Rassistischer Aperitif

Nach der „Schweinefleischsuppe“ als Mittel zum Zweck diskriminierender „Bedürftigenhilfe“: Aktivisten der extremen Rechten und rassistische Ex-Linke suchen und finden im „Aperitif, Marke Schwein & Wein“ einen neuen Ausdruck der Verteidigung ihrer „kulturellen Identität“. Aber bitte ohne Juden und – in dem Falle vor allem – ohne Moslems…

Von Bernard Schmid, Paris

Das arme Schwein kann wirklich nichts dafür! Seit mehreren Monaten führt der ,Bloc identitaire’, eine außerparlamentarische neofaschistische Aktivistengruppe, das Borstenvieh als sein Wahrzeichen mit sich herum. In den letzten Wochen machte diese Vereinigung nun stark von sich reden. Seit ihrer „Widerstandskundgebung“ am 18. Juni an der Pariser Place de l’Etoile, an der zwischen 500 und 800 Personen teilnahmen[01] und zu der insgesamt 23 verschiedenen Strukturen und Webseiten aufgerufen hatten, hat die rechtsextreme Gruppierung – die 2.000 Mitglieder zu haben beansprucht – den Sprung ins Licht der Öffentlichkeit geschafft.

In blau stilisierter Version soll das Tier als Wahrzeichen der Identitaires vor allem die Vorstellung symbolisieren, dass „wir eingewurzelten Völker Europas“ nach „unseren Traditionen“ leben und essen – wozu nun einmal der Genuss von Schweinefleisch unbedingt gehöre. Und dass wir uns „auf unserem angestammten Boden“ – eine der Lieblingsformulierungen der Identitaires – weder von Moslems noch von Juden Vorschriften machen, beispielsweise „uns“ Anti-Diskriminierungs-Richtlinien auf zwingen lassen. Wo kämen wir denn da hin, wenn man etwa bei „Obdachlosenspeisungen“ erwarten würde, dass auch arme Einwanderer moslemischer Konfession genauso wie europäischstämmige Underdogs davon profitieren können?

Es hatte also wenig mit Mildtätigkeit zu tun, als der ,Bloc identitaire’ in den letzten Wintern regelmäßig einen Suppenausschank vor dem Pariser Ostbahnhof aufbaute, um „Bedürftige“ mit seiner „Schweinesuppe“ (soupe au cochon) zu beglücken. Die Speckstücke sollten dafür sorgen, dass sich nur bedürftig fühlen kann, wer auch „unsere Kultur und Traditionen“ teilt. Die Obersten Verwaltungsrichter haben dieses Spektakel in der Vergangenheit aufgrund seines diskriminierenden Charakters verboten, und der in Strasbourg ansässige Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bestätigte am 16. Juni 2009 ihr Verbot. Inzwischen genehmigte jedoch ein Pariser Verwaltungsgericht, im Februar 2010, den Suppenausschank bei einem weiteren Anlauf erneut: Ein diskriminierender Charakter sei – dieser Entscheidung zufolge – nicht gegeben, da ja niemand gezwungen sei, gerade bei dieser Armenspeisung zu essen.

Derzeit herrschen für Suppenküchen, die heiße Suppen ausschenken, nicht gerade die richtigen Temperaturen. Deshalb mussten die rechtsextremen Aktivisten sich etwas anderes einfallen lassen. Sie suchten und fanden ein neues Aktionsthema.

