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Ralph Giordano sagt Beteiligung an rechtsextremistischer „Anti-Islam-Konferenz“ in Paris ab

Der jüdische Schoah-Überlebende fühlt sich hintergangen: „Ich wurde auf eine falsche Fährt gelockt“

Am 18. Dezember 2010 findet in Paris ein europaweiter „Anti-Islam-Kongress“ statt, auf dem – wie Bernard Schmid soeben dokumentiert hat – zahlreiche Vertreter rechtsradikaler sowie rechtsextremistischer Gruppierungen vertreten sind. Diese Gruppierungen versuchten jedoch, scheinbar erfolgreich, ihre wahre Identität, ihre menschenverachtenden, antisemitischen Bestrebungen zu verbergen. Auf dem Veranstaltungsplakat wird der in Köln lebende jüdische Schriftsteller und Schoah – Überlebende Ralph Giordano als Redner angekündigt.

Ralph Giordano hat nun, nachdem ihn Freunde über den rechtsextremistischen Hintergrund dieser menschenfeindlichen, antisemitischen Veranstaltung informiert haben, seine Teilnahme mit einer deutlichen Presseerklärung abgesagt. haGalil dokumentiert diese Erklärung.

Von Uri Degania

In seiner Analyse zu den rechtsextremistischen Hintergründen dieser „Anti-Islam-Konferenz“ des „Bloc identitaire“ – unter diesem Namen tarnen sich die rechtsextremistischen Veranstalter – stellt Bernard Schmid dar, dass sich hinter diesem dubiosen Namen eine Ansammlung rechtsradikaler und antisemitischer Personen und Gruppierungen aus mehreren europäischen Ländern verbirgt. Bernard Schmid hat hierzu ausgeführt:

„Der Bloc identitaire, angebliche „laizistische Republikaner“ und diverse Sumpfvögel wollen am 18. Dezember 10 in Paris eine veritable Querfront-Veranstaltung mit internationalem Anspruch abziehen. Darunter finden sich aktivistische Rechtsextreme; ein durch antisemitische Auslassungen aufgefallener französischer Schriftsteller; ein führender Schweizer Rechtspopulist – Initiator der beiden Volksabstimmungen von November 2009 gegen Minarette und November 2010 gegen „kriminelle Ausländer“ – und ein militant homophober Abgeordneter aus Nordfrankreich.“

Und Bernard Schmid fügt hinzu: „Auch der in Köln lebende Schriftsteller und Holocaustüberlebende Ralph Giordano möchte sich dabei auf Abwege begeben, sofern er sich (nicht) doch noch eines Vernünftigeren besinnt…“

Bernard Schmid führt weiter aus: „Der ,Bloc identiaire’ ist eine aktivistische, ferner auch gewaltbereite Vereinigung der extremen Rechten in Frankreich. Auf einem seiner Plakate – das am 13. Oktober 2010 in Paris verklebte wurde – forderte der „Block“ etwa, „jeder Weiße unter 30“ müsse lernen, sich (bewaffnet) „verteidigen zu können“, damit er „nicht zur Beute“ werde. Er blieb bislang außerparlamentarisch und war auch strategisch weniger auf Wahl- und Parlamentsbeteiligung fixiert als etwa die Wahlpartei Front National; doch hat er sich im Oktober 2009 offiziell in eine politische Partei umgewandelt.“

An diesem Di., 7.12.2010 hat sich Ralph Giordano in einem gemeinsam mit Hans-Peter Killguss von der beim städtischen Kölner NS-Dokumentationszentrum angesiedelten „Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus (ibs)“ verfassten Presseerklärung – die er haGalil zur Veröffentlichung zugeschickt hat – in sehr deutlicher Weise von dieser „Europaweiten Konferenz“ dieser antisemitisch-rechtsradikalen und moslemfeindlichen Gruppierungen distanziert und seine Teilnahme abgesagt. Ralph Giordano führt hierin gegenüber haGalil aus:

Am 18. Dezember 2010 soll unter dem Titel „Assises internationales sur l’islamisation de nos pays“ (in etwa „Internationale Tagung über die Islamisierung unserer Länder“) in Paris eine Veranstaltung stattfinden, die sich die „Verteidigung der Werte unserer Zivilisation“ zum Ziel gesetzt hat. Diese Zusammenkunft verschiedener Politiker, Journalisten und Journalisten wird maßgeblich mitorganisiert vom „Bloc Identitaire“, einer Nachfolgeorganisation der ultrarechten Sammelbewegung „Unité Radicale“ (UR).

Eingeladen sind Redner, von denen einige aus dem rechtsextremen bzw. rechtspopulistischen Spektrum stammen. Aber auch der Kölner Schriftsteller Ralph Giordano ist angekündigt. Giordano distanziert sich jedoch deutlich von den rechtsextremen Rednern und Veranstaltern und hat, nachdem er über deren Hintergründe informiert wurde, seine Teilnahme abgesagt. Er wurde über den wahren Charakter der Veranstaltung im Unklaren gelassen. „Ich wurde auf eine falsche Fährt gelockt“, so Giordano. Der Publizist, dessen Thesen zum Moscheebau in Köln-Ehrenfeld Zustimmung aber auch Ablehnung erfahren haben, lässt sich von Rassisten nicht instrumentalisieren.“

Köln, den 6.12.2010 Ralph Giordano