Ziggy Elman: Am Anfang stand der Klezmer

Die sog. „Ostjuden“ wurden, nachdem man mit einigen wenigen von ihnen nach dem Ersten Weltkrieg schlechte Erfahrungen gemacht hatte, besonders in meinem Geburtsland Bayern für nahezu sämtliche Missstände und Übel verantwortlich gemacht…

Von Robert Schlickewitz 

Die damals, vor über achtzig Jahren, von Politikern, der Presse und einem namhaften bayerischen Literaten (Ludwig Thoma) russischen sowie polnischen Juden entgegengebrachten Verteufelungen und Verdächtigungen schufen bei vielen Deutschen ein Negativimage, das in manchen christlich-konservativen Kreisen bis in die Gegenwart spürbar ist. Nicht in der Lage oder nicht willens zu differenzieren, lehnte man die Zuwanderer mit der so verachteten ‚anderen‘ Religion rundweg ab oder instrumentalisierte sie politisch auf ganz besonders schäbige Art und Weise, wie etwa das Schicksal der 1500 „Ostjuden“ in München zu Beginn der 1920er Jahre, die man nach langem hin und her brutal abschob, belegt. 

Dabei befanden sich unter den vor Intoleranz und christlichem Hass gleich mehrfach Geflüchteten höchst talentierte, fleißige und nützliche Köpfe, deren besonderer Wert jedoch offensichtlich nur in den USA erkannt wurde. Denn nur dort fanden diese Menschen ein Klima vor, das es ihnen erlaubte sich relativ ungehindert zu etablieren, sich eine lebenswürdige Existenz zu schaffen, eine gewisse ‚Normalität‘ zu leben. Ihre Kinder wurden bereits in der ‚Neuen Welt‘ geboren oder durchliefen dort den Hauptteil ihrer Sozialisierungsphase. Letztere war zwar noch stark von den Sitten, Bräuchen und Wertevorstellungen des Shtetl geprägt, erfuhr jedoch i.d.R. ihre überwiegenden Einflüsse von der nordamerikanischen Umgebung. 

Die zivilisierte Menschheit verdankt gerade dieser zweiten Generation ‚mischsozialisierter‘ Amerikaner ostjüdischer Herkunft eine beträchtliche Anzahl begnadeter Individuen, deren häufig amerikanisierte Namen aus Kultur, Wissenschaft, Journalistik, Filmwesen, Showbusiness etc. nicht wegzudenken sind. 

In der Musik, einem ganz wesentlichen Bestandteil traditionellen ostjüdischen Lebens, traf in der neuen Umgebung USA von daheim Mitgebrachtes auf bereits früher vorhandene aschkenasisch-amerikanische Stile. Als Resultat aus beiden Formen entstand ein ganz spezieller US-Klezmer, zu deren Pionieren Dave Tarras zählt.

Man muss anfügen, dass in diesem Zusammenhang der Begriff Klezmer keine allgemeine Anerkennung besitzt, dass vielmehr parallel zu ihm noch die Bezeichnungen „Jewish Music“, „Bulgars“ und „Freilachs/Frahlichs“ existieren, wobei Freilach/Frahlich nichts anderes als das jiddische Wort für fröhlich ist. 

Eine weitere Vermischung aus US-Klezmer und Elementen afroamerikanischer bzw. europäisch- amerikanischer Formen sowohl im Stil als auch im Repertoire und in der Instrumentierung brachte nichts Anderes hervor als das, was wir seit einiger Zeit unter Jazz-Musik verstehen. 

Eine ganze Reihe nordamerikanisch-jüdischer Musiker des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts bestritt ihren Lebensunterhalt eher neben- als hauptberuflich mit Auftritten bei jüdischen Hochzeiten; zusätzlich spielten viele von ihnen noch in Jazzensembles vor gemischtem Publikum. Dies führte dazu, dass sie in zwei Musikwelten zuhause waren, in zwei Welten die sich nicht selten gegenseitig beeinflussten.

Von einem dieser Virtuosen, Klezmermusiker und Jazztrompeter in einer Person, soll hier berichtet werden, von Ziggy Elman.

Bedauerlicherweise ist sein Name nur noch Kennern ein Begriff und von fünf deutschsprachigen Jazzlexika widmet ihm gerademal eines einen eigenen Eintrag. Selbst die Encyclopaedia Judaica (1971) übergeht ihn und auch die deutschsprachige Wikipedia-Enzyklopädie bot bis Mai 2010 nur knappste Basisangaben zu ihm an. Gründe genug, um sich mit seiner Biografie näher zu beschäftigen.   

