Israeli macht arabische Welt „wild“

„Zenga, zenga“ ruft Muammar Gaddafi in einer seiner letzten Reden. Dazu gibt es jetzt bei Youtube im Internet eine schmissige Melodie…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 27. Februar 2011

„Zenga, zenga“ fuchtelt da Gaddafi mit den Armen, während in der ursprünglichen Version des rhythmischen Popsongs in zwei kleinen Fenstern neben dem libyschen Revolutionsführer junge Frauen im Bikini mit dem Po wackeln. „Die arabische Welt ist ganz wild auf den Song“, sagte Noy Alouche aus Tel Aviv dem 2. Kanal des israelischen Fernsehens.

Das Lied wurde bei Youtube in seiner Originalversion mit den tanzenden Models seit Dienstag, dem 22. Februar, fast eine halbe Million mal angeklickt. Die meisten Reaktionen kommen aus arabischen Ländern. Wegen Beschwerden der Zuschauer hat Alouche eine „gesäuberte Version“ hochgeladen, ohne die Tänzerinnen. Diese neue Version wurde schon fast 50.000 Mal angeschaut. In dem Lied kommen Worte Gaddafis vor, wie er sein Land von Aufständischen säubern wolle: „von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung, von Gasse zu Gasse.“ Die Sprüche wiederholen sich in dem Clip wie ein Refrain.

Das ganze ist eine Parodie auf Gaddafi, untermalt mit dem Hip Hop Song „Hey Babe“. In den Reaktionen debattieren die arabischen Internetbenutzer, ob es „erlaubt“ sei, sich israelischen Humors zu bedienen.

Alouche dachte erst, dass er einen „netten Witz“ geschafft hätte. Doch die Satire war offenbar so gelungen, dass das Lied schon zu einer Art Schlachtruf der Opposition in Libyen geworden sei, wie verschiedene arabische Medien melden. Der Clip wurde inzwischen von mehreren libyschen Websites übernommen.

In arabischen Medien wurde der Clip aufgegriffen, um zu zeigen, wie die Libyer inzwischen alle Angst verloren hätten und fähig seien, sich über ihren Diktator lustig zu machen.

Der 31 Jahre alte Alouche ist Mitglied bei der israelischen Techno-Band „Chovevey Zion“ (Liebhaber Zions). Ihr größter Hit hieß „Rotze Banot“ (Will Frauen) zu dem schwedischen Tanzlied „Boten Anna“.

Alouche war über seinen plötzlichen Erfolg sehr überrascht. Er habe Emails aus Bahrein, Irak, Ägypten und Libyen erhalten. „Die wenigsten ahnten, dass ich Israeli und Jude bin“, sagte Alouche der Zeitung Jedijot Achronot. Die widmete dem Song und seiner Wirkung am Sonntag eine ganze Doppelseite. Als sich jedoch herumgesprochen hatte, woher der populäre Clip kam, kippte nach Angaben von Alouche teilweise die Stimmung. Der israelische Musiker erhielt Beschimpfungen und manche Araber behaupteten nun, dass das ganze eine israelische Verschwörung sei, um die arabische Welt zu spalten. „Einige beschimpften mich mit den Worten: Tod den Israelis. Das war dann doch etwas frustrierend“, sagte Alouche.

Eine israelische Firma, die Ringtones für Handys in der arabischen Welt verbreitet, griff „Zenga, Zenga“ auf und verbreitet den Song nun über Twitter. Alouche wurde gefragt, welche Zukunftspläne er habe. Er schlug vor, ein Lied mit dem Titel Bonga, Bonga über Berlusconi zu machen. Alouche stammt übrigens aus Tunesien, habe es aber nicht geschafft, rechtzeitig die Hymne für den Aufstand in seinem alten Heimatland zu schreiben. Das sei ihm nun für Libyen gelungen.

Libyer schrieben Alouche, dass sie das Lied auf dem Marktplatz in Tripolis spielen wollten, sowie Gaddafi verschwunden sei. Dazu Alouche: „Mich ängstigt, denn was passiert, wenn Gaddafi bleibt und dann anfängt, mich zu suchen?“

 (C) Ulrich W. Sahm / haGalil.com

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