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„Mossad, Mossad!!!“

Die Akte „Kölner Klagemauer“ oder: Mossad Ermittlungen in Kölner Bürgerzentrum…

Von Uri Degania

Als verbohrter Überzeugungstäter wird er empfunden, der zunehmend dem fanatischen Antisemiten Horst Mahler ähnlich werde. Eine durchaus ernst zu nehmende psychologische Interpretation, wenn wir uns der abschließenden Szene aus dem Dokumentarfilm „Die Anwälte – Eine deutsche Geschichte“ erinnern, in welcher der ehemalige Apo-Anwalt und heutige Shoah – Leugner Horst Mahler sich mit glänzend-melancholischen Augen an seinen Hitler-verehrenden Vater erinnert. In gut informierten Kölner Kreisen wird gemunkelt, dass der bekennende Israel-Hasser W. Herrmann, Betreiber der sogenannten „Kölner Klagemauer“, eine vergleichbare Biografie aufweist. Andere sehen ihn schlicht und einfach als einen Querulanten, der nicht mehr ernst zu nehmen sei. Es spricht vieles dafür, dass in diesem speziellen Fall beides zusammen kommt. Doch es gibt Neues zu vermelden aus Köln – Betrübliches, Überraschendes, Erfreuliches.

Jüdische Gäste der Stadt Köln, insbesondere Überlebende der Shoah, erinnert dieser Demagoge mit seinen antisemitischen Papptafeln, mit denen er seit vielen Jahren die Kölner Domplatte verschandelt, nur noch an ihre eigene Vertreibung, an die grausame, bewusste Ermordung ihrer Eltern, Verwandten, Freunde. Ich weiß von mehreren jüdischen Gästen, die nach vielen Jahrzehnten erstmals wieder, mit tiefer Ambivalenz, nach Köln zurückgekehrt sind – und Köln, nach der Begegnung mit dieser abstoßend-rechthaberischen Propaganda im Zentrum der Stadt, voller Schrecken ob der wiedererwachten mörderischen Erinnerungen wieder verlassen haben.

Aber gehen wir einen Schritt zurück: Mitte Dezember 2010 fand sich in Köln eine zivilgesellschaftliche, parteiübergreifende Initiative zusammen, die sich in einer städtischen Resolution in scharfer Form gegen die demagogischen, den liberalen Ruf der Stadt Köln gefährdenden Tiraden dieser verwirrten Figur wandten:

„Mit der in extremer Einseitigkeit gegen Israel gerichteten Dauerdemonstration sind nach unserer Auffassung die Grenzen der Meinungsfreiheit in einer Stadt, die für Toleranz und Frieden steht, schon lange überschritten. Die Dauerdemonstration vermittelt keine Botschaften des Friedens, sondern des Hasses gegen ein Volk, das wie kein anderes Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns wurde und dessen Existenzrecht als Staat nach wie vor von vielen Kräften in der Region nicht anerkannt wird“, heißt es in dieser kölnweiten Resolution.

Zahlreiche Kölner Initiativen und Institutionen haben sich zwischenzeitlich dieser Resolution angeschlossen. Ernst zu nehmende Unterstützer hat Herrmann schon lange nicht mehr in Köln – wenn man von den üblichen Verschwörungstheoretikern (vor allem die sogenannte „Arbeiterfotografie“) absieht. haGalil hat hierüber immer wieder berichtet.

Nun jedoch hat diese traurige Geschichte eine überraschende Wende genommen: Bisher hatte Walter Herrmann seine Papptafeln nachts im traditionsreichen Bürgerzentrum Alte Feuerwache (BAF) gelagert. Immer wieder hatten verschiedene, gerade auch linke Gruppierungen in Köln die Alte Feuerwache in Gesprächen wie auch in offenen Briefen aufgefordert, endlich die Duldung dieses Hass predigenden Menschens zu beenden – scheinbar vergeblich. Herrmann wurde ob seines antisemitischen Furors vor einigen Monaten von der Alten Feuerwache eine scharfe Verwarnung ausgesprochen. Auch unterschrieb das Bürgerzentrum Alte Feuerwache die städtische Resolution gegen den Antisemitismus der „Klagemauer“, kommunizierte dies jedoch nicht nach außen. Zu einer endgültigen Trennung, einer Kündigung seines Mietvertrages (welcher ihn dazu berechtigt, nachts seine Papptafeln in der Feuerwache zu lagern) hatte sich dieses große, aus verschiedensten Initiativen zusammengesetzte Bürgerzentrum jedoch nicht zu entschließen vermocht. Auch scheute man aus nachvollziehbaren Sorgen eine wirkliche politisch-kulturelle Diskussion über antisemitische Tendenzen gerade innerhalb linker, basisdemokratischer und kultureller Bewegungen.

