Die ORD zum Neuen Jahr 5772: Schana Towa umetuka

An Rosch Haschan, auch Jom haDin genannt, werden wir von G“t gerichtet und bis einschliesslich Jom Kippur haben wir die Möglichkeit das höchstrichterliche Urteil noch positiv zu beeinflussen. Das Schlüsselwort ist Tschuwa, und bedeutet, dass wir auf den Weg den G“t uns durch seine Gebote vorgegeben hat zurückkehren sollen…

Grußwort der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland zu Rosch Haschana

Was an diesem Gesamtkonzept erstaunt, ist die Reihenfolge: Warum warten wir den Tag des Gerichtes ab, um anschließend das Urteil zu verbessern? Warum beginnen wir die Hohen Feiertage nicht mit Jom Kippur und enden dann mit Rosch haSchana? Sollten wir nicht zuerst eine reine Weste, pardon, Seele haben und uns dann der Bewertung durch den König aller Könige aussetzen, anstatt nach der Urteilsverkündung hektisch nach dem moralischen Fleckentferner zu greifen?

Die Antwort verbirgt sich hinter einem Grundprinzip des Judentums: Es geht im Leben nicht um unsere Wirkung auf G“t, sondern darum dass wir ein Leben nach Seinen Vorgaben führen, aber für uns. Oder wie es Rabbi Sachs einmal auf die Thora bezogen formulierte: Die Thora ist nicht das Buch der Menschen über G“t, sondern G“tes Buch für die Menschen.

Das Jüdische Neujahrsfest ist vorwärts gerichtet. Wir sehen das neue Jahr auf uns zukommen und formulieren unsere Hoffnungen und Wünsche. Familiäres Glück, beruflicher Erfolg, Gesundheit, ein religiöseres Leben führen und ähnliches. Erst wenn ich weiß, was ich will, kann ich mir die Frage stellen, woran es liegt, dass ich die Idealvorstellung meines eigenen Lebens bisher noch nicht erreicht habe.
Jom Kippur ist daher rückwärts gewand. Was habe ich im letzten Jahr falsch gemacht, dass ich diese Ziele bisher noch nicht optimal erreicht habe? Was muss ich an mir ändern, um endlich mehr Zeit für meine Kinder zu haben oder mich in meinem Beruf oder meiner Gemeinde besser einbringen zu können?

Erst wenn ich meine Ziele kenne und definiert habe, kann ich mein Verhalten dementsprechend verändern. Daher feiern wir zuerst den Tag der in die Zukunft schaut, um dann aus unserer Vergangenheit zu lernen, damit wir die richtigen Konsequenzen aus ihr zu ziehen.
Die Ziele der ORD sind klar: wir bemühen uns durch Seminare und der Bereitstellung von Materialien den uns angeschlossenen Rabbiner ihre Arbeit zu erleichtern und zu verbessern.
Gleichzeitig versuchen wir bei direkten Anfragen einzelner Gemeinden oder deren Mitgliedern Hilfestellung zu leisten und auch Ihnen den Zugang zu religiösen Mitteln zu erleichtern.
Darüber hinaus, ist es uns ein Anliegen auch in der Öffentlichkeit die Stimme des Judentums zu aktuellen Themen zu erheben.

Wir wünschen uns und Ihnen, dass Haschem uns wohlwollend beurteilt, und uns allen hilft all unsere Ziele zum Wohle des ganzen Volkes Israel zu verwirklichen.
Das kommende Jahr 5772 wird auf Hebräisch „TAF“ „SCHIN“ „AJIN“ „BET“ abgekürzt, sie könnten als Anfangsbuchstaben für „Tiheje SCHana [schel] Awoda Beahawa“ gelten: „Es sei ein Jahr [erfüllt von G“ttes-] Dienst in Liebe“ stehen.

Ken jehi Razon- so möge es Sein Wille sein.

Schana Towa umetuka
Vorstand der ORD