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Werte in der Erziehung

Referat auf dem GEW und Histadrut Hamorim Seminar 1996…

Von Till Lieberz-Groß

Bei der Vorbereitung unserer diesjährigen Schwerpunktthemen habe ich den Vorschlag eingebracht, über Werte zu diskutieren, die wir als Pädagoginnen und Pädagogen in und für unsere Arbeit als unabdingbar ansehen. Aus meiner langjährigen Arbeit als Lehrerin in einem multikulturellen und sozial sehr unterschiedlich strukturierten Umfeld stellt sich mir immer dringender die Frage nach einem gemeinsamen Werte-Nenner, einem von Lehrern, Eltern und Schülern gemeinsam entwickelten und getragenen Werterahmen oder Wertemaßstab.

Dass diese Fragestellung eine für mich erstaunlich geringe Resonanz bekommen hat, kann nun verschieden gedeutet werden: entweder ist dies ein marginales und damit vernachlässigbares Problem oder das Problem ist zu heiß, zu wenig vordiskutiert. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir nur mit einem gemeinsam entwickelten Werte-Rahmen kommunikationsfähig bleiben können, bzw. werden können. Um unsere immer stärker auseinanderdriftende Gesellschaft lebens- und funktionsfähig halten zu können, müssen wir eine gemeinsame Verständigungsebene finden. Erst auf einer solchen Grundlage lassen sich echte Gegensätze und Konflikte von Kommunikationsstörungen unterscheiden, die andere Lösungsstrategien erfordern. Sprachlosigkeit und ein Nebeneinander-Agieren auch auf der Werte-Ebene fördert Segregation und birgt gesellschaftliches Dynamit – Potential – in jeder Gesellschaft und auf jeder gesellschaftlichen Ebene! Unterschwellig oder manchmal auch sehr aggressiv vorgetragen, bestimmen Wertvorstellungen anderer als Machtfaktor ohnedies unser aller Leben – auch in der Schule – warum dann nicht offen darum streiten? Warum den Ideologen und Tricksern das Feld überlassen? (Seit einiger Zeit lernt man beim Fußball z.B. wie man foult, ohne dass man auffällt. Von wegen fair play!) Viele Diskussionen mit Kollegen, mehr noch mit Kolleginnen bestätigen mich darin, dass hier durchaus Diskussionsbedarf vorliegt. Ich fühlte mich deshalb auch bestärkt, diese Thematik aufzugreifen und ein paar Überlegungen  zur weiteren Diskussion vorzulegen.

In einer Diskussion definierte der israelische Philosoph Leibowitz, das Wesen von Werten sei, nicht verwirklicht zu werden. Aber der Mensch müsse danach streben, sie zu verwirklichen, ja, er müsse für die Werte, die er für sich als richtig erkannt habe, kämpfen. Nach meinem Dafürhalten beweisen Werte ohnedies ihre Bedeutung in ihrer Handlungsrelevanz und das impliziert immer auch eine individuelle Verantwortung. Welche Werte, welche kulturellen Traditionen und Errungenschaften bedeuten uns so viel, dass wir sie als tragend, als essentiell für das Zusammenleben in unserer Gesellschaft ansehen, dass wir sie auch für die Zukunft an die nächste Generation weitergeben möchten?  Ist ein kulturübergreifender Wertestandard überhaupt möglich?  Wir berufen uns gerne auf die „Aufklärung“, auf allgemeingültige Menschenrechte und verweisen auf die UN-Charta. Nicht nur die Terroranschläge der letzten Wochen sind ein Beweis dafür, dass die Menschenrechte keineswegs global akzeptiert sind, dass sogar das primäre Recht auf Leben brutal missachtet wird. Dies zu konstatieren – mit Bitterkeit zu konstatieren – kann uns als Pädagogen und Gewerkschafter, als Staatsbürger allerdings nicht davon befreien, uns immer wieder in die Niederungen der politischen und pädagogischen Arbeit zu begeben, die manchmal unlösbar scheinenden Probleme und Gegensätze „kleinzuarbeiten“ (ein Begriff von Wolfgang Klafki). Auf der einen Seite haben wir die zu allem entschlossenen Fanatiker, die ihre Vorstellung von Wertigkeit ohne Menschenrechtsskrupel durchbomben, aber das Spektrum reicht andererseits bis zu den „knallharten Hedonisten“ (Heitmeyer), die auch schon mal „klauen, rauben, treten für den schnellen Genuss“.

