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Kundgebung: Solidarität mit dem legitimen Verteidigungskampf Israels

Rede von Stephan J. Kramer bei der Solidaritätskundgebung für Israel am 13. Juni 2010 in Berlin…

Free Gaza from Hamas

Ein flämisches Sprichwort sagt: „Wahre Freundschaft kommt am schönsten zur Geltung, wenn es ringsumher dunkel wird“. Liebe Freunde: Es ist dunkel geworden in dieser Welt, aber wir alle sind heute hier zusammengekommen, um unsere Freundschaft, Solidarität und Verbundenheit mit unseren Brüdern und Schwestern in Israel sichtbar und hörbar zu machen! Wir werden Israel nicht im Stich lassen, auch dann nicht, wenn über so manche Entscheidung und Handlung dieser israelischen Regierung es so einiges zu kritisieren gibt, was wir auch selbst tun!

Es gibt in der deutschen Öffentlichkeit eine besondere Sorte von Menschen: Judenfeinde, die sich nicht als solche bezeichnen möchten. Sie tarnen sich als Kämpfer für Fortschritt und Gerechtigkeit. Selbstverständlich sind ihnen Juden lieb und teuer – vor allem diejenigen, die im Rahmen der nationalsozialistischen „Endlösung der Judenfrage“ ermordet wurden. Da ihr starker, aber geleugneter Hass sich dennoch entladen muss, suchen sich unsere pseudoaufgeklärten Feinde ein ihrer Meinung nach legitimes Objekt aus: den Staat Israel, den sie dann so behandeln, wie „klassische“ Antisemiten Juden behandeln.

Wer sich die gegen Israel ausgestoßenen Anschuldigungen genauer anhört, wird nicht nur Parallelen zur deutschen Geschichte der dreißiger und der ersten Hälfte der vierziger Jahre, sondern auch frappierende Ähnlichkeiten zum abendländischen Antisemitismus des Mittelalters finden. Da wird Israel – ohne jeglichen Anhaltspunkt – mit den Nazis verglichen. In manchen Karikaturen sieht man zudem Israelis, die palästinensische Kinder verspeisen. Das wiederum ist eine klare Fortsetzung der alten Ritualmordlegende, die seit fast einem Jahrtausend durch die Welt geistert.

Leider gingen auch die deutschen und internationalen Medien diesen Israel-Fressern auf den Leim. Wer die gängige Medienberichterstattung in den vergangene zwei Wochen las und sah, musste glauben, dass bei dem Einsatz vor der Küste Gazas, eine brutale Soldateska unschuldige Friedensaktivisten, ohne jegliche Provokation, erschossen hat.

Die Toten sind ein Fakt und ohne wenn und aber ist zu bekennen, dass der Verlust dieser Menschenleben schwer wiegt.

Unsere aufrichtige Trauer und Anteilnahme ist mit den Familien und Hinterbliebenen, aber wir denken auch an die geschundenen und verletzen israelischen Soldaten, die ihr Land und unser Volk verteidigt haben.

Angesichts der laufenden Diskussion und Empörung ist es umso wichtiger, die Tatsachen zu benennen und die Wahrheit offen auszusprechen.

Den Initiatoren der Flotte ging und geht es nicht um das Schicksal der Palästinenser im Gaza-Streifen, sondern um die Abschaffung jeglicher israelischer Kontrolle der nach Gasa gelangenden Fracht. Das aber hätte in Zukunft ungehinderten Waffentransport an die Hamas-Bewegung und deren Geistesverwandte bedeutet. Wir sprechen über einen Brückenkopf des aus dem Iran finanzierten und geführten islamistischen Staatsterrorismus, da ist nämlich der Staatsterrorismus zu Hause, keine siebzig Kilometer von Tel-Aviv und nur achthundert Meter von Sderot.

Wer es vergessen hat: Die Hamas strebt unverhüllt Israels Vernichtung an und zögert nicht, israelische Städte Männer, Frauen und Kinder, Zivilisten, unter Beschuss zu nehmen. Mit einem umfangreichen Raketenarsenal könnte die Hamas ganz Israel unter Feuer legen.

Dem kann keine israelische Regierung, ob rechts oder links, tatenlos zusehen. Daher muss Israel den Weg nach Gasa kontrollieren. Wer Israel das verwehren möchte, spricht den israelischen Juden das universale Menschenrecht auf Selbstverteidigung ab.

Und weil das aber fast täglich passiert, wird die Ausübung eben dieses Rechtes stets als israelische Aggression ausgelegt. Das war bereits im Jahre 1967 der Fall, als Israels Selbstverteidigungskrieg als „Aggression gegen die friedliebenden arabischen Nationen“ verurteilt wurde. Die Wahrheit sah damals und sieht heute aber anders aus

Als sich Israel nach jahrelangem Raketenbeschuss aus dem Gasastreifen Ende 2008 zu militärischem Eingreifen gezwungen sah, zelebrierten seine Feinde, auch in Deutschland, ein düsteres Ritual, bei dem der Judenstaat als Menschheitsfeind durchs globale Mediendorf getrieben wurde. Nicht anders kam es vor zwei Wochen, nachdem Israel – zugegebenermaßen schlecht vorbereitet – die Blockadebrecher stoppen musste.

