Festakt in Hohenems

25 Jahre Verein Jüdisches Museum Hohenems – 20 Jahre Jüdisches Museum…

„Ein Leuchtturm der Kultur, Bildung und Menschlichkeit“ ist das Jüdische Museum Hohenems für Österreichs Bundesministerin Dr. Claudia Schmied. 500 Menschen aus aller Welt kamen zum Jubiläum des Jüdischen Museum, das vor 20 Jahren eröffnet wurde. Seine in jedem Sinn grenzüberschreitende Arbeit kultiviert die Neugier auf Menschen, auf scheinbar fremde Kulturen, auf andere Traditionen und Perspektiven. Dabei ist dieses Museum manchmal auch eine produktive politische Provokation.

Der bewegende Festakt im Hohenemser Löwensaal und das turbulente Gartenfest im Jüdischen Museum brachte Nachkommen der Hohenemser Juden aus aller Welt und Einheimische, Gäste aus Österreich, der Schweiz und Deutschland, professionelle Museumsmacher und begeisterte Museumsbesucher, Juden, Christen und Muslime einmal mehr zusammen, in einem denkwürdig entspanntem Rahmen.

Cilly Kugelmann aus Berlin, die Direktorin des größten jüdischen Museums in Europa, hob hervor, dass genau darin von Beginn an die Stärke und die Pionierleistung des Hohenemser Museums lag: in Ausstellungen und Programmen Brücken zwischen jüdischer Geschichte und den Fragen der Gegenwart zu schlagen, das Zusammenleben von Mehrheit und Minderheiten zu thematisieren, in offener Kommunikation mit den Menschen.

Kurt Greussing zeigte auf, wie schwierig und zugleich produktiv und lohnend es war, vor 25 Jahren dieses Museum auf den Weg zu bringen, zwischen dem Wunsch, Hohenemser Geschichte als Idyll zu zeichnen – und der Verantwortung für ein wahrhaftiges Geschichtsbild, in all seinen Widersprüchen.

Bürgermeister Rchard Amann und Landesstatthalter Markus Wallner machten deutlich, dass Stadt und Land die zentrale Bedeutung des Museums für die ganze Region auch in Zukunft nicht aus dem Auge verlieren werden. Und Jutta Berger, die Präsidentin des Fördervereins, betonte, wie wichtig zivilgesellschaftliches Engagement bei der Gründung war – und erst Recht in Zukunft sein wird, wenn es darum geht, das Museum als Ort der internationalen Kommunikation weiter zu entwickeln. Die Mitgliedschaft im Verein sein nunmal die einfachste Möglichkeit, sich dafür zu engagieren.

Höhepunkt des Festakts war die bewegende Rede des letzten noch lebenden Mitglieds der jüdischen Gemeinde Hohenems, der den Ort noch vor der Shoah hat verlassen können. Harry Weil Jr. war eigens aus Albuquerque, New Mexiko angereist. Der Sohn des letzten Hohenemser Kantors musste als 8jähriges Kind aus Hohenems fliehen, um nicht von den Nazis ermordet zu werden. „Jeder Mensch“, so sagte er, „hat mindestens zwei Heimaten. Dort wo er lebt, und dort wo sein Herz ist“. Und das sei „immer noch in Hohenems“, wie auch das seiner Kinder.

Brücken in die Gegenwart schlugen auch die Mittelschüler aus Au im Bregenzer Wald, die Monika Helfers und Michael Köhlmeiers Kinderbuch „Rosie und der Urgroßvater“ auf die Bühne des Hohenemser Löwensaals brachten, dort wo Harry Weils Vater einstmals musiziert hatte.

Am Endes eines langen Abends sang Marlena Tänzer, Kantorin in New Jersey, gemeinsam mit der Vorarlberger Weltmusik-Band „Bauernfänger“ im Museumsgarten jazzig-jiddisch das Lied „Bei mir bist Du schön“. Das fanden auch alle Gäste.

Mit dabei waren:

Redner:
Bürgermeister Richard Amann, Landesstatthalter Mag. Markus Wallner, Bundesministerin Dr. Claudia Schmied, Harry Weil Jr. aus Albuquerque (New Mexico, USA), Dr. Kurt Greussing aus Dornbirn, Cilly Kugelmann aus Berlin (Programmdirektorin des Jüdischen Museums Berlin)

Nachkommen:
Liliane Bollag, Yves Bollag, Uri und Marlena Tänzer (aus den USA angereist), Felix Jaffé-Brunner (aus der Schweiz) mit Tochter Luisa de-Winne-Brunner (aus Belgien), Pierre Burgauer, Heinz und Fritz Baum, u.v.a.

Gäste:
Dr. Martin Purtscher, LAbg. Monika Reis, Stadtrat Günter Linder, Dr. Eva Grabherr (ehem. Direktorin des Jüdischen Museums), Susi Shaked aus Wien (Präsidentin der Österreichisch-Israelitischen Gesellschaft), Günter Rhomberg (Präsident der Bregenzer Festspiele), Harald Weigel (Dir. der Vorarlberger Landesbibliothek), Ethem Sahin (Alevitisches Kulturzentrum Dornbirn), LAbg. Johannes Rauch, Nationalrat Harald Walser, Werner Bundschuh (Malin Gesellschaft), Johannes Lusser (Collini), Dr. Johannes Inama, Jutta Berger (Präsidentin des Fördervereins), Michael Köhlmeier und Monika Helfer, Felicitas Heimann-Jelinek aus Wien, Bürgermeister Werner Müller mit Gattin Judith aus Klaus, Bürgermeister Werner Huber aus Götzis, LAbg. Michael Ritsch (Clubobmann SPÖ), LAbg. Dr. Gabi Sprickler-Falschlunger (SPÖ), Mag. Walter Filzmaier (Sicherheitsdirektion), LAbg. Miriam Jäger Fischer, Dir. Klaus Scheichl mit Gattin und Dir. Andreas Giesinger (Raiffeisenbank), Thomas Lipschütz vom Kultusvorstand der Israelitischen Kultusgemeinde (angereist aus Innsbruck mit weiteren 15 Mitgliedern der Gemeinde), Ada und Reinhard Rinderer, Peter und Claudia Niedermair, Stefania Pitscheider-Soraperra (Frauenmuseum), Eva Hody (Bundesdenkmalamt), Mariella Scherling, u.v.m.

Fotos: © Dietmar Walser

www.jm-hohenems.at
Öffnungszeiten Museum und Café: Di bis So und feiertags 10 – 17 Uhr