Wann ist oder wird Israelkritik antisemitisch?

Israelkritik – ein Tabu? Zur Popularität eines Reizwortes…

Von Dr. Martin Kloke

„Darf man in Deutschland Israel kritisieren?“ Diese unschuldig klingende Frage ist alles andere als harmlos. Sie unterstellt, die kritische Auseinandersetzung mit der Politik Israels unterliege einem Denkverbot – „wegen der Vergangenheit“, wie gerne nachgeschoben wird. Zumal „die Deutschen“ geradezu eine „Freundespflicht gegenüber Israel“ empfänden.[01] Eine „mächtige Israellobby“, so heißt es, stelle jegliche Kritik an Israel unter einen antisemitischen Generalverdacht. Warum sich dieses Tabu so hartnäckig halten soll, führen die einen auf das angeblich schlechte Gewissen der Deutschen zurück; andere prangern eine „zionistisch“ beherrschte Medienöffentlichkeit an. „Israelkritik“ wird in diesem Narrativ zu einem Akt der Zivilcourage. Mutige Israelkritiker rufen, „vor Kühnheit zitternd“ (frei nach Martin Walser) dazu auf: „Es muss doch in diesem Lande wieder möglich sein …!“

Wer sich die Berichterstattung und Meinungsbilder über Israel in den letzten 60 Jahren genauer anschaut, stellt allerdings fest: In Deutschland war es noch nie ein „Tabu“, Israel und die israelische Regierung zu kritisieren. Stattdessen erregt bis heute kein anderes außenpolitisches Thema so sehr die Gemüter wie die Kritik an Staat und Gesellschaft Israels. Die Vorgänge um jene Gaza-Flotille, die im Frühjahr 2010 die israelische Seeblockade des Gazastreifens zu durchbrechen suchte, ist dafür ein Paradebeispiel: Niemand war in den ersten Tagen der gewaltsamen Zusammenstöße zwischen „Friedensaktivisten“ und einem israelischen Marinekommando über die tatsächlichen Umstände im Bilde – auch Medien und „Nahostexperten“ wussten nichts, aber alles besser; reflexartig verurteilten sie Israel. In wochenlanger Kleinarbeit sind dann Fakten und Hintergründe zutage getreten – Einzelheiten einer türkisch-islamistisch gesteuerten Aktion zur Delegitimierung Israels, aber auch Details zu den operativen Fehlern der Eingreiftruppe, die glaubte, es mit idealistischen Friedensaktivisten zu tun zu haben. Haften bleibt im Alltagsbewusstsein das Bild des hässlichen Israelis.

Ähnlich desolat ist das Bild in den einschlägigen Foren internationaler Politik: Erinnert sei an die UNO und den in ihren Gremien und Unterorganisationen installierten Verurteilungsmechanismus, an dem sich im Februar 2011 sogar die Regierung Merkel/Westerwelle beteiligen sollte[02] – ganz zu schweigen von der Israelphobie in allen islamisch geprägten Ländern. „Israelkritik“, häufig nur eine Chiffre für die Verbreitung hemmungsloser israelfeindlicher Ressentiments, ist hier wie dort geradezu ein „Muss“.

Doch diese Entwicklung ist nicht neu: Schon wenige Monate nach der Staatsgründung Israels im Mai 1948 verurteilte die preußische Gräfin Marion Dönhoff den jüdischen Staat mit harschen Worten und setzte die israelische Regierung moralisch mit dem NS-Regime gleich[03] –in einer Situation, in der Israel gerade dabei war, seine Existenz gegen die angreifenden arabischen Nachbarstaaten zu verteidigen. Viele weitere derartige Stimmen ließen sich anführen. Gewiss hat es in den 1960er Jahren in der bundesdeutschen Gesellschaft, besonders während und nach dem sog. Sechstagekrieg im Juni 1967, eine breite proisraelische Grundstimmung gegeben; doch wurden diese Israel-Sympathien stets von kritischen bis feindseligen Gegenströmungen konterkariert.[04]

Auf dem Höhepunkt der Schmidt/Begin-Kontroverse 1981 schlug eine bis dato halbwegs positive Grundstimmung in der Bundesrepublik um – zum ersten Mal seit den späten 1950er Jahren stellte sich eine Mehrheit der Deutschen im Nahostkonflikt auf die Seite der Araber.[05] Bis heute ist das Image Israels mehr als getrübt: Laut der jüngsten BBC-Umfrage unter 28.619 Erwachsenen aus 27 Ländern meinen 49 Prozent der Befragten, von Israel gehe ein negativer Einfluss aus; in Deutschland haben 65 Prozent der Befragten ein grundsätzlich negatives Israelbild.[06] Umfragen wie diese sind zunächst einmal nichts anderes als demoskopischer Ausdruck tagespolitischer Erregungszustände – gleichwohl sind die israelkritischen Trends seit Jahren eindeutig.

Der im rechten politischen Spektrum angesiedelte israelische Politiker Ariel Scharon wurde viele Jahre scharf kritisiert – z. T. noch heftiger als Menachem Begin und Benjamin Netanjahu, jene Hassfiguren der 1980er und 1990er Jahre. Als der rechtssäkulare israelische Politiker Avigdor Lieberman im Frühjahr 2009 zum neuen Außenminister avancierte, waren sich die meisten Kommentatoren in der Vorverurteilung Liebermans einig – eine kurze Schonzeit, wie sonst international üblich, wurde dem umstrittenen Politiker nicht gewährt.

Selbst der „Deutsch-Israelische Arbeitskreis für Frieden im Nahen Osten“, der in den 1990er Jahren gegenüber Israel noch eine Position der „kritischen Solidarität“ und des „Dialogs“ vertreten hatte, verabschiedet sich mehr und mehr von Bezügen zur Mitte der israelischen Gesellschaft. In der vereinseigenen Zeitschrift glauben die Herausgeber sich für den Abdruck eines Beitrags des israelischen Politikwissenschaftlers Gerald Steinberg über „Asymmetrie, Verwundbarkeit und die Suche nach Sicherheit“ rechtfertigen zu müssen: „Wir haben lange überlegt, ob wir diesen Beitrag veröffentlichen sollen, da er […] die israelische Sicht zur Sicherheitslage erörtert.“[07] Aus dem früheren „kritischen Dialog“ ist kaum mehr als ein Selbstgespräch übrig geblieben.

Israel ist ein demokratischer Staat in einer von Umbrüchen, aber zugleich auch von Despoten beherrschten Region. Als Mitglied der UNO und seit Mai 2010 auch der OECD unterliegt dieses Land denselben internationalen Maßstäben wie andere Länder auch. Dieser Anspruch lässt sich am Beispiel der umstrittenen Siedlungspolitik überprüfen, die im Fokus gegenwärtiger Israelkritik steht: Israel eroberte 1967 in einem ihm aufgezwungenen Schlagabtausch u. a. Ost-Jerusalem und das Westjordanland. Nach den militärischen Drohgebärden und verbalen Vernichtungsdrohungen tonangebender arabischer Nationalisten in Kairo und Damaskus kam dieser rasche Sieg im sog. Sechstagekrieg vielen Beobachtern einem Wunder gleich. Schon bald darauf begannen Israelis in diesen Gebieten mit regierungsamtlicher Duldung und bald auch mit staatlicher Förderung eine rege Siedlungstätigkeit zu entfalten. Diese Gebiete waren zuvor 400 Jahre osmanisch, dann fast 30 Jahre britisch und zuletzt fast 20 Jahre jordanisch besetzt gewesen – einen Staat Palästina hat es nie gegeben. Dennoch ist die israelische Siedlungstätigkeit in den vor 44 Jahren eroberten Gebieten völkerrechtlich problematisch und politisch-psychologisch einer von mehreren Stolpersteinen auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entschärfung des israelisch-palästinensischen Konflikts. Diese Siedlungspolitik kann mit Fug und Recht kritisiert werden.

Aber eine solche Kritik sollte der Hintergründe gewahr bleiben – verstehen, ohne zu rechtfertigen: Die Arabische Liga hatte schon kurz nach dem Sechstagekrieg – auf dem Gipfel von Khartum – ihr dreifaches „Nein“ bekräftigt: „Nein zur Anerkennung Israels! Nein zu Verhandlungen! Nein zum Frieden mit Israel!“[08] Musste da nicht die Versuchung groß sein, im Überschwang des unerwarteten militärischen Erfolgs die Westbank als ein weiteres zionistisches Projekt zu begreifen? Wobei schon damals erkennbar war, dass die Linke eher sicherheitspolitisch, die Rechte zusätzlich nationalreligiös motiviert war.

