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Israel: Vorreiterrolle bei Rechten von Schwulen und Lesben

Heute, genau ein Jahr nach dem Anschlag auf das schwul-lesbische Jugendzentrum Bar Noar in Tel Aviv, bei dem zwei Jugendliche ums Leben kamen und elf weitere zum Teil schwer verletzt wurden, veranstaltet das Jerusalem Open House eine Demonstration die zur Knesset führen und an die immer wieder aufflammende anti-schwul/lesbische Gewalt errinnern soll…

Mit nur 60 Jahren ist Israel eines der jüngsten und zugleich fortschrittlichsten Länder der Welt. In Bezug auf die Gleichberechtigung sexueller Minderheiten und ihre persönlichen und zivilen Rechte ist Israel mit Abstand der toleranteste Staat im Nahen und Mittleren Osten. [1]

In Israels Unabhängigkeitserklärung vom 14. Mai 1948 lesen wir:
…“Israel wird ein Staat sein, der auf Prinzipien der Freiheit, des Friedens und der Gerechtigkeit errichtet ist, wie es der Vision der Propheten Israels entspricht; er wird die volle soziale und politische Gleichberechtigung aller seiner Staatsbürger gewährleisten, ohne Rücksicht auf ihre Religion, Rasse oder ihr Geschlecht.“…

Es gibt verschiedene Erklärungen für die breite Akzeptanz von Schwulen und Lesben in der israelischen Gesellschaft.

Zum einen bildet die Familie einen integralen Bestandteil der jüdischen Gesellschaft in Israel. Daher neigen Eltern eher dazu, ihre schwulen, lesbischen, bisexuellen oder transsexuellen (LGBT) Kinder so zu akzeptieren wie sie sind, als den Familienzusammenhalt aufs Spiel zu setzen. Weil Israel so ein kleines Land ist, leben Familienmitglieder nicht weit von einander entfernt; ein starkes soziales Netz macht das Leben in der Anonymität fast unmöglich. [2] Zum anderen können Juden auf Jahrhunderte lange Erfahrungen des Verfolgtseins zurückblicken und sind daher eher aufgeschlossen gegenüber dem Schicksal von Homosexuellen, die während des Holocaust gleichfalls verfolgt und ermordet wurden. [3]
Dazu kommt, dass die innere Geschlossenheit in Israel angesichts der Bedrohungslage von außen erste Priorität genießt, während gesellschaftliche Debatten wie etwa über Homosexualität in der Regel in den Hintergrund treten. [4] Die israelische Gesellschaft ist darüber hinaus überwiegend westlich orientiert und in vielen Fragen liberaler als seine Nachbarn im Mittleren Osten eingestellt. Als demokratischer Staat fördert Israel die Rechte aller seiner Bürger, ungeachtet des Geschlechtes, der Religion oder der ethnischen Zugehörigkeit.

Die Rechte von Homosexuellen sind gesetzlich geschützt. [5] Eine außerhalb Israels geschlossene homosexuelle Ehe wird vom Staat anerkannt, und Paare gleichen Geschlechts dürfen Kinder adoptieren. [6] Schwule und Lesben dienen in der Armee. [7] Geschlechtsumwandlungen sind erlaubt und werden durchgeführt. [8] Die LGBT-Gemeinde wird von weiten Bevölkerungsteilen akzeptiert. Lesben und Schwule sind in der Politik, im Wirtschaftsleben, im Rechtswesen, in den Streitkräften und in der Kulturszene vertreten. In der Tat kann man in Tel Aviv eine der lebendigsten schwul-lesbischen Szenen der Welt antreffen. [9]

