- haGalil - http://www.hagalil.com -

Biblische Strafen für Japan

„Da ließ er … Schwefel und Feuer regnen… und kehrte diese Städte um und die ganze Ebene…und er blickte hinab… auf die ganze Fläche des Landes in der Ebene und er sah: Siehe Rauch stieg vom Land auf, wie der Rauch eines Schmelzofens.“ Etwas moderner formuliert könnte das ein Reporter in Japan geschrieben haben: ein Vulkanausbruch, Erbeben und die Kernschmelze in den Reaktoren…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 14. März 2011 

„Und es geschah nach sieben Tagen, da kam das Wasser der Flut über die Erde. An diesem Tag brachen alle Quellen der Tiefe auf und die Fenster des Himmels öffneten sich.“ Diese Beschreibung eines Tsunami ist 3000 Jahre alt. Die Zerstörung von Sodom und Gomorra und die Sintflut werden in der Bibel als Gottes Strafe dargestellt. Heute, in Japan, beweisen Erdstöße und Tsunami-Wellen, dass der Mensch den Naturgewalten hilflos ausgeliefert ist.

Forscher können heute nachweisen, dass die in der Bibel beschriebene Sintflut wohl eher der plötzliche Durchbruch des Bosporus war, als riesige Wassermengen, mutmaßlich infolge eines schweren Erdbebens, ganze Städte an der Küste des Schwarzen Meeres untergehen ließen. Sodom und Gomorra lagen im Afro-Syrischen Bruch. Durch das Auseinanderdriften von Erdplatten um ganze 14 Meter in den vergangenen 2000 Jahren entstand das tiefste „Loch“ auf Erden, wo heute das Tote Meer vierhundert Meter unter dem Meeresspiegel liegt.

Die Bibel enthält einige der ältesten schriftlichen Zeugnisse von Erdbeben und Flutwellen. Archäologen können viele dieser als „Gottesstrafe“ oder „Wunder“ beschriebenen Naturkatastrophen fast auf den Tag genau datieren und im Nachhinein sogar die Stärke der Beben auf der Richterskala bestimmen. „Da kam ein Wind, groß und stark, der die Berge zerriss und die Felsen zerschmetterte. Und nach dem Wind ein Erdbeben. Und nach dem Erdbeben ein Feuer. Und nach dem Feuer der Ton eines leisen Wehens.“ Was da in 1. Könige 19 und anderen Stellen beschrieben ist, hier leicht gekürzt wiedergegeben, zeugt davon, dass die biblischen Autoren selber Erbeben miterlebt haben und deshalb plastisch schildern konnten.

Die biblischen Berichte werden sogar im Jerusalemer Stadtrat diskutiert. So wurde neuer Autotunnel durch den Ölberg als „Leichtsinn“ kritisiert, weil er genau dort gebaut wurde, wo sich der Berg in biblischer Zeit spaltete. Der Prophet Zacharija berichtet: „Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem im Osten liegt… Die eine Hälfte des Berges wird nach Norden und seine andere Hälfte nach Süden weichen.“ Das dürfte eher ein Augenzeugenbericht sein und keine Vorhersage. Nicht weit von dort steht die von Kaiser Wilhelm II errichtete Auguste Victoria Himmelfahrtskirche. Sie wurde 1927 schwer beschädigt und hätte abgerissen werden müssen, wenn sie nicht 1988 mit einem Aufwand von 8 Millionen D-Mark von der EKD renoviert worden wäre.

Eine Flutwelle, heute Tsunami genannt, könnte die Teilung des Schilfmeeres gewesen sein, als die Kinder Israel unter Moses aus Ägypten  auszogen. Was dem ägyptischen Heer widerfuhr, klingt wie die Bilder aus Japan: „So kehrte das Wasser zurück und bedeckte die Wagen und Reiter der ganzen Heeresmacht des Pharao … Es blieb nicht einer von ihnen übrig.“ Die Zerstörung von Jericho durch die Trompeten des Josua dürfte eher ein Erdbeben gewesen sein, so wie wohl ein Erdrutsch den Jordanfluss gestaut hat, als ihn die Kinder Israel trocknen Fußes durchquerten. Der Jordan wurde mehrfach in der Geschichte durch Erdrutsche gestaut: 1267, 1534, 1834,1906 und zuletzt 1927. Jenes Erdbeben von 1927 hat die Stadt Saffed fast völlig zerstört und auch in Jerusalem erhebliche Schäden angerichtet.


Kursi, ein rekonstruierter Torbogen

Erst vor einem Jahr entdeckten israelische Forscher im Mittelmeer Spuren von Flutwellen. Taucher untersuchten untergegangene Städte aus biblischer Zeit vor der Küste Israels. Jeder Tourist kann sich selber in den Ruinen der Metropole Skythopolis bei Beth Schean von der Wucht eines Erdbebens überzeugen. Die inzwischen wieder aufgerichteten Säulen des Cardo der Stadt lagen schön aufgereiht nebeneinander am Boden, weil ein gewaltiger Erdstoß sie alle in eine Richtung umgestürzt hat.

Im Jahr 31 wurde die Essener Siedlung am Toten Meer durch ein Erdbeben zerstört. Ein klassisches Fotomotiv ist da eine steinerne Treppe, die zu einem rituellen Tauchbad herabführt. Mitten durch die Treppe geht ein Riss (siehe Foto rechts). Die eine Hälfte ist um einen halben Meter abgesackt, so wie man es heute bei Straßen in Japan sehen kann. Jenes Erdbeben geschah ungefähr zeitgleich, als sich in Jerusalem der Felsen des Golgatha spaltete, die „Erde erbebte“ und der Vorhang im Tempel zerriss, wie in der Ostergeschichte in Matthäus 27 beschrieben. Drei Tage später gab es laut Matthäus ein weiteres Erdbeben. Heute würde man das ein typisches Nachbeben nennen.

Die Beben in Jerusalem sind gut belegt und „weltberühmt“. So brachte am 15. Januar 1546 ein schweres Erdbeben den Dom über dem Grab Jesu zum Einsturz, während der Felsendom auf dem Tempelberg schwer beschädigt wurde.

In Israel ist ein starkes Erdbeben überfällig, denn ungefähr alle hundert Jahre entladen sich die angestauten Spannungen an den Rändern der Erdplatten in der Tote Meer Senke. Kleinere Erdbeben sind alle paar Monate zu spüren. „Die Frage ist nicht, ob es ein großes Erdbeben geben wird, sondern wann“, sagen israelische Experten. Und vielleicht deshalb hat die deutsche Botschaft in Tel Aviv an diesem Montag per Rundmail an alle Deutschen Hinweise auf Broschüren des deutschen Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, sowie des israelischen Home Front Command verschickt.

(C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com