Gefährlicher Apéritif

Seit etwa einem Jahr kam eine Form von Partys unter freiem Himmel in Mode, die per Verabredung in Facebook-Gruppen organisiert werden und bei denen reichlich Alkohol fließt. Den Rekord hielt im vergangenen Jahr zunächst noch Marseille mit 2.200 Teilnehmern. Danach holten jedoch die westfranzösischen Städte Rennes und Nantes auf, und im November 09 brach Nantes den vorherigen Rekord mit über 3.000 Teilnehmern trotz Kälte und Regen. Diese Trinkgelage auf öffentlichen Plätzen wurden schnell unter dem Namen „Apéro Facebook“ – die Kurzform von „Apéritif“ – allgemein bekannt. In jüngster Zeit sind diese Sauforgien jedoch heftig umstritten: In der zweiten Maiwoche dieses Jahres fiel ein junger Mann, ebenfalls in Nantes, sturzbetrunken von einer Brücke und starb. Am selben Abend waren auch fünf Verletzte zu verzeichnen. Ein Nachahmungsversuch in Paris unter dem Eifelturm wurde daraufhin durch die Polizeipräfektur verboten.

Schwein & Wein

Aus anderen Gründen umstritten war jedoch die Verabredung, die sich eine Reihe von Einzelpersonen und Organisationen für den 18. Juni in einem Pariser Armenviertel mit hohem Einwandereranteil gegeben hatten. „Apéro Wurst und Wein“ hieß der programmatische Titel, und der Stadtteil Goutte d’Or im 18. Pariser Arrondissement war das Ziel. In diesem Wohnviertel besteht ein hoher Anteil an maghrebinischen und afrikanischen Einwanderern, darunter auch „illegale“ Neuankömmlinge, die am Boulevard Barbès geschmuggelte Zigaretten feilbieten. Bekannt wurde das Viertel auch durch Pressebilder, auf denen man Moslems unter freiem Himmel beten sieht. Dies passiert manchmal an Freitag Nachmittagen, allerdings nicht, weil die Gläubigen unbedingt die Straße zu beherrschen versuchten, sondern weil die Moschee aufgrund der starken Konzentration von Einwanderern auf engem Raum oftmals zu klein ist.

In den Augen von französischen Rechtsextremen handelt es sich um einen Stadtteil, in dem „islamistische Milizen wie in Teheran“ patrouillieren, wie etwa auf der den Identitaires nahe stehenden Webseite Rebelles.Info zu lesen war – eine Internetpublikation, in der mitunter offen von der „Vorbereitung auf den Bürgerkrieg“, den man sich als Rassenkrieg vorstellt, die Rede ist. Mit der Wirklichkeit hat diese Vorstellung nichts zu tun. An der Ecke zwischen dem Boulevard Barbès und der rue de Myrha, im Zentrum des Stadtteils, gibt es ein Säufereck. Auch Drogenabhängige hängen dort oft ab. Afrikanerinnen tragen in dem Stadtteil oft extrem kurze Röcke. All dies wäre unter dem Blick islamistischer Milizen in Teheran unvorstellbar.

Sich in Heldenpose schwingend, als nähmen sie mit ihrem Vorhaben beinahe Lebensgefahr auf sich, riefen Einzelpersonen und dann auch Gruppen für den 18. Juni 10 zu dem öffentlichen Fress- und Saufgelage in der Goutte d’Or auf. Der Bloc identitaire versteckte sich dabei zunächst hinter einer unbekannten Strohfrau unter dem Namen Sylvie François, doch bei der polizeilichen Anmeldung der geplanten Veranstaltung tauchte diese dann gar nicht auf, an ihrer statt jedoch drei Führungskader des Bloc identitaire.

Rassistische Ex-Linke: ,Riposte Laïque’

Als zweite bekannte Struktur rief, neben der Identitaires, die Internetpublikation Riposte Laïque (ungefähr „Die Gegenwehr der Laizisten“) dazu auf. Dieses – mutmaßlich überwiegend von einem Lehrerpublikum gelesene – Webmagazin wird von früheren Linken betrieben, die in geradezu besessener Weise auf monothematische Weise von „der Bedrohung der Republik durch den Islam“ schwadronieren. Und dabei zu äußerst seltsamen Bündnissen neigen. Pierre Cassen, einer der hauptsächlichen Macher von Riposte Laïque, war früher ein Anhänger einer Partei, die mehrfach den Namen wechselte und sich heute „Unabhängige Arbeiterpartei“ (POI) nennt. Diese Strömung, auch als „Lambertisten“ bekannt, ist eine extrem autoritäre und sektiererische Spielart des französischen Trotzkismus, die unter anderem für ihre bizarren Allianzen – oft im Namen des Laizismus – bekannt ist.