Was kann Erziehung dem entgegensetzen – und dann noch in dem schmalen Gesellschaftssegment „Schule“? Auch wenn es bei mir  Zeiten und Situationen gibt, in denen ich diese Frage recht kleinmütig beantworte, habe ich doch so viel professionelles Selbstbewusstsein, dass ich uns einiges an Einfluss zutraue: wenn wir uns denn zunächst einmal selbst einig sind, was wir an Werten vermitteln und auch leben wollen – und wie viel Anstrengung uns das wert ist. Die Voraussetzung dazu ist ein Selbstbild des Lehrers, der Lehrerin, mit dem wir uns nicht nur als Fachleute für bestimmte Unterrichtsfächer festlegen (lassen), sondern von uns als Teil des Berufsbildes – und zwar für alle Jahrgangsstufen gültig – einen erzieherischen, bewusst Werte vermittelnden Impetus fordern. Unsere Professionalität müsste allerdings sofort in Zweifel gezogen werden, ließen wir uns für eine einseitige, ideologische Wertevermittlung einspannen.

Die Wertediskussion ist in der Bundesrepublik Deutschland (wie die Diskussion um eine „nationale Identität“) leider immer noch weitgehend von rechts belegt. Das liegt zu einem nicht geringen Anteil an unserer unseligen Vergangenheit, in der Wertevermittlung auch in der Schule nur ein Synonym für Indoktrination im Sinne einer menschenverachtenden Ideologie war. Interessanterweise wird aber nach meiner Beobachtung einerseits eine Wertediskussion mit Blick auf unsere Verantwortung in der Vergangenheit – insbesondere die deutsche Verantwortung für den Holocaust und auch auf unsere globale Verantwortung, speziell in bezug auf die „Dritte Welt“ – von linker Seite ständig neu eingefordert und auch heftig geführt. Auf der anderen Seite hat eine den eigenen Alltag direkt berührende Wertediskussion – zum Beispiel in bezug auf den Schulalltag – über einen zu langen Zeitraum zumindest in unseren öffentlichen Diskursen kaum stattgefunden. Diese auf der Linken sonst nicht so zu beobachtende Diskussionszurückhaltung wurde nachhaltig verstärkt durch den Widerwillen, den die konservative „Mut-zur-Erziehung“-Debatte in den Siebzigern hervorrief, weil sie penetrant an die „Werte-Debatte“ vergangener Ideologien um altdeutsche „Tugenden“ anknüpfte. Es ging wieder einmal um „Ordnung, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Gehorsam“, sattsam bekannte, mit Pathos vorgetragene Verhaltensforderungen, von denen wir uns genervt absetzten. Dabei hätten wir damals schon viel gelassener erkennen können, dass diese „Mut-zur-Erziehung“-Debatte gar nicht die Wertediskussion war, für die sie sich ausgab. Es ging statt dessen lediglich um „Sekundärtugenden“, zum Teil auch um Kulturtechniken, die als Grundwerte hochgestapelt wurden. Ich werde später noch einmal auf den Unterschied zwischen Werten und Kulturtechniken zurückkommen. Was behindert – verhindert? – eigentlich bis heute die Diskussion? Ist es die Angst vor moralinsaurer Festlegung auf oktroyierte, selbstherrliche, oft genug heuchlerische „Werte“, die man bis in alle Ewigkeit satt hat?

