Fundsache: Hammurabi-Kodex in Israel gefunden

In Hazor im Norden Israels haben Archäologen der Hebräischen Universität im vergangenen Sommer in Keilschrift verfasste Gesetzestexte aus dem 18. Jahrhundert vor der Zeitrechnung gefunden. Sie enthalten Worte wie „Sklave“, „Herr“ und „Zahn“. Nach Angaben der Forscher kommen da Assoziationen auf mit dem biblischen Spruch „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Der Stil des in Hazor entdeckten Keilschrift-Textes sei dem sogenannten Hammurabi-Kodex ähnlich. Der wurde vor 100 Jahren im heutigen Iran gefunden und wird heute im Pariser Louvre aufbewahrt…

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 26. Juli 2010

Der Codex gilt als eine der ältesten Gesetzessammlungen der Welt und wurde unter König Hammurapis von Babylon im 18. Jahrhundert vor Christi Geburt geschaffen. Bibel-Forscher hielten ihn für ein Vorbild für die biblische Rechtssprechung, wie sie in den fünf Büchern Moses schriftlich niedergelegt worden ist.

Die Entdeckung der Keilschrifttexte im Heiligen Land könnte eine Revolution für die Bibelforschung bedeuten. Da es in Hazor eine „Schreiberschule“ gab, könnten die neu entdeckten Fragmente vor Ort geschrieben worden sein und nicht „Importe“ aus dem fernen Mesopotamien. In jedem Fall öffne der Keilschrifttext aus Hazor völlig neue Ansätze, den Zusammenhang zwischen dem Hammurabi-Kodex und dem biblischen Gesetze zu erkunden, meint Professor Wayne Horowitz des Archäologischen Instituts der Hebräischen Universität.

Die beiden Keilschrift-Fragmente aus Hazor stellen den bisher ältesten und größten Korpus von Gesetztestexten dar, der jemals in Israel gefundenen wurde. Nach Angaben des Entdeckers, Professor Amnon Ben-Tor, lasse der Fund den Schluß zu, dass Hazor vor fast viertausend Jahren ein wichtiges Verwaltungs- und Handelszentrum war.

© Ulrich W. Sahm, haGalil.com

Ein Kommentar zu “Fundsache: Hammurabi-Kodex in Israel gefunden

  1. Dieses verdammte Wort „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ wird ja leider  – nicht nur im sogenannten „Nahen Osten“ – bis auf den heutigen Tag praktiziert. Es ist ja unter dem Deckmäntelchen „Schadensausgleich“ selbst in die modernen westlichen Rechtsauffassungen eingeflossen ( wo bei das allem zugrunde liegende Motiv RACHE weiträumig umfahren wird.)
    Die Jetztzeit sollte aus ihren historischen Erfahrungen endlich Schlüsse ziehen und sich abkehren von den „steinzeitlichen“ Glaubensdogmen dieser Art „Auge um Auge“ und der Einbildung, daß es sogar legitim sei oder heute noch dem Willen Gottes entspräche.

    Frieden will man angeblich, aber wenn der Andersdenkende nicht kuscht, dann gibt´s „einen übergebraten“ ——- ????????????????????  Wie lange noch ?

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