Lova Eliaw: Der Siedlungsbau vergiftet Israel

Als vor Kurzem Arieh „Lova“ Eliav (21. November 1921 – 30. Mai 2010) starb, hat uns eine der charismatischsten Persönlichkeiten aus der Generation der Staatsgründer verlassen. Lova war nicht nur einer der Gründer der Arbeitspartei, er blieb auch jahrzehntelang einer der geistigen Mentoren der israelischen Sozialdemokratie. Die israelische Linke habe den Staat nicht nur ausgerufen und aufgebaut, sie habe auch weiterhin die Pflicht an der Vision eines gerechten Staates für alle seine Bürger und eines gerechten Friedens mit allen seinen Nachbarn festzuhalten.

Er war einer der schärfsten Kritiker der Siedlungspolitik und sah in der politischen Wende 1977, als die israelischen Sozialdemokraten zum ersten Mal nach der Staatsgründung abgewählt wurden und der Likud unter Menachem Begin die Geschäfte übernahm, eine Katastrophe für den Staat und die israelische Gesellschaft. Dass er im rechten Lager auf Widerspruch stiess ist wenig überraschend, dass dieser Widerspruch aber so oft in persönliche Diffamierung und blanken Hass umschlug und ihn oftmals mit voller Wucht traf, war trotzdem erschreckend.

Als Lew Lifshitz kam er 1921 in Moskau zur Welt. Mit seinen Eltern ging er schon drei Jahre später ins damalige Palästina, das unter britischem Mandat stand. Unter anderem besuchte er das renommierte Tel-Aviver Gymnasium Herzliya. Später studierte er an der Hebräischen Universität Jerusalem Geschichte und Soziologie. In der Hagana, in die er schon als 15-Jähriger eingetreten war, unterstützte er die illegale Einwanderung der Flüchtlinge aus Europa. Dabei lernte er auch Tanya kennen, seine spätere Frau.

Er erwarb sich große Verdienste um den Aufbau des Negew, wo die Geschichte von Arad, der Lachisch Region, von Kiryat Gat und Nizana eng mit seinem Namen verbunden sind. Genauso wie David Ben-Gurion sah er hier, im Süden des Landes, die enorme Chance für modellhafte Neuerung. Immer wieder wies er auf die Bedeutung von Forschung und Entwicklung in Bereichen wie Umweltschutz, Klimaforschung, Wasserentsalzung und -wiederaufbereitung hin. Hier könne und müsse der Staat Israel noch viel mehr tun.

Dass immer mehr Staatsmittel in eine aggressive Siedlungspolitik in besetzten Gebieten abgezogen wurden, schmerzte ihn um so mehr, da er schon sehr früh erkannt hatte, dass diese Siedlungspolitik irgendwann schwer umkehrbar sein würde. Da die so subventionierten Siedler nur unter Fortbestand der Besatzung ihre Mission erfüllen können, sah er im Siedlungsbau ein immer größer werdendes Hindernis auf dem Weg zu einem konstruktiven Neben- und Miteinander mit den Palästinensern. Uri Avnery, mit dem er sich 1977 einen Platz in der Knesset teilte, sprach von einem Nessosgewand, einem Umhang aus der griechischen Sagenwelt, der seinen Träger langsam vergiftet. In einem Interview 2006 sagte er, die steigende Gewaltbereitschaft sei ein Gift, das über die unter Besatzung Lebenden auch auf die Besatzer und schließlich in die gesamte Gesellschaft eindringe.

2006 Interview hebr.

In einer Art Nachruf schreibt Yossi Sarid: „Anfangs war er wie eine Gazelle, deren Hals die Jäger suchten. Er versuchte, eine Möwe zu werden, in der Hoffnung, dass wenn er gen Himmel fliegt, dann könnten sie ihn nicht herunterbringen. Er ging in jede Landesecke, um sich ein Refugium, ein Nest für seine enttäuschte Hoffnung, zu bauen, bis er endlich einen Ort fand, wo seine Beine zur Ruhe kamen und er seine Seele baumeln lassen konnte – Nizana. Der vor Kurzem verstorbene Arie “Lova” Eliav war der erste, den sie als Verräter beschimpften, als Anti-Israeli. Aber ich sagte nichts, weil ich nicht Lova war“…

Neben zahlreichen Kommentaren schrieb er auch 16 Bücher, u.a. „Eretz haZwi“ und „Boi beSchalom“.

פרסומים מאתאריה (לובה) אליאב

– בין הפטיש והמגל – ניסיון אישי בקרב יהודי ברה”מ (בשם העט בן-עמי) (1965)
– הספינה אולואה – סיפורו של ארטור (1967)
– יעדים חדשים לישראל (1969)
– קפיצת הדרך (1970)

– ארץ הצבי – הערכת מצב (1972)
אפשרויות פתוחות לישראל

„ארץ הצבי“ הוא ספר שנוצר בסערת מלחמה, מלחמה אידיאולוגית. הספר בנוי כמבנה מתוחכם היצוק מהאלמנטים הבאים: תשתית אידיאולוגית, סיכום היסטורי מתומצת, הערכת מצבים קונקרטיים בשטח, האופציות האפשריות, בחירת האופציה הנכונה, שילובה בתוך מסכת של יעדים ארוכי טווח (עד סוף המאה על פי רוב) למדינת ישראל.
האלמנטים הללו אינם מפוזרים בפרקים נפרדים אלא יצוקים בכל יחידה ויחידה בספר, בכל נושא ונושא. זה כוחו של „ארץ הצבי“ שנכתב לפני שנים, הוא נעשה שוב אקטואלי.

– הרוח לא ייקח (1974)
– שלום (1975)
– סולם ישראל – חלום ושברו (1976)
– עולם מלא (1980)
– טבעות שחר (אוטוביוגרפיה) (1984)
– לב חדש ורוח חדשה (1986)
– בואי השלום (1995)
– תאומי צבייה (2005)
– משני עברי המעברה (עם יוסי אלפי) (2006)

http://www.mako.co.il

4 Kommentare zu “Lova Eliaw: Der Siedlungsbau vergiftet Israel

  1. Viele übersehen, dass der Anspruch auf das Land Israel sich aus der Lehre Israels ableitet.

    Dort steht dieses Bündnis aber unter Bedingungen. Um die Lehre scheint man sich aber nur noch oberflächlich zu kümmern und nur wenn es weltlichem Machtstreben dient.

    Die Besetzung gerade der alten Gebiete des Landes Israel (Eretz Jisrael), gerade von Juda und Samaria, ist nach dem Judentum, der Lehre Israels (Torat Jisrael), dem Volk Israel (Am Jisrael) verboten (siehe bsp. Maimonides).

    Vielleicht liegt darin das von Lova und anderen geschilderte Gift?

  2. Sebaldius, die Konsequenz ist nachvollziehbar, leider.
    Pommer, was stellen Sie sich denn vor, falls Ihnen eine realistische Lösung am Herzen liegt?
    Ausser als einer der zahlreichen „Jane-Hetzer“ sind Sie noch nicht mit inhaltlicher Weisheit aufgefallen. Im Gegenteil!

  3. Im Grunde genommen hat Israel mit der jüdischen Kolonialisierung der besetzten Gebiete Selbstmord begangen als  „jüdischer _und_ demokratischer“ Staat. Israel hat da ein Stück abgebissen, das es nicht schlucken und nicht verdauen kann. Israel hat keine Chance mehr, langfristig als Judenstaat zu überleben.
     
    Denn diese jüdische Besiedelung der besetzten Gebiete ist irreversibel und hat eine Zwei-Staaten-Lösung unmöglich gemacht. Andererseits kann Israel aber auch nicht auf ewig die Millionen Palästinenser in den besetzten Gebieten in Ghettos und Bantustans einsperren und unterdrücken und entrechten und als minderwertige Menschen behandeln. Aber Israel kann diese Millionen Menschen auch nicht einfach vertreiben, oder gar töten.
     
    Also bleibt am Ende nur noch der binationale Einheitsstaat. Ein Staat mit einer Verfassung, die allen Bürgern zwischen Meer und Jordan exakt dieselben Rechte einräumt, ob sie nun Juden sind oder Palästinenser.
     
    Und was sollte denn eigentlich so schlimm daran sein, dass Israel eines Tages kein Judenstaat mehr ist, sondern ein ganz normaler demokratischer Rechtsstaat westlicher Prägung? Völkischer Nationalismus hat eh keine Zukunft mehr.
     
    Kein Volk auf der Welt lässt sich dauerhaft unterdrücken und entrechten. Südafrika hat 1990 gezeigt, wie ein auf Unterscheidung und Apartheid gegründetes Unrechtssystem sich einfach über Nacht auflösen kann. Da konnte der „Terrorist“ Nelson Mandela einfach aus seiner Gefängniszelle herausmarschieren und sich mehr oder weniger direkt in den Präsidentenpalast begeben, demokratisch legitimiert.
    Warum sollte etwas Vergleichbares nicht in Israel möglich sein?

  4. Wir haben kein anderes Land. Die Araber sind die Besatzer Israels und müssen zurrück in seine ursprunglichen Länder, wo die sehr viel Platz haben und wir nicht. Wir wünschen eine gute Reise. Keine Zweiländer Lösung.

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