Elman, der eigentlich Harry Finkelman hieß, kam am 26. Mai 1914 in der Ostküsten-Großstadt Philadelphia, Pa. zur Welt. Sein Vater Alek Finkelman, russischer Jude ebenso wie dessen Frau, besaß einen Süßwarenladen, trat gelegentlich als Kantor auf und war Klezmer-Geiger. Auch Harry sollte, so der Wunsch des Vaters, das Violinspiel erlernen. Jedoch favorisierte der die Blechbläser und, wie später über ihn berichtet wird, spielte er bald fast jedes beliebige Instrument. Bereits mit 15 Jahren trat er auf jüdischen Hochzeiten oder mit seiner College-Band oder in Nachtklubs von Atlantic City, New Jersey, jenem beliebten Badeort südöstlich von Philadelphia, wohin die Familie Finkelman inzwischen umgezogen war, auf. 

Von 1932 datiert Elmans erste Schallplattenaufnahme, bei der er den Posaunenpart übernahm. Seinen ersten Job als Musiker hatte er in Alec Barthas Band inne. Stets auf der Suche nach geeigneten Talenten, wurde bald Benny Goodman, der berühmteste der Big-Band-Kapellmeister  der 1930er und 1940er Jahre mit russisch-jüdischem Hintergrund, auf Elman aufmerksam und gab ihm die Gelegenheit in seinem Orchester mitzuwirken. Elman brachte es bei Goodman zum ersten Trompeter (1936) und zum Starsolisten, der immer wieder vor die Band trat und mit besonderen Einlagen das Saalpublikum oder die Rundfunkhörer zu Begeisterungsstürmen veranlasste. Sein Trompetenklang war, wie man den Aufnahmen heute noch entnehmen kann, klar, heiter, penetrant und laut; von machen wurde er auch als scharf bezeichnet. In Goodmans Band bestand der Trompetensatz neben Elman noch aus dem wesentlich bekannter gewordenen Harry James und aus Chris Griffin. Diese Drei waren für ihren konzentrierten Einsatz und ihr Ungestüm berüchtigt und erhielten dafür den Spitznamen „The Biting Brass“.

Die Top-Hits „And the Angel sing“, „Zaggin‘ with Zig“ und „Bei mir bist du schön“ trugen allerdeutlichste Anklänge an ihren Klezmer-(„Frahlich“)-Ursprung, wurden aber gleichermaßen von jüdischen wie von nichtjüdischen Musikbegeisterten hoch geschätzt. Zwei weitere Titel (beide von 1938), die ihre alte Tradition (und Herkunft) nicht verleugnen konnten, waren „Fralich in Swing“, Elmans ganz persönliche jüdische Fassung des aus Rumänien stammenden „Der Shtiler Bulgar“ und „Bublitchki“ dessen russisch-jüdischen Ursprung bereits im Titel anklingt.

http://www.youtube.com/watch?v=y_SSJWTgcOU

And the Angel sing“ von 1939, das wohl bekannteste Lied, das mit Elman in Verbindung gebracht wird, hatte dieser selbst komponiert, während der Text von Johnny Mercer stammte. Man kann heute noch verstehen, warum der Titel damals zum US-Hit Nummer Eins wurde. 

Mit Musikern des Goodman-Orchesters entstanden für die Plattenmarke Bluebird Aufnahmen unter Elmans eigenem Namen („Ziggy Elman and his orchestra“). Der Trompeter gab aber bei aller Hingabe an Jazz, Swing und später die Schlagermusik nie seine hohe Wertschätzung für die ‚klezmerischen‘ Ursprünge auf. So hat er sich nicht davon abhalten lassen mit Mickey Katz auch die traditionelle Musik einzuspielen. 

Mit dem bekannten Vibraphonisten Lionel Hampton arbeitete der Startrompeter vorübergehend ebenso zusammen wie mit dem Jazz-Geiger Joe Venuti, vor allem aber und über einen längeren Zeitraum hinweg, mit dem anderen großen Big Band Leader jener Jahre Tommy Dorsey. Von 1943 bis 1946 zum Militärdienst einberufen, bestand Elmans Vaterlandsverpflichtung in zahlreichen, landesweiten Auftritten mit einer Army Air Force Band, die seinen Namen trug, also in der Truppenbetreuung.

Nach dem Krieg änderten sich die Zeiten, der Musikgeschmack und die Arbeitsbedingungen für Musiker. Big Bands wurden vielen Veranstaltern, Rundfunkstationen und Plattenfirmen zu teuer; man verlegte sich ersatzweise auf kleinere Ensembles, oder auf Vokalgruppen oder Sänger bzw. Sängerinnen. Elman gelang es zwar zunächst noch mit süßlichen, melodiösen Liedern, dabei modische Trends wie lateinamerikanische Rhythmen („Samba with Zig“, „Rhumba with Zig“, „Zig’s Polka“, „Zig’s Mambo“, „Marchin with Zig“) nicht scheuend, sich mit eigenen Formationen über Wasser zu halten, jedoch begann sein Stern allmählich zu sinken. Auch die zeitweise erneute Zusammenarbeit mit Tommy Dorsey, die Begleitung Frank Sinatras in der Radioshow „Lucky Strike Light-Up-Time“, Platteneinspielungen sowie gelegentliche Auftritte in Filmen und im TV zögerten das sich abzeichnende Ende seiner Karriere nur noch hinaus.

