„Doch die Juden waren unbeliebt…“ – Fragwürdiger Heimatkundeunterricht in Bayern

Bekanntlich unterhalten die einzelnen Bundesländer der BRD sog. „Landeszentralen für politische Bildung“, die u.a. Material zur Geschichte der Juden in Deutschland anbieten. Sowohl Schulen als auch interessierte Bürger können von diesen Stellen kostenlos wissenschaftliche Publikationen beziehen. Jedoch scheint sich die Existenz dieser öffentlichen Informationsquelle noch nicht überall im Freistaat Bayern herumgesprochen zu haben. Sonst wäre nämlich ein gut gemeintes Projekt an einer Grundschule im schwäbischen Thannhausen nicht ‚daneben‘ gegangen…

Von Robert Schlickewitz

Wohl im Jahre 2008 hat die Anton-Höfer-Grundschule in Thannhausen ein „Heimatkundeheft“ zusammengestellt, das den Lehrstoff von vier Schuljahren enthält, und dieses unter dem Titel „Von Schülern gestaltetes gesamtes Heimatheft als pdf-Datei…“ im Internet veröffentlicht.

Das „Heft“ enthält zunächst das Heimatlied „Thannhausen – die Perle vom Mindelthal“, dann das Stadtwappen, gefolgt von bebilderten Informationen zu den Quellen und Brunnen, zu den Kirchen und Kapellen, zum Vereinsleben, zum Heimatmuseum, außerdem historische Angaben zur Stadtgründung und zum Dreißigjährigen Krieg sowie auf Seite elf das von Kinderhand überschriftete Kapitel „Warum gibt es in Thannhausen eine Judengasse?“. Der dazugehörige Text präsentiert sich dreigeteilt, oben und unten größer gedruckt Aussagen, so wie sie Kinder formulieren würden, und in der Mitte, als handele es sich um den Abdruck aus einem Geschichtsbuch, zusätzliche erläuternde Angaben (hier kursiv wiedergegeben):

„Im Mittelalter lebten in Thannhausen rund 400 Juden. In der heutigen Ursberger Straße stand ihre Schule, die Judenschuol. Die Juden verkauften die Waren der Thannhauser Handwerksleute auf den Märkten in Augsburg und Ulm und hausierten rund um Thannhausen.

Doch die Juden waren unbeliebt. Viele sagten: ‚Die Juden sind Schuld an der Pest!‘ Deswegen mussten viele Juden unfreiwillig Thannhausen verlassen. Anfang des 18. Jahrhunderts übernahm der Graf von Stadion die Reichsgrafschaft Thannhausen:

Schon beim ersten Besuch der neuen Herrschaft hatte die Gräfin ihr Mißfallen über den jüdischen Teil der Bevölkerung geäußert. Von solchigem angespornt, beschwerten sich die Thannhauser alsbald beim Grafen, daß die Juden den Sonntagsgottesdienst durch Lärmen und Schreien stören sowie durch zu hohes Zinsnehmen Wucher betreiben würden. Auch der Aberglaube mußte herhalten, um Ungnade bei der Herrschaft herbeizuführen.

Wie dem auch sei, die Juden verfielen dadurch beim Grafen in Ungnade, und letzterer erreichte schließlich, daß ihm Kaiser Karl VI. (1711-1740) die Erlaubnis gab, sie aus Thannhausen zu vertreiben. Im Jahre 1717 ließ er die Gebäude und Grundstücke der hier lebenden Juden taxieren, also abschätzen, ihnen die Taxsummen ausbezahlen und sie allesamt aus dem Markt schaffen.

Die 20 von dieser harten Maßnahme betroffenen Familien zogen zunächst ins Mindeltal hinaus und schlugen im ‚Aberhau‘, einem damaligen alten Eichenwald, der später einer ergiebigen Wiesenfläche im südwestlichen Flurteil Thannhausen weichen mußte, ihr Lager auf.

Im Jahre 1718 verließen die Juden ihr Lager und ihre alte Heimat endgültig, und siedelten sich in benachbarten Ortschaften an. Einige fanden in Hürben Aufnahme, die Mehrzahl wandte sich jedoch gen Ichenhausen.

Die jüdische Synagoge wurde abgerissen und an ihrer Stelle eine Kapelle erbaut. Rechts am Eingang der ‚Stadionkapelle‘ steht noch heute der alte Opferstock der Synagoge. Nur noch wenig erinnert uns heute an die Thannhauser Juden: Die Bezeichnung ‚Judenkapelle‘ für die Stadionkapelle und der Straßennamen ‚Judengasse‘.“

Bereits der erste Satz enthält eine Falschinformation – nicht im Mittelalter (6.-15.Jh.), sondern zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges, also im 17. Jh. erreichte die Zahl der Juden von Thannhausen diesen Höchststand.

