richtete sich gegen Juden.


    Sogar nach der Gründung des zionistischen Staates setzte Lehi ihre mörderischen Aktivitäten fort. Hazit Ha’Moledet, die Vaterländische Front, eine Splittergruppe, die sich von Lehi abspaltete und die später die Moledet-Partei gründen sollte, führte das Attentat auf Graf Folke Bernadotte aus, einen UN-Gesandten, der versucht hatte, ein Friedensabkommen zwischen Israel und den Arabern zu erreichen.
     
    http://wsws.org/de/2003/jun2003/isra-j28.shtml
     
    Man denke daran, die Briten befanden sich im Kampf gegen Nazideutschland und auch wenn die Briten mit der vollkommenen Verdrängung der Muslime aus Palästina nicht einverstanden waren und sich bemühten Interessen von Juden und Muslimen gleichermaßen zu berücksichtigen und daher die jüdische Einwanderung beschränkten, so waren sie doch auch lange der Garant derselben.
     
    Anlässlich des Besuchs von Menachim Begin in den USA haben jüdische Intellektuelle, einschließlich Albert Einstein und Hanna Arendt und Siedney Hookvon, einen Brief an die New York Times geschrieben, der am 4.12.1948 erschien.


    “Zu den beunruhigsten politischen Phänomenen unserer Zeit gehört das Auftauchen der “Freiheitspartei” (Tnuat Haherut) im neu geschaffenen Staat Israel. Es ist eine politische Partei, die in ihrer Organisation verwandten Methoden, in ihrer politischen Philosophie und sozialen Anziehungskraft den Nazis und den faschistischen Parteien sehr ähnlich ist. Sie bildete sich aus der Mitgliedschaft und den Nachfolgern der früheren Irgun Zwai Leumi (IZL), einer terroristischen, rechtsradikalen, chauvinistischen Organisation in Palästina.


    …Es ist unvorstellbar, dass diejenigen, die gegen Faschismus in aller Welt sind, ihren Namen und ihre Unterstützung dieser Bewegung, die Begin vertritt, geben – es sei denn, dass sie nicht korrekt über seine politische Vorgeschichte und seine Perspektiven informiert sind.


    Bevor irreparabler Schaden durch finanzielle Unterstützung, öffentliche Bekundung zu Gunsten Begins und dem, was in Palästina geschaffen wird, angerichtet wird und bevor der Eindruck entsteht, dass ein großer Teil der USA faschistische Elemente in Israel unterstützt, muss die amerikanische Öffentlichkeit über Begins Vorgeschichte, Ziele und Bewegung informiert werden.


    Die öffentlichen Erklärungen von Begins Partei sind kein Anhaltspunkt für seine aktuelle Eigenart. Heute sprechen sie von Freiheit, Demokratie und Anti-Imperialismus, wobei sie bis vor kurzem offen die Doktrin eines faschistischen Staates predigten. Es sind seine Aktionen, die den wahren Charakter der terroristischen Partei verrät. Aus ihren früheren Aktionen können wir beurteilen, was man von ihr in der Zukunft erwarten kann.

    Ein erschreckendes Beispiel war ihr Verhalten im arabischen Dorf von Deir Yassin. Dieses Dorf, abseits von der Hauptstraße gelegen, und von jüdischem Land umgeben, hatte sich nicht an Kriegshandlungen beteiligt, ja hatte sogar gegen arabische Banden angekämpft, die dies Dorf zu ihrer Basis machen wollten. Am 9. April (The New York Times) griffen Terrorbanden ein friedliches Dorf an, das kein militärisches Ziel beim Kampf war, töteten die meisten seiner Bewohner (240 Männer, Frauen und Kinder) und nahmen einige lebend als Gefangene zu einer Parade durch die Straßen Jerusalems mit.


    Der größte Teil der jüdischen Gemeinschaft war über diese Tat erschrocken und die jüdische Agentur sandte ein Telegramm der Entschuldigung an König Abdullah von Transjordanien. Die Terroristen aber, weit davon entfernt sich ihrer Taten zu schämen, waren stolz auf dieses Massaker, veröffentlichten es weit und luden ausländische Korrespondenten, die gerade im Land waren, ein, um die Leichenhaufen und den allgemeinen Schaden im Dorf Deir Yassin anzusehen.


    Innerhalb der jüdischen Gemeinschaft hatten sie eine Mischung von Ultranationalismus, religiösem Mystizismus und rassistischer Überlegenheit gepredigt. Wie andere faschistische Parteien haben sie das Brechen von Streiks angewendet und sich selbst dahin gedrängt, die freien Handelsunionen zu zerstören. An ihrer Stelle haben sie Vereinigungen nach italienisch faschistischen Modellen vorgeschlagen.

