Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Arabische Friedensinitiative, der alle auf der Versammlung der Arabischen Liga 2002 in Beirut zustimmten, ist in zwei Vorhaben aufgeteilt. Das erste, Paragaph 2, welcher arabische Minimalforderungen beinhaltet, ruft nach komplettem israelischen Rückzug und einem palästinensischen Staat mit der Hauptsstadt Ostjerusalem. Das zweite, Paragraph 3, welcher das arabische Maximalangebot an Israel beinhaltet, bestätigt eine Versicherung dafür, daß der „Konflikt beendet sei und man ein Friedensabkommen mit Israel einleiten könne“…

Von Elias Samo

Für manche Israeli wirft die präzise Bedeutung der beiden Wendungen „Konflikt beendet“ und „Friedensabkommen“ Fragen auf. Sich in die Bedeutung der Fragen zu vertiefen, um dieselben von Israeli zu beantworten, bevor man die API (Arab Peace Initiative/Arabische Friedensinitiative) akzeptiert, ist so, als ob man den Karren vor das Pferd spannt.

Wenn Israel die API akzeptieren würde, so wäre es für alle Beteiligten eine bedingte Akzeptanz. Die API stellt keine konkreten Pläne zwecks Umsetzung bereit; sie würden sich durch Erörterungen entwickeln, während derer sich auch die israelischen Fragen bezüglich der Bedeutung der beiden Wendungen beantworten ließe. Die API zu akzeptieren bedeutet keine unabänderliche Verpflichtung ihr gegenüber, solange die entscheidende Ebene für beide Seiten die Minimalforderungen beinhaltet, inklusive einer befriedigenden Antwort der erhobenen Fragen.

Natürlich hält uns das im Hier und Jetzt nicht davon ab zu betrachten, was gemeint ist mit „Friedensabkommen“ und „Konflikt beendet“. „Friedensabkommen“ betrifft die Palästinenser und die beiden benachbarten arabischen Staaten Syrien und Libanon, mit denen Israel sich nach wie vor in einem Kriegszustand befindet. Sollte Israel die API akzeptieren, werden die drei arabischen Parteien Verhandlungen mit Israel auf gesonderten Wegen wiederaufnehmen.

Wie dem auch sei, eine Frage bleibt unbeantwortet: wird die Unterzeichnung eines Friedensabkommens in einem Paket eingebunden geschehen, oder gesondert zu verschiedenen Phasen, wie es im Fall des Israelisch-Ägyptischen Friedensvertrags war? Diese Frage können nur die arabischen Führer beantworten, die das Friedensabkommen unterzeichnen.

Wegen des „Konflikt beendet“ geht die Empfehlung an die arabischen Staaten; beides berücksichtigt, also die Arabische Liga und die einzelnen. Für die Liga würde ein Ende des Konflikts bedeuten, daß sie ihre anti-israelische Haltung aufgeben müßte. Das würde auch den Wirtschaftsboykott gegenüber Israel betreffen. Für die einzelnen arabischen Staaten bedeutete ein „Konflikt beendet“ die Anerkennung und Normalisierung der Beziehungen zu Israel; tatsächlich wünschen sich einige dieser Staaten diesen „Konflikt beendet“, so daß sie offene Geschäftsbeziehungen zu Israel führen können, anstatt dieses im Geheimen zu tun.

Angesichts eines erfolgreichen Abschlusses von Verhandlungen zwischen Israel und den drei arabischen Partnern und der Unterzeichnung eines Friedensabkommens würden die Arabische Liga und die arabischen Staaten Beziehungen zu Israel anerkennen und sie normalisieren.

So betrachtet bleibt es rätselhaft, warum Israel die API nicht akzeptiert. Sogar wenn, wie manches im Inhalt, die API eine Irreführung ist, Israel hat alles zu gewinnen und nichts zu verlieren. Wenn Israel die API akzeptieren würde, dann wäre es ein Sieg in den offiziellen Beziehungen, es würde die arabische Irreführung aufdecken — wenn es so ist– oder mit arabischen Unterhändlern die Modalitäten zu ihrer Umsetzbarkeit entwickeln. Es wird verstanden, daß keine der beiden Seiten der anderen ihre Sicht aufdrängen wird. Somit sind israelische Bedenken bezüglich einer Unterzeichnung der API und der Unsicherheit, wie es dann in der entscheidenden Ebene aussehen wird, unbegründet.

