Orthodoxe Rabbiner: Zur israelischen Militäraktion

Die Orthodoxe Rabbiner Konferenz Deutschland, ORD, nimmt mit großer Besorgnis die im Zusammenhang mit der israelischen Militäraktion gegen die Gaza- Flotille stehenden antisemitischen Reaktionen zur Kenntnis. „Wir und unsere Gemeinden werden seit den Vorfällen am Montag verstärkt an- gefeindet“, sagt ORD- Vorstandsmitglied Rabbiner Avichai Apel. „Wir sind entsetzt darüber, wie Menschen in Deutschland ihre Kritik an der israeli- schen Politik in judenfeindlichen Äußerungen formulieren.“…

Pressemitteilung zur israelischen Militäraktion

Die ORD bedauert ausdrücklich den Verlust von Menschenleben bei der Aktion im Mittelmeer. Die Verantwortung dafür tragen jedoch die pro- palästinensischen Aktivisten, die im Verbund mit Unterstützern islamischer Terrororganisationen hinter dieser Provokation stehen.

Zugleich wendet sich die ORD gegen eine Vorverurteilung des jüdischen Staates, der ohne Zweifel als einzige Demokratie des Nahen Ostens eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge darlegen wird. „Wir stehen an der Seite Israels und unterstützen alle Bemühungen um einen gerechten Frieden in der Region“, betont Rabbiner Apel. „Wir denken, dass wir diese Meinung nicht nur namens der orthodoxen Rabbinerschaft in Deutschland, sondern auch im Sinne der Mehrheit der Mitglieder unserer Gemeinden vertreten.“

Die öffentlich geäußerte Kritik bezeichnet Apel als „teilweise sehr einseitig“. Dabei sei auch vereinzelt eine antisemitische und rassistische Grundhaltung deutlich. „Da derartige Meinungsäußerungen den redlichen Kritikern die Grundlage entziehen, da diese oft ungewollt ins gleiche Horn blasen, macht ihre Hetze umso widersinniger.“

Die ORD ist die Vereinigung orthodoxer Rabbiner in Deutschland. Sie wurde 2003 gegründet und hat bereits 32 Mitglieder. Das Ziel dieser Rabbinerkonferenz ist es, sich um das jüdische Leben und den Erhalt und die Weiterentwicklung von jüdischer Tradition und Halacha in Deutschland zu kümmern, wobei vor allem die Zuwanderung der Mitglieder aus den ehemaligen GUS-Staaten eine besondere Aufmerksamkeit erfahren soll.

6 Kommentare zu “Orthodoxe Rabbiner: Zur israelischen Militäraktion

  1. Die Formulierung der Rabbis ist wohl etwas „ungeschickt“ geraten, wenn sich einmal dagegen gestellt wird, Israel vorzuverurteilen, andererseits aber, unter Beifügung der Information, daß eine laufende Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei, die Schuld der „Pro-Palästinenser“ festgestellt wird. Das ist ein Widerspruch.

    Andererseits, soweit ich verstanden habe, ist die „Gaza-Flottill-Angelegenheit“ doch hinreichend aufgeklärt.
    Vielleicht wird eine eingehendere Untersuchung weitere Ergebnisse erzielen.
    Doch insgesamt erscheint der Handlungsablauf sowie die Intentionen für die einzelnen Handlungen klar
    (,da ich sie nun im groben beschreiben möchte, entschuldige ich mich im voraus, falls ich manches bekannte nicht erwähne. Es geht mir eigentlich um einen Punkt, wie man die gesamte Situation beurteilen kann nach den Mitteln der Vernunft).

    Die Flottille legt ab in einem türkischen Hafen, auf dem „Spezialschiff“ (Mavi Marmara) werden antijüdische Lieder gesungen. Das zeigt wohl schon den Geist der singenden.
    Das Schiff selbst ist gechartert und zum Teil besetzt von Menschen mit einem „muslimfaschistischen“ (wenn ich salopp so formulieren darf) Hintergrund.
    Als die Flottille sich auf Israel zubewegt, gibt es Funkkontakt, bei der Israel der Flottille anbietet, im Hafen von Ashdod zu landen. Von dort könne man die Hilfsgüter auf dem Landweg nach Gaza verbringen.
    Der Seeweg nach Gaza wird der Flottille untersagt.
    Das Schiffskommando lehnt auch bei weiteren Verhandlungen (bei denen sogar die Eltern von Gilad Schalit Hilfe gegen Hilfe anbieten) die Vorschläge israelischer Seite ab und bestimmt somit einen Kurs, der in die Konfrontation führt.
    Dabei zeigt sich bei fünf von sechs der Schiffe, daß die Konfrontation friedlich abläuft.
    Auf einem, dem türkischen, oben das „Spezialschiff“ genannt, kommt es zu gewalttätigen Handlungen.
    Zugegebenermaßen, besonders viel ist nicht zu erkennen, was die Videos zu den Handlungen hergeben.
    Wir haben also die Darstellungen der verschiedenen Seiten und können nach Instinkt, Geschmack oder besserer Information der glaubwürdigsten Quelle zustimmen.