Ohne Einleitung, ohne Erklärung, ohne adäquate Erläuterung werden hier Schüler mit dem so vielschichtigen und komplizierten Zusammenleben von Christen und Juden in vergangenen Jahrhunderten konfrontiert. Anders als in dem später folgenden Kapitel des „Heimatheftes“ zur Partnerschaft mit einer französischen Stadt, worin auf das in der Vergangenheit nicht reibungsfreie Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen angemessen kindgerecht eingegangen wird, müssen die Schüler hier, im Judenkapitel, ohne weitere Erklärung auskommen.

Die Juden verkaufen die Waren der Christen – dennoch sind sie unbeliebt. (Warum?) Gleich danach sagen „viele“ die Juden seien „Schuld an der Pest“ und schon werden die Juden aus der Stadt geworfen, und das scheint so ganz in Ordnung zu sein. (Waren denn zuvor die Thannhauser Juden nicht auch ganz normale Bürger gewesen, ehe man sie rauswarf? Wie kann man ganz normale Bürger einfach so, mir nichts dir nichts, rauswerfen?) Wo bleibt hier der Sinn fürs Rationale, für Verständnis für das Denken von Kindern, gar für die Grundlagen der Pädagogik?

Stellte es denn tatsächlich immer noch den Bruch eines Tabus dar, wenn man den Schülern offen sagen würde, warum es so kam, wie es kam? Was nur hat die verantwortlichen Lehrkräfte davon abgehalten einen knappen Abschnitt mit erklärenden Basisinformationen zu Juden und Deutschen oder Juden und Christen anzufügen, der auch für 9-Jährige verständlich gewesen wäre?

Hier mein Vorschlag für so einen Text:

Die Juden sind genauso wie die Vorfahren der Deutschen im Zuge von langen Wanderungen vor vielen Jahrhunderten in Mitteleuropa angekommen. Ihre alte Heimat war der Nahe Osten, das Gebiet am Ostrand des Mittelmeers. Die Kultur der Juden ist eine der ältesten der Welt. Unser Christentum baut weitgehend auf der Religion der Juden auf. Das Schicksal der Juden ist seit über 1500 Jahren eng mit dem der Christen und Deutschen verknüpft. Leider hatten unsere christlichen Vorfahren immer wieder Probleme damit, Menschen mit anderer Religion oder anderem Glauben zu dulden und mit ihnen in Frieden zusammenzuleben. Häufig missbrauchten Könige, Adelige, Bürgermeister, Päpste, Bischöfe aber auch Pfarrer die christliche Lehre, indem sie ihre Untertanen bzw. ihre Gläubigen gegen die Juden aufhetzten. Daraus ergaben sich furchtbare Verfolgungen und Vertreibungen von Juden. Dennoch stellten sich immer wieder, auch längere, Zeitabschnitte ein, in denen Juden und Christen in Frieden und Gemeinsamkeit zusammenlebten. Juden wurden auch in anderen europäischen Ländern verfolgt und ermordet, jedoch nirgends so lange und massiv wie bei uns.

Nicht minder kritikwürdig ist der kleingedruckte (kursive) Text auf der Judenseite des „Heimatheftes“ einzuschätzen: Der hier vermittelte Sachverhalt erweckt den Eindruck als ob Juden tatsächlich den christlichen Gottesdienst gestört haben könnten, wofür keine belastbaren Belege vorliegen. Sehr viel wahrscheinlicher handelt es sich bei dieser Überlieferung um eine der so zahlreichen Lügen und Verleumdungen zur nachträglichen Rechtfertigung für von Christen an Juden begangenem Unrecht.

Vollkommen unverantwortlich erscheint es ferner auch noch im 21. Jahrhundert unkommentiert Wendungen wie „durch zu hohes Zinsnehmen Wucher betreiben“ wiederzugeben. Haben die Lehrer und Lehrerinnen der Grundschule ihren Schülern auch den dazugehörigen Hintergrund ausreichend erläutert? Etwa mitgeteilt, dass König, Landesherr und Stadtrat Juden mit ungezählten Extraabgaben (Steuern ausschließlich für Juden) belegten? Oder über den Bedeutungswandel des Wortes „Wucher“ aufgeklärt (das Wort besaß einst die wertfreie Bedeutung „Zins“ bzw. „Nachwuchs“)? Haben sie auch die Tatsache erwähnt, dass christliche Herrscher häufig willkürlich Schuldentilgungserlasse erteilten, durch die die Juden das Anrecht auf Ausbezahlung der Schulden an sie verloren, oder dass Juden oft um ihre Unversehrtheit und ihr Leben bangen mussten, weil sie an ihren von den Christen ihnen vorgeschriebenen Judenabzeichen sofort auch von Strauchdieben als ‚lohnende Beute‘ erkannt werden konnten, oder die Schüler darüber in Kenntnis gesetzt, dass sich die christliche Wirtschaft in jenen vergangenen Zeiten ohne Banken dankbar auf die Geldleihfunktion der Juden im Lande stützte?