Der gegenwärtigen israelischen Regierung sind die Westbank, Ostjerusalem und der Golan wichtiger al Frieden? Vielleicht wenn man den Fakt betrachtet, daß die israelische Führung es wahrscheinlich als Verlustgeschäft empfindet, wenn etwas greifbares an die „arabische–Land–für“ Vereinbarungen gereicht wird, also Tinte auf Papier, die von arabischen Führern unterzeichnet wird, deren Legitimation fragwürdig ist und deren Regierung unklar und unzuverlässig geführt wird. Sollte dieses der Fall sein, so ist es ein weiteres Beispiel der legendären israelischen Kurzsichtigkeit.

Es gibt ein palästinensisches Verlangen, einen arabischen Konsens, ein islamisches stilles Hinnehmen und internationale Unterstützung für einen umfassenden Arabisch-Israelischen Frieden, dem die API den Rahmen bietet. Die Frage an Israel ist, wenn nicht die Arabische Friedensinitiative, was dann? Wenn nicht jetzt, wann dann? -Published 3/3/2011 © bitterlemons-api.org

Elias Samo ist Professor für internationale Beziehungen an amerikanischen und syrischen Universitäten.

Übersetzung: A.mOr

11 Kommentare zu “Wenn nicht jetzt, wann dann?

  1. Munir wogegen ich mich wehre ist die einseitige Darstellung der Palästinenser als Opfer und der Israelis als Täter.
    Also nocheinmal, ich kenne nicht alle Aussprüche von Herrn Liebermann aber eines ist klar, wenn er etwas rassistisches sagt, dann gibt es heftigen Widerspruch in der Öffentlichkeit.
    Nicht so in der palästinensischen Öffentlichkeit. Wenn Sie den langjährigen Ministerpräsidenten Begin, der das Friedensabkommen mit Präsident Sadat abschloss mit einer Selbstmordattentäterin gleichsetzen, dann tun sie mir Leid.
    Wenn die palästinensische Elite die Struktur eines Staates geschaffen hätte, anstatt Kleptokratie zu betreiben, wenn sie nicht auf das Messer und die Bombe gesetzt hätte (Intifada und Selbstmordterror) dann würden die Einwohner der Westbank und des Gazastreifens schon längst in ihrem Staat sein.
    D.h. nicht dass die israelische Politik fehlerfrei gewesen wäre. Aber was mir auffällt ist folgendes. Da wird lediglich eine Besatzung in der Welt angeprangert. Wenn die arabische Welt mit gleicher Entschiedenheit die türkische Besatzung in Nordzypern, die marokkanische Besatzung der Westsahara und den Völkermord im Sudan verurteilen würde, dann würde ich ihr Urteil über die israelische Besatzung ernst nehmen.
    Und wenn Sie anstatt über Vertreibung und Massaker sich einen Gedanken machen würden, weshalb die Palästinenser den Hitlerkollaborateur Amin el Husseini 1948 zum Chef gemacht haben und ein wenig nachdenken würden, über all die versäumten Gelegenheiten, mit Israel zu einem Abkommen zu kommen, dann würden sie sehen, dass die Schuld für den Konflikt nicht einseitig bei den Israelis liegt.
    Wenn es um die Besatzung geht und Sie lediglich eine bekämpfen, dann sind Sie unglaubwürdig.
    Die Frage ist ein prinzipielle, haben nur Araber und Muslime ein Recht im Nahen Osten auf Anerkennung und Sicherheit? Wenn Sie Munir darauf antworten, nein – was ich doch hoffe – dann kommt schon die Frage, wieso Christen in Pakistan und Irak massakriert werden, weshalb die Kopten in Ägypten Pogrome erleben und weshalb man in Syrien 100.000 Kurden die Staatsbürgerschaft entzogen hat. Und ich könnte weitermachen. Zum Frieden braucht man
    Vertrauen, und die Vernichtungspropaganda in der arabischen Welt läßt kein Vertrauen aufkommen. Mag schon sein, dass sie denken, das seien doch nur Floskeln und die Juden sollten gefälligst doch lieber das glauben was Araber auf Englisch den Ausländern sagen. Doch wie Rita es beklagt gibt es Memri und die übersetzen viele arabische Texte, so dass auch der nicht arabisch könnende sich ein differenziertes Bild machen kann von der arabischen Welt. D.h. dass dort ja wirklich nicht alle auf Israel fixiert sind und manche Leute sich auch mit der eigenen Wirklichkeit auseinandersetzen.
    Und Rita noch ein Ratschlag setzen Sie mir nichts in den Mund was ich nicht geschrieben habe. Setzen sie sich eher mit dem auseinander was ich schreibe. Ich habe nie und nimmer erwartet, dass Araber zu Herzlianern werden. Aber die meisten israelischen Araber sind loyale Staatsbürger.
    Und Besatzung hin oder her, es waren auch einige israelische Araber, die sich für die Errichtung eines Sicherheitszauns eingesetzt haben. Denn auch sie werden Opfer des pal. Terrors, diese Tage mußte man einem unglücklichen Araber aus Ostjerusalem die Hand amputieren, der junge Mann arbeitet bei der Staadtreinigung und er griff zu einem Mistbeutel in dem eine Bombe drin war.