Wegen der hier gewährten Freiheit einerseits und der Intoleranz gegenüber Homosexuellen in muslimischen Staaten sowie in palästinensischen Autonomiegebieten andererseits, ist Israel zu einem sicheren Zufluchtsort für homosexuelle Palästinenser geworden, die vor Repressalien im Westjordanland und im Gazastreifen flüchten. In diesen Gebieten fallen Homosexuelle schweren Anfeindungen durch die eigenen Familien, ihre Gemeinden, die radikalislamische Hamas und die palästinensische Autonomiebehörde zum Opfer. [10]

„Was den Kampf der Schwulen und Lesben für ihre öffentlichen Rechte angeht, so kann dieser Kampf als abgeschlossen betrachtet werden“… [15]
– Dr. Amit Kama, von der Abteilung für Medienlehre an der akademischen Hochschule Emek Yezreel.

Dr. Amit Kama ist seit 1982 in verschiedenen LGBT-Organisationen tätig und war der erste geschäftsführender Direktor der Gesellschaft für den Schutz der persönlichen Rechte (SPPR) in den frühen 90-er Jahren. Im Jahre 2003 veröffentlichte Kama das erste Buch in hebräischer Sprache, welches sich eingehend mit der Soziologie, Geschichte und Psychologie des homosexuellen Mannes in der Welt und insbesondere in Israel befasst. [16]

Dennoch gibt es Gegner der schwul-lesbischen Gemeinde in Israel, vor allem seitens der ultra-orthodoxen jüdischen Bevölkerungsgruppen sowie den ultra-orthodoxen Parteien, die in der Knesset, dem israelischen Parlament, [11] vertreten sind.

Als 2006 jüdische Vertreter der Ultra-Orthodoxen, der christliche Klerus und muslimische Glaubensvertreter Jerusalems Proteste gegen die geplante Gay-Parade, des „Gay Pride“, anmeldeten, musste die Parade in das Sportstadion der Hebräischen Universität verlegt werden. [12] Dazu wurden auch abschätzende Bemerkungen über Homosexuelle seitens ultra-orthodoxer Knesset-Abgeordneten laut. [13] Einige Gruppierungen haben sich – allerdings erfolglos – bemüht, die israelische Gesetzgebung, die Homosexuellen volle Freiheit und Gleichberechtigung [14] zuspricht, zu einzudämmen.

In Reaktion auf den heftigen Widerstand seitens orthodoxer Gemeinde-Mitglieder haben einige orthodoxe Juden, die sich selbst zu ihrer Homosexualität bekennen, im Februar dieses Jahres eine Kampagne gestartet, deren Ziel es ist, religiösen Homosexuellen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Einer der Gründer dieser Web-Initiative (HOD – eine hebräische Abkürzung für religiöse Homosexuelle), ist der bisher einzige Rabbiner in Israel, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. [17]

Schwule und Lesben in der Politik

Es gibt offen lebende Schwule und Lesben im öffentlichen Leben Israels, die Parlamentsmitglieder oder Richter in Amtsgerichten sind. Einige Beispiele:

Rechtslage – Jüngste Entwicklungen

Während der vergangenen zwei Jahrzehnte wurden große Fortschritte in der Gesetzgebung gemacht. Zusätzlich zur Anerkennung der im Ausland geschlossen gleichgeschlechtlichen Ehe [23] und zur Anerkennung des Rechts auf Adoption von Kindern durch lesbische und schwule Paare [24]gibt es noch einige nennenswerten Beispiele:

„Ich begrüße diesen Entschluss. Es gibt keinen Grund dafür, dass Paare gleichen Geschlechts, welche den Kriterien der Adoption entsprechen, nicht Adoptiveltern werden sollten. Wir müssen mit dem Geist der Zeit gehen und die sich ändernde Welt akzeptieren.“…

– Der israelische Sozialminister Isaac Herzog in einem Kommentar zum Regierungsbeschluss, wonach homosexuellen Paaren das Adoptionsrecht zusteht [25]

