Sich einen Krieg nicht aufzwingen lassen

Nehmen wir einmal an, die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte würden sich nicht auf chirurgische Aktionen und sporadische Angriffe auf Geheimdienstziele beschränken. Nehmen wir einmal an, dass wir eine Bodeninvasion größeren Ausmaßes einleiten würden, gedeckt durch massive Luftschläge, die mit der Zerstörung der Infrastruktur der Hamas und dem Tod einiger Schurken enden würde (und auch einiger Unschuldiger)…

Von Amir Peleg, Ynet, 24.08.11.

Was würden wir damit faktisch erreichen? Die diplomatischen Implikationen für die Region sind natürlich schwer vorauszusagen, besonders angesichts der Veränderungen in Ägypten. Doch einige Elemente ändern sich nicht. Todesopfer in unseren Reihen, ruinierte Familien und zerstörte Häuser, drei oder vier Länder, die mit uns brechen würden und eine angespannte Ruhe bis zum nächsten Mal.

Bis dahin würde sich eine Sache bestimmt geändert haben – die Bandbreite ihrer Raketen und die Größe deren Sprengköpfe.
Selbstverständlich könnten wir es uns nicht erlauben, uns zurückzuhalten, und wir sollten den langen Arm der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte loben, der den militärischen Anführer des Volkswiderstandskomitees eliminiert hat. Denn genau darum geht es. Wir haben es hier schließlich mit Komitees zu tun, die nicht von einem Prof. Manuel Trachtenberg angeführt werden.

Der Kampf zwischen der Hamas und uns ist leider nicht vergleichbar mit der Kubakrise oder der Konfrontation zwischen Süd- und Nordkorea. Verfeindeten Staaten kann man mit Abschreckung begegnen. Guerilla-Kämpfer aber können nur herausgefordert werden; besonders die, die den Heldentod als erstrebenswert erachten.
Für uns ist das alles ein Film, den wir schon unzählige Male gesehen haben. Und obwohl er jedes Mal einen anderen Namen trägt, bleibt doch das Genre gleich. Man hätte auch, wie bei Rocky, jedem Film einfach eine Nummer geben können. Doch für unsere Produktionen bevorzugen wir, aus nachvollziehbaren Gründen, für jedes Mal einen neuen Namen: „Summer Rains“, „Grapes of Wrath“, „Cast Lead“. In all diesen Filmen sind unsere Truppen die wahren Helden der Geschichte, doch das Drehbuch wird letztendlich von unseren Nachbarn geschrieben. Und keine der beiden Seiten verdient einen Oscar für Spezialeffekte.

Der Trick ist, selbst die Initiative zu ergreifen und nicht in etwas hineingezogen werden, und daher ist die Frage, ob der Staat Israel seine militärische Abschreckungskraft verloren oder wieder hergestellt hat, irrelevant. Für den Staat Israel ist die Zeit gekommen, seine diplomatische Abschreckungskraft wieder herzustellen und ausnahmsweise einmal rational und nicht emotional zu handeln. Dafür brauchen wir eine visionäre und vor allem eine intelligente Führung. Was wir ganz sicher nicht brauchen, ist eine Führung, die an eine Politik glaubt, die das Feuer noch anheizt. Denn traurigerweise kann die brennende Lava im Gaza-Streifen nicht mit einem Supertanker gelöscht werden.

Diese, auch im Newsletter der israelischen Botschaft veröffentlichten, Kommentare geben nicht grundsätzlich den Standpunkt der israelischen Regierung wieder, sondern bieten einen Einblick in die politische Diskussion in Israel.