Nach der Selbstverbrennung eines Arbeitslosen: Aufstand in Sidi Bouzid

Hunderte Bewohner von Sidi Bouzid (eine Stadt 210 km südwestlich von Tunis) demonstrierten am Samstag, den 18. Dezember vor dem Sitz des Gouvernorats um ihrem Wut auf die Regierung Ausdruck zu verleihen und ihrer Solidarität mit dem jungen arbeitslosen Mohamed Bouazizi, der  Informatik am Höheren Institut von Mahdia studiert hatte…

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Bouazizi  hat sich selbst vor dem Gouvernoratsgebäude in Brand gesetzt, um gegen die Konfiszierung seines Obst- und Gemüsestandes durch die Polizei zu protestieren. Die Demonstranten zogen durch die Stadt und riefen verschiedene Parolen. Es ist nicht bekannt, ob Mohamed lebt oder tot ist. Seine Familie sagt, dass es ihnen verboten wurde, ihn zu sehen. Vier Polizisten sind wegen der Tragödie vom Dienst supendiert worden. Die Regierung hat hunderte Polizisten nach Sidi Bouzid zur Verstärkung geschickt, da die Demonstrationen am Sonntag weitergingen.

Mohamed Bouazizis letzte Botschaft auf Facebook: Ich gehe jetzt, Mama, und bitte dich um Entschuldigung. Alle Vorwürfe sind nutzlos, ich habe mich verirrt auf einem Pfad, den ich nicht kontrollieren kann, und entschuldige, wenn ich dir nicht gehorchte. Gib unserer Zeit die Schuld, nicht mir. Ich gehe für immer, werde niemals wiederkehren. Ich habe genug am Weinen ohne Tränen, Vorwürfe sind nutzlos in diesen grausamen Zeiten auf dieser Welt. Ich bin müde und ich habe alles Vergangene vergessen. Ich gehe und frage mich, ob mein Fortgang mir helfen wird zu vergessen.

Quelle: http://nawaat.org/portail, Erscheinungsdatum des Originalartikels: 18/12/2010, übersetzt von Einar Schlereth
Artikel in Tlaxcala.