    Die Diskrepanzen zwischen den kühnen Behauptungen, die jetzt von Begin und seiner Partei gemacht werden und der Vorgeschichte in Palästina trägt den Stempel einer gewöhnlichen politischen Partei. Dies ist der unverkennbare Stempel einer faschistischen Partei, für die Terrorismus (gegen Juden, Araber und Briten gleichermaßen) und Verfälschung Mittel sind, und ein “Führerstaat” das Ziel ist.


    In Anbetracht der vorausgegangenen Überlegungen muss die Wahrheit über Herrn Begin und seine Bewegung in diesem Land bekannt gemacht werden. Es ist umso tragischer, dass die oberste Führung des US-Zionismus sich weigert, eine Kampagne gegen Begins Bemühungen durchzuführen oder seinen eigenen Wählern die Gefahren aufzudecken, die Israel drohen, wenn Begin unterstützt wird.
    Die Unterzeichner greifen deshalb zu diesem Mittel, einige herausragende Tatsachen, die Begin und seine Partei betreffen, öffentlich zu machen und alle Betroffenen sehr zu bitten, die letzte Erscheinung von Faschismus nicht zu unterstützen….

    http://www.lebenshaus-alb.de/magazin/005057.html#ixzz1g76XdjWL

     

     
     

  32. @Uri Degania, ja wir hatten die gleichen Gedanken zur gleichen Zeit. Das ist wirklich sehr ermutigend! Vielen Dank für die Lesehinweise. Was der DLF manchmal bringt ist haarsträubend.  Dein Beitrag über den Aachener Friedenspreis und seine Verstrickung in den braunen Sumpf des Walter Herrmann zeigt, wie resistent Antisemiten gegenüber der Wahrheit sind. Die Rezension von Karl Pfeifer war sehr interessant. Im Moment lese ich das Buch von Götz Aly „Warum die Deutschen? Warum die Juden?“  Ein geniales Buch, das ich nur weiterempfehlen kann. Vielen Dank auch an Karl Pfeifer für die Rezension. Bin schon gespannt auf das Buch.

  33. Karl K
    Was unterm Strich bleibt ist, dass Sie mir grundlos Rassismus vorgeworfen haben und einen Satz aus dem Kontext gezogen haben.
    Ich würde diese kleinen aber sehr lauten Gruppierungen, die einen Gilad Atzmon einladen und seinen Antisemitismus rechtfertigen, nicht überschätzen. Schlimm ist, dass Mitglieder einer im Bundestag vertretenen Partei dabei mitmachen. Andererseits ist auch zu vermerken, dass manche Antizionisten sich von Gilad Atzmon distanzieren. Das ist eine positive Entwicklung, denn wer sich mit Antisemiten und Geschichtsrevisionisten gemein macht, der schadet der palästinensischen Sache.

    Zu Carmela habe ich nichts hinzufügen.
     
     

  34.  
    @ Carmela

    Ich kenne die Grundhaltung jüdischer Gruppen, die die Gründung Israels als einen schweren Fehler ansehen, gar als einen Verstoß.

    Diese Diskussion ist extrem gefährlich, da sie das Leben der Menschen gefährdet, die in Israel leben – und nährt auch nur den Hass gegen Juden oder Israel. Man könnte hieraus leicht ableiten, dass es gar ein Gebot sei, Juden zu töten oder Israel zu zerstören, weil es ja sogar rechtgläubige Juden sagen.

    Israel ist da. Und Israel muss unter dem Schutz aller Menschen stehen. Es bedarf dazu keiner weiteren Begründung oder Legitimation.

  35. „Karl K. Sie versuchen mir wieder mal etwas zu unterstellen. Doch dem was ich oben schrieb ist nichts mehr hinzufügen. Mit “Griffe in den Hintern” habe Sie einen Volltreffer gelandet und das sagt auch etwas aus über Ihre Diskussionsmethode.“
     
    Werter Her Pfeifer,
    der Absatz war eine Zustimmung zu Ihrem Hinweis auf den Aufritt G. Atzmons und dem fehlenden Widerspruch der Linken. Ich habe ihn erweitert in Bezug auf den leichtfertigen Umgang mit Nazivergleichen.
    Konnten oder wollten Sie das nicht verstehen?
    Dass sie in Ihrer Fehlinterpretation Beifall von jim bekommen erstaunt mich nicht
     
     

  36. Karl K. Sie versuchen mir wieder mal etwas zu unterstellen. Doch dem was ich oben schrieb ist nichts mehr hinzufügen. Mit „Griffe in den Hintern“ habe Sie einen Volltreffer gelandet und das sagt auch etwas aus über Ihre Diskussionsmethode.

