Tausende Israelis gegen Winterzeit im September

In der Nacht zum Sonntag beginnt in Israel die Winterzeit und die Uhren werden um eine Stunde zurückgestellt. Die Maßnahme stößt allerdings bei vielen Israelis auf Ablehnung. Ihnen kommt die Umstellung im September zu früh. Bereits mehr als 100.000 Staatsbürger haben daher eine Unterschriftensammlung unterzeichnet, in der dazu aufgefordert wird, die Winterzeit zu boykottieren…

D. Nowak, inn v. 10.09.2010

„Schulen, Geschäfte, öffentliche Einrichtungen, Familien und alle anderen Institutionen – bitte macht so weiter, als wäre die Uhr nie zurückgestellt worden“, heißt es in dem Aufruf, der von dem Hightech-Unternehmer Schimon Eckhaus initiiert wurde. Dieser weist darauf hin, das die Wirtschaft durch die Umstellung Millionen Schekel verliere. Zudem gebe es mehr Unfälle, da länger im Dunkeln gefahren werde.

Seit einem Knesset-Beschluss aus dem Jahr 2005 richtet sich das Ende der Sommerzeit nach dem jüdischen Kalender – es ist am letzten Sonntag vor dem Versöhnungstag Jom Kippur. An diesem Tag fasten Juden 25 Stunden lang. Durch die Umstellung können Fastende morgens länger schlafen und später in die Synagoge gehen. Die Fastenzeit selbst wird durch die Zeitumstellung jedoch nicht verkürzt.

Da sich der jüdische Kalender am Mond orientiert, fallen die Feiertage auf unterschiedliche Termine. In diesem Jahr werden sie besonders früh begangen.

Israels Innenminister Eli Jischai hatte am vergangenen Sonntag als Kompromiss vorgeschlagen, die Umstellung wie geplant vorzunehmen, um jedoch nach Jom Kippur wieder zur Sommerzeit zurückzukehren. Allerdings lasse sich dies kurzfristig nicht umsetzen.

Knessetmitglied Nitzan Horowitz von der linksgerichteten Meretz-Partei kündigte an, er werde einen Gesetzesvorschlag zur Verlängerung der Sommerzeit einreichen. Es gebe keinen Grund, mit der Standartzeit bereits im September zu beginnen – im Sommer und lange bevor der Rest der Welt die Uhren umstelle. Er könne zudem die Verbindung dieser Angelegenheit mit der Religion nicht verstehen, so Horowitz laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“.

Im Gegensatz zu anderen westlichen Ländern hat Israel mit etwa 180 Tagen eine kurze Sommerzeit. In den USA dauert diese Periode 238 Tage in den Ländern der EU sind es 218 Tage.

Die Regierungen in den Palästinensergebieten haben bereits im August anlässlich des Fastenmonats Ramadan die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Dadurch soll den Muslimen das Fasten erleichtert werden.