In Wirklichkeit der Sohn des chinesischen Kaisers: Masal tov Uri Orlev !

„Lauf, Junge, lauf“ ist das in Deutschland bekannteste Buch von Uri Orlev, der diese Woche seinen 80. Geburtstag feiert…

Von Ramona Ambs

Orlev, eigentlich Jerzy-Henryk Orlowski, wurde vor achtzig Jahren, am 24.2.1931 in Warschau geboren.Während der Shoa wurde seine Mutter von Deutschen erschossen, sein Vater geriet als polnischer Offizier in russische Gefangenschaft und konnte erst 1954 nach Israel ausreisen. Gemeinsam mit seinem Bruder und einer Tante wurde er vom Warschauer Ghetto nach Bergen-Belsen deportiert. Aus dem Grauen des KZs träumt er sich weg: „Irgendwann hatte ich mir ausgedacht, dass der Krieg, die Vernichtung der Juden überhaupt nicht in der Wirklichkeit stattfand. Dass ich das alles nur träumte. In Wirklichkeit war ich der Sohn des chinesischen Kaisers“.[01]

In „Das Sandspiel“ verarbeitete Orlev dieses Trauma: „Im Mittelpunkt steht das Kinderspiel zweier Brüder und die Frage: Wie viele Kinder wirst du haben? Der „Prophet“ nimmt eine Handvoll Sand, wirft ihn in die Luft und fängt ihn mit dem Handrücken auf. Natürlich bleiben zu viele Körner übrig und der Vorgang wird wiederholt. Die Sandkörner, die dabei neben die Hand fallen, stehen für jene Kinder, die auf verschiedene Art und Weise verloren gegangen sind. „Ich ging mit meinem Sohn zum Sandkasten und zeigte ihm das Spiel. Und ich erklärte ihm, dass uns die Deutschen ‚in die Luft geworfen’ hätten. Und jedes Mal starben viele Menschen. Aber wir, mein Bruder und ich, fielen immer auf eine sichere Stelle”, erinnert sich Orlev.“[02]

Nach dem Krieg kam Orlev über Frankreich nach Israel, wo er einige Zeit in Ginegar lebte. 1967 zog er nach Jerusalem. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben, seine Werke wurden in insgesamt 25 Sprachen übersetzt. In Deutschland jedoch sind hauptsächlich die Bücher bekannt, in denen sich Orlev mit Krieg und Shoa auseinandersetzt. Dazu gehören „Lauf, Junge, lauf“, „Die Bleisoldaten“ „Der Mann von der anderen Seite“ oder auch „Die Insel in der Vogelstraße“. Dabei gibt es bei Orlev auch zahlreiche andere Geschichten zu entdecken. „Das große kleine Mädchen“ beispielsweise, wo kurzerhand die kleine Daniele mit ihren Eltern Rollen tauscht. Aber auch „Oma strickt“ von 1980 – ins Deutsche übersetzt als „Das strickende Mütterlein“ – ist eine spannende Geschichte über Vorurteile und Ausgrenzung. Leider ist diese Geschichte mittlerweile praktisch nur noch in Antiquariaten zu bekommen. Dabei wird gerade in diesem Buch jedem Kind die Masche gezeigt, mit der man sich die Wirklichkeit stricken könnte, die man sich wünscht. Und wer träumt nicht davon, sich seine eigene Welt zu stricken?

In diesem Sinne: Happy Birthday Uri!

Das Geburtstagskind liest aus seinem Buch:

Und eine nette Interpretation des Train-Theaters:

  1. http://www.beltz.de/de/verlagsgruppe-beltz/unsere-autoren/autor/uri-orlev.html []
  2. http://blog.zvab.com/2009/10/12/uri-orlev-und-die-bleisoldaten/ []