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Schiff der Gazaflottille geentert

„Sie fahren in Richtung einer gesperrten Militärzone. Ändern Sie Ihren Kurs.“ Auf Englisch und Französisch forderten Soldaten der israelischen Eliteeinheit 13 den Kapitän der französischen Jacht „Dignité Al Karame“ auf, nicht den Gazastreifen anzusteuern, sondern den israelischen Hafen Aschdod…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 19. Juli 2011

Die Funksprüche wurden nicht erwidert. Mehrere israelische Kriegsschiffe umzingelten daraufhin die Jacht. Auf Schlauchbooten näherten sich israelische Soldaten dem Heck der Jacht. „Ohne Gewalt und ohne Widerstand von Seiten der Aktivisten“, so der Militärsprecher, seien die Soldaten an Bord gegangen und hätten erst einmal den Gesundheitszustand der 15 Passagiere und des Kapitäns überprüft, ehe sie zu einem Raketenboot gebracht worden seien. An Bord waren neben Friedensaktivisten auch die israelische Journalistin der Zeitung Haaretz Amira Hass und ein Reporter sowie ein Kameramann des arabischen Fernsehsenders Al Dschesira.

Die Jacht durfte mit Genehmigung der griechischen Behörden ablegen, allerdings unter Vortäuschung des ägyptischen Hafens Alexandrien als Ziel und nicht des Gazastreifens. Die israelische Marine hatte die Jacht beobachtet und schließlich mehrere Dutzend Meilen vor Gaza auf hoher See aufgerieben.

Die Jacht war der letzte kümmerliche Rest eines großangelegten Projekts, mit über 20 Schiffen und mehr als 500 Aktivisten die israelische Blockade des Gazastreifens zu durchbrechen. Die Organisatoren, linksgerichtete Vereinigungen aus Europa und den USA machten keine Angaben über ihre Geldquellen, mit denen sie die Schiffe gekauft hatten. Dank intensiver diplomatischer Bemühungen Israels und rechtlichen Schritten einer israelischen Anwaltsvereinigung gelang es, die Regierungen Griechenlands, Zyperns und sogar der Türkei zu überzeugen, zu diesem Zeitpunkt keine erneute Provokation zuzulassen wie im Mai vergangenen Jahres, als neun bewaffnete türkische „Friedensaktivisten“ von israelischen Soldaten bei Entern der „Mavi Marmara“ getötet wurden.

Obgleich Ägypten inzwischen die Grenze zum Gazastreifen geöffnet hat, große Mengen Nahrungsmittel und sogar Baumaterial von Israel in den Gazastreifen gebracht werden, internationale Organisationen wie das IKRK und die UNO-Flüchtlingshilfeorganisation UNWRA bestätigen, dass es im Gazastreifen keine humanitäre Krise gebe, besteht Israel weiterhin auf einer Absperrung der Küste des Gazastreifens. Laut Osloer Verträge, der Grundlage für die palästinensische Autonomie mitsamt Parlament und eigener Polizei, ist Israel verpflichtet, jedes Schiff, das sich dem Hafen von Gaza nähert, auf Waffen und Drogen zu überprüfen.

Laut Medienberichten habe ein von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon in Auftrag gegebener Report festgestellt, dass die israelische Blockade des Gazastreifens und das Stoppen von Schiffen auf hoher See rechtmäßig sei. Bei Entern der Mavi Marmara habe Israel „exzessive Gewalt“ angewandt und müsse deshalb wegen des Todes von neun türkischen Aktivisten „Bedauern“ aussprechen, jedoch keine Entschuldigung. Der Report soll erst am 27. Juli veröffentlicht werden, um Israel und der Türkei Zeit zu geben, bestehende Meinungsverschiedenheiten zu jenem Vorfall auszuräumen.

(C) Ulrich W. Sahm / hagalil.com