Inzwischen sind Israelis auch des rechten politischen Spektrums bemüht, Schadensbegrenzung zu üben und die Siedlungspolitik einzudämmen, Straßensperren u. a. Alltagshemmnisse aufzulösen und die wirtschaftliche Erholung der Westbank zu fördern. So hat die israelische Militärverwaltung seit 2008 in der Westbank, von der Weltöffentlichkeit wenig beachtet, die Zahl ihrer Checkpoints von 42 auf 16 reduziert. Diese Tendenz spiegelt den Alltagspragmatismus der Regierung von Benjamin Netanjahu wider, die zu einer Erholung der palästinensischen Ökonomie im Westjordanland geführt hat – mit fast zweistelligen Wachstumsraten. Netanjahus Vor-Vorgänger Sharon war der erste, der die Auflösung von Siedlungen nicht nur versprechen, sondern umsetzen sollte, ohne dass freilich dadurch ein politischer Prozess in Gang gekommen wäre. Netanjahu, ebenfalls nicht als „Taube“ bekannt, hatte 2010 einen auf elf Monate befristeten Siedlungsstopp verhängt. Diese und andere Schritte, durchaus mehr als nur kurzatmige PR-Gesten – waren als Signale des guten Willens an die Adresse der Palästinenser gemünzt, um in direkte Verhandlungen über eine historische Beilegung des Konflikts einzutreten: „Land gegen Frieden“ ist nach wie vor der normative Rahmen jedes ernstzunehmenden Friedensprozesses. Demgegenüber streben die Palästinenser im September 2011 die einseitige, aber UN-autorisierte Ausrufung eines palästinensischen Staates an, ohne sich zugleich zur Anerkennung Israels verpflichten zu wollen. Könnte es sein, dass die Verhandlungen deswegen nicht so recht vorankommen, weil sich viele Palästinenser –nicht nur die Anhänger der islamistischen Hamas, sondern auch die Gefolgsleute der „gemäßigt“ säkularen Fatah – noch immer nicht mit der Existenz Israels als jüdischem und demokratischem Staat abgefunden haben?

Bei der Analyse der vielen verpassten Chancen einer Entschärfung des Nahostkonflikts drängt sich seit den späten 1990er Jahren der Eindruck auf, als ginge es hinter den diplomatisch verklausulierten Fassaden internationaler Nahostpolitik gar nicht darum, ob sich Israel im Rahmen eines die Interessen beider Seiten wahrenden Friedensprozesses aus diesen oder jenen Gebieten zurückzieht. Die Tatsache, dass die UNO im September 2011 unter Verzicht auf einen palästinensisch-israelischen Verhandlungskompromiss einen palästinensischen Staat ins Leben rufen könnte, ist ein ebenso einseitiges wie fahrlässiges Fanal: Auch nach 63 Jahren staatlicher Existenz kann sich Israel seiner Legitimität nicht gewiss sein – so, als ob wir uns immer noch in den Jahren 1947/48 befänden – und nicht im 21. Jahrhundert. Die „Vision“ einer „Welt ohne Zionismus“, wie sie die iranische Führung unter Präsident Ahmadinejad, aber auch Israels Nachbarn von Hamas bis Hisbollah propagieren, zirkuliert auch in weniger radikalen Nahostdiskursen, nicht zuletzt in der westlichen Welt.

Es ist auffallend, dass Begriffe wie „Dänemarkkritik“, „Schweizkritik“ oder „Russlandkritik“ im „normalen“ Sprachgebrauch praktisch nicht existent sind. Wer dagegen das Wort „Israelkritik“ googelt, kommt auf zehntausende Einträge. Es mag ja gute Gründe geben, Israel im Allgemeinen und Netanjahu, Lieberman etc. im Besonderen zu tadeln – aber verdienen nicht auch andere Länder dieser Welt kritische Begleitung? Wobei Selbstkritik eine Tugend ist, die in den israelischen Medien jeden Tag aufs Neue praktiziert wird. Auch in der jüdischen Diaspora erhält Israel unterschiedliche Zensuren – darunter kritische (man denke nur an den ehrenwerten „Appell an die Vernunft“ des European Jewish Call For Reason[09]).

Wenn „Israelkritik“ in Antisemitismus umschlägt

Seit dem Sechstagekrieg von 1967 richtet sich das öffentliche Interesse auf die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Arabern. Herausragende sportliche Ereignisse, die enormen Integrationsleistungen Israels zur Aufnahme zyklischer Einwanderungswellen oder auch nobelpreisverdächtige Erfindungen spielen in den Medien nur eine Randrolle, obwohl Israel die weltweit höchste Korrespondentendichte aufweist. Tausende ständige oder durchreisende Journalisten sind nicht im Lande, um Leser und Zuschauer über die religiöse und/oder säkulare Buntheit der israelischen Gesellschaft zu informieren – das öffentliche Interesse richtet sich auf militärische Maßnahmen Israels in den besetzten Gebieten: Sie sind als Nachrichten attraktiver; garantieren Schlagzeilen und hohe Einschaltquoten – auch, weil sie europäische Obsessionen bedienen. Westliche Lebensbedingungen, kurze Wege, bestens ausgebaute Verkehrsverbindungen, neueste Medientechnologien, geringe Entfernungen zu den Brennpunkten des Konflikts, eine nahezu schrankenlose Pressefreiheit, ein Heer örtlicher Kameraleute – all dies schafft perfekte Arbeitsbedingungen. Problematisch wird diese Konstellation, wenn Nahostkorrespondenten ihre „Kunden“ mit scheinbar harmlosen Worten, schiefen Vergleichen und fragwürdigen Ministatistiken zu einer Parteinahme drängen, die weniger den Fakten als vielmehr Projektionen oder weltanschaulichen Überzeugungen geschuldet sind:

Wann immer es zu einer gewaltsamen Konfrontation der israelischen Armee mit ihren Widersachern kommt, vermitteln Nachrichten und Kommentare Bilder eines angeblich „biblischen Krieges“: „Auge um Auge“, „Vergeltungsschläge“, „alttestamentarische Racheaktionen“ – reflexhaft tauchen jedes Mal die alten Klischees des christlichen Antijudaismus wieder auf – in einer religiös konnotierten Schärfe, die uns in anderen Konfliktregionen (z. B. im früheren Nordirlandkonflikt zwischen Katholiken und Protestanten) niemals begegnet. Der Übergang von der harmlos anmutenden „Israelkritik“ zur faktenresistenten Israelfeindschaft ist notorisch kurz.

In Deutschland hat die sog. Neue Linke Ende der 1960er Jahre antizionistische Befindlichkeiten hoffähig gemacht und im Gefolge der riesigen historischen Hypothek ihrer Väter und Mütter israelfeindliche Ressentiments ins Zentrum umfassender Welterklärungsmodelle gestellt. In dieser Zeit wurde die Aufrechnung und Gleichsetzung der NS-Verbrechen mit der Politik Israels populär. Das berüchtigte Bekennerschreiben der linksradikalen Tupamaros Westberlin enthielt schon 1969 ein exkulpierendes Gedankenkonstrukt, das sich bis heute wie ein roter Faden durch die Legitimationsstrategien antizionistischer Agitatoren zieht.[10] Zur Begleitmelodie dieses Antizionismus gehört die Agitation gegen die ominöse Existenz eines „jüdischen Kapitals“, gegen „US- Imperialismus und Weltzionismus“ und gegen den „internationalen Zionismus“.[11] Teile der deutschen Linken sind bis heute von antisemitisch motivierten Ressentiments erfüllt, die sich vor allem gegen Existenz und Politik Israels richten.[12] Besonders schlagzeilenträchtig sind die kruden Boykottaufrufe des Bremer Friedensforums[13], aber auch die antisemitisch grundierten Aktivitäten der Duisburger Linkspartei. Unter ihrem Vorsitzenden Hermann Dierkes schürt die Duisburger Linke immer wieder Hassparolen, die eine frappierende Nähe zu rechtsextremen und islamistischen Formen der Judenfeindschaft aufweisen – so zuletzt im April 2011, als auf der Homepage der Duisburger Linkspartei ikonografisch der Davidstern mit dem Hakenkreuz gleichgesetzt, der Staat Israel als Hort zionistischer Weltverschwörung gegeißelt und schließlich auch der Holocaust geleugnet wurde.[14]

Was vor 40 Jahren hierzulande noch hauptsächlich in den Pamphleten subkultureller linksradikaler Milieus zirkulierte, hat sich in sublimierter Form bis in die Feuilletonspalten des etablierten Medienbetriebs verlängert: Die grünen-nahe Zeitschrift „israel & palästina“ brachte es 2009 eher beiläufig auf den Punkt – im Kassandrastil der self-fulfilling prophecy: „Israel wird von der Weltöffentlichkeit als ein diskriminierender Siedlerstaat und koloniales Unternehmen, das nicht ins 21. Jahrhundert passt, wahrgenommen werden.“[15] Welcher andere, zumal demokratische Staat in der Welt befindet sich seit mehr als 60 Jahren in der Zwangslage, sich gegenüber Kritikern und „Freunden“ permanent seiner Existenzberechtigung vergewissern zu müssen: Häufig beteuern Zeitgenossen: „Ich trete zwar für das Existenzrecht Israels ein, aber …!“ Niemand würde allerdings jemals einen Gedanken entwickeln, der mit dem Satz begänne: „Ich trete zwar für das Existenzrecht Russlands ein, aber …!“

Antizionismus und jüdischer „Selbsthass“

Seit geraumer Zeit ziehen jüdische „Kritiker“ Israels besondere Aufmerksamkeit auf sich. Dass Menschen, die qua Geburt der jüdischen Gemeinschaft angehören oder zum Judentum konvertiert sind, sich mit fanatischem Eifer der „Israelkritik“ widmen, weckt Fragen, aber auch Irritationen:

