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Angriff auf Elat und Akaba: Reaktionen auf die Raketen aus dem Sinai

In Ägypten verurteilte man den Angriff, der aus der Gegend von Taba gestartet worden war. In einem außergewöhnlichen Schritt der ägyptischen Medien, vor allem der etablierten Medien, wurden sowohl die Hamas als auch der Iran scharf und ausführlich angegriffen…

The Meir Amit Intelligence and Terrorism Information Center

In seinem Editorial vom 5. August schrieb Muhammad Ali Ibrahim, Chefredakteur der Al-Gomhuriyya (zitiert nach Al-Quds Al-Arabi am 6. August), die Palästinenser im Gaza-Streifen haben das Recht, sich gegenüber der Hamas so zu verhalten, wie es ihnen beliebt, auch wenn sich herausstellt, dass ihre Agenten „unkontrollierbare Schlächter“ sind. Ägypten findet Maßnahmen wie den Abschuss von Raketen auf Israel, bei denen Hamas-Agenten auf Anordnung ihrer iranischen Herren seine Grenzen verletzen, jedoch völlig inakzeptabel. Ihre Unterwanderung der Sinai-Halbinsel verletzt die Interessen, Souveränität und nationale Sicherheit Ägyptens. Ägypten wird es nicht hinnehmen, dass seine Söhne für diese „verabscheuenswerte Bande“, die vorgibt, eine Widerstandsbewegung zu sein, wieder einmal den Märtyrertod sterben sollen. Ägypten hat das Recht, mit eiserner Faust gegen diese verruchten Individuen, die auf dem Nährboden der Hinterhältigkeit und des in-den-Rücken-fallens herangezogen wurden, vorzugehen. „Jeder, der uns mit Wasser bespritzt, wird dafür mit Blut bespritzt werden.

Gemäß eines zweiteiligen Artikels von Muhammad Ali Ibrahim (herausgegeben am 7. und 8. August) namens „Geduld und seine Grenzen,“ hat die Hamas, „der Agent des Iran,“ nicht mehr länger eine Rechtfertigung, Ägypten anzugreifen. Der Grenzübergang nach Rafah wurde nach der “Tragödie des Freiheits-Konvois” wieder geöffnet. Der Iran, der versucht, Ägypten Schaden zuzufügen, wies die Hamas “oder „eine Abteilung darin“ an, ausgehend vom Gaza- Streifen die Sinai-Halbinsel zu unterwandern und Raketen auf Israel abzufeuern. Dies tat man, um die Beziehung Ägyptens zu Israel zu erschweren und Ägyptens Präsident Hosni Mubarak in Verlegenheit zu bringen, während er zur gleichen Zeit Gespräche mit der israelischen Regierung unterhielt. Darüber hinaus möchte der Iran die arabischen Staaten in einen Konflikt mit Israel stürzen und die Region in Brand setzen, selbst auf Kosten der Souveränität dieser Länder. Entsprechend dieses Artikels hat die Geduld Ägyptens Grenzen, und die „Bande von Mördern“ namens Hamas solle bestraft werden und es solle Vergeltung geübt werden. Darüber hinaus solle Ägypten ein für allemal seine Beziehungen mit der Hamas beenden und nicht mehr über einen Ausgleich debattieren oder die Belagerung und das Leid beschwichtigen.

In seinem Editorial vom 6. August prangert Osama Saraya, Chefredakteur von Al-Ahram, die Organisation an, die von sich behauptet, dass sie religiös sei und ihre Slogans vom Iran übernehme. „Das neue Spiel“ des Raketenbeschusses von ägyptischem Territorium aus, das auf Eilat und Akaba abzielt, ist ein „großes Verbrechen“, das ohne Zweifel Ägypten motivieren wird, eine Änderung seiner Beziehungen zur Hamas im Gaza-Streifen herbeizuführen. Die Hamas hat kein Recht, Ägypten, das die Hamas und die Palästinenser unterstützte, in einen neuen militärischen Konflikt mit Israel zu verwickeln.
Die Hamas und ihre Verbündeten sollen wissen, dass sie die Regeln und Konventionen verletzt haben und dass die Zeit der Abrechnung gekommen ist und der Preis hoch sein wird. Gemäß dem Editorial bedient sich die Hamas Zulieferern, die im Gaza- Streifen in Zusammenarbeit mit Schmugglern auf ägyptischer, palästinensischer und israelischer Seite kooperieren und die ihr Einkommen aus iranischen Geldquellen beziehen. Sie waren es auch, die hinter dem kürzlichen Raketenbeschuss stecken, und ihre Absicht war es, eine Erklärung abzugeben und gleichzeitig israelische Vergeltungsmaßnahmen zu vermeiden. Dies sind keine „Widerstands“-Aktionen sondern politisch motivierte Aktivitäten, die darauf abzielen, Spannungen zwischen Ägypten und Israel herbeiführen, die in Konflikte zwischen beiden Seiten ausmünden sollen, und eine Botschaft über ihre Ablehnung der [Friedens]-Verhandlungen.

Und was sagt Hamas?

Die offiziellen Hamas-Quellen stritten eine Verwicklung der Bewegung in den von der Sinai-Halbinsel aus stattfindenden Raketenbeschuss schnell ab, und betonten, dass die Hamas, wie alle anderen palästinensischen Organisationen, nur innerhalb ihres palästinensischen Territoriums aus operiert.