Dass die hinter der Aktion stehenden Dschihadisten und islamistischen Terroristen verurteilt worden wären – davon konnten die Juden nur träumen. Auch fand es kaum jemand nötig, die leider destruktive Rolle der türkischen Regierung unter der Führung des Ministerpräsidenten Erdogan, beim Namen zu nennen. Dass diese – immer mehr zum Islamismus tendierend – den Möchtegern-Israelvernichtern Unterstützung gewährte, ist eine Entwicklung, die von den Medien ebenso wie von der Politik in Deutschland aufs Schärfste hätte verurteilt werden müssen. Abgesehen von einigen zaghaft-kritischen Kommentaren, gab es keine wirkliche Kritik am türkischen Ministerpräsidenten in Deutschland oder Europa.

Wo sind die Stimmen in der deutschen Politik und Gesellschaft, die hörbar und überzeugend die das Terrorregime der Hamas und seine Menschenrechtsverletzungen gegenüber der palästinensischen Zivilbevölkerung anprangern? Auch Ministerpräsident Erdogan hat zu diesem Thema auffallend geschwiegen. Wo sind die zig Milliarden von Dollar und Euro, als Unterstützung und zum Aufbau von sozialen und wirtschaftlichen Strukturen aus Europa, Amerika und einigen arabischen Staaten, ins Westjordanland und den Gaza-Streifen fließen sollten? Traut man dem Medienbild, so ist Israel allein verantwortlich für die Perspektivlosigkeit und Armut in der palästinensischen Bevölkerung. Dies ist eine infame Propaganda!

Gestern vor einem Jahr fanden im Iran Wahlen statt. Das Ergebnis wurde gefälscht und der Holocaustleugner Achmadinejad wieder zum Staatspräsidenten ernannt. Derselbe Achmadinejad der Journalisten und Oppositionspolitiker brutal terrorisiert, foltert und mit Gewalt einschüchtert. Der an Minderjährigen Todesurteile vollstrecken und Ehebrecherinnen öffentlich steinigen lässt. Wir haben die Bilder und Berichte hoffentlich noch alle im Gedächtnis.

Derselbe Achmadinejad wird vom türkischen Ministerpräsidenten in Ankara empfangen und herzlich begrüßt. Ich frage mich, ob Herr Erdogan, als Ministerpräsident eines Landes, das der NATO angehört und Mitglied der Europäischen Union werden will, die Menschenrechtsverletzungen im Iran oder die iranische Förderung des islamistischen Terrors weltweit – dazu gehört die Finanzierung der Hamas in Gasa – mindestens angesprochen hat – von Kritik will ich erst gar nicht reden.
Wer allerdings den Genozid der osmanischen Türkei an den Armeniern 1915 heute noch leugnet, der disqualifiziert sich selber, Herr Erdogan.

Das iranische Volk wurde in seinem Freiheitskampf gegen die herrschende Mullah-Diktatur, auch von denselben janusköpfigen deutschen Friedensaposteln, die Israel heute mit gestärkter Brust substanzlos an den Pranger stellen, schändlich im Stich gelassen. Statt das Regime im Iran als Bedrohung des Weltfriedens zu begreifen, werden fröhlich weiter Geschäftsinteressen und Kulturaustausch gepflegt. Frei nach dem Motto: Was nicht verboten ist, ist erlaubt oder etwas „volkstümlicher“: Erst das Fressen, dann die Moral!

In deutschen Gefilden hat sich zudem die Linke als ein Hort des Israelhasses profiliert. Weder hat sich die Partei von ihren Parlamentariern distanziert, die der Hamas als „nützliche Idioten“ – ich hoffe, die Nachfolgepartei der SED ist mit diesem leninistischen Begriff vertraut – dienten, noch zeigte sie das geringste Verständnis für Israels Recht, sich vor Feinden zu schützen.

Gregor Gysis populistisch inszenierte Empörung über den angeblich „Verbrecherischen Akt, bei dem friedliche Menschen getötet oder verletzt wurden“ widert mich an. Angesichts der bekannten Faktenlage wäre mindestens eine öffentliche Entschuldigung fällig – Herr Gysi! Aber er taucht ab, wie immer!

Umso wichtiger ist es, dass wir, die hier Versammelten unsere Stimme erheben und auch vernehmbar vor dem sich im Israelhass entladenden Judenhass warnen.
Es ist schade, dass wir so wenig sind, doch umso dringender wird dadurch unsere Rolle. Ich bin dankbar, als Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland, als Mitglied der jüdischen Gemeinschaft und als ein besorgter Bürger der Bundesrepublik hier unter Ihnen dabei zu sein und mit euch zusammen zu demonstrieren.

Am J’Israel Chai!