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Griechische Nationalisten greifen Albaner an

Seit rund zehn Tagen greifen an verschiedenen Orten Griechenlands, griechische Nationalisten albanische Emigranten an. Besonders hart toben die Kämpfe in der Gemeinde Verias, rund 70 km westlich von Thessaloniki. Am vergangenen Samstag Nachmittag veranstalteten za. 200 Anhänger der rechtsradikalen Organisation „Hrisi Avgji“ eine Kundgebung am Marktplatz von Verias. Sie protestierten, weil in den letzten Tagen bei Angriffen auf Albaner, auch einige Griechen verletzt wurden…

Von Max Brym

Immer wieder riefen Sprechchöre Parolen wie „Albaner raus aus Griechenland“. „Die Faschisten verbrannten albanische Fahnen und demolierten das Reisebüro ‚Emigranti'“, berichtet ein Albaner, „die griechische Polizei hat nichts gegen diese Rassisten unternommen“.

In den letzten Tagen wurden aber einige Albaner wegen Messerattacken auf Griechen festgenommen. Am vergangenen Samstag gab es in Veritas auch eine Kundgebung von linken griechischen Gruppen. Sie demonstrierten unter der Parole: „Raus mit den Faschisten“. Bis dato war Verias eine sehr friedliche Gemeinde. Griechische und albanische Arbeiter lebten friedlich zusammen, aber seit rund zehn Tagen heizen faschistische Gruppen die Stimmung auf. In Griechenland leben nach offiziellen Schätzungen 500.000 albanische Emigranten. Besonders stark ist der Anteil der albanischen Arbeiter im Baugewerbe.

Video: Nationalismus ist heilbar: Kleine Wunder in Athen

Dies ist aber nicht einfach ein ethnischer Konflikt. In Griechenland verwüstet derzeit ein sogenanntes „Sparpaket“ alle sozialen Standards. Das Elend, die Not und die Angst, wächst in der Bevölkerung. Es kommt zu Streiks und Demonstrationen. In den letzten Tagen setzte die griechische Regierung Soldaten ein, um den Streik der griechischen Lastwagenfahrer zu brechen. Dies reicht aber nicht um den Unmut der Bevölkerung zu besänftigen.
Die Regierung kümmert sich nicht um Nationalisten, die nun ihre Stunde gekommen sehen, um sogenannte ethnische Konflikte zwischen Griechen und Albanern zu forcieren. Die Absicht ist klar: Die Albaner stellen in Griechenland einen wesentlichen Teil der dortigen Arbeiterschaft dar. Wenn es gelingt die Arbeiter auf rassistischer Basis zu spalten, dann kann der Kampf der Linken gegen Lohnsenkungen, Erhöhung der Mehrwertsteuer und Rentenkürzungen nicht erfolgreich geführt werden.

Die griechische Linke sieht sich nun aufgerufen, gemeinsam mit den albanischen Emigranten den sozialen Widerstand zu steigern. Eine wesentliche Aufgabe ist dabei den griechischen Nationalismus zu bekämpfen. Dieser Kampf ist nicht nur ein Kampf mit diversen faschistischen Gruppen in Griechenland. Nein der Rassismus ist auch tief im Militär verankert. Am vergangenen griechischen Nationalfeiertag im März dieses Jahres zogen Spezialtruppen der Armee mit der Parole „Wir saufen euer Blut ihr albanischen Hunde“ zum Präsidentenpalast. „Nieder mit den albanischen Hurensöhnen“ wird ebenfalls skandiert.

Auch Asylsuchende Iraner klagen über Rassismus

Anm. der Red.: Auch von asylsuchenden Iranerinnen und Iranern in Griechenland werden Klagen laut. Sie würden wie Kriminelle behandelt und unter menschenunwürdigen Haftbedingungen festgehalten. Ihre Asylanträge würden nicht in Übereinstimmung mit dem europäischen Recht bearbeitet, und die fundamentalen verfahrensrechtlichen Schutzmechanismen seien nicht gewährleistet.

Viele Flüchtlinge berichten über die brutale Vorgehensweise der griechischen Polizei. Viele Menschen, darunter auch Kinder sind gezwungen in abgelegenen Straßen zu leben. Es fehlt den Menschen an medizinischer und finanzieller Versorgung. Inzwischen kam es schon zu Hungerstreiks von Flüchtlingen, deren Asylanträge abgelehnt bzw. nicht bearbeitet wurden. Viele Flüchtlinge warten auf die Bearbeitung ihrer Anträge unter verheerenden Lebensbedingungen. Bei einer Rückkehr in den Iran würden diese Flüchtlinge der Gefahr ausgesetzt, verhaftet, gefoltert oder hingerichtet zu werden.
Die Menschenrechtsorganisation CODE e.V., kritisiert die unerträgliche und menschenrechtswidrige Situation der Asylsuchenden in Griechenland und fordert die zuständigen Behörden und Institutionen eindringlich auf, sofort Maßnahmen zu ergreifen, um diesem Elend ein Ende zu setzen.