  2. Sehen Sie, Herr Pfeifer, Sie wissen nicht einmal, was der Aussenminister Israels so alles von sich gibt, erwarten aber, dass jeder Aussage eines Hinterhof Imams, aus einem Dorf voller Analfabeten, höchste Achtsamkeit geschenkt wird.
    Erkennen Sie die Schieflage?

    Manche haben Lieberman widersprochen, aber viele haben ihn bejubelt und haben ihn gewählt und zur zweitstärksten politischen Regierungsmacht erhoben.

    Auch gegen islamische Hassprediger regt sich Widerspruch, wenn auch viel zu wenig, das gebe ich zu. Manche sitzen sogar im Gefängnis oder mussten ins Exil.

    Aber, gibt es in Israel keinen Begin-Boulevard? Kein Ezel-Museum? Keine Stern-Strasse? Können Sie sich vorstellen, dass es Araber gibt, die die Massaker und Vertreibungen von Kibia, Dir Yasin, Sabra, Shatila, Ansia, Talba, Malha irgendwie als Terror in Erinnerung haben?
    Was erwarten Sie von einem Volk, das seit Jahrzehnten unter einem konsequenten Besatzungsregime leben muss?

    Ist nicht jedes Volk, das einer Besatzungsmacht standhalten muss, ihr widerstehen muss, geneigt, dem Besatzer negative Eigenschaften, gar Gräuel anzudichten?
    Versucht nicht jede Resistance, auch kommende Generationen von der Notwendigkeit der Abschüttelung der Okkupation zu überzeugen?

    Noch dazu, wenn diese Besatzung nicht nur als Militärmacht auftritt, sondern auch noch durch zivile Landnahme und Besiedlung besetzter Gebiete, durch massive Festsetzung einer bevorzugten Bevölkerungsgruppe, nämlich der eigenen, oft gerade erst zugewanderten, die Besatzung immer weiter zementieren möchte.
    Ja, da entstehen Gerüchte, das gebe ich zu. Manche sind ganz dämlich. Manche behauptet gar, Israel wolle sich ganz Jerusalem einverleiben. Manche gehen soweit zu behaupten „der Israeli“ sei einer der gerne fremdes Gut sein eigen nennt, einer der andere am liebsten oder nur als weitgehend entrechteten Arbeiter neben sich duldet. Einer der seine Beziehungen zu vielen Juden in der Welt dazu nutzt immer weitere Pflöcke und Haken in fremdes Land zu schlagen.
    Ja, „die Israelis“ und oft auch „die Juden“ sind nicht sehr beliebt und sie werden auch nicht „neutral“ dargestellt in den arabischen Medien.
    Trotzdem gibt es viel Kooperation, leider meist nur notgedrungen. Trotzdem sehen wir vieles in Israel, im Westen, was auch uns gefällt.
    Nun ja. Wir sind nicht so, dass wir die Juden einfach so hassen. Es geht in aller erster Linie um die Besatzung.
    Mancher versucht da sein eigenes Süppchen zu kochen und aus der Misere Profit zu schlagen für seine Sache. Assad, Mubarak, Hamas, sie alle leben davon und Israel hilft ihnen, liefert oft garantiert den letzten Vorwand, wenn man aufheizen will und bestätigt immer wieder von neuem, dass es lieber unser Land rauben als unsere Herzen gewinnen will.