Die israelische Rechtsanwältin Felicia Langer siedelte 1990 nach Deutschland über. Schon in Israel hatte sie sich in allerlei antizionistischen und propalästinensischen Zirkeln betätigt, u. a. als Mitglied des ZKs der Kommunistischen Partei. Seit Jahrzehnten prangert Langer Israels Palästina-Politik an. 2002 erklärte sie, es sei Israel selbst, das den palästinensischen Terroranschlägen „den Weg geebnet“ habe. Ähnlich wie der ehem. FDP-Politiker Jürgen Möllemann nannte sie die israelischen Selbstverteidigungsmaßnahmen „Staatsterror“.[16] Sie schrieb ein zustimmendes Vorwort für ein Buch des bekennenden Antisemiten Jamal Karsli[17], bezeichnete die Verhältnisse in der Westbank als „Apartheid der Gegenwart“[18] und wirft Israel eine „rassistische Politik“ vor. Der iranische Präsident Ahmadinedschad habe während der UN-Antirassismus-Konferenz 2009 „die Wahrheit“ gesagt, wonach die Westmächte den Holocaust als Vorwand zur Vertreibung der Palästinenser und zur Installation eines rassistischen Regimes missbraucht hätten.[19] Dennoch – oder gerade deswegen? – empfing sie hierzulande verschiedene Ehrungen, darunter das Bundesverdienstkreuz I. Klasse. Aus der Sicht eines Teils der Öffentlichkeit spricht Langer „Wahrheiten“ aus, die Deutsche angeblich nicht zu sagen wagen, weil sie historisch befangen seien.

Gerard Menuhin, Sohn des berühmten Geigers Yehudi Menuhin, scheut nicht davor zurück, allerlei revisionistisches, nationalistisches und antiisraelisches Gedankengut auch in rechtsextremen Zeitungen unterzubringen. Menuhin ist Kolumnist der rechtsextremen Nationalzeitung und musste 2005 seinen Sitz in der Yehudi Menuhin-Stiftung aufgeben. Er wird in rechten und antisemitischen Milieus als ein „jüdischer Wahrheitssucher“ gefeiert. Klarsichtiger als im Hinblick auf linke Antizionisten schreibt die ZEIT: „Der jüdische Autor liefert das, was Antisemiten gern lesen: dass Israel zusammen mit den USA die Angst vor einem zweiten Holocaust schürt, um gefährliche Großmachtfantasien zu tarnen, während in Wahrheit die armen Iraner bedroht seien. […] Gerard Menuhin ist [..] nicht nur der nützliche Idiot und Selbstverleugner im sinnlosen Kampf der Rechten gegen deutsche Schuld. Er ist der zutiefst Traumatisierte, der glaubt, den Alb der Geschichte abschütteln zu können, indem er die öffentliche Erinnerung an den Judenmord zum Schweigen bringt.“[20]

Wer nach weiteren Beispielen jüdischer Israel-Feindschaft sucht, wird rasch fündig: In die Schlagzeilen gerät regelmäßig Evelyn Hecht-Galinski, Tochter des ehemaligen Berliner Zentralratsvorsitzenden Heinz Galinski. Sie klassifizierte die Gleichsetzung des palästinensischen Ramallah mit dem Warschauer Getto, die die katholischen Bischöfe Gregor Maria Hanke und Walter Mixa angestellt hatten, als „sehr moderat“[21] und setzt sich für einen vollständigen politischen und wirtschaftlichen Boykott Israels ein.[22] Erinnert sei auch an die vor einigen Jahren aus Israel nach Deutschland übergesiedelte Iris Hefets, die mit einem taz-Artikel über die „Pilgerfahrt nach Auschwitz“ junger Israelis einen veritablen Skandal auslösen sollte: „Bevor ein junger Israeli zur Armee geht, muss er mindestens einmal Suff, Sex und eine Auschwitzreise erlebt haben.“[23] Ähnlich blasphemisch mutet die Plakataktion des antizionistischen dänisch-jüdischen Künstlers Jan Egesborg und seiner Partnerin Pia Bertelsen an: Die beiden entwarfen und plakatierten in Berlin ein Plakat mit einer Karte des Nahen Ostens, in der alle jüdisch-israelischen Spuren gelöscht und durch „Ramallah“ ersetzt waren. Die Künstler betitelten das Plakat mit dem Wort „Endlösung“. Dass diese Provokation, angeblich „Satire“, nicht nur im deutschen Diskurskontext Assoziationen an den NS-Vernichtungsantisemitismus wecken musste, dürfte der israelfeindliche Tabubrecher im Land der Täter und seiner Nachkommen einkalkuliert haben.[24]

Vor 35 Jahren waren sich linke Israelkritiker noch einig: „Linker Antisemitismus ist unmöglich“[25] – und wähnten darin einen Freibrief für hemmungslose antiisraelische Hetze. Dass es Antisemitismus in allen sozialen und kulturellen Milieus gibt, ist heute Gemeingut – aber jüdischer Antisemitismus? „Aus dem Antisemitismus könnte schon was werden, wenn sich nur die Juden seiner annehmen würden“, feixte einst der österreichische Schriftsteller Alexander Roda Roda. Im Ernst: Warum sollte es keinen jüdischen Antisemitismus geben? Schließlich wissen wir auch um frauenfeindliche Frauen und schwulenfeindliche Homosexuelle. Ob es auch unter Juden Antisemitismus gibt, ist keine begriffliche, sondern eine empirische Frage – das Phänomen zieht sich wie ein roter Faden durch die jüdische Geschichte. Nicht nur der israelkritische Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik wundert sich über die „Kooperation“ jüdischer Antizionisten mit eliminatorischen Antisemiten, die sich „damit brüsten, in Gaza von Hamas-Funktionären begrüßt und verabschiedet worden zu sein.“[26]

Der Philosoph und Publizist Theodor Lessing hat vor 81 Jahren in seiner Studie „Der jüdische Selbsthass“ die Psychopathologie der Ich-Entwertung anhand einiger Fallstudien herausgearbeitet.[27] Menschen, die ihre eigene jüdische (wahlweise israelische) Identität als Makel und Belastung begreifen, sind unglücklich. Ein Ausweg verheißt die aus der Psychoanalyse bekannte „Identifikation mit dem Aggressor“ – das Bestreben, sich mit dem nichtjüdischen Widersacher zu identifizieren oder wenigstens zu arrangieren. Damit strahlen diese „traurigen Helden der Anpassung“[28] das Signal aus: „Ich bin anders als meine Leute – nehmt mich zum Dank in euer Mehrheitskollektiv auf!“ Jüdischer Selbsthass ist demnach die Antwort „auf das trügerische Versprechen des antisemitischen Stigmas: ‚Werde wie wir, höre auf, dich von uns zu unterscheiden, und du wirst zu uns gehören.‘“[29] Die deutsche Leitkultur war früher deutschnational geprägt, heute ist sie außerhalb offizieller Gedenk- und Sonntagsreden antizionistisch grundiert. Distanz zu Israel, dem Pariastaat unter den Nationen, verheißt nicht nur in sog. progressiven Kreisen Anerkennung. Jüdische Antizionisten erregen in der nichtjüdischen Mehrheitsgesellschaft Aufmerksamkeit – sie werden, ob sie es wollen oder nicht, als nützliche Idioten des antizionistischen bzw. antisemitischen Diskurses gebraucht und benutzt.

Eine psychologisierende Deutung des jüdischen Selbsthasses mag in Einzelfällen evident sein; doch nicht jeder radikale jüdische oder nichtjüdische Kritiker Israels muss zwingend ein (selbst)hassender Antisemit sein. So spricht der Politologe und „Moralpädagoge“ Alfred Grosser Israel und die Juden zwar generell für den fortgesetzten Nahostkonflikt, ja sogar für den Antisemitismus, schuldig; doch den Vorwurf des jüdischen Selbsthasses weist er brüsk zurück. Damit sollten Israelkritiker „diskriminiert“ werden: „Was man mir höchstens vorwerfen kann, ist Selbstüberschätzung“ – womöglich eine Anspielung auf seine israelpolitische Mission, „die Deutschen auch hier zu befreien, eine Normalität herzustellen.“[30] Der Gestus der Empörung über tatsächliche oder vermeintliche israelische Untaten verleitet indes oft dazu, das Problem des real existierenden Antisemitismus zu verniedlichen.

Israel als Paria der Weltgemeinschaft: Was treibt den antizionistischen Antisemitismus an – und warum?

Israels Fläche bedeckt 0,015 Prozent der Erdoberfläche; mit 20.770 km² liegt das Land der Größe nach an 161. Stelle – noch vor Slowenien, aber hinter El Salvador. Gleichwohl beziehen sich bis zu zehn Prozent der Weltnachrichten in unseren Medien auf das kleine Land zwischen Jordan und Mittelmeer. Man könnte meinen, der jüdische Staat sei ein libidinös besetzter Fixpunkt, wobei die obsessiven Gefühle gegenüber Israel und seinen Menschen extremen Schwankungen unterliegen.