  37.  
    Nachsatz
     
     In Bezug auf meinen eigenen „Rassismus“ und seinen Unterarten „Fremdenfeindlichkeit“ und „Antisemitismus“ gestehe ich gern zu, dass ich an Menschen und auch Völker oder Staaten unterschiedliche Erwartungen habe – und deshalb auch mit unterschiedlichen Maßstäben messe, also sehr bewusst diskriminiere. Eingeschlossen ist natürlich mein eigenes Vaterland wie auch beispielsweise Israel; an beide habe ich höhere Erwartungen als an sehr viele andere.
      
    Sofern mir jemand niedere Beweggründe, oder Unwissenheit nachweisen kann, will ich gern noch einmal genauer auf mein Wissen, mein Urteilsvermögen und meine Motive schauen.
      
    Insofern ist dies auch meine Antwort an den französischen Philosophen André Glucksmann, der 2009 im Cicero sich verärgert zeigte, dass in der Welt mit „Zweierlei Maß“ gemessen wird.

    Dennoch habe ich Hoffnung, dass Menschen aller Herkünfte oder Glaubensbekenntnisse in einer hoffentlich nicht allzufernen Zukunft die Grundsätze der Kantschen Aufklärung leben, dass ich also nicht mehr mit zweierlei Maß messen muss.
     

  38. @ Karl K

    Ich glaube es ist schwer den Herren hier zu erklären, dass es um zwei grundlegend verschiedene Dinge geht. Es wird generell hier alles zu einem Brei verarbeitet, der schmutzig ist und mit dem wird man dann beworfen, um dann auf einen ein schlechtes Licht zu werfen. Ihre Bemühungen werden bei denen einfach nicht erkannt.

  39.  
    Werter Herr Pfeifer,
    wenn Sie versuchen mir einen „sekundären Antisemitismus“ zu unterstellen oder meine Argumentation als „demagogisch“ bezeichnen, so handhaben sie schlicht mit Ausgrenzungsversuchen statt mit Argumenten. Das könnte ich auch als Verleumdung ansehen. Aus ihren Beiträgen erkenne ich aber ihre Intention – und die liegt nicht in der Herabwürdigung eines Kontrahenten.  Ihre „differenzierte Analyse“ in Bezug auf meine Person teile ich aufgrund Ihrer etwas zu dürftig geratenen Argumente nicht, zumal sie mir Beispiele geben, die nun gar nicht aus meiner Welt stammen.
     
    Ich habe ihre kollektiven Schuldzuweisungen gegenüber Deutschland an Hand Ihrer Aussagen kenntlich gemacht, auch wenn Sie diese im Nachgang wieder eingeschränkt haben wollen. Lesen Sie Ihre Texte genauer oder verfassen Sie diese unmissverständlicher! Eine fehlerhafte Darstellung der Geschichte wie auch kollektive Schuldzuweisungen sind immer gute Zeichen, Rassismus kenntlich zu machen. Es gibt einen – noch immer gesellschaftsfähigen – Rassismus gegen Deutsche oder Deutschland. Zum Glück ist der Rassismus gegen Juden wenigstens mit dem Begriff „Antisemitismus“ stigmatisierbar, auch wenn dieser häufig zu leichtfertig gebraucht wird.
     
    Über eine der zentralen Grundfragen des Lebens, nämlich der Frage, in wessen Auge der Splitter und wo sich der Balken befindet oder mit welchem Auge man besser sieht, ist trotz hervorragender naturwissenschaftlicher Messmethoden doch noch immer keine objektivierbare Aussage gefunden worden. Ich hoffe dass meine Sehfähigkeit, besser meine Kritikfähigkeit im Sinne Kants – zu der auch die Selbstkritik gehört – zureichend entwickelt ist.
     
    Falls jemand die Hoffnung hegt, dass Israel es sich verdient hat, mit der A-Bombe ausgelöscht zu werden, dem kann ich nur bescheinigen, dass ich solchen Haltungen nicht Argumentativ entgegentreten werde. Solche Haltungen bedürfen einer längeren Therapie in einer Selbsthilfegruppe, dem ein einfühlsamer Leiter zugeordnet ist. Dafür ist hier sicher nicht der rechte Ort.
     
    Auch Vergleiche zu dem Dritten Reich, die immer mehr in Mode kommen, weil man meint, damit einen säkularen Maßstab für das absolut Böse gefunden zu, sollten sittenwidrig sein. Nicht nur „die Vergleiche des Warschauer Gettos mit den Bedingungen in Gaza oder in Samaria und Judea kehren immer wieder“ sondern auch die Beschimpfungen eines Diskutanten als Nazi (wie mir Herr Schlickewitz kürzlich angedeihen ließ); selbst Juden wie Gilad Atzmon nutzen in politischen Auseinandersetzungen solche Vergleiche oder Gleichsetzungen. Dass „die Linken“ dem nicht widersprechen liegt an ihrer widerwärtigen Haltung, jeden der nicht ihrer Meinung ist, als „rechts“ zu outen, das Wort „Neonazi“ und „Nazi“ geht ihnen sehr leicht von ihren dünnen Lippen.
     