Cassen, der selbst mit der Linken gebrochen hat, betonte jüngst in einem Interview mit dem linkspatriotischen Wochenmagazin ,Marianne’, in seinen Augen verteidige heute nur die extreme Rechte den Laizismus, den er sich vorstelle. Als einzige Politikerin, die seinen Vorstellungen nahe komme, wusste er in dem Pressegespräch Marine Le Pen zu nennen. Die Tochter von Jean-Marie Le Pen, Chef des Front National seit 1972, ist seit dem 1. Juli 10 nunmehr offizielle Kandidatin für die Nachfolge ihres prominenten Vaters auf dem kommenden Parteitag im Januar 2011, neben Bruno Gollnisch. Während Gollnisch die rechtsextremen Traditionalisten und katholischen Fundamentalisten hinter sich weiß und auch Antisemiten unter seinen Unterstützern meist nicht desavouiert – sein Anhänger Yvan Beneditti, Kommunalparlamentarier des FN und ferner Kader der neofaschistischen Splittergruppe ,Oeuvre française’ bezeichnete soeben in einer FN-Publikation im Raum Lyon (,Droite Ligne’) die „Protokolle der Weisen von Zion“ als „hellsichtiges Dokument“, hat Marine Le Pen jedenfalls in der Öffentlichkeit ein anderes Profil. Sie integriert sowohl den Anspruch, „laizistisch“ zu sein, als auch ein eher philosemitisches Auftreten in ihr Modernisierungsprojekt für die extreme Rechte. 2004 wollte sie im Rahmen einer Delegation des Europaparlaments nach Israel reisen, ihr Abstecher fiel jedoch aus, und sie wurde zur unerwünschten Person erklärt.

Allerdings hat Marine Le Pen auch Unterstützer, die etwa in der ihr nahe stehenden Internetpublikation ,Nations Presse Info’ (NPI) schreiben, dass sie die Cheftochter aus folgenden Gründen für die Parteiführung qualifiziert halten: „Auf der einen Seite ist sie aus dem ,terroir’ (ANM.: ungefähr: Boden, v.a. im landwirtschaftlichen Sinne) hervor gegangen. Im Unterschied zu den vorgenannten Persönlichkeiten (Anm.: wie dem wirtschaftsliberalen Sozialdemokraten Dominique Strass-Kahn, eine klare Anspielung auf dessen jüdische Abstammung, Ende Anm.) hat Marine Le Pen ihre Wurzeln klar und eindeutig in Frankreich. (…) Gegenüber kosmopolitischen Großbürgerfamilien, die nur durch familiäre oder historische Zufälle in dieses Land geführt wurden, es aber morgen genauso gut verlassen könnten, wäre Marine Le Pen eine (Anm.: Präsidentschafts-) Kandidatin mit < 100 Prozent Abstammung >, die mit dieser Erde durch andere als ideologische Bindungen verknüpft ist.“ (Artikel vom 20. 05. 2010) Marine Le Pen hat sich allerdings vom Inhalt dieses Artikels distanziert und ihn als unerbetenen Beifall dargestellt. Die Webseite ,NPI’, auf der er erschien, wird allerdings weitestgehend durch ihre Umgebung kontrolliert.

