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Von Windbeuteln in der Medienwelt

Als „Windbeutel“ bezeichnete der Philosoph Max Weber Personen, die nur nach ihrer Gesinnung handelten. Diese „Gesinnungsethiker“ -so Max Weber- handeln nach komplett anderen Maximen als beispielsweise „Verantwortungsethiker“…

Von Ramona Ambs

Gesinnung ist ein Begriff, der heute ziemlich aus der Mode gekommen ist. Gerade mal 748.000 Ergebnisse findet Google dazu. Gesinnung wird definiert, als eine durch Wertvorstellungen und Moral definierte Grundhaltung eines Menschen, welche seine Denkweise, Äußerungen und Handlung bestimmt und begrenzt.

Verantwortung hingegen ist ein weit verbreiteter Begriff. 12.100.000 Ergebnisse liefert die Google-Suche. Verantwortung beinhaltet die Verpflichtung für die Folgen eigener Handlungen Rechenschaft abzulegen.

Verantwortung ist also ein wichtiger und gewichtiger Begriff. Ein Institut, dass Verantwortung in seinem Namen führt, vermittelt Authentizität und Verlässlichkeit. So auch das Institut für Medienverantwortung in Erlangen, das offenbar großes Renomee hat, denn vom Bayrischen Rundfunk über die Bundeszentrale für politische Bildung bis hin zur Friedrich-Ebert-Stiftung- die Termin- und Publikationsseiten des Instituts dokumentieren gemeinsame Aktivitäten. Das Institut will (unter anderem) islamfeindliche Stereotypen in den deutschen Medien aufzeigen. Unter dem Titel „Es herrscht Pogromstimmung“ publizierte denn auch die Leiterin des Instituts, Dr. Sabine Schiffer, am 31.August 2010 im „Hintergrund“ einen Artikel zu diesem Thema. In diesem Artikel stolperte ich über einen Satz:

„Jedoch sind es in der Tat inzwischen nicht wenige jüdische Organisationen, die dem gezielt gelegten Missverständnis aufgesessen sind, dass sie mit der Verbreitung des antiislamischen Rassismus im Sinne Israels handeln würden. So mischen sich zunehmend Israel-Fahnen selbsternannter „Israel-Freunde“ mit antiislamischen Hetzkampagnen, deren Argumentationen aus den Hochzeiten des Antisemitismus eigentlich bekannt sein müssten. „

Das muss man direkt zweimal lesen. Nicht wenige, also: VIELE jüdische Organisationen verbreiten antiislamischen Rassismus..? Da muss ich einfach nachfragen. Schließlich heisst das Institut ja Medienverantwortung, und Verantwortung drückt sich auch darin aus, bereit und fähig zu sein, später Antwort auf mögliche Fragen zu deren Folgen zu geben. Ich schicke Frau Schiffer also eine Mail, in der ich mein Befremden zum Ausdruck bringe. In meiner Wahrnehmung sind es nämlch gerade die jüdischen Organisationen, angefangen beim Zentralrat der Juden in Deutschland, die sich stets gegen antimuslimische Äußerungen positionieren- ein ganz aktuelles Beispiel dafür findet man hier

Wo also sind die jüdischen Organisationen in Deutschland, die sich an der Islamhetze beteiligen, frage ich Frau Schiffer. Die Antwort kommt noch am selbenTag und ist so traurig wie absurd:

„ …zu Ihrer Frage: Ehrlich gesagt kann ich gar nicht belegen, ob die Richtung, die ich dem Wirken des antiislamischen Spins gebe, so stimmt – aber da ich ja viel von Muslimen rezipiert werde, habe ich das einfach – strategisch – so beschlossen.“

Soviel Authentizität und Ehrlichkeit hatte ich garnicht erwartet, aber das ist natürlich auch eine Form von Verantwortung. Eben mal so behaupten, dass jüdische Organisationen sich an Islamhetze beteilligen und auf Nachfrage einräumen, dass man es nicht weiß, es aber strategisch, wegen der muslimischen Leserschaft- so beschlossen hat. Eine höchst seltsame Form von Medienverantwortung. Und man muss sich dann auch nicht mehr über muslimischen Antisemitismus wundern, wenn er denn so bedient wird. Verantwortung, insbesondere Medienverantwortung sieht anders aus.

Aber man hätte gewarnt sein können. Auf der Facebook-Seite des Instituts werden hochgradig einseitige Artikel, z. Bsp. von der Steinbergrecherche, empfohlen und bereits im Januar diesen Jahres verfasste Jan-Phillip Hein einen kritischen Artikel über das Institut und seine seltsamen Querverbindungen.

Da muss ich dann doch nochmal auf Max Weber und seine Windbeutel zurückkommen. Gelungen ist für Max Weber die Kombination aus Gesinnung und Verantwortung. Bei dem Institut für Medienverantwortung liegt offenbar ein sprachliches Mißverständnis vor. Ich hab deshalb eine Idee. Wie wäre es, wenn man das „Institut für Medienverantwortung“ einfach umbenennen würde: „Institut für Mediengesinnung“ klingt doch auch nicht schlecht- und kommt der Motivation des Ganzen auch deutlich näher. Außerdem ist diese Begriffskombination völlig unbekannt – man kann also neue Standards setzen. Und Mediengesinnung ist durchaus auch ein eigenes und gutes Thema. Vor allen Dingen hat man dann nicht das Problem mit der Verantwortung…