Es kann nur vermutet werden (eine Quellenangabe fehlt), woher die Verantwortlichen für das „Heimatheft“ diesen Kleindrucktext bezogen haben: Wohl von einem lokalen oder regionalen Heimathistoriker, der selbstverständlich ausschließlich auf Grundlage von christlichen Vorarbeiten bzw. Nachschlagewerken zu seinen, heute nicht mehr akzeptablen, weil überholten, Erkenntnissen kam.

Das eingangs erwähnte Material zur Geschichte der Juden von der bayerischen Landeszentrale für politische Bildung enthält übrigens auch einen Beitrag zu Thannhausen und es ist seit 1992 abrufbar (siehe unten, Literaturteil). Verantwortungsvolle, moderne Lehrkräfte wären gut beraten gewesen, hätten sie ihre Informationen von dort und nicht von einem zweifelhaften einheimischen ‚Judenspezialisten‘ bezogen.

Auf der Webseite der Anton-Höfer-Grundschule http://www.ahgs.de/, die auf das beschriebene „Heimatheft“ eingeht bzw. mit ihm verlinkt ist, werden zusätzliche Informationen zur Judengeschichte des Ortes angeboten. Demnach wird das Judenkapitel im Heimatkundeunterricht der 3. Klasse behandelt, somit werden Schüler im Alter von ca. neun Jahren mit diesem Stoff konfrontiert. Es geht ferner hervor, dass der Inhalt dieses Heimatheftes seit 1994 als Grundlage für den Unterricht dient. Die Schulwebseite enthält gleichfalls das Kapitel „Warum gibt es in Thannhausen eine Judengasse?“, jedoch mit teilweise verändertem Inhalt, das hier kritisierte Kleingedruckte des Heimathistorikers wird erfreulicherweise durch andere Angaben ersetzt.

Literatur:
„Thannhausen“ in: Israel Schwierz, Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, München 1992; zugleich: Bayerische Landeszentrale für politische Bildung, Veröffentlichung A 85
„Thannhausen“ in: Klaus-Dieter Alicke, Lexikon der jüdischen Gemeinden im deutschen Sprachraum, Gütersloh und München 2008
http://www.hagalil.com/2011/02/27/thannhausen/
http://www.ahgs.de/lagepl/Heimatheft%20pdf.pdf  (aufgerufen am 2.3.2011)
http://www.ahgs.de/  (aufgerufen am 2.3.2011)

10 Kommentare zu “„Doch die Juden waren unbeliebt…“ – Fragwürdiger Heimatkundeunterricht in Bayern

  1. Da Ihr Text gravierende Fehler enthält, sollten Sie ggf. eine verbesserte Version anbieten.
     
    Würden Sie so nett sein und sich nicht kryptisch, sondern klar und eindeutig äußern – um welche „gravierenden Fehler“ es sich bei mir handelt?
     
    Ich will mich ja Ihren Vorschlägen ganz gewiss nicht verschließen, nur sollten Sie mir sagen, was Sie meinen. Welcher Satz, welche Information, welcher Part ist Ihrer Meinung nach falsch? Leider fühle ich mich außerstande Ihre Gedanken zu lesen.
     
    Ich hoffe, dass Sie mir nicht wie Ihr Vorvorredner, der Herr „Karl“, der mir ebenfalls Fehler vorwarf, ohne selbige zu benennen, eine Antwort auf diese Nachfrage schuldig bleiben werden.
     
    Gerne beantworte ich auch Ihre Fragen, der Reihe nach:
     
    Ja, ich bin der Meinung, dass so ein Diskurs nicht nur nötig, sondern überfällig ist.
    Es fehlt mir auch nicht an gutem Willen, Argumente meiner (möglichen) Gegner anzuhören und sie abwägend meinen Überzeugungen gegenüber zu stellen. Diskurs sehe ich als Fortschritt an, Schweigen (oder Beschweigen) hingegen war noch nie die bessere Lösung, wenn brennende Themen anstanden.
     
    Ja, man sollte auch die anderen europäischen Länder berücksichtigen.
     