Wohl kaum ein Land ist während des Sechstagekrieges von 1967 so proisraelisch ausgerichtet gewesen wie die westdeutsche Bundesrepublik. Aber genauso gilt: In keinem Land haben antiisraelische Emotionen derart hohe Wellen geschlagen wie ausgerechnet in Deutschland – man schaue sich nur die heftigen Reaktionen auf die Zusammenstöße zwischen israelischen Marineeinheiten und militanten Aktivisten der Gaza-Hilfsflotte an. Derselbe Bundestag, der normalerweise bei keinem einzigen politischen Thema einen parteiübergreifenden Konsens erzielt und auch Resolutionen gegen den Antisemitismus monatelang berät, modelliert und nach allen Seiten austariert, bevor er sie zur Abstimmung stellt, einigte sich gleichsam über Nacht – einstimmig – auf einen israelkritischen Antrag, um u. a. festzustellen, Israel habe den „Grundsatz der Verhältnismäßigkeit verletzt“.[31] Für ungleich katastrophenträchtigere Konflikte engagieren sich Bundesregierung und Bundestag merklich weniger – etwa, als es im Frühjahr 2011 darum ging, den bedrängten Menschen in Libyen zur Seite zu stehen. Der Beschluss des UN-Sicherheitsrates im März 2011 zum Schutz der Zivilbevölkerung erfolgte mit Billigung der Arabischen Liga. Im Gegensatz zu den USA, Frankreich und Großbritannien enthielt sich Deutschland der Stimme – an der Seite Russlands und Chinas.

Die ungezählten zivilen Opfer in Afghanistan oder im Irak, in Tschetschenien oder Darfur, in Libyen, Syrien oder im Iran – ganz zu schweigen von den zahlreichen Opfern von Massakern in den zerfallenden Staaten Afrikas – erzeugen in der UN-geprägten Weltöffentlichkeit kaum jenes Minimum an Betroffenheit, das noch jede vergleichsweise harmlose militärische Reaktion Israels auslöst. Warum gibt es darüber keinen Sitzungsmarathon und keinen Verurteilungsmechanismus – sei es im Bundestag oder in der UN-Vollversammlung? Warum zeigen sich viele Menschenrechts- und Friedensaktivisten nur dann entsetzt, wenn Juden an einem Konflikt beteiligt sind? Woher kommt diese Obsession, Israel als Paria der Völkergemeinschaft hinzustellen? So geschehen zuletzt im Sicherheitsrat der UNO, wo es im Februar 2011 nicht den deutschen, französischen oder britischen Vertretern, sondern allein dem Veto der USA zu verdanken war, dass der jüdische Staat nicht an den Pranger gestellt wurde[32], während zur selben Zeit die Massaker arabischer Despoten an ihren Untertanen hierzulande nicht nur in der sog. Friedensbewegung zurückhaltende oder gar neutralistische Reaktionen hervorriefen. Könnte es sein, dass sich die deutsche Außenpolitik im 21. Jahrhundert mehr vom Drang nach nationalpazifistischer Selbstfindung als von den Herausforderungen menschenrechtlicher Verantwortung leiten lässt?

Mit Bezug auf die Schoah wird kolportiert, die Juden seien „wie Schafe zur Schlachtbank“ gegangen. Heute dagegen setzt Israel den alten APO-Spruch um: „Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt“; und prompt heißt es, der jüdische Staat reagiere „unverhältnismäßig“. Der unbefangene komparative Blick auf internationale Konflikte lässt erkennen, dass die Handlungen Israels mit anderen und strengeren Maßstäben gemessen werden als sie sonst international üblich sind. Offenbar hat sich der jahrhundertelange Antisemitismus 1945 nicht verflüchtigt, sondern prägt nach wie vor das kollektive Unbewusste der Weltgemeinschaft. Zudem plagt die Weltgemeinschaft noch immer ein schlechtes Gewissen: Sie giert nach Exkulpation und moralischer Kompensation wegen ihres Versagens in der Nazi-Zeit. „Je ‚böser‘ die Israelis gezeichnet werden, desto ‚besser‘ können „wir“ uns fühlen – dann war der Holocaust, wenn wir ihn schon nicht leugnen können, wenigstens nicht einzigartig.“ In diesem identitätsstiftenden Gedankenkonstrukt mutieren die Nachfahren der Opfer zu Tätern eines neuen Holocausts.

Wer vom moralisch getarnten Antisemitismus nicht reden will, sollte von Israel besser schweigen.

Aktualisierte Fassung eines Vortrags während der letztjährigen „Sommeruniversität gegen Antisemitismus“ des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. In gekürzter Form ist der Text unter dem Titel „Israelkritik – ein Tabu? Zur Popularität eines Reizwortes“ in der September-Ausgabe der TRIBÜNE erschienen (Nr. 199, 2011, S. 91–102).