    Also versuchen wir das, was wir als Fakten erkennen können, heranzuziehen, um die glaubwürdigste Quelle zu finden.
    Die Flottille bewegt sich entgegen einer israelischen Order auf eine Küste zu mit der Absicht eine offizielle See-Blockade zu durchbrechen.
    Die Verantwortlichen der Schiffe werden nicht gewußt haben, was genau passiert, aber sie „mußten“ damit rechnen, daß Israel zum Schutze der eigenen Souveränität ihren Worten Taten folgen läßt.
    Vermutlich werden die Verantwortlichen mit einem relativ moderaten Handeln des israelischen Militärs gerechnet haben.
    Was auch immer „muslimfaschistische“ Agitation behaupten mag, in der Realität sollte bekannt sein, daß die Israeli keine wahnsinnigen Berserker sind, die erst schießen, dann fragen. Wenn das die Art der Israeli wäre, dann hätten sie (zB) Raketen geschickt, anstatt ihre eigenen Leute einer Gefahr auszusetzen.
    Das dürfte auch den Verantwortlichen der Flottille bekannt gewesen sein.
    Auch ein Mankell (und dergleichen) wäre sicher nicht mitgefahren, wenn er nicht genug Vertrauen auf die israelische Gesellschaft hätte, wenn die Israeli als verrückte Mörder bekannt wären.
    Aber die Situation auf dem „Spezialschiff“ eskaliert, und ob sich die Schiffer präventiv gewehrt haben oder einfach ihren Temperamentsausbrüchen erlagen, an einer Stelle wird eine große Menschenverachtung offenbar.

    Die Verantwortlichen der Flottille, insbesondere des „Spezialschiffs“ haben ganz bewußt die Passagiere in Lebensgefahr gebracht. Wenn ein Teil von ihnen ihr Verständnis von „Märtyrertum“ umsetzen wollte, so fällt es mir schwer anzunehmen, daß oben erwähnter Mankell (ua) dazu ebenfalls bereit wäre.
    Die Anstifter des „Spezialschiffs“ haben das Leben der Mitpassagiere sowie das Leben der Israeli gefährdet, ihre Ziele haben sie so oder so erreicht, wie sie selber längst eingeräumt haben (und die deutsche Presse, Politiker,etc, „funktionierten“ ganz so, wie der „Propaganda-Zweck“ voraussah) .
    Fakt ist also, diesen Menschen ist ihre Botschaft wichtiger, als das nackte Leben ihrer Feinde und ihrer Freunde, deren „Liebe“ sie zugleich mißbrauchen.

    Was geschah ganz genau auf dem Schiff?
    Möglicherweise erscheine ich naiv, aber im Zweifel glaube ich eher der „Schönung“ der Israeli, die nicht an erster Stelle interessiert sind Leben zu zerstören.
    Im Zweifel mag es mir leichter fallen mögliche „Übertreibungen“ der Israeli zu entlarven, und doch werde ich sie verzeihen, denn sie wollen mich nicht zerstören.

    Und deshalb stimme ich den Rabbis zu.

    A gute Woch!

    A.mOr.

  2. Natürlich darf man nicht Menschen, weil sie jüdisch sind irgendwie für die bislang nicht geklärten Vorgänge auf der Marvi Marmara verantwortlich machen. Das geht gar nicht.

    Diese Erklärung läd jedoch regelrecht zu Widerspruch ein und begründet zweifelsohne Frustration.

    Die Rabbiner beklagen eine Vorverurteilung und tun selber mit ihrer Erklärung nichts anderes.

    ‚Die Verantwortung dafür tragen jedoch die pro- palästinensischen Aktivisten, die im Verbund mit Unterstützern islamischer Terrororganisationen hinter dieser Provokation stehen.‘

    Es ist nun einmal nicht jeder per se loyal zu Israel, was immer dieses tut, so wie diese Rabbis es offensichtlich sind (und das ist auch nicht gerade eine aufgeklärte Haltung) und so wie es aussieht, verlangt der Rat der Rabbiner regelrecht, dass ihre einseitige Haltung auch vom Rest der Welt adaptiert wird – anstatt eine unabhängige, mit allen erforderlichen Kompetenzen ausgestattete Untersuchung zu fordern, die einzig und alleine in der Lage wäre Gewissheit über die Vorgänge zu schaffen.

    Diese Erklärung trägt sicherlich rein gar nichts dazu bei, der von der Konferenz geäußerte Sorge wirkungsvoll zu begegnen – im Gegenteil.

  3. „Die ORD bedauert ausdrücklich den Verlust von Menschenleben bei der Aktion im Mittelmeer. Die Verantwortung dafür tragen jedoch die pro- palästinensischen Aktivisten, die im Verbund mit Unterstützern islamischer Terrororganisationen hinter dieser Provokation stehen.
    Zugleich wendet sich die ORD gegen eine Vorverurteilung des jüdischen Staates, der ohne Zweifel als einzige Demokratie des Nahen Ostens eine lückenlose Aufklärung der Vorgänge darlegen wird.“
     
    Sorry, aber wie kann man in einem Atemzug die pro-palästinensischen Aktivisten vorverurteilen und sich dann gegen die Vorverurteilung des jüdischen Staates wenden? Schließlich könnte die „einzige Demokratie des Nahen Ostens“ bei ihrer „lückenlosen Aufklärung“ – zumindest theoretisch – auch zu dem Ergebnis gelangen, daß die Aktivisten unschuldig sind. Diese Pressemitteilung zeugt von einer erstaunlichen Respektlosigkeit gegenüber Israel, dem man doch nicht indirekt unterstellen will, kein Rechtsstaat zu sein – das wäre nämlich eine ziemliche Vorverurteilung!

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