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Mainz: Brandanschlag auf Synagoge in Deutschland – keine Meldung mehr wert?

Einen Tag nach dem Brandanschlag auf die neue Synagoge in Mainz äußerte sich Dr. h. c. Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, entsetzt, aber auch enttäuscht…

Mitteilung Pressereferat der Präsidentin

Knobloch: „Unabhängig davon, wer die Täter und was ihre Motive sind, ist es mir unbegreiflich, warum ein Anschlag auf ein jüdisches Gotteshaus in Deutschland offensichtlich nicht mal mehr eine Meldung in den Hauptnachrichten und Schlagzeilen wert ist.“

Politiker wie Bundesaußenminister Dr. Guido Westerwelle und der rheinlandpfälzische Innenminister Karl Peter Bruch sprachen von einer „verabscheuungswürdigen Tat“ und einem Angriff auf unsere Demokratie, auf unsere grundlegenden Werte der Toleranz und des friedlichen Miteinanders“.

Knobloch: „Dieser Einschätzung und der Verurteilung der Tat durch unsere Spitzenpolitiker ist nichts hinzuzufügen. Aber jeder vernünftig denkende mündige Bürger kann doch angesichts einer solchen Handlung nur entsetzt sein. Umso weniger erschließt es sich mir, warum dieser Angriff auf unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft in der veröffentlichten Meinung sang- und klanglos verpufft. Ich hatte wirklich gehofft, dass in Deutschland 72 Jahre nach der Reichspogromnacht, einer Initialzündung des Holocaust, ein stärkeres Verantwortungsbewusstsein und höhere Sensibilität vorherrschen. Dass dem offenkundig nicht so ist, ist nicht nur schade, es ist bedenklich. Denn auch das ist eine Gefahr für unsere Demokratie.“

Hintergrund: Das jüdische Gemeindezentrum in der Mainzer Neustadt sowie die Synagoge des Architekten Manuel Herz wurde erst im September dieses Jahres in Anwesenheit von Bundespräsident Christian Wulff eingeweiht. Der Neubau befindet sich am Standort der früheren Mainzer Hauptsynagoge, die in der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 in Brand gesetzt worden war.