Aufgrund ihres Profils als „ideologische Modernisierin“ findet Marine Le Pen auch den Beifall sowohl des ‚Bloc identitaire’ als auch der Ex-Linken von ‚Riposte Laïque’. Mindestens eine – gelegentliche – Autorin in der Internetpublikation der Initiative ,Riposte Laïque’, Catherine Ségurane, die angeblich ebenfalls von der Linken kommt oder es jedenfalls vorgibt, ist Parteimitglied des Front National. Der Bloc identitaire selbst hat in den letzten Jahren einen ideologischen Modernisierungsprozess durchlaufen: Er ging im Jahr 2003 aus der Erbmasse der im August 2002, infolge eines Amoklaufs ihres Anhängers Maxime Brunerie – der am 14. Juli desselben Jahres auf Präsident Jacques Chirac Gewehrschüsse abgab – verbotenen Vereinigung Unité Radicale hervor.[02]

Unité Radicale war eindeutig antisemitisch ausgerichtet gewesen und hatte versucht, jene Teile der extremen Rechten anzusprechen, denen der Front National zu schlapp und zu legalistisch erschien. Zu ihren Anhängern zählten Neonazis, Nationalrevolutionäre und die Freunde des leicht exzentrischen Nationalbolschewisten Christian Bouchet. Doch in der allerjüngsten Periode hat der Bloc erhebliche Bemühungen um ideologische Modernisierung unternommen. Er verurteilt verbal jeden Antisemitismus, gibt sich eher pro-israelisch und beansprucht immer wieder für sich: „Wir sind nicht Rechtsextreme, wir sind rechtspopulistisch oder schlicht Populisten.“ Er reklamiert nun auch Begriffe wie „Republik“ und „Laizismus“ für sich, die aus Sicht der klassischen extremen Rechten eher rote Tücher darstellen. Allerdings immer mit dem Zusatz, die Grundlage jeglicher Politik müsse „ethno-kulturell“ sein, und der Laizismus dürfe nicht als Kampfansage gegen das Christentum aufgefasst werden. Vielmehr, so führte Bloc-Chef Fabrice Robert kürzlich in einer Programmrede zu dem Apéro-Projekt (die unter dem Titel ,Hin zu neuen Widerstandsformen’ am 24. Juni 10 auch bei der neofaschistischen, den ,Identitaires’ nahe stehenden „Nachrichtenagentur“ NOVOPRESS als Artikel erschien) aus, hätten Christentum und Laizismus in Gestalt des Islam einen gemeinsamen Feind. Den Begriff der Republik wiederum machte er seinen Anhänger schmackhaft, indem er ihnen erklärte, dieser beziehe sich ja nicht notwendig auf die – bei französischen Rechtsextreme verhasste – Chiffre „1789“, sondern auf das antike Rom und Griechenland, also auf „die Wurzeln der ureuropäischen Zivilisation“.

Der Bloc und die ihm nahe stehenden Publikationen – wie die Webpublikation Rebelles.info, die auch Kontakte zum rechten Flügel der Konservativen unterhält – unterhalten zum Front National ein eher komplexes Verhältnis. Denn die Positionen dessen nationalrevolutionären Minderheitsflügels, die als eher „anti-westlich“ aufgefasst werden, und die Kontakte mancher Führungsmitglieder des FN zum iranischen Regime rufen bei diesen innerrechten Konkurrenten blanken Hass und Ablehnung hervor. Jean-Marie Le Pen, der letztere Kontakte wohlwollend gewähren lässt, wurde in den letzten Jahren zeitweise offen als Verräter an der nationalen Sache hingestellt. Die Aktivisten des Blocs favorisieren ihm gegenüber eher „konsequente“ Kräfte bei den Konservativen, und setzen dem französischen FN das „Modell“ der italienischen Lega Nord und des belgischen Vlaams Belang positiv gegenüber. Denn diese konzentrieren sich weitgehend auf die Islamfeindlichkeit und schlügen sich nicht mit „verlorenen Schlachten“ etwa um die Rehabilitierung des Antisemitismus herum.

