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Wir haben den Gazastreifen verlassen, nicht wahr?

Wir wissen nicht, was im Gazastreifen los ist; wir wissen nicht, was wir den Menschen dort antun. Es kümmert uns nicht…

Larry Derfner, Jerusalem Post

Wissen die Leute hier, dass wir seit letztem Donnerstag verhindert haben, dass LKWs voll mit Speisöl, Mehl oder Zucker nach Gaza gelassen werden, als Hamas eine Antipanzerrakete auf einen Schulbus abfeuerte und einen 16-Jährigen ernsthaft verletzte? Wissen die Leute hier, was wir den Zivilisten in Gaza dort antun?

Nein, natürlich nicht. Wir sind zu sehr damit beschäftigt Richard Goldstone zu zitieren, dass „Zivilisten nicht absichtlich gezielt erschossen wurden“ während der Operation Cast Lead. (Der einzige Übergang für LKWs nach Gaza öffnete erst am Mittwoch morgen, aber die UNRWA sagt, es wären keine Fahrer erreichbar gewesen, um auszuliefern, weil es zu spät mitgeteilt wurde.

Wissen Israelis, wie viele Zivilisten in Gaza bei den Luftangriffen nach dem Angriff auf den Bus getötet worden waren? Noch mal: nein. (Die IDF sagt zwei, aber woher weiß sie das? Es gibt keine israelischen Soldaten vor Ort, um die Toten zu zählen. Nur aus einer Reihe von Medienberichten aus Gaza las ich Interviews mit Familienmitgliedern der drei toten Zivilisten.)

Wir wissen nicht, was im Gazastreifen vor sich geht, wir wissen nicht, was wir den Menschen dort antun. Es interessiert uns nicht. Alles was wir wissen, worum wir uns Sorgen machen, ist ob Israelis verletzt oder getötet wurden – und wenn das passiert, scheint es, als käme es aus heiterem Himmel. Der letzte Donnerstag war ein schöner Tag, alles war friedlich, jeder war glücklich, dann bum – Hamas feuerte eine Anti-Panzerrakete auf einen Schulbus und der Junge und der Fahrer sind nun im Krankenhaus.

Auf einen Schulbus zielen – auf Kinder – ist wirklich eine schlimme Sache. Hamas sagte, sie wusste nicht, dass dies ein Schulbus war. Die IDF sagt, die Hamas müsste das wissen, weil er gelb war. Ich weiß nicht . Aber mindesten wusste die Hamas, dass sie auf einen Bus zielte, in dem Zivilisten drin sein könnten.

Eine schreckliche Sache. Ein unbarmherziger Angriff. Aber folgendes wird nicht erwähnt: Juden jagten in der vorstaatlich zionistischen Untergrundbewegung arabische Busse in die Luft, auch Märkte, Cafes und Bahnhöfe bei Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn –Terrorakten. Shlomo Ben Yosef, der im Norden auf einen arabischen Bus eine Granate warf (genau diese Granate explodierte nicht und der Bus fuhr weiter) war unter den Dutzenden „Olei Hagardom“-Kämpfern, die von den Briten gehängt wurden, an die aber jährlich in der Knesset gedacht wird und nach denen im ganzen Land Straßen benannt wurden. Aber vergessen wir das; konzentrieren wir uns, wie die Palästinensische Behörde Terror anstachelt, indem sie Plätze und Fußballplätze nach Selbstmordattentätern benennt.

Wissen Israelis eigentlich oder kümmern sich darum, dass der Luftraum über Gaza unter unserer Kontrolle ist, nicht unter ihrer? Wissen sie eigentlich oder kümmern sie sich darum, dass die Küste Gazas unter unserer Kontrolle ist , nicht unter ihrer und dass zuweilen Fischer beschossen und getötet werden, wenn sie ein bisschen weiter hinausfahren, als ihnen erlaubt ist. Kein Schiff landet oder verlässt Gaza, auch kein Flugzeug und LKWs nur in begrenztem Ausmaß entsprechend unserer Billigung. Dies begann nicht erst, als die Hamas den Gazastreifen übernahm oder mit der 2. oder 1. Intifada. Es begann mit Israels Eroberung des Gazastreifens und all seiner Bewohner, jetzt, 1,5 Millionen, im Sechs-Tage-Krieg. Ich könnte über die Situation in Äquatorialguinea reden, um die die Leute hier wissen und um die sie sich sorgen. Neunzehn Tote im Gazastreifen seitdem Angriff auf den Bus nach Medienberichten. Neunzehn Tote – na und? 19 tote Pflanzen – man kann uns viel erzählen. Es hat keine Bedeutung für uns.

Kann man sich vorstellen, wenn 19 Israelis – Zivilisten, Soldaten oder beides – von Hamas in ein paar Tagen getötet worden wären? Wir würden es schnell bemerken und auch der Rest der Welt. Aber 19 Bewohner von Gaza? Die Welt würde es bemerken – wir nicht. Für uns ist der israelisch-palästinensische Konflikt nur: welches Leid fügt er uns zu. Punkt.   Sonst geschieht nichts in dem Konflikt.

Wir wissen von dem einen israelischen Gefangenen, der von den Palästinensern festgehalten wird , von Gilad Shalit. Wissen wir eigentlich oder sorgen wir uns oder sehen es als relevant an, dass wir etwa 8000 palästinensische Gefangene in unseren Gefängnissen haben. Dies ist hier nur ein weiteres bedeutungsloses Detail – belaste Deinen Kopf nicht damit.

Wir sagen, die Welt weiß nicht, was hier geschieht, nur die Israelis wissen es. Eigentlich, ist es umgekehrt. Die Welt mit größerem Abstand sieht beide Seiten. Sie sieht, was wer wem antut und klagt zu recht Israel, den Eroberer, an und nicht die Palästinenser, die Eroberten.

Nur die Israelis, allein in aller Welt, wissen nicht, was hier geschieht. Wir wissen nur, dass der weit kleinere Anteil an Leid in der Ära der Besatzung auf uns gefallen ist, der weit größere Anteil an Leid, der den Palästinensern zugefallen ist, entgeht uns vollständig.
Und so werden wir ihnen auch für den nächsten Krieg die Schuld geben. Es stimmt:
Ein bisschen Wissen ist eine gefährliche Sache.Der Autor ist Kolumnist bei der israelischen Tageszeitung „The Jerusalem Post“
Quelle: http://www.jpost.com/Opinion/Columnists/Article.aspx?id=216535, 13/04/2011, übersetzt v. E. Rohlfs, Netzwerk Tlaxcala