Eliav-Sartawi-Preis für Journalismus geht an: Yaron London

Yaron Londons Dankesrede für den Eliav-Sartawi-Preis für Journalismus des Mittleren Ostens in Jerusalem am 15.Dezember 2010…

Ich bin sehr dankbar für diesen Preis, für den Sie mich erwählten. Die Hauptperson meines Artikels, Dr.Khaleb Diab und seine Frau Bouran, sind hier und ich möchte die Gelegenheit ergreifen ihnen für die feste und anhaltende Freundschaft zu danken. Khaleb ist mir wie ein Bruder. Ich möchte Ihnen einige wenige Worte zu meiner jetzigen Gefühlslage sagen – bezogen auf meine Kolumne, genauso, wie bezogen auf die Menschen, die sich entschieden, mir diesen Preis zu verleihen.

Vor etlichen Wochen riefen hunderte Rabbiner die Öffentlichkeit dazu auf, daß das Vermieten von Wohnungen oder das Verkaufen von Wohngrund an arabische Bürger Israels zu vermeiden sei. Viele dieser religiösen Weisungen kommen von lokalen Rabbinern, die ihre Gehälter vom Staat beziehen. Die beiden Oberrabbiner haben diesem Aufruf nicht widersprochen und der Premier (Prime Minister) hat nur sehr beiläufig auf sein Unverständnis hingewiesen während einer unbeachteten Zeremonie.
Ich war bestürzt, aber nicht überrascht, als dem Aufruf der Rabbiner etliche Initiativen an die Gerichtsbarkeit folgten, die darauf abzielten, Israelische Araber von jedweder Beziehung zum öffentlichen System Israels auszuschließen. Gleichzeitig verschärften sich im Hintergrund die Spannungen zwischen jüdischen und arabischen Bürgern.

Bezeichnendes ereignet sich nicht sehr weit von dieser Versammlung an einem Ort, Juden als Shimon Hatzadik bekannt – Sheik Jarrah. Juden wollen die Besitzrechte von Häusern erwerben, die von palästinensischen Arabern bewohnt werden. Gleichzeitig verwehren die selben Juden die Besitzrechte der Palästinenser, die geflohen sind oder aus West-Jerusalem vertrieben wurden während der Nakba – bekannt auch als Israelischer Unabhängigkeitskrieg. Dem Höchsten Gericht (Israel’s Supreme Court) ist es nicht gelungen uns von der moralischen Ungerechtigkeit zu befreien noch von dem politischen Irrsinn, der in dieser Angelegenheit eingebettet ist.

Diejenigen, die meine journalistische Arbeit kennen, wissen, daß ich nicht zur Übertreibung neige und das ich sehr zögere, bevor ich eine Vorhersage von mir gebe. Jedoch, da ich kein junger Mann mehr bin, ich habe einige Fehler gemacht. Geschichte ist trügerisch und hält auch dem Umsichtigen Fallstricke bereit. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf erlaube ich mir den Zusatz, daß, wenn der Staat Israel seinen Kurs nicht ändert, er sich, in einigen Jahrzehnten oder sogar früher, im Mülleimer der Geschichte wiederfinden wird.

Ich bin säkular, aber lese gerne in der Bibel, wo ich für meine humanistischen Ansichten Unterstützung finde. Isaiah und Amos, zwei wichtige Propheten, die im achten Jahrhundert v.Chr. lebten, haben verstanden, daß ein Königreich nicht zusammenbricht durch die Schläge seiner Feinde, sondern viel eher durch den eigenen gesellschaftlichen Verfall. Israels Behandlung seiner arabischen Bürger gegenüber ist als Form des gesellschaftlichen Verfalls anzusehen. Als Sohn von Eltern, die beinahe vor einem Jahrhundert nach Palästina immigrierten, die davon träumten es zu einer vorbildlichen Gesellschaft zu formen und als der Großvater von acht Kindern, die mit den Werten der Humanistik erzogen wurden, läßt mich diese Prognose Schlaf kosten.

Danke fürs Zuhören, und ich möchte Ihnen nochmals danken für diesen Preis.

Übersetzung A.mOr

Weiteres von Yaron London:
Arabische Bürger – die anderen Israelis
Die Band spielte laut auf. Der Sänger ermutigte die Gäste den Rhythmus durch Applaus zu begleiten. Der Vater des Bräutigams nahm mich am Arm und zog mich durch den Kreis der Gäste, der sich um das tanzende Pärchen gebildet hatte. Ich ließ mich führen als ob ich eine Kuh wäre. Als wir den inneren Kreis erreicht hatten, versuchte ich die Tanzbewegungen nachzuahmen. Ich glaube, daß ich meine gute Absicht klar zeigte, auch wenn die vier Gläser Wodka, die ich getrunken hatte, mein Urteilsvermögen beeinträchtigten. Ich war hocherfreut…