    Ja, so ein Forum wäre wünschenswert.
     
    Wenn sich die Diskursteilnehmer alle zusammenreißen und nicht Polemik und Ideologie in den Vordergrund stellten, könnte die deutsche Sprache durchaus als Medium für diese Diskussion in Frage kommen.
     
    Ihr letzter Abschnitt sagt eine Menge über Ihren eigenen Standpunkt aus.
    Ich möchte zu bedenken geben: Versöhnung und Vergebung mögen in der Theorie (oder Lehre) schon im Mittelpunkt stehen. Nur, wenn Sie die letzten 2000 Jahre vor Ihrem geistigen Auge Revue passieren lassen, so müssen Sie doch zugeben, dass es recht schwer gefallen ist Theorie und Praxis, Ideal und Realität miteinander zu verknüpfen? Vielleicht hat man sich auch nur zuviel auf einmal vorgenommen (?).
     
    Die Diskussion um Amalek hatten wir hier auf haGalil bereits vor einiger Zeit; man war sich einig – die Deutschen können rein abstammungsmäßig nicht Amalek sein, obwohl natürlich gewisse Parallelen vorhanden wären.
     
    „Vergiß niemals.“ ist nicht typisch jüdisch, wie Sie es suggerieren.
    Denken Sie an das ehemalige Jugoslawien. Bis auf die Bosnjaken und einige Kosovoalbaner waren die Untertanen Titos Christen, mehrheitlich. Und – haben sie vegeben und vergessen, diese Christen?
    Oder jene, immer noch sehr zahlreichen Deutschen, die es den Russen bis heute nicht verzeihen wollen, von ihnen besiegt worden zu sein. Ebenfalls mehrheitlich Christen und wie sehr hassen sie die Russen! Wenn sie nur können, spotten sie, schimpfen sie, beleidigen sie Russland und dessen Bewohner.
    Oder wieviele rein christliche Deutsche (organisierte Vertriebene) hegen immer noch allertiefsten Hass gegenüber Polen oder Tschechen? Ist das christlich im Sinne von
    „Versöhnung“ und „Vergebung“?
    Oder wollen Sie mir nun sagen, das sei ‚doch etwas ganz anderes‘?
    Für den Fall – fürchte ich – wird es schwer sein, eine gemeinsame Basis zu finden.
     

  2. @ Robert Schlickewitz
    Sind Sie sicher, dass wir in Deutschland einen solchen Diskurs, wie von Ihnen angeregt,  offen und ehrlich – unbeeinflusst von der herrschenden Geschichtspolitik, die sich in Ihrem Artikel ebenfalls wieder findet –  im Sinne von Kant und seinem Rat, den Mut aufzubringen, sich „seines eigenen Verstandes zu bedienen„ führen können?

    Müssten wir uns nicht mit Religion und Mythologie des Judentums, mit Ausgrenzung und Selbstausgrenzung und ihren Folgen in europäischen Ländern – nicht nur mit dem Focus auf Deutschland – seit dem MA beschäftigen?

    Sollte es ein Forum in Deutschland geben, in dem tatsächlich die intellektuelle Offenheit und Redlichkeit besteht, über die Geschichte des Judentums in Europa bis 1945 ernsthaft zu diskutieren, die Fakten zusammenzutragen und nicht nur bekannte Unwertsurteile oder Verallgemeinerungen im kollektivistischen Sinn neu zu bestätigen?

    Haben wir in der deutschen Sprache noch ein paar Wörter für eine solche Diskussion, die nicht zernutzt, missbraucht oder instrumentalisiert wurden, die jeden Diskurs durch assoziative Unterstellungen extrem erschweren, wenn nicht gar verunmöglichen?

    Ich denke nicht, dass auf absehbare Zeit in Deutschland diese Diskussion stattfinden kann, die stets im Bewusstsein zu führen ist, sich nicht unbeabsichtigt eigentümlichen Verdächtigungen auszusetzen.   Aus dem Gesagten mögen Sie ersehen, dass ich Ihre Einladung zunächst nicht annehmen kann. Ich möchte mich darauf beschränken, auf Fehler hinzuweisen, die bei ein wenig Recherche und Nachdenken vom Autor selbst korrigiert werden können. Da Ihr Text gravierende Fehler enthält, sollten Sie ggf. eine verbesserte Version anbieten.