Hiermit ist es jetzt jedoch vorbei: Nachdem Herrmann nun auch interne demokratische Planungen und Entscheidungsprozesse innerhalb des Bürgerzentrums Alte Feuerwache durch gezielte Falschmeldungen und blindwütiges, ihm eigenes Agieren zu oktroyieren (bzw. als Anliegen seiner „Klagemauer“ zu instrumentalisieren) versuchte – es geht um das zukunftsorientierte, perspektivenreiche Projekt einer Kulturbotschaft, welches seit 2008 in gemeinsamen demokratischen Diskussionsprozessen entwickelt worden ist und wird – war es nun auch dem Vorstand des Bürgerzentrums Alte Feuerwache zu viel: Am 10. Juni wurde der „Klagemauer“-Betreiber, wie zu vernehmen ist, abgemahnt und aufgefordert, zum 11. Juni seine Papptafeln abzuholen und seine leidigen Flugblattaktionen zu unterlassen – was dieser in der ihm eigenen Weise zum Anlass nahm, nun ein neues Schlachtfeld, lanciert durch gezielte Lügen, zu eröffnen: Nun stilisierte sich der Gekündigte als Gegner der Kulturbotschaft, behauptete wahrheitswidrig, dass durch dieses Projekt eine riesige, im Innenhof der Feuerwache stehende Platane gefällt werde…

Auch ließ er ein weiteres wirkungsträchtiges Gerücht streuen, mit welchem er, der chronische, selbsternannte Ankläger des demokratischen Staates Israel, sich als vermeintliches Opfer stilisierte. Im Internet ließ er von ihm Nahestehenden Erstaunliches verbreiten: „Laut Bericht der Klagemauer-Betreiber wurde gegen ein Vorstandsmitglied des BAF e.V. Anzeige erstattet, das Klaus Franke (einer seiner drei Unterstützer, siehe diesen Bericht aus dem Kölner Stadt Anzeiger vom 20.8.2010) an der Klagemauer vor dem Kölner Dom einen Becher Kaffee ins Gesicht schüttete – mit der Bemerkung: „Schönen Gruß vom Mossad!“, schreibt die Herrmann verteidigende „links-dogmatische“ NRhZ.

Dieser Bericht ließ mir keine Ruhe. Ich habe W. Herrmann vor zwei Tagen, nachdem ich über diese erstaunlichen Dinge gelesen habe, an der „Klagemauer“ aufgesucht und ihn gebeten, mir weitere Details, Hintergründe über diesen Zwischenfall zu schildern. Welches Vorstandsmitglied des Bürgerzentrums Alte Feuerwache (BAF) hat denn nun seinem (wegen Volksverhetzung vom Staatsanwalt im August 2010 angeklagten) Mitstreiter Klaus Franke Kaffee ins Gesicht geschüttet? Welches BAF – Vorstandsmitglied ist denn nun von den „Klagemauer“ – Betreibern angezeigt worden? Er, Herrmann, war doch dabei, hat doch mit seinem Mitstreiter darüber gesprochen, hat doch der NRhZ angesichts seiner misslichen Lage darüber berichtet. Herrmann druckste herum, wandte sich, wich mir aus: Ein Name des doch überschaubaren BAF-Vorstandes wollte ihm einfach nicht einfallen. Auch nähere Details über dieses garstige Geschehnis waren ihm nicht gegenwärtig. Nein, er wisse gar nichts Konkretes darüber, aber man höre doch so viele Dinge, ließ er verlauten. (Die Redaktion von haGalil bittet freundlich darum, dass ihr der Name der Person genannt wird, gegen die Anzeige wegen Körperverletzung erstattet wurde. Eine Gerichtsakte liegt doch gewiss vor.)

Kommen wir zum angekündigten tragischen Schicksal der schönen Platane und zum zukunftsträchtigen Projekt der Kulturbotschaft zurück: Herrmann beklebte nun fortdauernd die Wände der Feuerwache mit ungenehmigten Plakaten, in denen er seine verquerten „Wahrheiten“ verkündete. Nun reichte es dem Vorstand des Bürgerzentrums endgültig. Am 14.6. sprach er gegenüber Herrmann ein generelles Hausverbot aus – was dieser in der ihm eigenen Art bisher weitgehend ignoriert.

Dabei sollte es jedoch nicht bleiben, was nicht verwundern dürfte, wenn man diesen – so titelte die TRIBÜNE (Heft 194, S. 40-42) – „Überzeugungstäter“ kennt: Herrmann stilisierte sich nun in gewohnter Weise als armes, hilfloses Opfer böser Mächte, beklebte in einem schon wahnwitzigen Furor die Außenwände des Bürgerzentrums mit seinen die Wirklichkeit verzerrenden Plakaten – und ließ die gesamte Aktion von seinen wohl drei treuen Unterstützern filmen und ins Internet stellen.

Selbst in dieser Szene vermochte dieser selbsternannte „Aktivist“ seine wahren Motive nicht zu verheimlichen. So darf auch hier ein denunziatorische Ruf „Mossad, Mossad!“ seines bereits wegen volksverhetzender Äußerungen von der Justiz angeklagten Kumpanen nicht fehlen, den Herrmann in diesem Filmausschnitt bestätigend mit „Wahrscheinlich, wahrscheinlich!“ sekundiert. Als wenn es noch eines Beleges für seinen antisemitischen Furor bedurft hätte… Wir erinnern uns seines Leserbriefes an die taz vom April 2007, in welchem er als Reaktion auf einen weitblickenden, mit „Mahner mit Hang zur Egomanie“ betitelten taz-Beitrag von Pacal Beucker (taz, 12.04.2007) von „zionistische(n) Randalierer(n)“ schwadronierte…


7. Juni 2011, Eingang Melchiorstr.


Gezielte persönliche Angriffe (Name von der Redaktion geschützt)

Der Vorstand der Alten Feuerwache hat sich in einer ersten Stellungnahme in scharfer Form gegen die gezielten Unwahrheiten des Herrmann verwahrt. In ihrer Stellungnahme stellt die Alte Feuerwache fest:

„Die Kulturbotschaft wird ein Haus für Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt – entwickelt und getragen vom Kulturzentrum Alte Feuerwache e.V. Der Neubau soll auf dem Gelände der jetzigen Austellungshalle errichtet werden und wird Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt die Möglichkeit geben, eine zeitlang hier zu arbeiten und ihre Arbeiten hier zu präsentieren.
Durch die Unterschriftenaktion und Kampagne Walter Hermann / Kölner Klagemauer, die seit einigen Tagen ohne Zustimmung des BAF e.V. auf dem Hof der Alten Feuerwache stattgefunden hat, wurden wissentlich falsche Informationen verbreitet. Wir stellen hiermit richtig:
– Die Platane im Eingangsbereich ist durch den Neubau nicht gefährdet. Im Gegenteil, der Baum ist Teil des häuslichen Konzepts.
– Die Kulturbotschaft ist kein „elitäres Prestigeobjekt für Vorzeigekünstler“, sondern wird Raum für KünstlerInnen verschiedenster Herkunft, künstlerischer Ausrichtung und auch finanzieller Möglichkeiten geben.
– Das Vorhaben Kulturbotschaft ist kein „Public-Privat-Partnership“ Projekt.
– Die Kulturbotschaft ist kein Projekt der Stadt Köln, sondern wird bisher ausschließlich vom Bürgerzentrum Alte Feuerwache e.V. getragen.
– Das Projekt wird in einem öffentlichen Prozess entwickelt, an dem sich jedermann beteiligen kann.
Informationen zu unserem völkerverbindenden Vorhaben erhalten Sie im Info-Büro. Dort gibt es die Kurzbeschreibung des Projekts, sowie eine Zusammenstellung der „Häufig gestellten Fragen“. Die Termine zur Mitwirkung und Information finden Sie in unserem Programmheft oder auf unserer Website www.altefeurwachekoeln.de.

Man darf gespannt auf die nächsten Tage und Wochen sein…