  1. So Stefan Reinecke: Feigheit vor dem Freund. In: die tageszeitung (taz), Berlin: 23.8.2010 (http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=me&dig=2010%2F08%2F23%2Fa0082&cHash=cb57f54ada). []
  2. USA blockieren UN-Resolution gegen Israel. In: Deutsche Welle (Bonn), 19.2.2011 (http://www.dw-world.de/dw/article/0,,14854383,00.html); Merkel wütend auf Israels Premier. In: Der Tagesspiegel, 26.2.2011, S. 1. []
  3. „Man kann nur hoffen, dass der Schock, den der Tod des Grafen Bernadotte für die verantwortlichen Männer der Regierung Israels bedeutet, sie für einen Moment wenigstens innehalten und bestürzt erkennen lässt, wie weit sie auf jenem Wege bereits gelangt sind, der erst vor kurzem ein anderes Volk ins Verhängnis geführt hat” (Marion Gräfin Dönhoff, Völkischer Ordensstaat Israel. In: Die Zeit (Hamburg), Nr. 39, 23.9.1948, S. 1). []
  4. Einblicke in die diffusen Gemütslagen der Nachkriegsdeutschen des 20. Jahrhunderts vermittelt die mentalitätsgeschichtliche Studie von Martin Kloke: Israel und die deutsche Linke. Zur Geschichte eines schwierigen Verhältnisses (DIAK-Schriftenreihe, Bd. 20), Frankfurt/Main 1990; aktualisierte und erweiterte Neuauflage mit einem Vorwort von Micha Brumlik, Schwalbach/Ts. 1994. []
  5. Vgl. Werner Bergmann/Rainer Erb: Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland. Ergebnisse der empirischen Forschung von 1946–1989, Opladen 1991, S. 182. []
  6. So laut BBC World Poll (GlobeScan und PIPA-Programm der University of Maryland), 7.3.2011. In: http://news.bbc.co.uk/2/shared/bsp/hi/pdfs/05_03_11_bbcws_country_poll.pdf. []
  7. So Michaela Birk und Steffen Hagemann: Einführung. In: israel & palästina. Zeitschrift für Dialog (Hamburg): Israels Sicherheitsdiskurs, 3. Quartal 2010, S. 9 (Fußnote 4). []
  8. Zu Einzelheiten vgl. Archiv der Gegenwart (Königswinter), 15. September 1967, S. 13411. []
  9. Vgl. den Wortlaut der Erklärung, in: http://www.jcall.eu/?lang=de. []
  10. „Am 31. Jahrestag der faschistischen Kristallnacht wurden in Westberlin mehrere jüdische Mahnmale mit ‚Schalom und Napalm‘ und ‚El Fatah‘ beschmiert. Im jüdischen Gemeindehaus wurde eine Brandbombe deponiert. Beide Aktionen sind nicht mehr als rechtsradikale Auswüchse zu diffamieren, sondern sind ein entscheidendes Bindeglied internationaler Solidarität. […] Jede Feierstunde in Westberlin und in der BRD unterschlägt, dass die Kristallnacht von 1938 heute tagtäglich von den Zionisten in den besetzten Gebieten, in den Flüchtlingslagern und in den israelischen Gefängnissen wiederholt wird. Aus den vom Faschismus vertriebenen Juden sind selbst Faschisten geworden, die in Kollaboration mit dem amerikanischen Kapital das palästinensische Volk ausradieren wollen.“ (Schwarze Ratten TW: Schalom + Napalm, in: Agit 883, West-Berlin, Nr. 40, 13.11.1969, S. 9). []
  11. Ausführlich in Martin Kloke: Israel und die deutsche Linke, a. a. O. (Fußnote 5), S. 123–176. []
  12. Vgl. Samuel Salzborn, Sebastian Voigt: Antisemiten als Koalitionspartner? Die Linkspartei zwischen antizionistischem Antisemitismus und dem Streben nach Regierungsfähigkeit. In: Frankfurter Rundschau online, 20.5.2011 (http://www.fr-online.de/blob/view/-/8467798/data/5567673/-/Studie+Antisemitismus+in+der+Linkspartei.pdf). []
  13. „Boykottiert Israels Früchte“ – die „antiimperialistische“ Variante des SA-Aufrufs „Kauft nicht bei Juden“ – zu sehen auf den Sandwich-Plakaten linker Demonstranten vor einem Supermarkt in Bremen am 11. März 2011 – wohlwollend begleitet von Teilen der Linkspartei (vgl. beispielhaft den Linken-Aktivisten Arn Strohmeyer, Sohn des namhaften NS-Blut- und Bodenautors Curt Strohmeyer, der vehement für die Boykottaktion eintritt: http://www.palaestina-portal.eu/Stimmen_deutsch/strohmeyer_arn_bremer_friedensfreunde_boykott_gegen_fruechte_aus_israel.htm). []
  14. Vgl. Philipp Wittrock: Antisemitisches Flugblatt. Duisburger Linke verbreitet Hass gegen Israel. In: Der Spiegel, 27.4.2011 (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,759367,00.html); s. auch das inzwischen auf der Linken-Homepage gelöschte Flugblatt „Nie wieder Krieg für Israel!“ (Privatarchiv d. Verf.). []
  15. Vgl. Michael Jansen: Das effektivste Mittel im Umgang mit Israel. In: israel & palästina. Zeitschrift für Dialog (Hamburg), 2/2009, S. 33 (Erstveröffentlichung: The Jordan Times, 21.5.2009). []
  16. Vgl. Karl Pfeifer: Sommergespräch der Wiener Grünen: Felicia Langer gibt Möllemann Recht. In: HaGalil online, 28.2.2002 (http://www.judentum.net/europa/langer.htm). []
  17. Vgl. Felicia Langer: Vorwort zur 1. Auflage. In: Jamal Karsli: Maulkorb für Deutschland. Fakten, Analyse, Aufklärung zur Antisemitismusdebatte, Recklinghausen: Selbstverlag Jan Karsli 22003. []
  18. „Israels Regierungen sind von jeher friedensresistent“. Markus Bernhardt im Interview mit Felicia Langer. In: Junge Welt (Berlin), 5.6.2007. []
  19. Peter Weidner: Die „Israelkritik“ der Felicia Langer. Ein Stimmungsbericht aus Linz, März 2009. In: Die juedische.at. Webportal hrsg. von Samuel Laster (http://www.juedische.at/TCgi/_v2/TCgi.cgi?target=home&Param_Kat=50&Param_RB=62&Param_Red=11663); vgl. dazu den Wortlaut der Rede des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad während der Anti-Rassismus-Konferenz der UNO in Genf, 20.4.2009 (http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/ausland/ahmadinedschads-rede-im-wortlaut–14089888.html). []
  20. Thomas Assheuer: Falscher Trost für Deutsche. Der Fall Gerard Menuhin. In: Die Zeit, Nr. 47/2005 (http://www.zeit.de/2005/47/Falscher_Trost_fuer_Deutsche). []
  21. „Ghetto ist heute ein gebräuchlicher Begriff“. Doris Simon im Interview mit Evelyn Hecht-Galinski. In: Deutschlandfunk, 9.3.2007 (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/interview_dlf/602717/). []
  22. Peter Wolter im Gespräch mit Evelyn Hecht-Galinski: „Ich rufe schon seit langem zum Boykott auf“ In: Junge Welt, 27.2.2009, S. 8 (https://www.jungewelt.de/loginFailed.php?ref=/2009/02-27/034.php?sstr=hechtgalinski). []
  23. Iris Hefets: Pilgerfahrt nach Auschwitz. Das Holocaust-Gedenken ist zu einer Art Religion geworden. In: taz, 9.3.2010 (http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/pilgerfahrt-nach-auschwitz/). []
  24. Vgl. Benjamin Weinthal: Von der Landkarte getilgt. In: Der Tagesspiegel, 4.5.2010, S. 10. []
  25. Gerhard Zwerenz: Linker Antisemitismus ist unmöglich. In: Die Zeit, Nr. 16, 9.4.1976, S. 34. []
  26. Micha Brumlik: Ein Motiv, das man nur ablehnen kann. In: taz, 31.8.2010 (http://www.taz.de/1/berlin/tazplan-kultur/artikel/?ressort=ku&dig=2010%2F08%2F31%2Fa0112&cHash=b7084038a1). []
  27. Theodor Lessing: Der jüdische Selbsthass (1930). Neu aufgelegt: München: Matthes & Seitz 2004; vgl. auch Sander L. Gilman: Jüdischer Selbsthass. Antisemitismus und die verborgene Sprache der Juden. Aus dem Amerikanischen von Isabella König, Frankfurt/Main: Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag 1993; Alvin H. Rosenfeld: „Fortschrittliches“ jüdisches Denken und der Neue Antisemitismus. Mit einem Vorwort von Leon de Winter, Augsburg: Ölbaum-Verlag 2007 (Originalausgabe: © 2006 American Jewish Committee, Dezember 2006); Micha Brumlik: Universalismus, Selbsthass oder jüdischer Antisemitismus. Der Streit um die richtige Solidarität mit Israel. In: Jüdische Zeitung, Juni 2007 (http://www.j-zeit.de/archiv/artikel.425.html). []
  28. Hans-Joachim Neubauer: Traurige Helden der Anpassung. Sander L. Gilman dechiffriert die Wurzeln des „jüdischen Selbsthasses“. In: Die Zeit, Nr. 49, 3.12.1993. []
  29. Ebd. []
  30. Vgl. Alfred Grosser im Interview mit Timo Stein und Constantin Magnis: „Ein Feind Israels bin ich nicht“. In: Cicero. Magazin für politische Kultur (Berlin), 14.12.2010 (http://cicero.de/97.php?ress_id=4&item=5657); dazu kritisch Martin Kloke: Wo endet die legitime Israelkritik und wo fängt der Antisemitismus an? In: Cicero. 21.12.2010 (http://cicero.de/97.php?ress_id=7&item=5684). []
  31. Vgl. den Antrag der Fraktionen CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen. In: Deutscher Bundestag, 17. Wahlperiode. Drucksache 17/2328, Berlin, 30.6.2010. []
  32. Vgl. Fußnote 2. []

17 Kommentare zu “Wann ist oder wird Israelkritik antisemitisch?

  1. A.mOr, ich teile Ihre Analyse! Wie Sie schon sagten: „-was auch immer dahinter steckt-„ Am Ende bleibt man über das Phänomen des Antisemitismus ratlos. Woher kommt der Hass?   

    Sie sprachen von der Erziehung der Kinder, dass viele Kinder die anerzogene Nazi-Ideologie mit ins nach `45-Deutschland genommen haben. Das erinnert mich an ein wunderbares Buch von Götz Aly. Das Buch setzt sich mit den deutschen 68ern auseinander und heißt „Unser Kampf 1968“. Aly setzt sich in seinem Buch unter anderem mit dem Umgang der 68er mit dem Nationalsozialismus auseinander. Wie die nach 45 geborenen in den Abgrund von Auschwitz blickend, diese Last nicht tragen wollten und dann selbst teilweise in einen kruden Antisemitismus abrutschten. Ein wirklich sehr, sehr lesenswertes Buch.

    Eigentlich glaube ich auch nicht, dass alle Deutschen Nazis geblieben sind.

    Erschreckend ist jedoch die von Ihnen genannte zunehmend antisemitische Presse in Deutschland.

    Oder denken Sie nur an die „Hohmann-Rede“ vom 3. Oktober 2003. Ein intelligenter Mensch ( Jurist), der im Laufe seiner Rede an ein antisemitisches Machwerk von Henry Ford anknüpft und dann so richtig anfängt braune Soße zu pöbeln.

    Oder  Jürgen Trittin nach dessen Ansicht sich die Hisbollah „sehr positiv in die Politik im Libanon einbringt“. Siehe hier: http://www.taz.de/!1348/

    Am Ende bleibt man ratlos.

     

  2.  
    Sebastian, vielen Dank auch für diese gute Aufklärung, die auch Daniel noch weiterhelfen wird, zu verstehen, wie man jene „Unbedarften“ (die nicht sich für den Antisemitismus „eingeschrieben“ haben) zum Nachdenken und zur Skepsis anregt, im Umgang mit der als Öffentlichkeitsmeinung aufgeplusterten Darstellung deutscher Presse, Medienanstalten, aber auch zu vielen Politikern und sonstigen Intellektuellen.
     
    Leider (bzw nüchtern betrachtet) stimmt es, daß der Antisemitismus/Hass auf Juden mit der Zerschlagung der Macht der Nationalsozialisten nicht einfach „hinweggezaubert“ wurde.
    Da wäre zu benennen der Einfluß der Erziehung auf die Kinder (vor 1945) auf ihren Charakter im Erwachsenenalter als eine plausible Erklärung dafür, daß viele Kinder eben die anerzogene Nazi-Ideologie mit ins Nach’45-Deutschland genommen haben.
    Etliche „echte“ Nazi sind ungeschoren davon gekommen und hatten noch gute berufliche Karriere in der BRD (sie halfen beim Wiederaufbau, wurden daher „gebraucht“), auch in der DDR, wie’s aussieht.
     
    Somit wurde die Nazi-Ideologie auch nach 1945 vielleicht unter vorgehaltener Hand, aber ganz allgemein und gesellschaftlich weit gestreut auch weiter „gelebt“.
    Das ist doch auch nachvollziehbar, „logisch“, möchte ich meinen.

    Und einen Zweifel an dem Willen der meisten Menschen in einer Bevölkerung daran, sich ihre Weltsicht selbstkritisch hinterfragen zu wollen, ist immer, in jedem Volk angebracht.
     
    Die Anstrengung einer „Entnazifizierung“ mag es gegeben haben, die Effektivität derselben möchte ich anzweifeln.
     
