„Wie eine Oase in der Wüste“

Das erste israelische Konsulat in Deutschland 1948-1953…

Von Jim G. Tobias

Nachdem der Staat Israel am 14. Mai 1948 Realität geworden war, erhielten die bislang im besetzten Deutschland tätigen Vertreter des Jischuws auch die Möglichkeit, als völkerrechtlich anerkannte Diplomaten tätig zu werden. Der Chef des Deutschlandbüros der Jewish Agency, Chaim Hoffman (Jachil), leitete daher kurz nach der Staatsgründung entsprechende Schritte ein, sodass im Oktober 1948 die erste diplomatische Vertretung des Staates Israel auf deutschem Boden ihre Arbeit aufnehmen konnte. Bis März 1949 war Hoffman selbst Direktor der Auslandsmission, die in der Münchner Maria-Theresia-Straße residierte. Im März 1949 übernahm Eliahu Livneh diesen Posten.


Am 10. Oktober 1948 erhielt Chaim Hoffman von den USA seine Akkreditierung als israelischer Konsul, die Anerkennung von Frankreich und England folgte wenig später. Foto: USHMM courtesy of Alex Hochhauser

Das Konsulat vermied allerdings jeglichen Kontakt zu den deutschen Behörden und war nur bei den westlichen Alliierten akkreditiert. Auch nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland erklärte das israelische Außenministerium, dass „jeglicher Unterhalt von diplomatischen oder konsularischen Beziehungen mit diesem Staat entgegenzutreten“ sei. Niemals wollte man mit den Deutschen Kontakt haben, sogar als alle anderen Staaten den Kriegszustand mit Deutschland offiziell beenden wollten, lehnte Israel dieses ab. In den Pässen des jungen Staates stand daher der Vermerk: „Gilt für alle Länder mit Ausnahme Deutschlands“. Vordringliche Aufgabe des Konsulats war es, die im Nachkriegsdeutschland gestrandeten jüdischen Displaced Persons (DPs) bei ihrer Auswanderung nach Israel zu unterstützen. Des weiteren sollte die diplomatische Vertretung die „Rückführung jüdischen Besitzes“ in die Wege leiten und schließlich eine „Lage herbeiführen, bei der, nachdem wir das Land verlassen haben, die verbleibende jüdische Gemeinschaft in Deutschland keinerlei politische Relevanz haben wird“, wie Konsul Eliahu Livneh in einem Brief an das israelische Außenministerium bekräftigte.

Bereits im November 1949 hatte die Regierung in Tel Aviv dem Diplomaten mitgeteilt, das der „starke Wunsch“ bestehe, „unser Konsulat in Deutschland aufzulösen, in dem Maße, wie die amerikanischen Verwaltungsstellen das Feld räumen und Sie unmittelbar den deutschen Behörden gegenüberstehen werden“. In diesem Schreiben äußerte das Außenministerium auch den Wunsch, die „Auswanderung aller 40.000 Juden, die sich noch in Deutschland befinden, herbeizuführen, damit der deutsche Boden ohne Juden ist“. Doch nicht alle DPs wollten Deutschland verlassen – eine kleine Gruppe von etwa 10.000 blieb aus materiellen oder gesundheitlichen Gründen im „Land der Täter“. Hinzu kamen einige tausend Remigranten. Aufgrund dieser Fakten, setzte sich innerhalb der israelischen Regierung zunehmend die Überzeugung durch, dass „obwohl wir grundsätzlich gegen Beziehungen zwischen deutschen Juden und der Bonner Regierung sind, es gar keinen Zweifel gibt, dass auf Dauer solche Beziehungen nicht zu verhindern sind.“

Mit dieser Einsicht signalisierte Tel Aviv eine vorsichtige – wenn auch inoffizielle – Gesprächsbereitschaft an die deutschen Behörden, um Verhandlungen über Entschädigungsleistungen auf den Weg zu bringen. Immer häufiger trafen sich deutsche und israelische Diplomaten und Wirtschaftsvertreter. Im September 1952 verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland im Luxemburger Abkommen „Wiedergutmachungszahlungen“ in Höhe von drei Milliarden DM an Israel und 450 Millionen an die Jewish Claims Conference zu zahlen. Ein dreiviertel Jahr später, im Juli 1953, wurde das Konsulat in München geschlossen, obwohl die Bonner Regierung Livneh angeboten hatte, ihm alle diplomatischen Privilegien einzuräumen. Doch das israelische Außenministerium lehnte ab. Die Umsetzung des Abkommens über die vereinbarten Reparationszahlungen übernahm die neugegründete „Israelische Handelsmission“ in Köln. Zu dieser Zeit wollte der jüdische Staat unbedingt noch jeden Anschein vermeiden, mit Westdeutschland diplomatische Beziehungen zu unterhalten. Daher war das Büro auch nicht in der Bundeshauptstadt Bonn angesiedelt. Das Luxemburger Abkommen sollte bis zum Mai 1965 abgewickelt sein, dies bedeutete auch die Schließung der Handelsmission in Köln und führte zur Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel.

Ein langer Weg war zu Ende, der seinen Anfang mit der Eröffnung des israelischen Konsulats in München genommen hatte.