    Es sind keine Zeichen intellektueller Redlichkeit, die einem funktionsfähigen Gehirn entstammen, es sind Griffe in den Hintern, um den anderen mit Schmutz zu bewerfen.
    All diese Zeitgenossen sollten in ruhiger Minute mal darüber nachdenken, ob sie nicht doch besser mit dem Hirn statt mit dem Hintern denken und auch ihr Sprachzentrum wieder ans Hirn zu koppeln versuchen.

  40.  
    Werter Herr Pfeifer,
    wenn Sie versuchen mir einen „sekundären Antisemitismus“ zu unterstellen oder meine Argumentation als „demagogisch“ bezeichnen, so handhaben sie schlicht mit Ausgrenzungsversuchen statt mit Argumenten. Das könnte ich auch als Verleumdung ansehen. Aus ihren Beiträgen erkenne ich aber ihre Intention – und die liegt nicht in der Herabwürdigung eines Kontrahenten.  Ihre „differenzierte Analyse“ in Bezug auf meine Person teile ich aufgrund Ihrer etwas zu dürftig geratenen Argumente nicht, zumal sie mir Beispiele geben, die nun gar nicht aus meiner Welt stammen.
    Ich habe ihre kollektiven Schuldzuweisungen gegenüber Deutschland an Hand Ihrer Aussagen kenntlich gemacht, auch wenn Sie diese im Nachgang wieder eingeschränkt haben wollen. Lesen Sie Ihre Texte genauer oder verfassen Sie diese unmissverständlicher! Eine fehlerhafte Darstellung der Geschichte wie auch kollektive Schuldzuweisungen sind immer gute Zeichen, Rassismus kenntlich zu machen. Es gibt einen – noch immer gesellschaftsfähigen – Rassismus gegen Deutsche oder Deutschland. Zum Glück ist der Rassismus gegen Juden wenigstens mit dem Begriff „Antisemitismus“ stigmatisierbar, auch wenn dieser häufig zu leichtfertig gebraucht wird.
    Über eine der zentralen Grundfragen des Lebens, nämlich der Frage, in wessen Auge der Splitter und wo sich der Balken befindet oder mit welchem Auge man besser sieht, ist trotz hervorragender naturwissenschaftlicher Messmethoden doch noch immer keine objektivierbare Aussage gefunden worden. Ich hoffe dass meine Sehfähigkeit, besser meine Kritikfähigkeit im Sinne Kants – zu der auch die Selbstkritik gehört – zureichend entwickelt ist.
    Falls jemand die Hoffnung hegt, dass Israel es sich verdient hat, mit der A-Bombe ausgelöscht zu werden, dem kann ich nur bescheinigen, dass ich solchen Haltungen nicht Argumentativ entgegentreten werde. Solche Haltungen bedürfen einer längeren Therapie in einer Selbsthilfegruppe, dem ein einfühlsamer Leiter zugeordnet ist. Dafür ist hier sicher nicht der rechte Ort.
    Auch Vergleiche zu dem Dritten Reich, die immer mehr in Mode kommen, weil man meint, damit einen säkularen Maßstab für das absolut Böse gefunden zu, sollten sittenwidrig sein. Nicht nur „die Vergleiche des Warschauer Gettos mit den Bedingungen in Gaza oder in Samaria und Judea kehren immer wieder“ sondern auch die Beschimpfungen eines Diskutanten als Nazi (wie mir Herr Schlickewitz kürzlich angedeihen ließ); selbst Juden wie Gilad Atzmon nutzen in politischen Auseinandersetzungen solche Vergleiche oder Gleichsetzungen. Dass „die Linken“ dem nicht widersprechen liegt an ihrer widerwärtigen Haltung, jeden der nicht ihrer Meinung ist, als „rechts“ zu outen, das Wort „Neonazi“ und „Nazi“ geht ihnen sehr leicht von ihren dünnen Lippen.
    Es sind keine Zeichen intellektueller Redlichkeit, die einem funktionsfähigen Gehirn entstammen, es sind Griffe in den Hintern, um den anderen mit Schmutz zu bewerfen.
    All diese Zeitgenossen sollten in ruhiger Minute mal darüber nachdenken, ob sie nicht doch besser mit dem Hirn statt mit dem Hintern denken und auch ihr Sprachzentrum wieder ans Hirn zu koppeln versuchen.
     

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