Mehr Fernsehtipps für Februar

Vom 16. bis 28. Februar 2011…

Mi, 16. Feb · 12:30-13:00 · RBB
Nablus – Schulalltag im besetzten Westjordanland

Der Film begleitet den Alltag zweier Schulen in der Stadt Nablus, im Norden der Westbank. Der Film begleitet den Alltag zweier Schulen in der Stadt Nablus, im Norden der Westbank. Völlig überfüllte Klassenräume, regelmäßige israelische Militärinvasionen und Lehrer, die seit Monaten ohne Gehalt arbeiten, gehören zum Alltag des palästinensischen Schulsystems. Und mittendrin die Kinder der Intifada, die trotz aller Schwierigkeiten nach einer guten Schulausbildung streben.

Mi, 16. Feb · 23:15-01:05 · RBB
Sophie Scholl – Die letzten Tage

 
München, Februar 1943. Die „Weiße Rose“, eine Widerstandsgruppe um die Geschwister Hans und Sophie Scholl, druckt in einem kleinen Atelier heimlich Flugblätter gegen die Nazi-Diktatur und verschickt diese in ganz Deutschland.  Am Vormittag des 18. Februar legen sie Flugblätter in „ihrer“ Universität aus. Sophie lässt einen ganzen Stapel hinunter in den Lichthof regnen. Ein Hausmeister beobachtet die Geschwister und schlägt Alarm. Die beiden werden von der Geheimen Staatspolizei verhaftet. Tagelang wird Sophie vom Vernehmungsbeamten, dem Gestapo-Mann Robert Mohr, verhört. Anfangs gelingt es ihr, den erfahrenen Kriminalisten zu täuschen. Dann aber gesteht ihr Bruder, die Flugblätter gedruckt und verteilt zu haben. Nun gibt auch Sophie zu, Mitglied der „Weißen Rose'“ zu sein. Von nun an steht sie offen zu ihren Idealen. Sie versucht, durch ihr Geständnis die anderen Mitglieder der „Weißen Rose“ zu schützen – und weicht auch dann nicht von ihrer Überzeugung ab, als Mohr anbietet, Sophies Leben zu retten. Trost erfährt sie von Else Gebel, ihrer Zellengenossin im Gestapo-Gefängnis. Denn schon am nächsten Tag wird der Prozess stattfinden. 22. Februar 1943: Hans und Sophie Scholl sowie ihr Kommilitone Christoph Probst werden wegen „Hochverrat, Wehrkraftzersetzung and Feindbegünstigung“ angeklagt. Der wegen seiner tobsüchtigen Ausfälle berüchtigte NS-Richter Roland Freisler ist extra aus Berlin angereist, um einen seiner gefürchteten Schauprozesse zu veranstalten. Er verurteilt die drei zu Tode. Das Urteil soll noch am gleichen Tag vollstreckt werden. Das Gefängnis in Stadelheim. Sophie betet, verabschiedet sich von ihren Eltern und raucht mit Christoph Probst und ihrem Bruder eine letzte Zigarette. „Die Sonne scheint noch“, ruft sie den beiden zu, als man sie zum Schafott führt.

Do, 17. Feb · 12:30-13:00 · RBB
Nadavs kleines Stück Frieden in Jerusalem

 
Nach einer Reihe von Selbstmordanschlägen in Jerusalem beschließt der israelische Junge Nadav, eine Kampagne zu starten – „Frieden für die Zukunft“.  Die Sendung zeigt die konträren Sichtweisen israelischer und palästinensischer Jugendlicher und begleitet die Entstehung und das letztendliche Scheitern dieser Initiative.

Do, 17. Feb · 13:45-14:15 · BR-alpha
Die Juden – Geschichte eines Volkes, 6/6, Überleben

Die Integration der Juden in die bürgerliche Gesellschaft scheitert. Bleiben oder Auswandern wird zur Schicksalsfrage des Judentums Ende des 19. Jahrhunderts – nicht nur in Deutschland. Die letzte Folge erzählt von den Pogromen in Russland, die zur Massenauswanderung in die USA führen, und von der Geburt des Zionismus. Zunächst glauben viele Juden in Mitteleuropa noch, dass Assimilation eine Lösung sei. Im Ersten Weltkrieg kämpfen sie Seite an Seite mit ihren christlichen Kameraden. Doch die Hoffnung erweist sich als Trugschluss. Unter den Nationalsozialisten gibt es für die Juden keine Zukunft mehr. Sechs Millionen Menschen werden auf grausame Weise ermordet. Einigen gelingt die Flucht in Länder wie die USA oder nach Israel. Viele besinnen sich hier wieder auf ihre jüdischen Wurzeln. 

Fr, 18. Feb · 12:30-13:00 · RBB
Spiel für mich Allegro – Ein Stück Hoffnung am Gazastreifen

Der Kibbutz Nir-Am liegt kurz vor der Grenze zum Gaza-Streifen und damit in Reichweite der Kassam-Raketen militanter Palästinenser. Der Film erzählt vom gefährlichen Leben einer alleinerziehenden israelischen Mutter und ihrer kleinen Tochter.  Trotz des regelmäßigen Raketenbeschusses geben sie die Hoffnung auf Frieden nicht auf.