Ich möchte keine abgehobene Wertediskussion führen, sondern eine, die für den pädagogischen Alltag und unsere Profession Relevanz hat. Ausgangspunkt meiner Überlegungen sind Beobachtungen aus dem pädagogischen Alltag. Dort beklagen wir zunehmend rauhe Sitten bis hin zur Gewalt, einen nicht selten barschen Umgangston, der Distanz ausdrückt und ggf. auch schafft, eine Zunahme von Schülern und Schülerinnen, die sich wie „„Prinzen und Prinzessinnen“ so egozentrisch aufführen, als lebten sie alleine auf der Welt, Ellenbogenmentalität im einzelnen bis hin zum nationalistischen „Wir zuerst“ im größeren Zusammenhang. Das alles widerspricht meinen Vorstellungen von Lebenswerten, von einem humanen Umgang miteinander. Die Reaktion unserer Profession ist nicht selten hilflos. Oft genug bleiben Kolleginnen und Kollegen, die sich um einen gemeinsamen Handlungsrahmen für ein menschliches Miteinander mühen, Einzelkämpfer und werden sogar vom eigenen Kollegium aus Müdigkeit, eigenem Überdruss und Mutlosigkeit ignoriert oder sogar entmutigt, fühlen sich wie „Dinosaurier“, weil sie „altmodisch“ auf der Einhaltung bestimmter Wertestandards – manchmal sogar nur in der rudimentären Form von Regeln – bestehen. Schulen, in denen das Kollegium oder sogar die Schulgemeinde zu einem auf Konsens ausgerichteten pädagogischen Diskurs findet, sind leider immer noch Oasen im weiten Niemandsfeld der Pädagogik. Die notwendige „Reibung“, die anstrengende Auseinandersetzung im Ringen um einen gemeinsamen Maßstab wird zu oft vermieden. Es heißt dann: „Gegen die Gesellschaft, die Eltern, die aktuellen Verhaltenstrends (aktueller Jugendhit „Du musst ein Schwein sein in dieser Welt“) kommt man ja doch nicht an; der Slogan „ Schule ist keine Reparaturwerkstatt der Gesellschaft“(wahlweise „des Kapitalismus“) beschreibt die Gefühlslage vieler Kollegen. Die permanente und noch zunehmende Überbelastung der Kolleginnen und Kollegen, der Trend für immer mehr zuständig gemacht zu werden bei gleichzeitiger Image-Demontag  demotiviert und verstärkt die Tendenz, sich zurückzuziehen und den vielfältigen, bunten Garten der Pädagogik verwahrlosen zu lassen: In einem solchen Garten überlebt nur das robusteste Kraut – zurück zum Darwinismus?

Gibt die immer unübersichtlicher werdende Situation zu vielen von uns nicht auch die willkommene Gelegenheit, sich aus der Verantwortung zu stehlen? Ich möchte einmal die zugegebenermaßen provokative Frage stellen: Haben wir als aufgeklärte Pädagogen denn überall, wo dies nötig und möglich gewesen wäre, auf der Diskussion von gemeinsamen Wertestandards bestanden oder haben wir uns gescheut, uns an diesen in früheren Zeit meist nur von konservativer Seite geführten Diskussion die linke Zunge zu verbrennen?

Entgegen der oft gehörten Meinung, die Einigung auf Wertestandards sei in der heutigen zerrissenen Zeit absolut unmöglich, stelle ich die These auf, dass diese Gesellschaft nur mit einem in aller bunten Vielfalt gefundenen Wertekonsens zivilisiert überleben kann.

Dieser Konsens kann mit jeder langfristigen Veränderung immer wieder nur prozesshaft neu gefunden werden. Dies wird mit Sicherheit nicht einfach sein. Jürgen Habermas (in Charles Taylor , Multikulturalismus und die Politik der Anerkennung“, 1993):“Die Herausforderung wird um so größer sein, je tiefer die religiösen, rassischen oder ethnischen Unterschiede oder die historisch-kulturellen Ungleichzeitigkeiten reichen, die überbrückt werden müssen; sie werden um so schmerzlicher sein, je mehr die Tendenzen zur Selbstbehauptung einen fundamentalistisch-abgrenzenden Charakter annehmen, sei es, weil die um Anerkennung ringende Minderheit aus Erfahrungen der Ohnmacht in Regressionen ausweicht, sei es, weil sie erst auf dem Wege einer Massenmobilisierung das Bewusstsein für die Artikulation einer neuen, konstruktiv erzeugten Identität wecken muss“. Auch J.J. Smolicz, ein australischer Wissenschaftler, fordert ein die verschiedenen ethnischen Gruppen verbindendes „Wertsystem“ als notwendige Grundlage für einen stabilen Multikulturalismus. Diese Notwendigkeit sehe ich ganz allgemein für die auch vielfältiger werdenden sozialen Milieus.

