Schwarze Schmetterlinge – weiße Schmetterlinge am Berliner Himmel

Seit 43 Jahren begegnen sich Deutsche und Israelis, Mitglieder der israelischen Bildungsgewerkschaft Histadrut Hamorim und der Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft im Rahmen regelmäßiger Lehrerseminare. Den Weg zu diesen Begegnungen ebneten lange, zunächst mit Skepsis verbundene Verhandlungen, denn eine deutsch-israelische Begegnung bedeutet auch immer Begegnungen mit der Shoah – gemeinsame Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen, die Deutsche an Juden verübt haben.

Die israelische Lehrerin Zvia Pelz-Fuhrer verfasste nach dem 1994er Seminar ein mit Schwarze Schmetterlinge – weiße Schmetterlinge am Berliner Himmel überschriebenes Gedicht.

von Zvia Pelz-Fuhrer

Wir waren nach Berlin gekommen
mit beklommenem Herzen,
wir waren angekommen, ohne zu wissen,
was uns erwarten würde,
und auf unserem Heizen lag ein schwerer Stein.
Jeder von uns kam
mit einer Handtasche oder einem Koffer,
damals trug jeder von uns
auf seinem Rücken einen schwarzen verschlossenen Korb.
Wir fanden einen heißen deutschen Sommer vor.
Wir fanden einen See und Grün,
soweit das Auge reichte.
Ihr wart noch nicht hier,
War es nur zufällig, dass uns
aus der Erde, aus der Wiese, aus den Bäumen,
schwarze Schmetterlinge entgegenkamen?
Als ihr ankamt,
änderte es sich etwas,
das Laub der Bäume, Lindenbäume, sah freundlicher aus,
als ob sie sich uns nähein wollten.
Wir fanden Lächeln, Gutwilligkeit.
Wir fanden Verständnis,
als wir in Wannsee ankamen,
hat unser Herz geflattert,
in der heißen Luft flatterten immer noch schwarze Schmetterlinge.
Heute, scheint’s, sind wir ruhiger.
Heute sah ich zwischen den Linden zwei weiße Schmetterlinge.
War das nur ein Zufall?
Ihr habt uns Denkmäler gezeigt,
ihr habt uns gezeigt, dass ihr neuen Samen gesät habt,
ihr müsst Vergissmeinnicht pflanzen,
ihr dürft sie nie verwelken lassen.

Dieser Beitrag wurde dem von Roland Kaufhold und Till Lieberz-Groß (Hg. 2001) herausgegebenen psychosozial-Band: Deutsch-israelische Begegnungen, psychosozial Heft 1/2001 (144 S.)
entnommen. Wir danken den Herausgebern sowie dem Inhaber des Psychosozial-Verlag, Prof. Dr. Hans-Jürgen Wirth für die freundlich erteilte Nachdruckgenehmigung.

Literatur:
Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft (Hg.) (2009): „Die Verantwortung aber bleibt“ (Reader)
http://www.hagalil.com/2009/05/27/gew/
(Mindestbestellmenge 5 Exemplare) über
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