Fr, 18. Feb · 20:15-21:00 · WDR
Tusch, Alaaf, Rakete – Wie die Kölner ihre Karnevalssitzungen feiern

 
Zwischen Neujahr und Aschermittwoch vergeht kein Tag, an dem in Köln nicht mindestens ein halbes Dutzend Sitzungen stattfinden. Die Anfänge dieser Karnevalskultur gehen auf das Jahr 1823 zurück, als das „Festordnende Komitee“ in Köln das oft „rohe, ungebändigte Karnevalstreiben auf der Straße“ in neue, bürgerliche Bahnen lenken wollte. Man „erfand“ mit der Sitzung die karnevalistische Saalveranstaltung und damit einen Gesellschaftskarneval, der auch mäßigenden Einfluss auf den „wilden“ Straßenkarneval ausüben sollte.  In dem Film von Carl Dietmar und Andreas Kölmel kommen bekannte Karnevalsforscher und aktive Bühnenakteure wie Marc Metzger und Wicky Junggeburth zu Wort. Die Autoren sprechen auch mit Karnevalslegenden wie dem „Krätzchen“- Sänger Ludwig Sebus und Zeitzeugen wie dem ehemaligen Bürgermeister der Stadt Köln Jan Brügelmann über die Geschichte der Sitzungen in Köln. Eine wichtige Rolle dabei spielen auch Auftritte des Colonia Duetts und der Bläck Fööss, Büttenredner wie Kurt Lauterbach, Hans Hachenberg und Gerd Rück komplettieren das Spektrum.  Der Film zeigt darüber hinaus, wie sich der organisierte Karneval von den Nationalsozialisten instrumentalisieren ließ. Auch in der Bütt und im Liedgut wurde jetzt gegen Juden und Andersdenkende gehetzt. Einer der Wenigen, die sich den Vorgaben der Nazis entzogen, war Büttenredner Karl Küpper, der im Jahr 1939 schließlich mit einem „lebenslänglichen Redeverbot“ von den Sitzungen ausgeschlossen wurde. Sein Sohn Gerhard Küpper und Fritz Bilz, Autor einer Küpper-Biografie, erinnern an diese Zeit. Anhand zahlreicher historischer Aufnahmen zeigt die Dokumentation außerdem, wie sich nach dem Krieg – vor allem seit den 1950er Jahren – Charakter, Inhalte und Form der Sitzung, aber auch die Ansprüche des Publikums, verändert und gewandelt haben.  Tusch, Alaaf, Rakete – Wie die Kölner ihre Karnevalssitzungen feiern: Eine Kulturgeschichte des Sitzungskarnevals als eine Urzelle der jecken Existenz, in der die Sehnsucht nach Heimat und Identität deutlich wird.

Fr, 18. Feb · 23:15-01:00 · WDR
Der Garten der Finzi Contini

„Der Garten der Finzi-Contini“ ist ein berührendes Melodram von Regielegende Vittorio De Sica. In den Hauptrollen sind Lino Capolicchio, Dominique Sanda und Helmut Berger zu sehen. Italien, 1938. Die norditalienische Stadt Ferrara hat eine kleine jüdische Gemeinde, deren Mitglieder durch die Rassengesetze Mussolinis zunehmend ausgegrenzt werden. Da es Juden beispielsweise nicht gestattet ist, dem örtlichen Tennisclub beizutreten, gründen die wohlhabenden Finzi-Contini auf ihrem Anwesen einen eigenen, informellen Tennisclub. Unter den jungen Leuten, die sich während des Sommers im üppigen Garten der Finzi-Contini treffen, ist auch der Jude Giorgio, der schon seit seiner Kindheit in Micòl, die Tochter des Hauses, verliebt ist. Auch Micòl scheint eine besondere Zuneigung zu Giorgio zu empfinden, der ihrem kranken Bruder Alberto so verblüffend ähnelt. Dennoch begegnet sie Giorgio mit einem seltsamen Wechsel aus Nähe, Verbundenheit und Distanz. Als sie für eine Weile nach Venedig reist, setzt Giorgio im Haus ihrer Eltern seine Studien fort, da es Juden nicht mehr gestattet ist, die Universitätsbibliothek zu betreten. Nachdem Micòl bei ihrer Rückkehr erklärt, ihn nicht mehr sehen zu wollen, geht Giorgio nach Frankreich, wo sein Bruder studiert. Hier erfährt er zum ersten Mal von den Konzentrationslagern und der Gewalt gegen Juden in Deutschland. Bei seiner Rückkehr nach Ferrara sieht er Micòl mit Bruno, einem nichtjüdischen Mitglied des Tennisclubs, im Garten der Finzi-Contini. Zwar erklärt Bruno ihm, dass die Beziehung rein freundschaftlicher Natur sei, doch zugleich macht Micòl Giorgio klar, dass es keine gemeinsame Zukunft geben kann. Mit Ausbruch des Krieges wird die Situation für Italiens Juden immer bedrohlicher. Schließlich verhaftet man im Jahr 1943 auch die Finzi-Contini, um sie zu deportieren. In der Haft erfährt Micòl, dass wenigstens Giorgio die Flucht ins Ausland gelungen ist. Es ist das Letzte, was sie von ihm hört.

So, 20. Feb · 12:00-12:45 · HR
Damaskus und Südsyrien

 
Syrien gilt als Wiege der Zivilisation, und das ist tatsächlich keine Übertreibung: Das erste Alphabet entstand an der syrischen Mittelmeerküste. Drei große Weltreligionen haben hier bedeutende Spuren hinterlassen.  Judentum, Christentum und Islam verehren heilige Stätten in Syrien. In Damaskus – so heißt es – bedeutet jeder Meter Ausgrabung etwa tausend Jahre. Damaskus ist die älteste, ununterbrochen bewohnte Siedlung der Welt. Unter der Omayyaden-Moschee aus dem 7. Jahrhundert befindet sich eine frühchristliche Kirche, darunter der Jupitertempel und darunter die Weihestätte eines Wettergottes. Der Film verfolgt die Geschichte Syriens durch die Jahrhunderte. Die Reise beginnt in der Wüstenoase Palmyra, wo die schönsten römischen Ruinen der Welt zu besichtigen sind. Von dort führt sie zu der antiken, ganz aus Basalt gebauten Handelstadt Bosra an der jordanischen Grenze, einem der Endpunkte der Seidenstraße, über die größte Kreuzritterburg „Krak des Chevaliers“, der letzten Bastion der christlichen Eroberer, bis zur Metropole Damaskus. In der modernen Millionenstadt gibt es bis heute eine funktionierende Altstadt mit kleinen Handwerksbetrieben, Wohnhäusern und einem riesigen Bazar. Hier scheint das Leben des Orients in seiner traditionellen Form noch intakt zu sein.