    Ich möchte jedoch nicht verhehlen, daß wohl tatsächlich viele Menschen, von dumm bis klug, von der Idee des Nationalsozialismus gelassen haben in Deutschland.

    Aber in den letzten Jahren, Jahrzehnten ist für jeden, der’s hinterfragt, sehr klar zu sehen, daß der Antisemitismus in der deutschen Presse in eigentlich unverschämter Form, mehr oder weniger offensiv und konkret angekommen ist, wobei „Schamesgrenzen“ dahingehend wohl endgültig abgerissen wurden.
     
    Es handelt sich um etwas -was auch immer dahinter steckt!-, welches wie eine ‚Desinformations-Offensive‘ zu sehen ist, die den Antisemitismus bei der deutschen Bevölkerung neu „einpflanzt“.
     
    Dieser Same ist nichts gutes, dieser Same trägt den Namen „Hass“!
     
     
     
     
     

  3. A.mOr hat auf gezielte Manipulationsmöglichkeiten durch das Fernsehen hingewiesen und hervorgehoben, dass  es ja grade die Natur der Manipulation ist, dass die Manipulierten noch nicht einmal wissen können, dass sie manipuliert werden. Genau das ist der entscheidende Punkt.

    Daniel hat jedoch etwas ganz entscheidendes übersehen. Es kommt darauf an was der von Ihm genannte „unbedarfte Beobachter“ sehen will und was er nicht sehen will.
    Zitat von Daniel: „Die Bilder die über die Fernseher flimmern machen jeden Erklärungsversuch und jede Bitte um Fairness und Verständnis die aus Israel kommt null und nichtig“. Zitat Ende. Daniel hat hier den ganz entscheidenden Punkt vergessen, nämlich dass es Fairness und Verständnis für die  jüdischen Community noch nie gegeben hat.
    Wer von den „unbedarften Beobachtern“ bei uns erinnert sich schon an die Nacht zum Samstag den 12.03.2011 als eine fünfköpfige israelische Familie im Westjordanland abgeschlachtet wurde. Die Eltern sowie Kinder im Alter von elf und vier Jahren und ein nur drei Monate alter Säugling wurden mit Messern getötet. So etwas ist unserem  „unbedarfter Beobachter“ egal.
    In seiner Einleitung zu einem Vortrag vom 03.Juli 2002 zitiert Matthias Küntzel den israelischen Schriftsteller David Grossmann mit folgenden Worten:  Die Selbstmordanschläge in Israel haben dem ohnehin schon komplizierten Konflikt im Nahen Osten „eine irrationale, wahnsinnige, in jeder Beziehung unmenschliche und sogar in diesem Kontext beispiellos unmoralische Dimension verliehen“. Zitat Ende.
    In dieser Zeit wurden in Israel Zivilisten alte Menschen, Frauen, Kinder, egal wer, in tausend Teile zerfetz aus dem Leben gerissen.  Wenn Mütter ihre Kinder morgens zum Schulbesuch in den Bus setzten, wussten sie nicht ob sie ihre Kinder abends wieder sehen.
    Keiner unser unbedarften Beobachter hat den Initiator Arafat empört aufgefordert diese Morde zu unterlassen.
    Bei uns hat es nie Demonstrationen oder Konferenzen gegeben, die die suizidalen Massenmorde in Israel verurteilen. Ganz anders wenn der „unbedarfte Beobachter“ die Möglichkeit sieht, dem jüdischen Staat etwas anzuhängen.  Am 4. Juni 2004 fand in Köln eine „Konferenz“ statt („Stop the wall in Palestine“), die den Juden nicht einmal erlauben will, sich gegen suizidale Massenmorde mit Hilfe eines Zaunes zu verteidigen. Dort wurde völlig ignoriert, dass dem Bau des Zaunes ein in der Welt beispielloser Terror vorranging, der  wahllos nur dem Zweck diente, Juden zu ermorden. Die „unbedarften Beobachter“ auf dieser Konferenz haben sich nicht im Geringsten für die abgeschlachteten Menschen in Israel interessiert. Und diese vollkommene Ignoranz gegenüber den tatsächlichen Verhältnissen, gegenüber der Tatsache, dass dem Bau des Zaunes ein beispielloser Terror gegen Juden voranging, ist beispielhaft  für die Haltung des „unbedarften Beobachters“ in Deutschland,  von dem Daniel spricht.
    Der „unbedarfte Beobachter“ in Deutschland  fühlt sich zu radikel- Israel – feindlich orientierten Palästinensern hingezogen, weil diese ein ideales Pendant für den radikalen Antizionismus ist, der in Deutschland obsessiv (und traditionell) gepflegt wird.
    Nach 1945, nach Auschwitz war der Antisemitismus in Deutschland nicht verschwunden. Er hat sich nur das Gewand des Antizionismus umgelegt. Die Nazis und Judenhasser haben im 2. Wk. zwar eine Lektion erteilt bekommen, aber viel zu viele Altnazis konnten geruhsam ihre Pension genießen, die sie sich als Kz-Wächter oder anderswo im Reich verdient hatten (nebenbei gesagt, die Menschen, die die Konzentrationslager  überlebt haben, bekamen für das ertragene Elend keine Rente vom deutschen Staat).
    Die Geschichte und leider auch die Gegenwart (hat) gezeigt, dass die Deutschen eine besondere Neigung haben antisemitischen Positionen hinterher zu laufen. Ob es nun Nazis sind, welche alle hassen die anders sind, oder ob es der Antizionismus anderer Gruppierungen ist.
    Radikal – islamistische Hassprediger sind für viele Deutsche (unseren unbedarften Beobachtern)  der große Wurf. Sie brauchen ihren Judenhass nicht mehr offen zur Schau tragen, denn damit würde sie sich ja ihre gesellschaftliche Reputation verderben. Moderne deutsche Antisemiten versteckten sich hinter andere, indem sie radikal – islamistisch Gruppen insbesondere im nahen Osten die Stange halten und diese für ihren eigenen Antisemitismus instrumentalisieren. Das ist im Wesentlichen die Perspektive, die mancher „unbedarfte Beobachter“ in Deutschland auf den Nahostkonflikt hat.
    Dabei werden übrigens  Muslime wie,  Seran Ates, Ayaan Hirsi Ali, Hamed Abdel-Samad, Cengiz Dursun, Cigdem Toprak, Necla Kelek , Wahied Wahdat-Hagh und viele andere Muslime, die sich nicht für den deutschen Antizionismus = Antisemitismus instrumentalisieren lassen,  als Störenfriede empfunden. Deutsche Antisemiten arbeiten sich an solche Muslime ab und hassen sie sogar, weil Muslime wie diese sich nicht für  den spezifisch deutschen Antisemitismus unseres unbedarften Beobachters instrumentalisieren lassen.
    Hier noch der Links zu dem bereits oben angeführten Vortrag, den Matthias Küntzel im Logensaal der Hamburger Kammerspiele am 3. Juli 2002 gehalten hat. Matthias Küntzel erläutert hier in besonders gute und anschauliche Weise historische und gegenwärtige Zusammenhänge des Nahostkonfliktes.
    http://www.matthiaskuentzel.de/contents/die-entstehung-des-modernen-djihadismus-im-kontext-des-palaestina-konflikts

  4.  
     
    Daniel.
     
    Ja, das meine ich doch.
    Die deutsche Presse setzt gezielt solche Bilder ein, um eine Wahrheit zu konstruieren, die eben tatsächlich nur Konstruktion (um nicht zu sagen Lüge!) ist.
    Ja, es gibt die israelische Luftwaffe, aber warum, was ist die Ursache, das wird von deutscher Presse gezielt verschwiegen!
    Und es wird auch gezielt verschwiegen, daß die israelische Armee die freundlichste Armee gegenüber Nicht-Kombattanten in der ganzen Welt in Kriegshandlungen ist, keine Armee der Welt kann eine ähnlich rühmliche Bilanz bezüglich des geringen „Kollateralschadens“ vorweisen.
    Und das obwohl die Haß-Brenner gezielt aus von Nicht-Kombattanten bewohnten Gebieten heraus ihre Angriffe starten, um sich von westlicher Presse als Opfer israelischer Aggression darstellen zu lassen.
    Die Wahrheit ist, Hamas&Co lassen gezielt unschuldige Araber sterben, nur für den „medialen Erfolg“. Und die westliche (insbesondere auch deutsche) Presse spielt dieses zynische und menschenverachtende Spiel mit.
     
    Und wir sehen doch auch diese Bilder, und trotzdem benutzen wir Herz mit Verstand.
    Solches, zugegebenermaßen, ist nicht jedem (Deutschen, Slowenen, wer auch immer) zu vermitteln.
     
    Aber andere wissen doch nichteinmal, daß sie manipuliert werden. Dafür können sie doch nichts, sie ahnen es nichteinmal, ihr „Verbrechen“ ist doch einfach nur Vertrauen in die Integrität des deutschen Journalismus.
    Leider, vollkommen unverdient.
    Und das Verbrechen ist dann auch bei jenen zu suchen, die gezielt die deutsche Öffentlichkeit manipulieren, damit sie eine Lüge als Wahrheit annehmen.
     