Das oft gehörte „anything goes“ halte ich für Drückebergerei in der Wertediskussion.

Nun, welche Werte halte ich für unabdingbar, um den Bestand einer humanen, zwangsläufig vielfältiger (heterogener) werdenden Gesellschaft zu gewährleisten?

Da ist zunächst ganz allgemein die Erziehung im Sinne universeller Grundrechte wie das Leben in einer Demokratie, die Einhaltung der individuellen Menschenrechte wie die Achtung der persönlichen Freiheit, die nach dem immer noch gültigen Wort von Rosa Luxemburg immer (auch) die Freiheit des Andersdenkenden ist. Einen hohen Wert hat für mich auch die Erziehung zu einer positiven Grundhaltung zum Mitmenschen: die Erziehung zu gegenseitigem Respekt vor der Vielfalt menschlicher Äußerungsformen und zu Verantwortungsbewusstsein sich selbst und anderen gegenüber (Altruismus dagegen ist mir eher suspekt), die Erziehung zu Offenheit und Solidarität, die Achtung vor der Natur, die Akzeptanz von Endlichkeit – und der Mut, diese scheinbare Sisyphusarbeit im Rahmen der Endlichkeit auch anzugehen. Mut zur Erziehung bedeutet in diesem Zusammenhang, Mut zu fragmentarischem Tun, Mut imperfekt zu sein und zu bleiben und nicht schon deshalb von vornherein aufzustecken, weil der erzieherische Erfolg sich nicht so perfekt einstellen kann wie gewünscht. Erziehung ist Beziehungsarbeit, bzw. Arbeit, die heute zumindest in der Bundesrepublik Deutschland noch nicht von allen Kolleginnen und Kollegen als zu ihrer Aufgabe gehörig akzeptiert wird – auch, weil sie sich dafür als Fachleute für Fächer nicht genügend ausgebildet sehen. Hier ist ohne Zweifel eine wichtige Aufgabe für Ausbildung und Fortbildung, aber auch für die Berufsberatung: Jemand, der nur unterrichten, aber nicht erziehen will, gehört nicht in den Lehrerberuf.

Was tun? Das gemeinsame Ringen um gemeinsame Standards im Kollegium, mit Eltern, mit Schülern ist der notwendige Beginn gemeinsamen Tuns. Dieses gemeinsame Tun kann keiner Rezeptologie folgen. Man kann aber von anderen lernen: Ob es der Versuch eines gemeinsam erarbeiteten „Code of Conduct“ ist, wie er an belgischen und niederländischen Schulen versucht wird oder ob es ein Aufeinanderzugehen via schulbezogener Projekte ist – zum Beispiel über das Projekt „Schule ohne Rassismus“, ob man der Politischen Bildung stärker handlungsbezogenen Raum gibt oder das Curriculum auf den Bezug zu den gemeinsam festgelegten Standards überprüft, verändert und ergänzt – Just do it! Besinnen wir uns auf unsere Stärke: die professionale (und gewerkschaftliche) Solidarität! Und besinnen wir uns auf ein uraltes probates Erziehungsmittel: die Verstärkung gewünschten Verhaltens durch Lob!

Selbstverständlich sind solche Unterfangen nicht unabhängig von vorhandenen Ressourcen.

Das Fehlen von Ressourcen ist aber keine Entschuldigung für Nichtstun – schließlich sind wir auch noch mit Bewusstsein Gewerkschafter und auch als solche für die Qualität von Schule mitverantwortlich. In diesen Seminaren war immer viel die Rede von Verantwortung; von Verantwortung für die Vergangenheit – aber gleichermaßen auch für Gegenwart und Zukunft.

Das Adorno-Wort: „Jede Diskussion über pädagogische Ideale ist nichtig und uninteressant angesichts des einen, nämlich, dass Auschwitz sich nicht wiederhole.“ ist allen hier geläufig. Dieser Anspruch sollte uns nicht mutlos machen, sondern anspornen. Auschwitz begann lange vor Auschwitz , auch durch den langsamen Verlust von moralischen Wertestandards und das Versagen unseres Berufsstandes.