So, 20. Feb · 20:15-22:15 · arte
Cabaret

Anfang der 30er Jahre, zieht es den englischen Studenten Brian Roberts nach Berlin. Er richtet sich in einer billigen Pension ein. Hier lebt neben anderen Dauermietern auch die unkonventionelle amerikanische Varieté-Sängerin Sally Bowles… Sie tritt jeden Abend neben einem sexuell höchst ambivalenten Conférencier mit gewagten Tanz- und Gesangsnummern im „Kit Kat Klub“ auf. Derweil versucht Brian, sich mit Englischunterricht über Wasser zu halten. Zu seinen Schülern zählen der Gigolo Franz und die aus reichem jüdischen Haus stammende Natalia Landauer. Beide verlieben sich ineinander, bekommen aber immer wieder den aufkeimenden Naziterror zu spüren. Auch Sally und Brian entwickeln Gefühle der Zuneigung. Doch Sally braucht Geld und träumt von einer Karriere als Schauspielerin. Da kommt ihr der reiche Baron Maximilian von Heune gerade recht, der über gute Beziehungen verfügt. Sie ahnt zunächst nicht, dass der Baron auch ein intimes Verhältnis mit Brian beginnt. Das Gefühlschaos mündet in eine stürmische Dreiecksbeziehung. Als Sally sich entschließt, das Kind, das sie von Brian erwartet, abtreiben zu lassen, ist Brian tief enttäuscht und verlässt Berlin, eine Stadt, die durch das Erstarken der Nazis immer mehr in politische Turbulenzen gerät.

So, 20. Feb · 22:15-23:50 · arte
Christopher und Heinz

Unbändige Lebenslust beherrscht die Kabarettszene Anfang der 30er Jahre in Berlin. In die von zahlreichen Schwulen, Lesben und Transvestiten frequentierten Clubs taucht auch der junge britische Schriftsteller Christopher Isherwood ein. Berlin, Frühjahr 1931: Die dekadente Berliner Kabarettszene ist in vollem Schwung, als der junge Christopher Isherwood seinem Freund und gelegentlichem Liebhaber, dem Dichter W. H. Auden, in die deutsche Hauptstadt folgt. Für den schüchternen Isherwood ist die schnelllebige Schwulen-Subkultur Berlins aufregend und betäubend zugleich. Das dramatische Scheitern einer Liebesbeziehung zwingt ihn zur inneren Einkehr und hilft ihm, sich selbst und seinen Platz im chaotischen Berlin der frühen 30er Jahre zu finden. Zu den turbulenten politischen Entwicklungen bewahrt Isherwood – im Unterschied zu seinen Freunden Gerald Hamilton, Jean Ross und dem wohlhabenden jüdischen Kaufmann Wilfrid Landauer – zwar Distanz, in Herzensdingen ist er jedoch weniger bedacht. Er verliebt sich in Heinz, einen jungen, gutmütigen Straßenkehrer. Als der Einfluss der Nazis wächst und sich auch der Bruder von Heinz dem jungen Paar gegenüber zusehends feindlich zeigt, beschließt Christopher, gemeinsam mit Heinz aus Berlin zu fliehen. Doch in Großbritannien wehrt man sich gegen den homosexuellen und vermeintlich illegalen Einwanderer. Heinz wird festgenommen und nach Deutschland zurückgebracht. Dort erwarten ihn Gefängnisstrafe, Zwangsarbeit und die mögliche Einberufung in die Armee. Christopher kehrt erst nach dem Krieg nach Berlin zurück, und es kommt zu einem bittersüßen Wiedersehen der beiden Liebenden.

Mo, 21. Feb · 21:00-21:30 · 3sat
Entweder Broder – Die Deutschland-Safari! (4/5) Frieden oder Freiheit

 
Journalist Henryk M. Broder und Autor und Politikwissenschaftler Hamed Abdel-Samad machen sich für die fünfteilige Reihe „Entweder Broder – Die Deutschland-Safari!“ auf eine Autoreise quer durch Deutschland, um die große Integrationsdebatte auf den richtigen Weg zu bringen. In der vierten Folge stellen sich Henryk M. Broder und Hamed Abdel-Samad die Frage, wie sehr sich die deutsche Friedensindustrie wirklich um Menschenrechte sorgt. Sie treffen auf Hobby-Peaceniks und Friedensprofis, auf Friedensgewinnler und Friedenstreiber. Die sammeln sich auf dem Schlachtfeld von Verdun, halten sich an den Händen und singen für den Weltfrieden, denn mit nichts weniger wollen sie sich zufrieden geben. Staunend erfahren Broder und Abdel-Samad, dass Frankreich eine Diktatur ist, die Opposition in Deutschland nichts zu sagen hat und man schon bis nach Weißrussland fahren muss, um ein sozialistisches Musterland zu finden. Spielverderber Broder und Abdel-Samad halten hartnäckig daran fest, dass Frieden und Menschenrechte nicht voneinander zu trennen sind und versauen mit dieser Meinung die ganze schöne Friedensstimmung. Zurück in Berlin: Der Regisseur und Exil-Iraner Daryush Shokof findet drastische Bilder und Worte für friedliches Nichtstun im Angesicht der Folter. Und: „Polit-Putze“ Irmela Mensah-Schram fackelt nicht lange herum, sondern handelt – nach dem Prinzip: „Search and Destroy“. Broder und Abdel-Samad begleiten die Dame auf ihrem Feldzug gegen Hassparolen: Über 85.000 Nazi-Schmierereien hat sie unter Lebensgefahr bereits übersprayt – Zivilcourage in Deutschland. Broder und Abdel-Samad finden, es braucht mehr davon.

Mo, 21. Feb · 23:15-00:00 · WDR
Turban und Hakenkreuz – Der Großmufti und die Nazis

 
Muhammad Amin al-Husaini, der Mufti von Jerusalem ist eine der schillerndsten Figuren des 20. Jahrhunderts. Vor allem ist er einer der Wichtigsten für die Araber. Und wie kaum eine andere Persönlichkeit aus der arabischen Welt ist er mit der deutschen Geschichte verwoben. Schon zu seinen Lebzeiten galt er als Legende, verehrt und bewundert von seinen Landsleuten, verachtet und bekämpft von seinen Feinden. Sechzehn Jahre lang war al-Husaini das religiöse Oberhaupt der arabischen Muslime, dreißig Jahre ihr politischer Führer und lange Zeit auch politischer Repräsentant der arabischen Welt. Und so unwahrscheinlich es sich heute anhört, er war offenbar auch in Deutschland populär. Man kannte ihn. Vier Jahre lang von 1941-45 lebte der Araberführer in der Reichshauptstadt, war eng mit der Staatsmacht verbunden, hatte Freunde bis in die höchsten Kreise des Regimes. Der Araber in Berlin hat das verbrecherische System ideologisch und politisch gestützt und verteidigt, skrupellos und verbohrt wie ein Nazi. Seine enge Verbundenheit und vielseitige Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten hatte vor allem eine Grundlage: den Judenhass. Die Beziehung zwischen dem Mufti und den Nazis ist kurios, und sie erzählt eine bis heute unbekannte Geschichte des Dritten Reiches.

Di, 22. Feb · 00:00-00:45 · WDR
Hitlers Diplomaten in Bonn

 
Anfang 2005 schreckte Außenminister Joschka Fischer die gediegene Ruhe im Außenministerium auf, als er mitteilte, NS-belasteten ehemaligen Diplomaten künftig den bislang üblichen „ehrenden Nachruf“ des Amtes zu verweigern. Damit gelangte nach langer Zeit des Schweigens die Frage nach der Rolle des Auswärtigen Dienstes im Dritten Reich wieder in die Schlagzeilen. Mit eigenen Beiträgen zur Erhellung dieser besonderen Vergangenheit hatte das Auswärtige Amt sich vornehm zurückgehalten. Gepflegt wurde die (Selbst-)Darstellung, der Diplomatische Dienst in seiner traditionelles Noblesse habe dem Nazi-Milieu ferngestanden und an der NS-Politik, an Angriffs- und Vernichtungskrieg allenfalls marginalen Anteil gehabt. Die WDR-Autoren Heinrich Billstein und Mathias Haentjes sind den Fragen nachgegangen, die diese ungewohnt heftige Kontroverse im Außenministerium aufgeworfen hat. Sie beschreiben die systematische Beteiligung des Ministeriums und der Botschaften an der Verfolgung und Deportation der Juden in Europa. Anhand von exemplarischen Fällen belegen sie die Verstrickung von Diplomaten, die später in Bonn Karriere machten, in die Verbrechen des Nationalsozialismus. Mit Hilfe von Dokumenten und Erinnerungen von Zeitzeugen schildern sie das Funktionieren der alten Seilschaften nach 1945.

Di, 22. Feb · 11:45-12:00 · BR-alpha
Frauen im Widerstand: Freya von Moltke

 
Freya von Moltke berichtet von der Entstehung des Kreisauer Kreises. Sie erzählt von Moltkes Vorstellungen, die von einer christlich-humanistischen Ethik ausgingen, von seiner Haftzeit und von den Briefen, die er an sie schrieb.  Einer der wichtigsten Vertreter des bürgerlichen Widerstands gegen den Nationalsozialismus war Helmuth James Graf von Moltke (1907-1945), der Urgroßneffe des legendären Feldmarschalls von Moltke, der 1870/71 als preußischer Generalstabschef die Kriegsführung gegen Frankreich geleitet hatte.  Zusammen mit seinem Freund Peter Graf Yorck von Wartenburg organisierte Moltke Treffen von Oppositionellen auf seinem Gut Kreisau in Schlesien. Im Kreisauer Kreis sammelten sich 1942/43 Personen aus fast allen Lagern des Widerstands, um grundsätzliche Fragen der Nachkriegsgestaltung Deutschlands und Europas zu besprechen. Zu den Treffen kamen u.a. der ehemalige Abgeordnete der SPD im Reichstag Carlo Mierendorff, der Pädagoge Adolf Reichwein, der Jesuitenpater Alfred Delp und der Gewerkschafter Wilhelm Leuschner.  Moltke wurde im Januar 1944 verhaftet. Obwohl Moltke wie viele andere Kreisauer Gesprächsteilnehmer nicht an der Planung des Attentats des Attentats vom 20. Juli 1944 beteiligt war, verurteilte ihn der Volksgerichtshof nach dem Anschlag auf Hitler zum Tode. Am 23. Januar 1945 wurde er in der Haftanstalt Berlin-Plötzensee erhängt.

Di, 22. Feb · 20:15-21:00 · PHOENIX
Hitlers Schloss in Posen – Die letzte „Führerresidenz“

 
Das Posener Schloss – außen ein wilhelminischer Prunkbau, hinter den Mauern – im Innern – ein bis heute kaum wahrgenommenes Geheimnis: Eine Welt, die an die NS-Filme über den Bau der Reichskanzlei und an die Pläne für die Welthauptstadt Germania  Das Posener Schloss – außen ein wilhelminischer Prunkbau, hinter den Mauern – im Innern – ein bis heute kaum wahrgenommenes Geheimnis: Eine Welt, die an die NS-Filme über den Bau der Reichskanzlei und an die Pläne für die Welthauptstadt Germania erinnert.

Di, 22. Feb · 22:45-23:30 · HR
Die zweite Hinrichtung des Georg Elser

 
„Ich habe den Krieg verhindern wollen“, sagt Georg Elser beim Verhör. Am 8. November 1939 hat der schwäbische Kunstschreiner versucht, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller mit einer Bombe zu töten. Das Attentat misslingt.  Georg Elser wird an der Schweizer Grenze festgenommen und gesteht die Tat. Die Führungsclique um Hitler ist erschüttert, als klar wird, dass Elser als Einzeltäter gehandelt hat. Hitler persönlich vermutet den britischen Geheimdienst hinter dem Anschlag. So wird Elser für einen Schauprozess nach dem Krieg in KZ-Haft genommen. Kurz vor Kriegsende wird der Attentäter im Konzentrationslager Dachau ermordet. Warum aber hat dieser Widerstandskämpfer bis heute keinen Eingang in die kollektive deutsche Erinnerungskultur gefunden? Nach Kriegsende beginnt eine unwürdige Debatte um die Tat des aufrechten Schwaben. Ihm wird unterstellt, für die Nazis gearbeitet zu haben. Dieses Gerücht verbreitet unter anderem der langjährige KZ-Häftling und spätere Kirchenpräsident Martin Niemöller. Er erklärt, sein Mithäftling Elser sei ein Mann der SS gewesen. Weitere Gerüchte über Elsers Hintermänner kursieren. Als 1964 die Verhörprotokolle entdeckt werden, ergibt sich eindeutig, dass Elser als Einzeltäter gehandelt hat. Doch es dauert Jahrzehnte, bis das Opfer einer Rufmordkampagne in der Öffentlichkeit rehabilitiert wird. 1999 spricht ihm ein Politologe in seiner Antrittsvorlesung die Legitimation zu einem Attentat auf Hitler ab, und der Streit um Elser bricht von Neuem aus. In ihrer Dokumentation geht Jutta Neupert der Frage nach, warum das Attentat vom Bürgerbräukeller bis heute diskreditiert und geschmäht wird, warum der Widerstand eines einfachen Schreiners aus der Provinz über Jahrzehnte totgeschwiegen oder anders bewertet wurde als der Widerstand der Offiziere.

Di, 22. Feb · 23:55-00:40 · 3sat
Weltreise wider Willen

Der Komponist Otto Joachim (1910 – 2010) kam in Düsseldorf zur Welt und erlebte dort die 1920er und frühen 1930er Jahre. Die zunehmenden antijüdischen Schikanen und Bedrohungen brachten ihn 1934 schließlich dazu, Deutschland zu verlassen. Die anschließende Odyssee führte Otto Joachim über Singapur und Shanghai nach Kanada, wo er zunächst als Fabrikarbeiter seinen Lebensunterhalt verdiente. Erst 1952 konnte er in Montreal die unterbrochene Künstlerlaufbahn wieder aufnehmen, als Bratschist, Komponist und Dozent – bis ins hohe Alter. Am 27. Januar 2001, dem Gedenktag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, wurde der Komponist in Düsseldorf in einer feierlichen Veranstaltung geehrt – die späte Ehrung war für ihn eine Freude und Genugtuung. So reiste er mit 90 Jahren aus Montreal an, um die Uraufführung des „Kleinen Werkes“ mitzuerleben, das er eigens für die Wiederbegegnung mit Düsseldorf komponiert hatte. Der Film erzählt Otto Joachims – in vielerlei Hinsicht typisch deutschen – Lebensweg.

Mi, 23. Feb · 01:10-02:00 · 3sat
Fremd im Paradies

 
Unter dem strahlend blauen Himmel Kaliforniens lebten die deutschen und österreichischen Emigranten, die vor dem Hitler-Regime fliehen mussten. Mit dem Leben davongekommen, konnten sie arbeiten, ihre Musik in der berühmten Hollywood Bowl aufführen oder im Filmgeschäft mitwirken, in der glamourösen Umgebung von Pacific Palisades, Bel Air, Hollywood und Palm Springs leben. Und doch sehnten sie sich nach ihrer europäischen Heimat, aus der sie fliehen mussten: Vertriebene im Paradies. Thomas Mann, Bertold Brecht, Arnold Schönberg, Lion Feuchtwanger, Fritz Lang, Peter Lorre, Max Reinhardt, Marlene Dietrich – sie und viele andere waren in den 1930er und frühen 1940er Jahren nach Kalifornien geflohen. Die Architekten gingen nach Chicago, die Künstler blieben eher in New York, für Schriftsteller und Musiker war Los Angeles das Ziel. Das Feuer einer neuen, modernen Ästhetik war mit diesen Emigranten in Los Angeles eingezogen und hatte es schnell zu einer der kulturellen Hauptstädte der Welt gemacht. Heute gibt es in Los Angeles nur noch wenige Spuren dieser geistig blühenden Gemeinschaft. Der Film verfolgt die Spuren der deutschen Emigranten in Los Angeles.