    Wo die Medien versagen und ihr eigenes Spielchen treiben, da ist eben die demokratische Stimme des Volkes gefragt!
    Und die muß sich notfalls eben selbst informieren, dafür aber sind Sie oder ich Botschafter.
    Sicher nicht leicht, aber es ist nicht das erste Mal in der Geschichte der Presse, daß sie hochgradig manipulativ eingesetzt wird (zB DDR, Hitler-Deutschland,…)
     
    Daran müssen wir erinnern und das selbstständige Denken der Leute neu anstoßen.
    Oder einfach weiter als Stimmvieh und Konsumentenmasse dahindarben.
    So sieht’s doch aus, nicht?
     
     
     
     

  5. >>“Sie, zB, da Sie auch hier lesen, haben doch die Möglichkeit, sich ein differenzierteres Bild über die Vorkommnisse rund um Israel zu machen. Und fragen Sie sich selbst auch einmal: kann es sein, daß die Darstellung des blutrünstigen Israeli der Wahrheit entspricht?
     
    Lassen Sie sich nicht hinter’s Licht führen, und klären Sie ihre Freunde und Bekannte auf.“<<
     
    Das Problem ist: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“.
    Wenn israelische Bomber Angriffe auf eine dichtbesiedelte, in Rauch und Qualm gehüllte Gaza Stadt fliegen, live zur besten Abendbrotzeit in deutschen Wohnzimmern…da kann ich mir den Mund fusslig reden! 🙁
    Israels Hasbara ist auch nicht sehr hilfreich…

  6. >>“Das ist aber eine vereinfachte stark verzerrte Darstellung der Realität.“<<

    Ja, manchmal ist die Wahrheit gar nicht so kompliziert.
    Man muß nicht immer den Anti-Semitismus suchen…

    >>“Ein “pazifistisches” und “friedliches” Israel würde keine 24 Stunden überleben.“<<

    Ich weiß das und Sie wissen das, die meisten interessiert das alles gar nicht. Die allermeisten sind überhaupt nicht so weit an Israel oder den Juden interessiert das es für Anti-Semitismus reichen würde.

    Ich kann es nur wiederholen, für einen unbedarften Beobachter sind die palästinenischen Zivilisten, die toten Kinder, die zerstörten Häuser nun mal die Underdogs die automatisch Mitleid erwecken in ihrem Kampf und Leiden gegen eine „brutale“, hochgerüstete Armee.

    Die Bilder die über die Fernseher flimmern machen jeden Erklärungsversuch und jede Bitte um Fairness und Verständnis die aus Israel kommt null und nichtig.

    Das ist nun einmal so und das kann keiner ändern. Aber wie gesagt das hat nicht viel mit Anti-Semitismus zu tun. Jedes andere Land das sich in einer ähnlichen Situation befindet erhält ähnliche Reaktionen.

    Das wird sich erst ändern wenn ein gerechter Frieden einkehrt und alle Kampfhandlungen beendet sind – die mediale Presentation von Israel welt weit andere Prioritäten bekommt.

    Bis dahin heißt es Zähne zusammenbeißen. Lieber ein ungeliebtes aber dafür überlebendes Israel als andersherum.

    Mir geht es halt nur um die so oftmals unnötige und schädliche Anti-Semitismus Keule die immer wieder vorschnell herausgeholt wird.

    Das ist auch nicht der Sinn der Sache….
     

  7.  
    Daniel,
    eigentlich stellen Sie es gut dar.
    Jedoch, eine kleine Information fehlt: die Nachrichten, die Sie beschreiben, sind hochgradig manipulativ, sie berichten nicht das ganze Bild, sondern eine verengte Schau auf den „aggressiven Israeli contra den armen, abgebombten Baby der Araber“; das jedoch ist ganz einfach nicht die wahre Geschichte, es ist eine konstruierte Geschichte („Pallywood“), die nur zum Ziel hat genau das zu bewirken, was Sie beschreiben: herzliches Mitleid gegenüber den Opfern von Gewalt (und jüdische Opfer gibt es in dieser Version nicht, und wenn, dann sind es irgendwelche „Halbmenschen“, die man „Siedler“ nennt).
     
    Es ist einfach eine unangenehme Wahrheit, daß unsere deutsche Presse zum größten Teil gegenüber Israel eine verleumderische Geschichte erzählt, das Vertrauen der Leser/Hörer/TV-Seher auf die Integrität des seriösen Journalismus wird bespuckt (! – anders kann man das schon nicht mehr bezeichnen!).
     
    Sie, zB, da Sie auch hier lesen, haben doch die Möglichkeit, sich ein differenzierteres Bild über die Vorkommnisse rund um Israel zu machen. Und fragen Sie sich selbst auch einmal: kann es sein, daß die Darstellung des blutrünstigen Israeli der Wahrheit entspricht?
     
    Lassen Sie sich nicht hinter’s Licht führen, und klären Sie ihre Freunde und Bekannte auf.
     
    Lesen Sie auch die Presse des Auslands (und, leider, ich meine nicht die des muslimischen Auslands), verschaffen Sie sich einen größeren Überblick. Wenn Sie nur von deutscher Presse Informiert sind, dann sind sie <em>desinformiert</em>. So einfach ist das eben.
     
    Und, lesen Sie Sebastian, den Kommentar genau vor dem Ihren…
     
    Sebastian, vielen Dank!
     
     
     

  8.  @Daniel:
    Das ist aber eine vereinfachte stark verzerrte Darstellung der Realität.
    Merkwürdigerweise hat man das in Deutschland oft wenn es um Israel geht.
    Ein „pazifistisches“ und „friedliches“ Israel würde keine 24 Stunden überleben. Das haben seine Nachbarn bewiesen, das Einzige was sie abhält ist das Militär, sonst würden sie Israel umgehend angreifen.
    Überhaupt, wir in Deutschalnd sind nicht qualifiziert die isralische Situation zu bewerten, einfach weil wir keine „Nachbarn“ wie Israel haben.
    Auch das mit den toten Muslimen ist Unfug, es sind meist Muslime die andere Muslime ums Leben bringen, wohl auch die Babies. Wir schauen bei Israel nur besonders genau hin.
    Ob wir 10 tsd Libyer via Nato in den Tod bomben oder 100 tsd Iraker beim Einsatz für Frieden sterben geht uns nur am Arsch vorbei. Wenn Israel dann militärisch in Gaza auf Raketenangriffe reagiert ist dass das einzige Verbrechen was wir wahrnehmen wollen.
    Aber wir vergessen die Frage an Hamas weiter zugeben, wieso sie ausgerechnet aus Wohnviertel und Schulen ihre Raketen und Angriffe starten, wohlwissend das Israel reagieren MUSS um seine Bürger zu schützen.
    Fakt ist das momentan nur ein militärisch starkes Israel überleben kann.
    Und das Problem ist Antisemitismus, der arabisch/muslimischer Antisemitismus, die Araber müssen sich erklären wie sie den überwinden wollen.
    Es sind die Muslime die den Judenhass in die Herzen ihrer Kinder säen.
    Den Frieden den die Muslime einfordern müssen sie auch wollen.
    Wenn man dann in den letzten Wochen nach Türkei, Iran und Ägypten schaut wollen sie alles, bloss eben keinen Frieden mit Israel.

  9. … es ist doch immer wieder beeindruckend wie hartnäckig sich einige dagegen Sträuben, eine Differenzierung zwischen Ressentiment und Kritik zu sehen. Man befindet sich hier in einer Endlosschleife und jedes Mal, wenn Antisemitismus, der im Gewand vermeintlicher „Kritik“daherkommt zum Thema wird, erfolgen dieselben Diffamierungen gegen den jeweiligen Autor, dieselben Frasen („Man wird ja wohl noch kritisieren dürfen…“,  „Und das hat nichts mit Anti-Semitismus zu tun.“, usw.). Fragt sich nur, warum so zwanghaft am Thema vorbeigeschrieben wird und warum die Augen vor Antisemitismus, der sich als „Kritik“ ausgibt so fest verschlossen bleiben. 

  10. >>“sehr guter Artikel umfassend mit vielen Fakten und alles ist Wahr.“<<

    Find ich überhaupt nicht!

    Ist nun mal so in unserem medialen Zeitalter das Krieg und tote Babies schlecht für die Popularität eines Landes sind.

    Die Amerikaner klagen seit Jahren über rampanten Anti-Amerikanismus wegen Irak und Afghanistan in Europa, Serbien hat schlechte Presse seit Jahren wegen dem Jugoslawien Krieg und Israel lebt halt auch auf demselben, unseren Planeten.
    Und wenn Otto Normalbürger Israel fast ausschließlich mit Krieg und Verwüstung in Verbindung bringt dann kann man ihm das nicht zum Vorwurf machen.

    Auch die sogenannten „fanatischen“ jüdischen „vom Selbsthaß zerfleischten“ Israelkritiker sind nicht das Problem, eher ein Symptom auf die israelische Situation.

    Ich gucke mal in meine Kristallkugel und wage die Prognose das, sollte einmal der Zustand eintreten das Israel von seinen Nachbarn aktzeptiert ist, das Palästinenserproblem geklärt wurde und allgemeiner Friede in Nah Ost eingetreten ist, die israelischen Beliebtheitswerte bei den regelmäßigen Umfragen ähnlich hohe Werte wie das warum auch immer als friedlich und pazifistisch eingeschätzte Deutschland erreichen werden.