Unsere Profession hat die Kompetenz und auch über unsere Gewerkschaft ein Forum, Vorschläge für Wertestandards in unserer heutigen Gesellschaft zu entwickeln, ohne in die segmentierten, kleingestrickten Muster von Interessengemeinschaften früherer Zeiten zu verfallen – seien sie ausschließlich religiöser, politischer oder gesellschaftlicher Natur – , sondern aus der Vielfalt der vorhandenen ethnischen, ethischen, kulturellen und religiösen Gegebenheiten unserer Gesellschaft gemeinsame Ziel-Standards zu entwickeln und auch im kleinen zu leben – immer in eigener individueller Handlungsverantwortung. Wertemaßstäbe können nur Richtschnur sein, sie entbinden in keiner Weise von persönlicher Verantwortung.

Der gewünschte gemeinsame ethische Grundkonsens ist nach meiner Erfahrung mit der überwiegenden Mehrheit der Eltern aus den verschiedensten sozialen und kulturellen Milieus möglich, solange sie tatsächlich am Prozess beteiligt werden; Schülern können diese Maßstäbe auch eine oft vermisste Sicherheit zu eigenen Suchprozessen geben, eine Hilfe, die sie im Elternhaus allein eben nicht mehr finden. Die notwendige Einigung ist um so eher möglich, als wir tatsächlich zwischen Grundwerten und „Sekundärtugenden“ oder Kulturtechniken unterscheiden und den Grundsatz der Prozesshaftigkeit auch von Werten zugrunde legen. Niemand besitzt die ganze (alleinige)Wahrheit. Sauberkeit, Ordnung, Pünktlichkeit können hilfreiche Techniken sein; sie sind aber erstens kulturgebunden und zweitens nicht ein Wert an sich. Kulturtechniken müssen an Werte angebunden sein, sollen sie nicht sogar in gegen Menschen gerichtetes Verhalten umschlagen können. – Beispiele muss ich in diesem Kreise nicht ausführen.

Aber natürlich sind auch positive Verbindungen zwischen Grundwerten und Kulturtechniken möglich. Ich möchte dies an einem Beispiel verdeutlichen: Als einen für mich wichtigen Wert hatte ich gegenseitigen Respekt und die Akzeptanz von Vielfalt genannt. Zum Verständnis gehört Verstehen, was wiederum Kommunikation voraussetzt. Dies geht oft nicht ohne Konflikt ab: notwendig erlernbare Kulturtechnik muss demnach Konfliktfähigkeit sein, auch mit Hilfe von Konflikttraining. Die Bereitschaft, eine andere Position auch dann gelten zu lassen, wenn man sie nicht akzeptiert, ist erlernbar. Grundkonsens allerdings muss sein, dass das Leben und die Würde des anderen nicht in Frage steht. Das Ringen darum hat Priorität.

Meine Großmutter pflegte mit einer zu ihrer Zeit eher ungewöhnlichen Feststellung zu verblüffen: „Erziehung ist sinnlos, die Kinder machen doch alles nach“. Nur scheinbar paradox, weist uns diese Position eine verantwortungsvolle Rolle zu, als Lehrer und Erzieher auch in schwierigen Zeiten den überlebensnotwendigen Konsens zu suchen und – wenn auch unvollkommen – zu leben und als Gewerkschafter und Staatsbürger für die notwendigen Rahmenbedingungen und Ressourcen zu kämpfen.

Zwei Jahre später setzte Till Lieberz-Groß ihren  Reflexionsprozess mit „Warum „Die deutsch-israelischen Seminare der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und der Histadrut Hamorim“ fort. Dieser Beitrag wurde in dem von Roland Kaufhold und Till Lieberz-Groß (Hg. 2001) herausgegebenen psychosozial-Band: Deutsch-israelische Begegnungen, psychosozial Heft 1/2001, S. 13f. publiziert.

Literatur

Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft (Hg.) (2009): „Die Verantwortung aber bleibt“ (Reader), http://www.hagalil.com/2009/05/27/gew/
Mindestbestellmenge 5 Exemplare) über gew-shop@callagift.de, Fax: 06103-30332-20, Einzelexemplare über: broschueren@gew.de, Fax: 069/78973-70161.