Iranischer Filmemacher verschwunden

STOP THE BOMB ist äußerst besorgt um Gesundheit und Leben des seit 11 Tagen verschwundenen exil-iranischen Künstlers und Filmemachers Daryush Shokof. STOP THE BOMB fordert die zuständigen Behörden in Deutschland auf, alles zu tun, um das Verschwinden Shokofs aufzuklären, und dabei besonders die Möglichkeit einer politisch motivierten Tat iranischer bzw. islamistischer Kräfte zu untersuchen…

STOP THE BOMB fordert die Bundesregierung auf, zum Fall Shokof öffentlich Stellung zu beziehen und die Sicherheit sowie die Möglichkeit freier politischer wie künstlerischer Betätigung aller vor dem iranischen Terrorregime geflohenen Menschen mit allen zur Verfügung stehenden politischen und polizeilichen Mitteln zu gewährleisten.

„Die iranischen Vertretungen kontrollieren ein Netzwerk an regimetreuen Agenten und Institutionen, die in Deutschland noch immer ungestört agieren können. Der iranische Botschafter in Berlin, Ali Reza Sheikh Attar, gehört etwa zu den terroristischen iranischen Revolutionsgarden“, so Jonathan Weckerle, Sprecher von STOP THE BOMB.

Die iranische Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat deshalb völlig zu Recht die Verantwortung der deutschen Bundesregierung für die Sicherheit Shokofs betont.[1]

Am Montag, den 24. Mai 2010 wurde Shokof zuletzt am Kölner Hauptbahnhof gesehen, wo er einen Zug nach Paris besteigen wollte. Weiter bekannt ist nur, dass er keinen seiner Termine in Paris wahrgenommen hat.

Shokof ist als einer der schärfsten Kritiker der Islamischen Republik unter den iranischen Künstlern im Exil bekannt. In seinen beiden jüngsten Filmen, „Iran-Zendan“ (Iran-Gefängnis) und „Hitler’s Grave“, die am 9. Mai 2010 in Berlin Premiere feierten, werden die Verbrechen und Ideologie des Regimes scharf angegriffen. „In Shokofs Filmen werden zahlreiche tabuisierte Themen aufgegriffen, Folter und Vergewaltigungen in den Gefängnissen werden ebenso gezeigt wie eine Frau, die ihr Kopftuch wegwirft und als Frau aus einer islamischen Familie einen jüdischen Mann heiratet. Shokofs Werke greifen die ideologischen Grundfesten der Islamischen Republik an und sind für die Machthaber im Iran gefährlich. Gerade vor dem Jahrestag der gefälschten Präsidentschaftswahlen ist es möglich, dass das Regime mit einer Aktion gegen einen Kritiker die Opposition im Iran und Exil einzuschüchtern versucht“, so Weckerle.

Mindestens 162 Morde an Oppositionellen im Exil wurden von den Machthabern in Teheran seit 1979 in Auftrag gegeben.[2] Seit der massiven Protestbewegung des letzten Jahres werden Oppositionelle im Exil verstärkt bedroht und verfolgt, gerade auch in Deutschland.[3]

So drohte Massoud Jazayeri, stellvertretender Befehlshaber der iranischen Streitkräfte im November 2009, dass viele Demonstranten innerhalb und außerhalb Irans identifiziert wurden und dass man sich zu gegebener Zeit mit ihnen befassen werde. Als Ziele benannte er „aufgeklärte Säkularisten, Journalisten, studentische Aktivisten und Künstler im Ausland“[4].

STOP THE BOMB, 4.6.2010

Weitere Informationen zu Daryush Shokof und alle Neuigkeiten finden Sie auf dieser Sonderseite: http://de.stopthebomb.net/de/start/deutschland/shokof.html

[1] http://de.stopthebomb.net/de/start/deutschland/shokof.html#c1380
[2]
http://www.iranhrdc.org/httpdocs/English/pdfs/Reports/No-Safe-Haven_May08.pdf
[3] Das Regime verfolgt seine Kritiker, WDR Panorama, 15.10.2009,
http://daserste.ndr.de/panorama/media/panorama358.html
[4]
http://englishtogerman.wordpress.com/2009/11/08/drohungen-gegen-unterstutzer-der-grunen-bewegung-auserhalb-irans/

9 Kommentare zu “Iranischer Filmemacher verschwunden

  1. @Kein Schweizer:

    Sie scheinen sowieso ein Witzbold ohnegleichen zu sein. Schön, dass ich zu Ihrer Unterhaltung beitragen konnte. Nun müssen Sie mir ewig dankbar sein. gg

    Allerliebste Grüße
    Edith

  2. @Sigrid Asamoah:

    Mit derart Durchgeknallten wie dem Iran will Deutschland sicher nichts zu tun haben. Was jetzt folgt, drückt eher die Angst vor einem ausgeweiteten Krieg im Nahen Osten aus. Da dem säkularisierten Israel mehr Vernunft zugetraut wird, soll eben Israel kuschen und die Rolle des Schwarzen Peter übernehmen, so die Motivation der umliegenden Staaten.

  3. Wie besorgt ist man eigentlich, daß Israel genauso Leute inhaftiert, die öffentlich Äußerungen zu Israels Atomprogramm machen und es kritisieren? Hier wird mal wieder mit zweierlei Maß gemessen.

  4. I am glad that hagalil informs about the dire human rights‘ situation in Iran and offers possibilities to protest against a cooperation as described above. Oh, Germany – after the return of the Linkspartei PMs – who by the way, gave an ugly incoherent show at the press conference – and its new antisemitic wave. At present it is a bit unfortunately that in Berlin a nationwide protest rally is to be staged – againt poverty und the European debt crisis („Wir sind alle Griechen!“), exactly on the 12th of June. Supporters of democrary in IRAN will have a difficult time to reach public attention.

  5. Pingback: Daryush Shokof?

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