Mi, 23. Feb · 08:30-09:00 · BR-alpha
„Wir haben doch nichts getan“ – Der Völkermord an den Sinti und Roma

 
Der Film berichtet anhand der Aussagen von Opfern der NS-Ideologie untermalt durch Archivbilder und Familienfotos von Sinti und Roma aus den 1930er und 1940er Jahren über ihre Erlebnisse und Leidenswege.  Einige, unter ihnen Hugo Höllenreiner oder Lily van Angeren, sind Überlebende des Konzentrationslagers Auschwitz. Bis heute gedenken sie jährlich zusammen mit anderen Sinti und Roma aus ganz Europa am 2. August der Auflösung des „Zigeunerlagers“ im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau 1944. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fielen in Europa bis zu 500.000 Sinti und Roma der rassischen Ausgrenzung und dem Völkermord der Nazis zum Opfer.

Mi, 23. Feb · 20:15-21:45 · Das Erste (ARD)
Der verlorene Sohn

 
Nach zwei Jahren Haft in Israel wird der Terrorismusverdächtige Islamkonvertit Rainer Schröder nach Deutschland abgeschoben. Rainer sucht Unterschlupf bei seiner Mutter, der Handballtrainerin Stefanie Schröder, die nach dem Tod des Vaters, Rainers jüngeren Bruder Markus alleine großzieht. Stefanie ist überglücklich, dass Rainer endlich wieder zu Hause ist und nimmt ihn mit offenen Armen auf. Sie glaubt seiner Darstellung, dass er zwar immer noch bekennender Moslem ist, aber dem heiligen Krieg, dem Dschihad, abgeschworen hat. Auch wenn man Rainer nach seiner Rückkehr keinerlei Kontakte zur radikalen islamistischen Szene nachweisen kann, wird er vom Verfassungsschutz offen überwacht. Seine Arbeitssuche und eine Reintegration in die Gesellschaft werden dadurch erheblich erschwert. Auch die schwelende Aggression zwischen den ungleichen Brüdern, die nagende Sorge, die Stefanie immer wieder heimsucht, erhöhen den Druck auf die Familie. Aber Stefanie will den Kampf um ihren verlorenen Sohn nicht aufgeben. Sie will seine Andersartigkeit respektieren, sie will ihm glauben und Rainer einen Neuanfang ermöglichen. Mit einer Klage vor einem Landesgericht gelingt es Stefanie, dass Rainers Überwachung eingestellt wird. Rainer findet eine Arbeit die ihm gefällt, er gliedert sich in die Familie ein, alles scheint gut. Aber dann muss Stefanie auf grausame Weise erkennen, dass sie sich getäuscht hat.

Mi, 23. Feb · 23:00-01:10 · SWR
Die Zwillinge

Ben Sombogaarts unprätentiöse Verfilmung von Tessa de Loos Bestsellerroman betrachtet die Nazi-Vergangenheit aus dem Blickwinkel zweier Mädchen, die zwischen die Fronten der Weltgeschichte geraten. Zwei kleine Zwillingsschwestern, die sich innig lieben, werden nach dem Tod des Vaters grausam voneinander getrennt. Lotte, an Tuberkulose erkrankt, kommt zur gutbürgerlich-liberalen Verwandtschaft in den Niederlanden, die gesunde Anna wird von den direkten Verwandten, katholischen Bauern aus Bamberg, aufgenommen. Während die kranke Lotte liebevoll umsorgt wird und die Annehmlichkeiten einer großbürgerlichen Erziehung genießt, muss Anna von früh bis spät schuften. Um ihren Schulbesuch zu verhindern, lassen ihre Stiefeltern sie gar für schwachsinnig erklären. Der jähzornige Onkel Heinrich, ein Nazigegner, prügelt Anna halb tot, als die inzwischen Herangewachsene mit einem jungen SA-Mann flirtet. Als Dienstmädchen gelangt Anna schließlich auf das Gut der blaublütigen Nazi-Anhängerin Charlotte von Falkenau, wo sie ein kleines Glück zu finden glaubt. Lotte, die studiert und sich mit dem jüdischen Musiker David verlobt hat, entdeckt inzwischen, dass all ihre Briefe an Anna nie abgeschickt wurden. Es gelingt ihr, die geliebte Schwester in Deutschland zu besuchen, doch die Wiedersehensfreude wird bereits von tief sitzenden Vorurteilen getrübt. Bei Kriegsende erfährt Lotte, deren Verlobter im KZ Auschwitz ermordet wurde, dass Anna mit einem SS-Offizier verheiratet war. Sie glaubt, ihre Zwillingsschwester sei auch ein Nazi und will fortan nichts mehr mit ihr zu tun haben …

Do, 24. Feb · 19:30-20:15 · BR-alpha
Der vergessene Rebell – Rupprecht Gerngroß und die Münchner Freiheit

 
Rupprecht Gerngross (1915 in Shanghai – 1996) war ein deutscher Jurist und Anführer der „Freiheitsaktion Bayern“, einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus, die versuchte, die Stadt München kampflos den Alliierten zu übergeben.  Der von Hauptmann Gerngross angeführten „Freiheitsaktion Bayern“ gelang es in der Nacht vom 27. zum 28. April 1945, die Radiosender in Erding und Freimann zu besetzen. Über den Rundfunk wurde die Parole „Fasanenjagd“ (erklärt sich aus den goldbetressten Uniformen höherer SS-Dienstgrade) ausgerufen, der Sturz des Naziregimes in München verkündet und zum Aufstand aufgerufen.