    Kinder sollten frühzeitig in Deutschland lernen, dass zwischen Christentum und Judentum zwei grundsätzliche verschiedene Ansätze im Denken vorhanden sind. Steht m.E. im Christentum der Gedanke der Versöhnung und Vergebung im Mittelpunkt – „… vergib uns [persönlich] unsere Schuld, wie auch wir [persönlich] vergeben unseren Schuldigern …“  so find ich bei meiner Beschäftigung mit dem Judentum, bestätigt nicht zuletzt durch das kürzlich begangene Purimfest , immer wieder den kollektivistischen Gedanken: „Gedenke dessen, was Amalek Dir angetan. Vergiss niemals.“

  3.  
    Ja, suuuper! Da ist mir wohl noch ein Raketensplitterchen in den Text gefallen. Alles kursiv, so war es nicht gemeint, aber, auch wenn es nun nicht mehr an allen Stellen erkennbar ist, ich hoffe der Rest der Pointen genügt und die Zitate werden trotzdem erkannt.

  4.  
     
    Zu Roberts „kindgerechten“ Textvorschlag, den finde ich auch wenigstens besser, als was „Heimatkunde“ da bietet, aber vielleicht selbst für Kinder einerseits zuviel, andererseits zu einfach.
    Vielleicht kann ich bei einem Beispiel ergänzend etwas ausführen (die armen Christen! Und die Muslime, sie werden sich ertappt fühlen in heutiger Zeit!), und zwar zu diesem Satz:
     
    Leider hatten unsere christlichen Vorfahren immer wieder Probleme damit, Menschen mit anderer Religion oder anderem Glauben zu dulden und mit ihnen in Frieden zusammenzuleben.“
     
    Dieser Satz stimmt so schon, aber es sollte dabei nicht herauskommen (falls ein Lehrer sich bemüht), daß es „nur“ Juden waren, die von diesen Christen „nicht geduldet“ wurden, fragt mal die Sachsen, was sie von ‚Karl dem Großen‘ halten (scusi: hielten), fragt die vielen slawischen Völker, die über Jahrhunderte mindestens auch den norddeutschen Raum weiträumig bevölkerten, was sie von „christlichen Schwertern“ halten (scusi: hielten), usw. [und übrigens..siehe unten..*]
     
    „Eindeutschung“ hat für die deutschsprachigen Räume immer auch etwas mit „Christianisierung“ zu tun, und wir bleiben hier ganz bescheiden nur im heutigen deutschsprachigen Raum.
     
    Und „Christianisierung“, was ist das?
    Richtig, bedenken wir nur ein etwas späteres (und zeitgleiches) Ereignis, die Kreuzzüge (und spätestens hier beginnen dann auch die Pogrome gegen Juden, gegründet auf dem Fanatismus jener „Kreuzzügler“…), ähnlich den radikalen „Friedensvorstellungen“ des Islam (noch heute), waren da Christen unterwegs, die nur die eine Forderung an alle Nichtchristen hatten: „unterwirf dich oder stirb!“
     
    Tatsächlich, es sollte nicht vergessen werden und ist nach wie vor gültig, stecken die Machtinteressen, die Gier Einzelner dahinter, die die viele fanatisierte Menschen nur zum persönlichem Eigennutz instrumentalisieren.
     
    (Leider, leider, „wir“ erwarten oft zuviel von dem selbstbestimmten, mündigem Menschen.
    Zurecht können wir etwa das „Mitläufertum“ der Deutschen im Nazireich anprangern, aber andererseits, wer ist gewiß nicht mitgelaufen zu sein? /ich nehme mich mal von dieser Frage aus, aber stellen kann ich sie mir trotzdem: was wäre wenn…/-daß hier, so oder so, noch eine ganz andere Dramatik, die „Sippenhaft“, die sogenannte, dahintersteckt, nu, Robert wird es schon verstanden haben…und Solschenizyn (der Russe) hat es auch verstanden, nur so nebenbei…)
     
    Zugegebenermaßen stelle ich hier extrem verknappt dar, was ansonsten viele Bücher füllt.
     
    Ich finde es sehr bedenklich, nachdem wir in Deutschland diesen Wahn der Radikal-Christen weitestgehend in die Aufklärung und die demokratisch legitimierten Prozesse (inzwischen) friedlich eingebunden haben (da mußte dann ein Atheist her, um die Judenfeindlichkeit zu neuen Höhen zu führen!), daß wir nun in dem radikalen Islam wieder dem Fanatismus begegnen, der sich dann in Jerusalem mit einem Knall wieder „Gehör“ verschafft (15Uhr, 23.03.2011, vor drei/vier Tagen).
     
    „Unsere“ Medien berichten darüber, als habe Israel irgendwie doch auch was damit zu tun.
    Damit tun sie nichts anderes, als jenen Fanatikern (scusi: MASSENMÖRDERN) ihr schändliches Treiben schönzureden.
     
