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Der bemalte Fensterladen

Künstlerische Impression eines unbekannten Häftlings aus dem KZ-Außenlager Harzungen (Gemeinde im thüringischen Landkreis Nordhausen)…


Fensterladen aus dem KZ-Außenlager Harzungen von einem unbekannten Häftling bemalt.
Foto: ©Heide Kramer, August 2004.

Von Heide Kramer

Im August 2004 machte ich während einer eintägigen Exkursion zur Gedenkstätte Mittelbau-Dora (Nordhausen/Thüringen) eine höchst ungewöhnliche Entdeckung. Als ich mir im Museumsgebäude selbst noch entsprechende Eindrücke verschaffen wollte, wurde ich auf ein dort platziertes ungewöhnliches Exponat aufmerksam: Ich nahm einen (hinter Glas geschützten) verwitterten Fensterladen mit einer aussagestarken Bemalung wahr. Leider blieben meine damaligen Recherchen erfolglos.

Wie ich auf Grund aktueller Nachforschungen von der stellvertretenden Leiterin der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora (Frau Dr. Regine Heubaum) erfuhr, gibt es zur Entstehungsgeschichte dieses Exponats zwar spärliche, jedoch intensive Erkenntnisse. Es handelt sich um einen Fensterladen aus dem KZ-Außenlager Harzungen , der von einem unbekannten Häftling bemalt wurde (Öl- oder Ölkreidetechnik). Dargestellt ist ein Appell kranker Häftlinge. Da der Gedenkstätte Mittelbau-Dora keine archivalischen Dokumentation vorliegen, wird angenommen, dass es sich bei dieser anonymen Häftlingsimpression um eine Auftragsarbeit gehandelt hat, wobei die konkreten Auftraggeber spekulativ geblieben sind (vermutet wird ein Angehöriger der Lager-SS oder auch ein Funktionshäftling). Außerdem geschah es häufiger, dass künstlerisch ausgebildete KZ-Häftlinge auf Befehl der Lagerleitung Gemälde oder Zeichnungen anfertigen mussten.

Hinweis: Fresken aus Ellrich


Ausstellungsraum in der ehemaligen Feuerwache. KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora.
©Foto: Gedenkstätte KZ Mittelbau-Dora

Wiederentdeckte Zeichnungen französischer KZ-Häftlinge
Sonderausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora (ehemalige Feuerwache)
12. April 2010 bis 23. Januar 2011

Über 50 Jahre galten sie als verschollen, nun werden sie in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora der Öffentlichkeit präsentiert: Wandzeichnungen aus dem KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte. Die 1944/45 von französischen Häftlingen gefertigten Bilder wurden erst 2009 in einem Berliner Museumsdepot wiederentdeckt. Nun stehen sie im Mittelpunkt einer Sonderausstellung, die zum 65. Jahrestag der Befreiung der Konzentrationslager im Südharz eröffnet wurde.

Solche Wandbilder in Häftlingsunterkünften oder anderen KZ-Gebäuden waren nicht unüblich. Meistens zeigten die Gemälde Motive, die eine gedankliche Flucht aus der grausamen Lagerrealität ermöglichten, oft Karikaturen oder – wie im Falle der Ellricher Fresken – Märchenszenen. Mit der Ausführung wurden künstlerisch begabte Häftlinge beauftragt, die dafür kurzzeitig von der mörderischen Zwangsarbeit in den Baukommandos freigestellt wurden. Die Ellricher Fresken stammen von den Franzosen Georges Sanchidrian und Tanguy Tolila-Croissant. Beide überlebten die Deportation nach Ellrich-Juliushütte nicht.
In Ellrich, einer kleinen Fachwerkstadt an der Grenze zwischen Thüringen und Niedersachsen, befand sich im letzten Kriegsjahr eines der grauenhaftesten Außenlager des KZ Mittelbau-Dora. 4000 Menschen aus allen Teilen Europas fanden hier den Tod. Die Ausstellung der Fresken bringt außergewöhnliche Spuren des Häftlingsdaseins in Ellrich zurück. Erinnert wird damit an ein fast vergessenes Lager, dessen Gelände nach 1945 durch die innerdeutsche Grenze geteilt war und dessen Relikte auf beiden Seiten mutwillig zerstört wurden.

©Text: Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Ausstellungshinweise: http://www.dora.de/cms-www/index.php?id=351

Fensterladen aus dem KZ-Außenlager Harzungen , von einem unbekannten Häftling bemalt. Foto: ©Heide Kramer, August 2004.
Textbeitrag: ©Heide Kramer, Dezember 2010.
Quelle: ©Stiftung Gedenkstätten Thüringen, Dr. Regine Heubaum, stellvertretende Leiterin der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Nordhausen/Thüringen., ©Wikipeda.