Do, 24. Feb · 20:15-22:35 · arte
Geh und lebe

1984, ein Flüchtlingslager im Sudan: Juden, Christen und Muslime befinden sich auf der Flucht vor der Hungersnot in Äthiopien. Eine Christin gibt ihren Sohn als Juden aus, um ihn zu schützen und verabschiedet ihn mit den Worten: Geh und lebe … Eine Mutter trennt sich von ihrem neunjährigen Sohn, damit er überleben kann. Sie – eine äthiopische Christin – gibt ihn als Juden aus und schickt ihn nach Israel. Eine Rettungsaktion unter der Leitung des israelischen Mossad soll auch ihn vor dem sicheren Hungertod bewahren. Eine äthiopische Jüdin, die kurz zuvor ihren eigenen Sohn verloren hat, nimmt den Jungen in ihre Obhut und verschleiert seine wahre Identität. In Tel Aviv muss er seine Wurzeln verleugnen und eine neue Identität annehmen. Ab jetzt wird er Salomon heißen, Schlomo genannt. In der fremden Umgebung ist er zunächst sehr allein. Eine jüdische Familie adoptiert ihn und bemüht sich um sein Vertrauen. Schließlich lässt er sich auf diese Menschen ein, sein Geheimnis behält er jedoch für sich. Er wächst auf mit der Angst, das Land verlassen zu müssen, wenn jemand erfährt, dass er kein Jude ist. Schlomo lernt leben und lieben, doch die Last seines Geheimnisses begleitet ihn. Immer wieder schreibt er seiner Mutter. Der Tag rückt näher, an dem er sein Schweigen brechen muss, denn auch seine Frau ahnt nicht, wer er wirklich ist.

Fr, 25. Feb · 06:30-07:00 · BR
Juden im Mittelalter – Leben im „rheinischen Paradies“

Die kulturelle Blüte der jüdischen Gemeinden hatte eine große Bedeutung für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der frühen Städte im Rheintal. Erzählt wird aber auch vom aufkommenden Neid und Hass, von Vertreibung und Vernichtung.

Sa, 26. Feb · 18:45-18:50 · MDR
Glaubwürdig – Anna Tschistova

Die lebhafte und energische Jüdin kam vor 14 Jahren aus Russland nach Halle. Eigentlich ist sie Ingenieurin für Systemtechnik, aber in ihrem Beruf fand sie in der Saalestadt keine Arbeit. Also kümmert sich die Mutter von zwei erwachsenen Kindern um jene, die die Briefe vom Amt nicht verstehen, und die zu wenig Deutsch sprechen, um sich beim Arzt verständigen zu können. In der jüdischen Gemeinde hat sie schließlich einen Übungsleiterschein gemacht und leitet zweimal in der Woche einen Gymnastikkurs. Dorthin kommen ältere russische Frauen, turnen und plaudern. Anna hilft gern und viel. Aber seit sie nun eine Kommunal-Kombi-Stelle als Stadtteilmutter hat, muss sie lernen, sich Grenzen zu setzen. Sie versucht, den Migranten klar zu machen, dass sie sich bemühen müssen. Es geht um Zuverlässigkeit und darum, sich zu organisieren, um am öffentlichen Leben teilzuhaben.

So, 27. Feb · 04:00-06:55 · MGM
Anatevka

Russland, vor der Oktoberrevolution: Der jüdische Milchmann Tevje (Chaim Topol) lebt mit Frau und Töchtern im beschaulichen ukrainischen Dorf Anatevka. Nicht nur die üblichen Probleme des „Schtetl“-Lebens machen Tevje zu schaffen. Die zaristischen Machthaber wollen die Bewohner aus ihrer Stadt vertreiben. – Verfilmung des berühmten Broadway-Musicals mit Oscar-gekrönter Musik. An der Violine: Isaac Stern!

So, 27. Feb · 10:45-11:15 · HR
Das Sonntagsgespräch

Esther Schapira im Gespräch mit Ascher Ben Nathan, Israels erstem Botschafter in Deutschland. Einst löste seine offizielle Ankunft in Deutschland größte diplomatische Verwerfungen und eine kleine Nahostkrise aus. Heute ist Ascher Ben Nathan, Israels erster Botschafter in Deutschland, hierzulande nur noch wenigen bekannt. 90 Jahre alt, ein eleganter, charmanter älterer Herr, spiegelt sein Leben dramatische Zeitgeschichte. Als 17-Jähriger floh er 1938 vor den Nazis aus seiner Heimat Wien illegal nach Palästina. Aus Artur Piernikarz, dem unbeschwerten Wiener Jugendlichen, wurde Ascher Ben Nathan, ein mutiger Partisan. Er kämpfte in der jüdischen Untergrundbewegung, organisierte illegale Flüchtlingsschiffe und rettete als Leiter der Fluchthilfeorganisation Bricha vielen Juden das Leben. Unmittelbar nach Kriegsende kehrte er nach Österreich zurück, um Beweismaterial für den Nürnberger Prozess zu sammeln und Naziverbrecher aufzuspüren. Tatsächlich fand er das entscheidende Foto Adolf Eichmanns, das später dessen Entdeckung ermöglichte. Als enger Vertrauter des israelischen Staatsgründers David Ben Gurion war Ascher Ben Nathan von Anfang an an höchster Stelle politisch aktiv, zunächst im Verteidigungsministerium, dann im Außenministerium. 1965 schließlich wurde er der erste israelische Botschafter in Bonn. Willkommen war er hier nicht, denn sein Name war eng verknüpft mit einem heimlichen Waffendeal zwischen Israel und Deutschland, dessen Bekanntwerden die deutsch-arabischen Beziehungen schwer belastet hatte. Ascher Ben Nathan aber ließ sich nicht entmutigen. Der Krieg und die Sehnsucht nach Frieden haben ihn geprägt. Zeit seines Lebens hat er gekämpft und einen hohen Preis dafür bezahlt. Sein Sohn ist 1973 im Jom-Kippur-Krieg gefallen, als Syrien und Ägypten am höchsten jüdischen Feiertag Israel überraschend angriffen. Mit welchen Sorgen und Hoffnungen blickt dieser erfahrene Diplomat und Politiker nun auf den Umbruch in Ägypten und der arabischen Welt? Darüber und natürlich über sein dramatisches 90-jähriges Leben spricht Esther Schapira mit Ascher Ben Nathan im „Sonntagsgespräch“.