    Entsprechend wird auch nicht die Monstrosität dieser Tat herausgestellt (dieser Anschlag war ein Anschlag gegen die Menschen der ganzen Welt, eine schottische (nichtjüdische) Studentin fiel dem zum Blutopfer!), sondern es wird herumgedeutet, impliziert, ob nicht auch die Juden (Israel) etwas damit zu tun haben, daß „islamische“ Bomben in Jerusalem die Gäste des Landes morden.
    Nu, die Medien sind nicht „Heimatkunde“, aber sie tragen durchaus zur (Weiter)Bildung der Erwachsenen bei, nicht wahr?
     
    Die Medien tragen also im „ethischen“ Sinne die gleiche Verantwortung, wie diejenigen, die Lehrstoff für Schulen vorbereiten.
    Die Medien allerdings genießen (und viele mißbrauchen, in meinen Augen!) die sogenannte „Pressefreiheit“, bei Schulen liegt das doch eigentlich etwas anders?

    Gerade auch noch bei Grundschulkindern, die noch nicht wirklich viel von der großen, großen weiten Welt wissen, sollten Lehrer doch sehr behutsam sein, auch mit dem Lernstoff.
     
    Wenn also der Lernstoff Sätze wie solche beinhaltet:
     
    „Doch die Juden waren unbeliebt. Viele sagten: ‚Die Juden sind Schuld an der Pest!‘“,
     
    dann mag es schon sein, daß ich frage: „warum denn eigentlich?“, denn ich bin ein Erwachsener, und ich habe es durchaus schon in der Schule geschafft, meinen Lehrer nicht nur zu nerven, sondern auch zu widerlegen, und das nicht, weil ich es dem mal zeigen wollte…
    Auch als Schüler kann es sich schon mal „lohnen“ neben dem Unterricht eigene Nachforschungen anzustellen, schaden kann es nicht.
    Der Lehrer fand das ersteinmal nicht so gut, er war einer der Sorte, die mit einer gewissen „Verachtung“ auf sein „faules Schülerpack“ herabsah, aber als ich ihm zur nächsten Stunde meine Widerlegung anhand der Quellen belegte, da war es für ihn auch gut.
    Ein Lehrer mit autoritären Allüren, aber schließlich angemessen und gerecht.
     
    Von Grundschülern, die nicht gerade selbst Kinder von Wissenschaftlern sind, ist solch ein Hinterfragen nicht zu erwarten.
    Von denen in islamischen Ländern, die mit Hass auf Juden großgezogen werden übrigens genausowenig.
    Und auf dem ZDF, es ist schon eine Weile her, hatte ich mal das zweifelhafte Vergnügen bei einer Kinder-Nachrichtensendung Zeuge zu sein, wie da von Nahost berichtet wird.
    Zunächsteinmal war ich schon ziemlich erstaunt, welchen erzieherisch wichtigeren Sinn eigentlich „Nachrichten“ für Kinder an sich haben, die Überraschung jedoch wurde dadurch übertroffen, daß von ‚israelischen Besatzern‘ die Rede war (Zeichentrick: Israeli in Uniform, behelmt und bewaffnet), die ein ‚palästinensisches Volk unterdrücken‘ (Zeichentrick: Menschen in so seltsamen Gewändern wie in der Moschee vielleicht).
    Neee, nicht Gasa oder Türkei sondern Deutschland, Kinderprogramm auf ZDF!
     
    Gut, weiter in diesem Text, denn das Schöne daran, man kann den Textvorschlag auch an weiterer Stelle gut ergänzen.
     
    Vielleicht nicht unbedingt für Grundschulkinder, hier genügt es wohl, wenn man ihnen vor allem ersteinmal keine unterschwellige „Angst“ vor Juden (und anderen netten Leuten) macht, indem man ihnen eben erklärt „…dann mußten sie gehen…sie waren unbeliebt…die Pest…“
     
    (Ein kleiner Zusatzvorschlag, durchaus auch im historischen Kontext vermittelbar: wie wäre es mit dem schon sprichwörtlichen „jüdischen Humor“? Was gibt es schöneres als lachende Kinder!
    Aber dafür bräuchten wir wahrscheinlich ersteinmal mehr jüdische Lehrer, aber woher?
    …kann man die auch backen?)
     
    Der Satz:
    „…in denen Juden und Christen in Frieden und Gemeinsamkeit zusammenlebten
    könnte genauso ergänzt werden, wie dieser ergänzt
    Daraus ergaben sich furchtbare Verfolgungen und Vertreibungen von Juden.“
     
    Denn aus den (friedlichen) Zeiten zwischen Christen, Heiden und Juden ergaben sich nicht nur „furchtbare Verfolgungen“, sondern vor allem auch „fruchtbare Folgen“.
     