Homosexualität und Militärdienst

Die Armee spielt in Israel eine zentrale Rolle; für die Gesellschaft ist der Militärdienst ein integraler Bestandteil der Bürgerpflichten. Der Dienst in der Armee ist Pflicht für fast alle Israelis. (Arabische Staatsbürger und orthodoxe Juden sind vom Militärdienst befreit.) [42]

Sie sind alle israelische Bürger, wie du und ich. Die sexuelle Orientierung der Mitarbeiter um mich herum interessiert mich nicht.
– Ein Offizier der israelischen Verteidigungsarmee über Homosexuelle im Militärdienst [43]

Gay-Kultur

Lesben und Schwule sind ein fester Bestandteil des israelischen Kulturlebens. Themen, die sich mit Homosexualität befassen, bilden in Film, Theater, in der Musik und in der Literatur keine Ausnahme. In Tel-Aviv gibt es eine rege Gay-Szene mit Restaurants, Bars und Clubs. [50]

…“Es gibt keinen besseren Platz auf der ganzen Welt Gay zu sein… Die Gay-Kultur in Israel ist nicht „underground“ oder „alternativ“, wie etwa in New-York. Hier in Israel, wo wir integriert sind, sind wir voll integrierte und vollwertige Mitglieder der israelischen Gesellschaft.“…

– Gal Uchovsky, ein homosexueller israelischer Filmproduzent, Regisseur des Films „The Bubble“.[56]

Tel-Aviv: Die Gay-Metropole Israels

Tel-Aviv ist die Kultur- und Finanz-Metropole des Landes. [57] Die Zeitschrift Out nannte Tel-Aviv die “Gay-Metropole des Nahen Ostens”, [58] aber die Stadtverwaltung und die Verantwortlichen im Touristikministerium haben noch grandiosere Pläne für die Gay-Szene der Stadt: Sie wollen Tel-Aviv zur „Gay-Metropole der Welt“ und die Stadt zum wichtigsten Anziehungspunkt der internationalen schwullesbischen Gemeinde machen. [59]

Rechtslage von Schwulen und Lesben in Israels Nachbarländern

Im Vergleich zu den arabischen Nachbarländern ist Israel toleranter und zeigt viel mehr Akzeptanz für Schwule und Lesben. [63] Homosexualität ist legal, und Homosexuelle genießen gesetzlichen Schutz. [64] Ganz anders die Lage in den anderen Ländern der Region, wie etwa in Libanon, in Lybien, Syrien, Iran und Saudi-Arabien.

In Iran werden homosexuelle Männer und lesbische Frauen zum Tode verurteilt und in öffentlichen Exekutionen gehängt. [65] In Saud-Arabien reicht das Strafmaß von Freiheitsentzug bis Auspeitschen zum Tode. [66] In Syrien kommen Schwule und Lesben mit dreijährigen Freiheitsstrafen davon. [67] Obwohl Homosexualität im technischen Sinne in Jordanien und in den palästinensischen Autonomiebieten gesetzlich nicht verboten ist, sind Schwule und Lesben dort nicht gesetzlich geschützt und können Opfer von Übergriffen werden. [68] Schwule und Lesben in Jordanien suchen häufig Asyl im Ausland oder werden von den eigenen Familienmitgliedern im Rahmen des so genannten „Schutzes der Familienehre“ [69] verfolgt, was nichts anderes ist als der Mord an eigenen Familienmitgliedern, typischerweise an weiblichen Personen, die angeblich den guten Ruf der Familie geschändet haben. Frauen können Opfer dieser „Ehrenmorde“ werden, wenn sie ohne das Einverständnis der Familie heiraten, der westlichen Kultur „verfallen“, Ehebruch begehen, sich weigern, einer von der Familie geschlossenen Zwangsehe zuzustimmen oder auch weil sie vergewaltigt wurden. [70]

Homosexuelle Palästinenser flüchten oft nach Israel, weil sie im Westjordanland und im Gaza-Streifen von den palästinensischen Behörden oder von der Hamas [71] verfolgt werden. Die palästinensische Autonomiebehörde sieht in Homosexuellen israelische Kollaborateure. [72] Es gibt einige Fälle, bei denen Israelis Palästinensern, die wegen ihrer Homosexualität verfolgten wurden, das Leben gerettet haben:

Weitere Information über den rechtlichen Status von Homosexuellen, Lesben, Bisexuellen und Transgender im internationalen Vergleich bieten folgende Webseiten: Amnesty International’s Interactive Map oder Sexual Minorities and the Law: a World Survey.