So, 27. Feb · 12:00-12:55 · BR
Der Pianist Paul Wittgenstein

 
Paul Wittgenstein, österreichischer Konzertpianist, verliert als 27-jähriger Offizier im 1. Weltkrieg seinen rechten Arm. Dennoch will er seine Karriere fortsetzen.  Große Komponisten wie Ravel und Strauss schreiben ihm Konzerte, mit denen er weltweit Erfolge feiert. Von den Nazis aus Österreich vertrieben, stirbt er 1961 in New York. Wittgensteins Lebensgeschichte erzählt die Geschichte eines Mannes, der sich scheinbar unüberwindlichen Schwierigkeiten entgegenstellt und sie bewältigt. Wittgensteins Biografie reflektiert zudem beispielhaft die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Regisseur Michael Beyer begibt sich auf Spurensuche in Wien und New York, Wittgensteins wichtigsten Lebensstationen, sowie Hongkong, wo sich seit ein paar Jahren das Archiv Paul Wittgensteins befindet. Er lässt Familienmitglieder, Musikwissenschaftler, Zeitzeugen wie die ehemaligen Schüler Erna Otten und Leonard Kastle sowie Historiker zu Wort kommen. Wittgensteins Vorbild hat anderen Pianisten, die den Gebrauch ihrer rechten Hand verloren haben, einen Weg gezeigt, ihre Karriere fortzusetzen. Dazu gehören Leon Fleischer und Gary Graffman. Diese ebenfalls „einhändigen“ Pianisten kommen in dem Film zu Wort und sprechen über die Bedeutung Wittgensteins und seines Repertoires. Die Musik für Klavier für die linke Hand, die Wittgenstein durch seine Kompositionsaufträge ins Leben gerufen hat, begleitet den Film atmosphärisch.

So, 27. Feb · 14:30-15:15 · BR-alpha
Eine Kindheit in Israel – David Grossman

 
David Grossman, Jahrgang 1954, thematisiert seine Kindheit in Israel zwischen den großen Themen des Landes – der Last der Vergangenheit, dem Werden einer neuen, jungen Generation und anderen Schwierigkeit in seinen autobiografischen Romanen.

So, 27. Feb · 15:30-16:00 · 3sat
Tierschutz International

 
Spanische Hunde haben es schwer. Das gilt nicht nur für Streuner, sondern auch für ausgediente Jagdhunde, die oft grausam getötet werden. Zum Glück gibt es Menschen, die sich für sie einsetzen. So wie die Tierschützer des spanischen Tierheims „Scooby“. Auch Rennhunde in Irland brauchen solche Helfer. Denn hinter den dort so beliebten Windhundrennen steckt eine gnadenlose Industrie, die keinen Platz für Verlierer hat. Um ganz andere Verlierer kümmert sich der israelische Tierschützer Avi Kuzi: Mit vollem Einsatz rettet er in Tel Aviv Hunde, Katzen und sogar Kamele aus oft brenzligen Situationen. Ein deutsch-türkischer Tierschutzverein zeigt, wie internationaler Tierschutz funktionieren und auch langfristig die Situation der Vierbeiner verbessern kann.

Mo, 28. Feb · 01:15-03:10 · HR
Die Akte B.

Als vor gut 65 Jahren, Ende Juni 1945, die Alliierten in Nürnberg über die Verbrechen des „Dritten Reichs“ zu Gericht saßen, fehlte einer der Hauptverantwortlichen auf der Anklagebank: Alois Brunner, Adolf Eichmanns „bester“ Mann. Ob Brunner noch am Leben ist, ist unbekannt; er wäre inzwischen 99 Jahre alt. Der Dokumentarfilm „Die Akte B.: Alois Brunner – Geschichte eines Massenmörders“ von Georg M. Hafner und Esther Schapira verfolgt den Lebenslauf eines der höchstrangigen Nazi-Verbrecher und zeigt, wie es ihm gelingen konnte, ungeschoren davon zu kommen. Die Fluchthelfer Alois Brunners waren alte Kameraden und neue Freunde – in Deutschland, in Österreich, in Amerika, in Syrien. Das Netzwerk reicht bis in den deutschen und den amerikanischen Geheimdienst. Drei Jahre haben die Autoren weltweit Spuren verfolgt, Überlebende ausfindig gemacht, Zeugen befragt, Dokumente zusammengetragen. Der Film „Die Akte B.“ zeichnet die Stationen seiner abenteuerlichen Flucht nach – von Österreich über Deutschland nach Syrien. Dort beginnt seine zweite Karriere als Judenfeind, jetzt im Dienst der syrischen Regierung. Die Bemühungen, Brunner zu fassen, sind bescheiden. Die Autoren verfolgen akribisch die Spuren von Alois Brunner, nennen die Helfer und Helfershelfer, enttarnen die Unterstützung Brunners durch verschiedene Geheimdienste, und sie zeigen, wo Brunner vielleicht noch heute lebt.