    Nur ein bedeutendes Beispiel.
    Nach mancher Theorie ist die deutsche Sprache selbst zu einer Hälfte (ich vorsichtiger: viel) durchsetzt mit Vokabeln, die sich aus den jüdisch-deutschen Gemeinsamkeiten ergeben.
     
    Etliche Worte sind noch heute in Gebrauch (brauch, bruch..irgendwie auch jüdisch?).
     
    Also, Robert, laß uns (jüd.) „tachles“ (Tachelles, mit Hand und Fuß) reden:
    „Hals und Beinbruch!“ wünsche ich Dir, es kommt aus dem jüdischen Sprachgebrauch für in etwa „Erfolg und Segen“/hazloche un broche.
    Wer gerade nochmal „Massel“ hatte, der hat gerade nochmal Glück gehabt, wer es „vermasselt“ hat, der hatte wohl weniger Glück.
    Falls wir beide miteinander „schmusen“, dann mag das manch anderem hier seltsam vorkommen, aber ich stelle hiermit nicht den Antrag auf Gesichtsverklebung mit Dir, sondern ich unterhalte mich lieber freundlich mit Dir: „schmusen“.
    Stinkende „Mauken“, nein, nicht der Geruch leitet sich vom Jüdischen her, es sei, es sind jüdische Füße = Maucken, heutzutage soweit ich weiß für „Socken“,
    „Schmiere stehen“, solches soll vorkommen, es leitet sich ebenso her vom Jüdischen (im Wort, nicht in Tat selbstverständlich!!!)…(außer vielleicht bei „Eis am Stil“..), nun halt mich nicht für „meschugge“ (verrückt), aber belegen kann ich diese, meine Ausführungen hier gerade nicht, und so wenige sind es gerade mal nur, so schüttel ich sie besten Gewissens einfach mal aus meinen „(gut) betuchten“ (heute eigentlich „reich“, ursprünglich „vertrauensvoll“ von ‚betuach‘) Ärmeln, und, schwuppdiwupps, Guten Rutsch (gut „rosch“! von „Kopf“) – ein As:
     
    letztlich geht auch der Begriff „Samstag“ auf unseren schönen Sabbat zurück, so wünsche ich Dir, Robert: a gut schabbes!
     
    (Korrektur, habe es nicht mehr zum Schabbat geschafft, also „nachträglich“ und a gute Woch!
    Und warum habe ich es nicht geschafft, tja, Karl hat sich bei Dir „beschwert“. Darauf also wollte ich auch noch kurz eingehen.
    Kann ja nicht sein, daß Karl in Deinem Unterrichtstext-Vorschlag ein paar Fehler entdeckt und ich einfach behaupte, er sei besser, als der, der den Kindern hochoffiziell beibringt, daß mit Juden ja irgendetwas nicht stimmen kann, wenn man die einfach so wegschickt und beschuldigt und irgendwie haben die ja was mit der Pest zu tun und so…komische Nasen haben die, höre ich auch immer mal wieder. Und ich erschrecke mich auch ständig im Spiegel, wenn meine Wikingerhebräernase wuchtig mitten im Gesicht verschwindet, weil ich nach wie vor rätsel, was wohl hinter dem Spiegel sich befindet…)
     
    Gut, wo sind die Fehler? Vorweg, Karl, der Text ist ja für Grundschüler, ich finde, die brauchen weder Nachrichten noch zuviele, komplizierte Erklärungen, die sie sowieso relativ schnell langweilen werden.

    Zu einem Satz bin ich oben ja schon eingegangen, und ich finde durchaus auch im Sinne der Kinder, also aus „furchtbare Verfolgungen“ mache „fruchtbare Folgen“ wenigstens in der Ergänzung, die Kinder dürfen ruhig wissen, daß sie eigentlich „Jüdischdeutsch“ sprechen, zumindest wenn sie Deutsch sprechen…
     
    Bei den vielen Beispielen kann man es bestimmt auch sehr unterhaltsam/anregend für die Kinder gestalten. Aber die Christen sind oft ein wenig bieder?
    Auch Christen sind Menschen!
    Und Menschen lachen gerne, es gibt soviel trauriges in dieser Welt: warum soll man die Kinder damit belasten, laßt sie lachen! Gebt ihnen Spaß am Lernen!
    Und verängstigt sie nicht mit Geschichten über ein mythisches Bild eines Volks, daß es so niemals gegeben hat (außer natürlich in der Märchenstunde der Protokollanten irgendwelcher Naseweise vom Z. – Schade, Hamas hat die sogar im „Programm“, vielleicht sollten wir in Deutschland auch eine Partei gründen, zB „GrimmsMärchenOnkels/GMO“?).
     
    Und wenn schon Pest und so, warum sagt ihr den Kindern nicht, daß sie sich ordentlich waschen sollen, so wie Juden, dann kriegen sie auch keine Pest!
    „Sauber bleiben!“, sagt man doch auch umgangssprachlich.
     
    Also, weiter auf Fehlersuche. Hmm, ich finde auch, daß man bei dem vorgeschlagenen Text einiges verbessern könnte, und zwar für Erwachsene.
    Wegen der Kinder würde ich möglicherweise auf diesen abschließenden Satz verzichten:
    Juden wurden auch in anderen europäischen Ländern verfolgt und ermordet, (>) jedoch nirgends so lange und massiv wie bei uns.“ ,
    auf die letzten Wörter nämlich, denn die Kinder können das noch früh genug lernen, nämlich dann, wenn sie zwischen Schuld, Unschuld, Verantwortung, Selbstbestimmung, Kinder, Kindheit und allsowas eben unterscheiden können, nicht wahr?
     
    Übrigens, das dieser indirekt an die Kinder gerichtete Vorwurf nicht gemacht werden soll, das gilt auch für den Beispiel-Satz ganz oben. („Leider hatten unsere…“ *)
     
    Die Kinder, mein Freund, wir sollen sie gut behandeln und gut behüten, ihnen aber keine Angst einflößen, kein schlechtes Gewissen für etwas, das sie nicht zu verantworten haben, daß sie nichteinmal verantworten können!
    Das gilt für alle Erwachsenen dieser Welt, nicht nur für Heimatkundelehrer oder Haßprediger.
     
    Also, Schalömsche, und wenn ihr die Kinder schon retten wollt, dann schickt sie lieber nicht auf die Kölner Domplatte, da hängt nämlich ein finsterer Typ ab, der den Heimatkunde-Unterricht von Thannhausen zusätzlich garnicht so nett abrundet…
     
    Das Bild, wo ein ‚eindeutig als nicht jüdisch zu identifizierender Mensch‘ sich abbildet (so per Gerichtsurteil abgefaßt, Quelle: tapferimnirgendwo; danke.), auf dessen Latz sich ebenso eindeutig ein Davidstern befindet, per Messer-/Gabelnutzung ein Kind auf dem Teller zersäbelt, es wurde wohl wieder weggestellt, so las ich.
    [ http://tapferimnirgendwo.files.wordpress.com/2011/03/img_0459.jpg ]
     
    Aber bei soviel nicht-Eindeutigkeiten in den Botschaften bei jenem, der sich schimpflicherweise „Herrmann“ nennt (ja, genau wie unser jüdisch-germanischer Vorfahr, der den Römern mal so richtig ins Sitzgefleisch getreten hat! Zu der Zeit lief so ein Kerl in Israel rum, den einige Leute „Moschiach“ nannten…), würde ich meine Kinder da nicht hinschicken.
     
    Der darf Juden verhetzen (das Gericht sagt dazu, daß er das nicht tut; das ist so eine Wendung aus dem „Juristendeutsch“ und bedeutet: „er darf es zwar nicht tun aber er tut es und deshalb tun wir so, als wenn er es nicht tut.“), aber er darf eben auch Bilder (zweitweise) ausstellen, auf dem Kinder mit Messer und Gabel zerteilt werden. (siehe der ‚link‘)
     
    Keine Ahnung, wie es euch Kinder so geht, aber ich hatte immer Angst vor solchen Leuten…
     
    Gut, Kinders, genug gelacht!
    Und jetzt ab Marsch zurück in den Schutzkeller…
    Da kommt schon wieder so ein „Friedensgruß aus MoskowsGasa“.
    Der Unterricht zum Thema „wie liebe ich meinen Feind, denn er ist ein Mensch und geschaffen von von so nem Typen im Himmel nach Seinem Angesicht?“ muß leider eine Weile ausfallen…
     
     
     

  5. @Karl
    Es war ein Textvorschlag, den ich zur Diskussion stellte, der selbstverständlich noch nicht endgültig sein kann.
     
    Wenn Sie damit nicht einverstanden sind, so teilen Sie uns doch bitte mit, wo Sie Fehler ausgemacht haben und wo Sie Änderungen für notwendig erachten!
     
    Im Übrigen würde ich mich über eine breite Diskussion zu diesem, uns alle angehenden Thema sehr freuen.

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