  3. Wer finanziert eigentlich diese vielen rechten NGOs (Palwatch, isis, memri, arzenu)? Die Linken stehen im Visir, als Vaterlandsverräter, dabei gibt es viel weniger linke, als rechte NGOs. Das müssen Hunderte sein. Und alle versuchen täglich zu beweisen, dass KEIN FRIEDEN JEMALS möglich sein wird, solange nicht alle Araber, ja alle Muslime, Herzelianer geworden sind, mit ganzem Herzen!
    Doch wenn sie es geworden wären, dann würde man immer noch misstrauen, ob sie es denn wirklich von ganzem Herzen und von GANZER Seele geworden sind, und ob sie es auch nach weiteren Jahrzehnten zusätzlicher Besatzung noch immer sein werden.
    So lautet das Mantra: „Wir wollen Frieden, aber wir haben keinen Partner, denn schon allein die Tatsache, dass sie unseren Besatzungstruppen, schliesslich alles tolle Jungs, die Besten unserer Besten, nicht uneingeschränkte Liebe und Dankbarkeit entgegenbringen, beweist es doch. Wir haben keinen Partner!“

  4. Munir ich weiß nicht alles was Liebermann oder irgendein rassistischer Rabbiner gesagt hat. Aber in Israel widerspricht man solchen Aussagen, die Sie mit Recht beanstanden ganz heftig.
    Also während in Israel die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung einen wirklichen Frieden wünscht und in den staatlichen Medien und Schulen nicht gegen Nachbarn gehetzt wird, sollten Sie sich doch anschauen, wie das in den arabischen Ländern läuft.
    Glauben Sie, dass wenn ein Jugendsportwettbewerb der Palästinenser nach einer Selbstmordattentäterin genannt wird, dies ein Beitrag zum Frieden ist?
    http://www.palwatch.org/main.aspx?fi=157&doc_id=4765

  5. Herr Pfeifer, ist nicht A. Lieberman Israels Aussenminister und damit Vize-Premier? Hat er nicht gesagt, Kairo (sogar zu Zeiten Mubaraks, den man doch als Verbündeten sah, wie heute tränenreich behauptet) solle sich vorsehen, immerhin könne Israel mit einen Atomschlag gegen den Assuanstaudamm die Ägypter vom Nilwasser ins Meer treiben lassen.
    Meinen Sie nicht, dass solche Rhetorik auch Araber stören könnte? Dass es Israelis stören würde, wenn der ägyptische Aussenminister so reden würde, könnte ich verstehen.

    Dass die Aussagen der Siedlerrabbiner die Palästinenser beunruhigen, kann ich auch verstehen, genauso wie die Empörung der Leute von Sichron, wenn der Imam von Um al Fachm so reden würde, unterstützt und beschützt durch eine Besatzungsmacht.

    Man sollte nicht die Gegner des Ausgleichs verstärken, sondern die Vernünftigen. Unvernunft gibt es auf beiden Seiten und das Aufrechnen sollten wir den Statistikern und Historikern überlassen.