LGBT-Verbände und -NGOs

In Israel:

The Association for Civil Rights in Israel
Jerusalem
Tel.: +972-2-652-1218
E-mail: mail@acri.org.il

Tel Aviv
Tel.: +972-3-560-8185

Haifa
Tel.: +972-4-852-6333/4/5
Web: http://www.acri.org.il/eng (Englisch)

The Aguda (Israeli Gay, Lesbian, Bisexual and Transgender Association)
Tel: +972-3-620-5590
E-mail: info@aguda-ta.org.il
Web: http://www.aguda-ta.org.il (Hebräisch)

Beit Dror (Deutsch: Haus der Freiheit) – Nothilfe-Zentrum für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transsexuelle
Tel.: +972-3-516-4621
E-mail: bethdror@012.net.il
Web: www.bethdror.org (Hebräisch)

Jerusalem Open House for Pride and Tolerance (JOH)
JOH ist eine “fundamentale, aktivistische Organisation von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transsexuellen sowie ihrer Sympathisanten.” [78]
Tel.: +972-2-625-0502
E-mail: office@joh.org.il
Web: http://www.worldpride.net/index.php?id=1803 (Englisch)

Ha’asiron Ha’acher (Deutsch: Die übrigen 10 %) The GLBT Student Organization in Jerusalem
Yair Lieberman, Vorsitzender
Tel.: +972-2-653-5454 oder + 972-54-741-3067 (Mobil)
E-mail: asiron@gmail.com

Israeli Gay Youth Organization (IGY)
Tel.: +972-3-560-0958
E-mail: office@igy.co.il
Web: www.igy.co.il (Hebräisch); http://www.igy.co.il/content/about_us_en.php (Englisch)

Tehila – eine Unterstützergruppe für Eltern von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen
Tel.: +972-9-885-5822
E-mail: info@tehila.org.il
Web: http://www.tehila.org.il/ (Hebräisch)

Expertenkontakte (Israel)

Michal Eden, Rechtsanwältin, früheres Mitglied des Tel Aviv Council, als Vertreterin der Meretz-Partei
Tel.: +972-54-661-0540
E-mail: michaleden@yahoo.com

Nahum Eido, Sprecher des israelischen Ministeriums für Sozialwesen
Tel.: +972-2-675-7424
E-mail: nachumi@molsa.gov.il
Web: www.molsa.gov.il/MisradHarevacha (Hebräisch)

Prof. Uzi Even, Früherer Knesset-Abgeordneter; Universität Tel Aviv, Chemische Fakultät
Tel.: +972-3-6408614
E-mail: even@chemsg1.tau.ac.il
Web: http://www.tau.ac.il/chemistry/even (Englisch)

Prof. Amit Kama, Medienabteilung, Emek Yezreel Academic College
Tel.: +972-3-641-1480
E-mail: amit8860@yahoo.com

Etai Pinkas, Mitglied des Stadtrates Tel Aviv, representing the Labor Party and Tel Aviv Mayor’s Advisor on LGBT Affairs
Tel.: +972-52-451-6444
E-mail: pinkas@egodan.org.il

Mark Regev, Regierungsrat für Kontakte mit der Auslandspresse im Büro des Ministerpräsidenten
Tel.: 972-2-670-5555 (office); 972-2-670-5354 (direct)
Web site: http://www.pmo.gov.il/PMOEng (Englisch)

Quellennachweise: