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Totes Meer: Salzpflücken soll Flut verhindern

Während das Tote Meer im Norden auszutrocknen droht, könnte es im Südteil in einigen Jahren die Hotels an seinen Ufern überfluten. Grund dafür ist die Gewinnung von Mineralien durch das Verdunsten von Wasser. Umweltminister Gilad Erdan und Tourismusminister Stas Misezhnikov verkündeten am Montag in Tel Aviv nun einen Plan zur Rettung des Gebietes…

inn – Die Firma „Dead Sea Works“ gewinnt Kalium, Magnesium, Natrium und Brom aus dem Wasser des Toten Meeres, das inzwischen 30 Meter hoch in künstliche Becken im Süden des Gewässers gepumpt wird. Schon seit Jahren ist der Süden des Toten Meeres bei der Landzunge auf der Höhe von Massada vom Norden abgetrennt. Zurück bleibt nach der Verdunstung des mineralhaltigen Wassers reines Salz, jährlich rund 20 Millionen Tonnen. So steigt der Wasserspiegel im Süden jährlich um 20 Zentimeter und nagt schon an den Grundmauern der Hotels. Trotz Warnungen von Wissenschaftlern zu dem steigenden Pegel, wurde die Touristenanlage Ein Bokek errichtet. Im Jahr 2017 könnte das Tote Meer bei Ein Bokek über die Ufer treten.

Die Regierung hatte einen Abriss der Hotels und deren Neubau an anderen Stellen vorgeschlagen. Erdan und Misezhnikov verkündeten nun jedoch, die drohende Überflutung solle durch „Pflücken“ (Abtragen) des abgelagerten Salzes verhindert werden. Damit kommen sie den Forderungen der Umweltschützer und der Hotelbesitzer entgegen.

Das Tote Meer „wurde vernachlässigt und war über Jahrzehnte einer schamlosen Behandlung durch den Staat ausgesetzt. Es befindet sich heute auf dem niedrigsten Punkt, trotz des Potentials, das in ihm steckt. Es gibt keine Unternehmer dort, keine neuen Hotels, keine Attraktionen und die öffentliche Infrastruktur wurde vernachlässigt“, sagte Misezhnikov auf einer Pressekonferenz. Nur ernsthafte Investitionen könnten die Gegend voranbringen. Der Tourismusminister kündigte an, er und Erdan würden das Finanzministerium dazu auffordern, das für die Abtragung des Salzes nötige Geld direkt bei „Dead Sea Works“ zu beantragen. Er sei zuversichtlich, dass die Chemiewerke die finanziellen Mittel dafür aufbringen werden. Das Unternehmen und die Hotels sollten zudem in die Verbesserung der Infrastruktur in der Region investieren. Ein entsprechender Plan soll der Regierung in drei Wochen zur Abstimmung vorgelegt werden.

Professor Alon Tal von der Ben-Gurion-Universität im Negev begrüßte die Entscheidung: „Nicht weniger wichtig als die Entscheidung, die für die Umwelt korrekte Alternative zu wählen, ist die offensichtliche Entschlossenheit der Minister, die Verschmutzer für die neue kostspielige Infrastruktur aufkommen zu lassen und nicht den israelischen Steuerzahler.“ Tal gehört zu den führenden Umweltexperten des Landes und hatte die Abtragung des Salzes empfohlen.

Von: D. Nowak