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Königliche Loge des Herodes

König Herodes hat einen denkbar schlechten Ruf hinterlassen, bei Christen wie bei Juden. Schon zu Lebzeiten wurde der paranoide, ständig um sein Leben bangende, grausame König von Todesängsten verfolgt. Der größte Bauherr aller Zeiten im Heiligen Land hat mehrere Paläste hinterlassen, die allerdings Festungen gleichen, etwa auf dem Herodion bei Bethlehem und auf Massada am Toten Meer. Gleichzeitig liebte er einen überschwenglichen Luxus…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 14. September 2010

Auf halber Höhe des nördlichen Abhangs des von Herodes zu einem künstlichen Kegel aufgeschütteten Herodions haben jetzt Archäologen unter der Leitung von Professor Ehud Netzer die königliche Loge des Herodes und seiner Familienangehörigen bei dessen kleinem Privattheater freigelegt. Die drei Wände sind mit Stuck und Fresken geschmückt, in einem Stil, wie man ihn in Israel noch nirgendwo anders entdeckt hat. Es handelt sich um einen Kunststil, wie er damals, um 15 vor Chr. in Rom und in der Campania Mode war. Vielleicht hatte Marcus Agrippa dem Herodes Künstler aus Italien geschickt, nachdem sich beide im Jahr 16. vor Chr. auf der griechischen Insel Lesbos getroffen hatten, spekuliert Netzer.


Der künstliche von Herodes aufgeschüttete Kegel des „Herodions“

Die Loge, ein acht mal sieben Meter großes und etwa sechs Meter hohes Zimmer, war zum Theater hin offen und erlaubte einen Blick auf das etwa 20 Kilometer entfernte Jerusalem. In unmittelbarer Nachbarschaft hatte Netzer vor drei Jahren die Reste des Mausoleums und sogar des zertrümmerten Sarkophags aus rotem Marmor von Herodes entdeckt. An die Wände gemalt sind falsche Fenster, mit Landschaften, darunter des Nils und einem Segelboot im Meer. Zu erkennen sind Menschen, Tiere und Bäume. Einige dieser „Fenster“ wurden intakt gefunden, andere als Fragmente auf dem Fußboden. Sie werden zur Zeit in Labors des Jerusalemer Israel-Museums restauriert. Ähnliche Fenster mit Fensterläden und unrealistischen Ansichten aus dem Theater oder Stilleben wurden in Pompeji in der „Villa Imperiale“ gefunden und stammen aus der gleichen Zeit.

Das Theater des Herodes wurde nur eine kurze Zeit lang genutzt, knapp zehn Jahre. Kurz vor dem Tod des Herodes wurde es mutwillig zerstört, um nicht die konische Form des künstlichen Hügels zu stören. Während des Aufschüttens des Hügels benutzen Arbeiter zeitweilig die Loge. Sie hinterließen Kochgeräte und Grafitti an den Wänden.


Professor Netzer mit Rosette vom Sarg des Herodes

Für das kommende Jahr plant das Israel-Museum eine große Ausstellung mit Funden des Herodes-Grabes und des Theaters. Vorerst werden die noch Überreste der Loge und des Theaters nicht zugänglich sein, da erst ein Schutzdach errichtet werden müsse, heißt es in einer Pressemitteilung der Hebräischen Universität in Jerusalem.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com