    Aber solange blutende, tote Araber babies und dröhnende israelische Jets beim Bombenabwurf in Pali-Städten in allen Haushalten der Welt über das Fernsehen flimmern wird sich an der weltweiten Kritik nichts ändern.

    Und das hat nichts mit Anti-Semitismus zu tun.
    Der normal Bürger ist davon halt nicht begeistert. Egal wer und warum und wieso. Ist halt nunmal so!
     

  11. Der Beitrag von Dr. Martin Kloke zeigt sehr schön, wie der Antisemitismus nach dem Zivilisationsbruch der Nationalsozialisten, sagen wir, für kurze Zeit verpönt war und heute wieder, als hätte es Auschwitz nie gegeben, hoch im Kurs steht.
    Wie ist es also möglich, dass vor allem meine, die christlich geprägte Community sich von dem Hass gegen Juden  nicht trennen kann?   
    Auf der Seite 149, in seinem Buch „Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“ berichtet Arye Sharuz Shalicar von seiner Tante Pnina, wie diese ihm sagte, dass die zwei anderen monotheistischen Weltreligionen, der Islam und das Christentum, auf den Geschichten der Thora, dem heiligen Buch der Juden, aufgebaut seien und dass die Mehrheit der  Menschen heutzutage einer dieser drei Religionen angehöre. Weil die Juden aber die Ersten waren und die Anderen ohnehin nur die Überlieferung der Juden kopiert hätten, hätten Christen und Muslime die Juden aus Neid so schlecht behandelt.
    Auch wenn die o.g. Erklärung kurz und einfach erscheint, eine bessere Erklärung kenne ich nicht. 
    Wie kann es anders möglich sein, dass mein (genialer) Religionsstifter Martin Lutter, sein gesamtes Werk  zum Ende seines Lebens durch seine antisemitischen Hasstiraden gleichsam in die Tonne getreten hat. Möglicherweise hat ihn die Frustration, die Juden nicht „bekehren“ zu können, in seinen Abgrund getrieben.  
    500 Jahre später.
    Jeder erinnert sich an die grauenvollen suizidalen Massenmorde in der Zeit von 2000 bis 2004 in Israel. Was die deutsche „Israelkritik“ in diesem Zusammenhang angeht, so mag ein kleiner Auszug aus der 82. Sitzung des deutschen Bundestages vom 11.Dezember 2003 weiteren Aufschluss über deutsche „Israelkritik“ geben:
    Zitat:
    „Die israelische Politik kann und muss man sogar kritisieren. Das gilt für die Absicht, ein System von Zäunen und Mauern auf palästinensischem Gebiet zu errichten, das gilt für Siedlungspolitik, wenn sie Menschenrechte verletzt. Aber ebenso müssen palästinensische Selbstmordattentate moralisch und politisch eindeutig verurteilt werden, die gezielt Zivilisten treffen und nicht minder eine Menschenrechtsverletzung darstellen. Wir müssen parteiisch sein für die Menschenrechte, aber nicht für eine Seite.“
    Zitat Ende
    Vgl.: Bundestagssitzung, Stenografischer Bericht,   82. Sitzung, Berlin, Donnerstag, den 11. Dezember 2003 http://dipbt.bundestag.de/dip21/btp/15/15082.pdf
    Dabei wird die  „Absicht, ein System von Zäunen und Mauern auf palästinensischem Gebiet zu errichten“ wie die Rednerin süffisant anführt, in den Vordergrund gestellt. Selbstmordattentate seien dabei „n-i-c-h-t    m-i-n-d-e-r“ Menschenrechtsverletzungen wie der Bau von Zäunen (die nebenbei gesagt  solche Selbstmordattentate wirksam verhindern). Der Versuch der Juden, sich mit dieser Maßnahme, der suizidalen Massenmorde zu erwehren, wird dabei auf eine Stufe mit den mörderischen suizidalen Massenmorden selbst gestellt. Die Rednerin setzt noch einen drauf indem sie sagt, dass wir (wir Deutschen sind gemeint) parteiisch für die Menschenrechte sein sollen, aber nicht für eine Seite.
    Also wir, die Deutschen, sollen uns nach Auschwitz, Treblinka, Bergen – Belsen und nach dem was Kurt Gerstein hier berichtet http://www.ns-archiv.de/verfolgung/gerstein/gerstein-bericht.php  gegenüber dem Jüdischen Staat als unparteiische Vertreter von Moral und Menschenrechten präsentieren. Von einer gewissen Urteilsschüchternheit gegenüber dem jüdischen Staat, die Jan Fleischhauer der deutsch-christlichen Community einmal angemahnt hat, ist hier keine Spur. Viele Deutsche antwortet dagegen mit Ihrem ganz eigenen Chauvinismus im Sinne  von Emanuel Geibel:  „Und es mag am deutschen Wesen einmal noch die Welt genesen“.
    Vor vielen Jahren hab ich ein Interview mit Golo Mann gehört. Es ging unter anderem um die Verbrechen der nationalsozialistischen Deutschen gegen die Juden. Irgendwann stellte der Interviewer geradezu mit einem verzweifelten Unterton die Frage: „aber wie können wir (die Deutschen) denn nun umgehen mit diesen Verbrechen?“ Golo Mann antwortete: „Die Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die reine Wahrheit“. Aber anstatt sich mit der historischen Wahrheit auseinander zu setzen,  sitzen Viele Deutsche dabei wie auf der VIP Longe eines Luxusliners, der in sicherem Abstand vor Israels Küste schwimmt und rufen den Juden, die mit Selbstmordattentaten und Raketenbeschuss zu kämpfen haben, Belehrungen über Menschenrechte entgegen.
    Für mich ist das unerträglich.
        

  12. Da vermischt sich unglaublich viel.
    Fakt ist, antiisraelischen Gruppierungen sind immer auch anti-USamerikanisch.
    Viele sehen Israel nicht als eigenständiges Land sondern als US Aussenposten.Zu den normalen Antisemiten kommen auch immer mehr US kritische Leute, das ergiesst sich dann in Israelkritik.
    Ein riesiges Problem ist auch die religiöse Argumentation, Israel will eine Demokratie, ein säkulares Land sein, gleichzeitig hat man den Eindruck das Orthodoxe die Politik mitgestalten.
    Das kommt schlecht an.
    Überhaupt, so wie auch hier mit Barau Zion, die religiöse Rechtfertigung für dies und das, erzeugt eher Ablehnung im Allgemeinen.
    Im Grunde schaden sie Israel in seiner Aussenwahrnehmung.

  13. Kurzum – solange Kritik gemäßigt geäußert, immer mit viel Verständnis für Israel und ohne allzu großes Augenmerk auf die palsätinensische Seite geäußert wird, so dass sie ihn Magazinen und Zeitungen gut wahrgenommen und gut ignoriert werden kann ist sie erlaubt, man kann mit ihr leben, man kann sie ignorieren – so bald sie jedoch Wirkung tun könnte und diese Schiene verlässt, sei es weil prominente Juden selbst deutliche harte Kritik äußern, sei es wenn deutsche Politiker deutlich Kritik äußern, so dass man die Sache nicht mehr so gut ignorieren kann, bzw. sich genötigt fühlen müsste daraus auch Konsequenzen abzuleiten hat man die rote Linie überschritten – das ist dann ‚antisemitisch‘.
     
    So zum Beispiel, wenn eine prominente deutsche Politikern kritisiert, dass die Israelis in den letzten Tagen des Libanon-Kriegs, als das Ende schon abzusehen war, schnell noch mal Millionen von Landminen über dem Süd-Libanon abwarfen – so was geht natürlich nicht (nicht das mit den Landminen – das geht, nein das mit der Kritik – das geht nicht) – und solche Kritik hat man gefälligst zu unterlassen – sonst kommt sie so sicher wie das Amen in der Kirche – das Knock-Out für jeden der in der Öffentlichkeit steht folgt vom ZentralRat der Juden für jeden Prominenten, der sich doch tatsächlich erdreistet öffentlich das Wort zu ergreifen.

    Die langen Tiraden des Autors über jeden der Israel deutlich kritisiert, prominente Juden allzumal, machen das überdeutlich. Also kritisieren ja – aber bitte so, dass man es gut ignorieren kann und keinerlei Konsequenzen hat – so lange ist es im Grünen Bereich.

  14. sehr guter Artikel umfassend mit vielen Fakten und alles ist Wahr.

    Europa war 2000 Jahre Antijüdisch und 2000 Jahre ha man auf die Juden eingeprügelt und Regelmässig Progrome verübt. Das hat sich nach 1945 nicht geändert es wurde nur eine kleine Pause gemacht.

    Und die Judenhasser kommen wieder aus dem dunklen Löchern um sich zu Versammeln gegen Israel.

    Es war, wenn die Bundeslade aufbrach, da sprach Moshe: Erhebe Dich, Ewiger, damit Deine Feinde sich zerstreuen, Deiner Hasser vor Dir fliehen. Denn von Zion geht die Lehre aus und des Ewigen Wort von Jerushalajim. Gelobt sei Er, der die Torah Seinem Volk in Seiner Heiligkeit gab.

     

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