  6. Nein Munir, man sollte Hetze in staatlichen und halbstaatlichen Medien wie das TV sehr ernst nehmen. Laut dem UNO Bericht über die menschliche Entwicklung 2010 ist der Alphabetisierungsgrad der Erwachsenen in Ägypten 66.4 Prozent. So dass solche Hetzfilme einen großen Einfluß haben. Ich unterstelle der arabischen Welt gar nichts, sondern betrachte nur, wie sich diese Welt zu ihren religiösen und ethnischen Minderheiten verhält. Und dass ist einfach schrecklich. Denken wir an die Giftgasbomben von Saddam Hussein gegen kurdische Dörfer oder an die Pogrome gegen Kopten in Ägypten. Wenn Sie das alles auch als vernachlässigbar betrachten, die Israelis sehen das anders. Und was Sie da schreiben dass Israel nur besteht, weil die arabische Welt es duldet, das ist wohl ein Faschingscherz. Die arabischen Nachbarn haben einige Krieg gegen Israel geführt. Die Palästinenser haben auch einen Terrorkrieg geführt. Israel hat widerstanden.
    Wie erklären Sie sich, dass die PLO Kämpfer als König Hussein sie mit Kanonen beschoss ausgerechnet zu Hunderten über den Jordan schwammen um in Israel Asyl zu erhalten? Ohne palästinensischen Terror hätte es keinen Sicherheitszaun gegeben.
    Ein zynischer arabischer Intellektueller sagte mir einmal, weißt Du das Problem ist, dass die Tatsache, dass sich die Juden, die doch bei uns als feig gelten, sich erfolgreich gewehrt haben, als Angriff auf unsere Ehre gilt. Wir brüsten uns unserer Toleranz vor ein paar Hundert Jahren, aber wir schlachten ja unsere eigenen arabischen Brüder ab – und er wies hin auf die syrische Stadtl Hama, die von Assad Vater mit Kanonen beschossen wurde – da kannst Du Dir gut vorstellen, was Euch passieren würde, wäret Ihr wehrlos.
    Ich könnte dazu das sehr aktuelle Beispiel von Darfur geben, wo Muslime Muslime abschlachten, wo es mehr als 2 Millionen Binnenflüchtlinge und mehr als 200.000 Todesopfer gibt. Und wie steht es mit Algerien, wo Islamisten ganze Dörfer buchstäblich abgeschlachtet haben? Ist das alles zionistische Propaganda?
    Und Munir, welche Verstellungstrategie haben die Israelis? Wieder so ein Faschingsscherz. Die israelischen Medien diskutieren über alles was im Land passiert. Und es gibt genug Israelis, die alles in ihrem eigenen Land schlecht finden und das auch schreiben können. Bitte projizieren Sie nicht auf Israel das was es in der arabischen Welt gibt, wo es fast keine freie Medien gibt. Haben Sie schon auf Al Jazeera einen kritischen Bericht über Qatar gesehen?
    Munir, wenn Sie ernst genommen werden wollen, dann sollten Sie nicht versuchen, die Lebensbedingungen in der arabischen Welt zu verschönern.

  7. Stimmt, Herr Pfeifer, ich meinte „Reiter ohne Pferd“. Sehen Sie, wer erinnert sich noch an den Film. Also sollten wir das alles vielleicht nicht so ernst nehmen. Es wird viel gehetzt in dieser Welt. Aber was der Rabbiner von Safed sagt ist auch nicht wichtiger, als was Mubaraks TV-Imame sich ausdenken.
    Wir sollten nicht immer die Scharfmacher verstärken, sondern die Vernünftigen, und da gibt es doch viele.

    Überlegen Sie doch mal, wenn die arabische oder gar islamische Welt, mit Hunderten Millionen Menschen, so böse wäre, so antisemitisch, so blutrünstig, wie Sie es immer wieder darstellen, meinen Sie, es gäbe dann noch einen Staat der Juden, mittendrin?

    Sind Sie sich wirklich sicher, es gäbe einen solchen noch in Europa, wenn Israel 1948 dort, per UN-Abstimmung, irgendwo gegründet worden wäre?

    Und der Friede mit Ägypten, der so kalt war, wie Sie schreiben, wäre vielleicht herzlicher gewesen, wenn Israel sich an den Geist von Camp David gehalten hätte und diesen Friedensschritt genutzt hätte, um auf die Bevölkerung der besetzten, oder sagen wir efem zuliebe „umstrittenen“ Gebiete, zuzugehen, anstatt sich wieder einmal Marionetten zu ziehen, um dann auch mit denen nicht zu sprechen.
    Versäumte Gelegenheiten!?
    Nicht nur. So einfach ist es nicht, denn leider ist sogar das Gegenteil der Fall. Israel nutzte die Gelegenheit des Friedens mit Ägypten, um den Griff auf die übrigen unter Besatzung stehenden Gebiete zu verstärken, ein massives Besiedlungsprogramm zu starten und insbesondere Jerusalem in einen Betongürtel zu zwängen.
    Das hat nicht nur Sadats Hoffnung zerstört, er habe zur gerechten Lösung für die Palästinenser einen entscheidenden Schritt beigetragen. Es hat natürlich auch Sadats Glaubwürdigkeit in Ägypten und der arabischen Welt beschadet und die noch laue Brise des Friedens abgekühlt.
    Denn auch die Takiye, die Verstellungsstrategie der Israelis, wurde offensichtlich. Seither hat sich dieses Bild, sie werden sagen grundlos, immer weiter verfestigt. Und je mehr Zugeständnisse die Araber machten, um so weniger ging Israel darauf ein. Je mehr klar wurde, dass Israel garnicht daran dachte, die Grüne Linie zu respektieren, noch dazu im Gegensatz zu Arafat, der damit auch auf 78% des Gesamtgebietes offiziell verzichtete, und wohl, nach weit verbreiteter, wenn auch unbestätigter, Ansicht, das größte persönliche Wagnis aller Beteiligten einging, um so mehr verbreiteten sich Enttäuschung und Wut.