Allerdings verbinden diese Kräfte innerhalb der französischen extremen Rechten mit dem sich abzeichnenden Personalwechsel an der Spitze, sollte er – wie vielfach erwartet – zugunsten von Marine Le Pen ausgehen, echte Hoffnungen auf einen Kurswechsel in ihrem Sinne. Marine Le Pen hat Bloc-Chef Fabrice Robert im Jahr 2009 zwei mal getroffen. Ihre Strategie läuft darauf hinaus, führende Kader von außerparlamentarischen rechtsextremen Kräften wie dem Bloc für die Partei zu rekrutieren. Allerdings hat sie parallel dazu, in ihrem Bemühen, Unterstützung für sich vor dem heranrückenden Parteitag zu organisieren, auch dem pro-iranischen Nationalbolschewisten Christian Bouchet etwa Publikationsmöglichkeiten in FN-Publikationen zugeschanzt.

Dass der „Apéro in der Goutte d’Or“ am 15. Juni – drei Tage vor dem geplanten Termin – behördlich verboten wurde, kam Marine Le Pen entgegen. Und es diente dem FN, der bis dahin außerhalb des Projekts geblieben war, als Steilvorlage, um sich nun zumindest in die ideologische Kampagne rund um das Vorhaben einzuklinken. Noch am 15. Juni 10 prangerte Marine Le Pen in einer Presseaussendung „die Kapitulation des Staates“ an. Auf einer ihr nahe stehenden Homepage (,Nations Presse Info’) war am selben Tag die Rede davon, „unter dem Druck des Kommunitarismus“ gleite Frankreich „in den Totalitarismus ab“. Wie andere Meinungsmacher auch, versuchte die FN-Prominenz das Verbot des als offene Provokation angelegten Trinkgelages als „Unterdrückung der Meinungs-“ respektive Ess- und Trinkfreiheit darzustellen. So verstanden es auch viele Blogkommentatoren im Internet. Oder jener Mann, der am frühen Abend des 15. Juni in einer Pariser Métro laute Selbstgespräche führt: „Hick… Sie haben den Apéro verboten! Nicht einmal mehr trinken – hick – darf man jetzt mehr… Burps!“

„Widerstandskundgebung“ am Sternplatz in Paris

Letztendlich fand die „Widerstandskundgebung“ doch noch statt, und zwar ohne Anmeldung – und ohne Schweinefleisch und Alkohol – an der Place de l’Etoile, in unmittelbarer Nähe des Pariser Triumphbogens. Dort hatten die Veranstalter sie nun unter das Motto „des Gedenkens an den Jahrestag des Aufrufs Charles de Gaulle vom 18. Juni 1940“ gestellt. In jenem Aufruf, der am selben Tag in Frankreich in allen Zeitungen breit behandelt wurde, hatte de Gaulle zum Widerstand gegen Nazideutschland, die Besetzung und die Kollaborateure in Vichy aufgerufen. Daran anknüpfen möchte nun auch Fabrice Robert von den Identitaires, der seinen Anhängern erklärte, dies sei eine gute Gelegenheit, um demonstrativ mit der „antiquierten“ extremen Rechten zu brechen: „Unser Modell kann nicht in der Kollaboration liegen, sondern bei denen, die Widerstand gegen die Besatzung unseres Bodens leisteten!“ Die Besatzer seien heute allerdings mit „einer Halbmondfahne“ unterwegs, ihre Kollaborateure seien die politische Elite und die Linken.

Unter den paar hundert Menschen, die kamen, fanden sich Anhänger der Identitaires, von Riposte Laïque, aber auch von stramm rechten pro-israelischen Webpublikationen wie Alexandre Gitakos. Gekommen waren auch die ,nationalistes autonomes’, die in jüngster Zeit in Frankreich – in Anlehnung an die deutschen „autonomen Nationalisten“ im Entstehen begriffen sind. Fußballhooligans vom „Kop Boulogne“ des Pariser Clubs PSG und Anhänger der monarchistischen Action française rundeten das Bild ab. Zu einer handfesten Schlägerei kam es am Rande der Veranstaltung zwischen Bruno Larebière vom Bloc identitaire und dem langjährigen Kader der rechtsextremen studentischen Schlägertruppe GUD, Frédéric Chatillon, der heute eine Sicherheitsfirma betreibt. Chatillon hatte im August 2006 eine Reise des französischen schwarzen Antisemiten Dieudonné, zusammen mit einem rechtsextremen Journalisten und dem Verschwörungstheoretiker Thierry Meyssan, in den Libanon organisiert. Larebière hatte ziemlich abträglich darüber geschrieben und bekam dafür an jenem 18. Juni, buchstäblich, aufs Ohr. Infolge der Schläge hat Bruno Larebière angekündigt, Strafanzeige zu erstatten, falls bleibende Schäden zu verzeichnen seien.