Salah al-Bardawil, Sprecher der Hamas-Fraktion im Palästinensischen Legislativrat, sagte, dass er bezweifelt, dass die Raketen auf Eilat abgefeuert wurden und stritt eine Beteiligung der Hamas am Abschuss ab, indem er erklärte, dass die Hamas keinen Krieg wünschte. Er beschuldigte Israel, nach Ausflüchten zu suchen, die „Aggression“ gegen den Gaza-Streifen, wie er es nannte, zu rechtfertigen (Hamas Palästina Info-Website, 2. August 2010). Bei anderer Gelegenheit erwähnte er, dass Israels Version des Raketenbeschusses eine „Lüge“ sei und dass der Raketenbeschuss von IDF-Truppen stamme, die in der Gegend eine Übung abhielten. Er behauptete, dass es nicht die Strategie der Hamas sei, sich arabischen Territoriums zu bedienen und die Bemühungen auf ihren „Widerstand“ innerhalb des palästinensischen Territoriums zu konzentrieren (Hamas Palästina Info-Website, 4. August 2010).

Musheir al-Masri, Sekretär der Hamas-Fraktion im Palästinensischen Legislativrat, sagte, dass Israel den Vorfall als Rechtfertigung von einen Angriff auf den Gaza- Streifen erfand und das die Hamas keine Konfrontation mit Ägypten und Jordanien wünsche (Radio BBC, 4. August 2010).
Taher al-Nunu, Sprecher der de facto Hamas-Verwaltung, sagte, dass die Hamas der Auffassung sei, dass keine palästinensische Organisation hinter dem Raketenbeschuss stecke, weil diese Organisationen innerhalb palästinensischen Territoriums operieren. Er fügte hinzu, dass die Hamas keine Absicht hege, Ägypten in Verlegenheit zu bringen (Al-Arabiya TV, 4. August 2010).
Abu Obeida, Sprecher des militärischen Flügels der Hamas, stritt jegliche Verbindung zum Raketenbeschuss ab und behauptete, dass sich die Aktivitäten der Izz al-Din al-Qassam Brigaden auf die Grenzen des “historischen Palästinas” beschränken. Er fügte hinzu, dass, falls die Izz al-Din al-Qassam Brigaden Raketen abgeschossen hätten, sie nicht zögern würden, dafür die Verantwortung zu übernehmen (Al-Qassam Website, 5. August 2010).

Das Politbüro der Hamas entsandte rasch eine Mitteilung an die jordanische Regierung, obgleich Vermittler erklärten, dass die Hamas in den Raketenbeschuss verwickelt sei, und warnte Jordanien vor „einem israelisch-ägyptischen Versuch, den Raketenbeschuss für politische Zwecke zu missbrauchen.“ Khaled Mashaal, Chef des Politbüros der Hamas in Damaskus, entsendete eine ähnliche Mitteilung nach Jordanien (Al-Quds Al-Arabi, 7. August 2010).

Jedoch: Felesteen, das Tagblatt der Hamas, unterstützt den Raketenbeschuss

In direktem Widerspruch zur Haltung der Hamas und insbesondere den Bemerkungen von Salah al-Bardawi, schrieb Mustafa al-Sawaf, ein früherer Redakteur des Hamas-Tagblatts Felesteen, für das Blatt ein Editorial, in dem er den Raketenbeschuss von der Sinai7 Halbinsel anpries. Er merkte an, dass es ein Schritt in die richtige Richtung sei, weil der “Widerstand” [d.h. Terror] nicht nur vom Territorium „Palästinas“ aus durchgeführt werden müsse. Er sagte, der Raketenbeschuss auf Eilat sei ein Beispiel für die Unterstützung des „palästinensischen Widerstands“, der diesem aus den benachbarten Regionen entgegenkam, und dass er eine Fortsetzung erfahren solle. Er erwähnte vier Schauplätze, wo seiner Meinung nach der “Widerstand” stattfinden soll: die West-Bank, der Gaza-Streifen, das Gebiet zwischen dem Staat Israel und – wie er sich ausdrückt – dem „äußeren Palästina“, das heißt, Gebiete wie die Sinai-Halbinsel (Hamas- Tagblatt Felesteen, 3. August 2010).

Reaktionen aus Fatah-Quellen

Aus Fatah-Quellen heißt es, dass Ra’ed al-Atar, Kommandeur der Izz al-Din al- Qassam Brigaden für die Rafah-Region, für das Entsenden des Kommandos auf die Sinai-Halbinsel und den Befehl für das Abfeuern der Raketen verantwortlich war. Gemäß diesen Quellen wurden die Raketen mit Wissen von Khaled Mashaal, der den Angriff genehmigte, und dem iranischen Geheimdienst, der dazu anstiftete, abgefeuert. Darüber hinaus behaupten diese Quellen, dass der Angriff ohne dass Wissen von Ahmed al- Jaabari, dem Kommandeur der Izz al-Din al-Qassam Brigaden im Gaza-Streifen, sowie hochrangiger Persönlichkeiten der Hamas, die das Abfeuern der Raketen von ägyptischem Territorium aus mit der Begründung ablehnen, dass solche Aktionen die Beziehungen zu Ägypten in Mitleidenschaft ziehen, durchgeführt wurde (Saqour, eine der Fatah zugehörige Nachrichten-Site, 6. August 2010).