    Ich denke Israel muss begreifen, dass auch Israel erwachsen werden muss. Dass nicht nur die arabische Welt noch viel zu lernen hat, sondern auch Israel. Jeder muss seine Verantwortung erkennen. Auch Israel. Auch Israel muss Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Denn das Bild von Israel, das viele Araber haben, hat viel mehr damit zu tun, was Israel tut, als damit, was ein Imam, in welcher Moschee oder auf welchem TV-Programm auch immer, predigt.

    Wer nun mehr oder grosszügigere Angebote gemacht hat, da sind wir vermutlich geteilter Meinung. Wer mehr oder weniger Gewalt anwendet um seine Ziele durchzusetzen, und wer dabei rücksichtlsoser vorgeht, sei ebenfalls dahingestellt. Das werden Historiker und Statistiker einmal aufrechnen. Heute hilft es uns wenig.
    Ist es überhaupt so wichtig, wer mehr Gelegenheiten versäumt hat, wo wir doch alle auf den Abgrund zurasen?

  8. Munir, ich habe nicht gesagt, dass die Entfernung von Diktatoren schlecht ist. Allerdings kommt das Tal der Wölfe aus der „demokratischen“ Türkei. Aber Sie haben Recht, der Friede mit Ägypten war ganz kalt, und ging einher mit der Ablehnung des Kontakts mit Israel. Ägypter, die es wagten nach Israel zu reisen, wurden von ihren linken Gewerkschaften ausgeschlossen. Und macher verlor dadurch seine Existenzgrundlage.
    Natürlich wäre es gut, wenn die muslimisch geprägten Massen der arabischen Welt draufkommen würden, dass sie nichts gewinnen, wenn sie ihre nicht muslimischen bzw nichtarabischen Minderheiten unterdrücken und wenn sie weiter im antisemitischen Wahn befangen sind. Aber Munir, man kann einen Frieden nicht aufzwingen.
    Israels Bevölkerung will Frieden. Aber nicht ein Papier das zwar Frieden erklärt, doch von Terror und Haßkampagnen begleitet ist. Wer jetzt nach Ägypten schaut, und sich merkt was da im Dorf Soul 30 km südlich von Kairo passiert ist, wo tausende fanatische Muslime die koptische Kirche abgefackelt haben, nur weil ein Kopte und eine Muslima ein Verhältnis hatten. Munir wie wäre es wenn die Muslime ihre Apartheid Politik aufgeben würden, und muslimische Frauen Christen und Juden heiraten dürften? In Israel gibt es keine solche Apartheid Gesetze.
     

  9. Mubaraks Ägypten war ja einer der Hauptverbreiter antisemitischer Propaganda, Tal der Wölfe, Rothschilds Vampir und vieles weitere kam aus Mubaraks Ministerien und im staatlichen ägyptischen von Mubarak gesteuerten Fernsehen.
    Gut, dass er und weitere diktatorische Marionetten jetzt weg sind oder noch weggepuscht werden (hoffentlich). Die Menschen in den arabischen Staaten haben endlich begonnen selbstständig zu denken und fordern nun auch das Recht dazu.
    Was daran so schlimm sein soll, kann ich nicht verstehen? Sehen Sie nicht auch die Hoffnung, die darin liegt. Auch für Israel, wenn es denn will?

  10. Sind den lieben Nachbarn Israels der Antisemitismus, die Verbreitung der Ritualmordlegende in staatlichen und halbstaatlichen Medien, die Aufhetzung der Kleinkinder zum Judenhaß wichtiger als der Frieden?
    Und wer garantiert dieses Angebot? Ägypten? Libyen? Tunesien? Saudi Arabien? Jordanien? Hamas oder der nicht gewählte Abbas?
     
     
     

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