Inzwischen haben die ursprünglichen „Apéro“-Pläne im Stadtteil Goutte d’Or, trotz des erfolgten Verbots, in halb Frankreich Nachahmer gefunden. In Lyon, wo die Identitaires über eine sehr aktive Jugendgruppe verfügen, wurde wenige Tage später eine ganz ähnliche Veranstaltung angemeldet. Auch sie wurde jedoch durch die Präfektur untersagt.[03] Es kam zu einer Reihe von Nachahmungsversuchen, die jedoch ihrerseits i.d.R. verboten wurden.[04]

Den bislang letzten Anlauf hat nun der Front National in die Hand genommen. Dessen Jugendvereinigung, der FNJ, rief für den Donnerstag dieser Woche (08. Juli) zu einem „Apéro“ mit Schweinefleisch und Wein im westfranzösischen Nantes auf. Dazu hatten sich angeblich 500 Personen auf eine entsprechende Facebook-Seite eingetragen, und die FN-nahe und Marine Le Pen unterstützende Internetpublikation ,Nations Presse Info’ rief durch einen Artikel vom 27. Juni 10 dazu auf. Linke Vereinigungen und Parteien kündigten daraufhin Gegenveranstaltungen an. Am Vortag des fraglichen Tages wurde jedoch bekannt, dass die FN-Jugendorganisation die Veranstaltung wohlweislich abgesagt hatte, aus Sorge, sonst – wie die Präfektur angekündigt hatte- für alle Konsequenzen rechtlich zur Verantwortung gezogen werden.[05]

  1. In ersten Reaktionen nach ihrer Versammlung auf der Pariser Place de l’Etoile, am Abend des 18. Juni dieses Jahres ab 19 Uhr, sprachen die Veranstalter selbst von « 500 bis 600 Teilnehmern ». Die Polizei sprach hingegen in der Felgezeit von circa « 800 Teilnehmern ». Daraufhin übernahmen die Veranstalter ihrerseits die Angabe, « über 800 Personen » hätten sich daran beteiligt. []
  2. Vgl. http://www.antifaschistische-nachrichten.de/2002/16/1chirac.shtml und http://www.antifaschistische-nachrichten.de/2002/16/1chirac2.shtml, zeitlich gefolgt von http://www.antifaschistische-nachrichten.de/2002/17/1frankreich.shtml sowie http://www.antifaschistische-nachrichten.de/2002/20/1ersatz.shtml []
  3. Vgl. http://www.tribunedelyon.fr/index.php?actus/politique/21021-lyon-polemique-:-l-apero-rosette-et-pinard-a-trouve-son-lieu%E2%80%A6-mais-pas-de-date oder http://www.lyoncapitale.fr/lyoncapitale/journal/Autre-contenu/Breves/Apero-rosette-et-pinard-les-instigateurs-identitaires-demasques []
  4. Vgl. http://www.leparisien.fr/societe/l-apero-saucisson-pinard-fait-des-emules-17-06-2010-967748.php zuzüglich http://www.agoravox.fr/tribune-libre/article/saucisson-pinard-en-route-vers-l-77090?debut_forums=100 []
  5. Vgl. http://www.ouest-france.fr/ofdernmin_-Le-FN-des-jeunes-annule-l%E2%80%99apero-saucisson-pinard_42314-1436645-pere-pdl_filDMA.Htm und http://www.labaule.maville.com/actu/actudet_-L-apero-saucisson-pinard-part-en-eau-de-boudin_dep-1437506_actu.Htm []