Filmausschnitt mit Ziggy Elman aus dem Jahr 1955:

Ab 1956 gesellten sich auch noch schwere gesundheitliche Probleme (Herzinfarkt), sein finanzieller Ruin sowie das Zerbrechen seiner zweiten Ehe mit zutiefst entwürdigenden Gerichtsverhandlungen hinzu. Zuletzt war Elman gezwungen gewesen Trompetenunterricht zu erteilen, bei einem Autohändler bzw. in einer Musikalienhandlung zu arbeiten. 

An einem Leberversagen ist er schließlich am 26. Juni 1968 in Los Angeles verstorben, nur 54 Jahre alt geworden. Bestattet wurde er im Mount Sinai Memorial Park Cemetery.

Zu Ziggy Elmans späten Schülern zählte der ebenfalls einer russisch-jüdischen Familie entstammende Herb Alpert („Tijuana Brass“). Ein Zeitgenosse, aber kein Verwandter von Ziggy Elman, war der in der Ukraine geborene, als Wunderkind in ganz Europa verehrte und auch später hoch angesehene jüdische Geiger Mischa Elman (1891-1967), der einen eigenen Elman-Violin-Stil prägte.

Literatur und Quellen:

J. Wölfer, Lexikon des Jazz, München 1993, Stichworte: Dorsey, Tommy; Elman, Ziggy; Goodman, Benny; Hampton, Lionel; Venuti, Joe.
http://www.bigbandlibrary.com/ziggyelman.html
http://www.flickr.com/photos/20687006@N06/2512899952/
http://www.emusic.com/album/Ziggy-Elman-trompette-et-son-orchestre-Ziggy-Elman-et-son-orchestre-1938-1939-MP3-Download/11443988.html
http://www.freilachmusic.com/
http://www.lyrics.com/and-the-angels-sing-lyrics-ziggy-elman.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Ziggy_Elman
http://de.wikipedia.org/wiki/Ziggy_Elman
http://www.imdb.com/name/nm0255382/
http://www.google.de/images?hl=de&q=ziggy+elman&um=1&ie=UTF-8&source=univ&ei=9S79S5O0O8uj_Aaw2IDIAw&sa=X&oi=image_result_group&ct=title&resnum=4&ved=0CEEQsAQwAw

4 Kommentare zu “Ziggy Elman: Am Anfang stand der Klezmer

  1. Sehr geehrter Herr Fries,
     
    danke für Ihr Lob. Zu einem Buch über die CSU habe ich eine Rezension verfasst; das Buch lohnt die Lektüre und hat schon eine Menge Bayern davon überzeugt, das nächste Mal nicht mehr ’schwarz‘ zu wählen.
    Hier der Link:
    http://buecher.hagalil.com/2009/12/schloetterer/
     
    Ludwig Thoma war übrigens befreundet mit dem anderen „großen bayerischen Volksschriftsteller“, mit Ludwig Ganghofer. Dieser wiederum soll der Lieblingsautor des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. gewesen sein und gleichfalls Antisemitismus, wenn auch in literarischer und nicht in anonym polemischer Form, verbreitet haben. Leider habe ich noch die betreffenden Stellen bei Ganghofer nicht ausfindig machen können, daher äußere ich mich hier vorbehaltlich.
    Erfreulich ist, dass heute, CSU hin oder her, immer mehr bayerische Germanisten und Historiker bereit sind die Wahrheit ans Tageslicht zu bringen, selbst wenn sie Mythen umstößt und als unpopulär angesehen wird. Die Zeiten ändern sich, jedoch viel zu langsam.
     
    Mit den besten Grüßen
     
    RS

  2. Was für ein guter Artikel, vielen Dank! Ich kann – aber aus der Pfalz – nur erzählen, daß wir in der Schule durchaus von Ludwig Thomas Antisemitismus gehört haben. Es war die Zeit, in der Franz Josef Strauss noch als Halbgott verehrt wurde, in seinen letzten Lebensjahren, und eine Lehrerin erzählte uns, daß in CSU-Kreisen zwar kein offener Antisemitismus mehr „herrsche“ – man aber einfach ALLES leugne, was es an Antisemitismus gegeben hatte.
    „Dabei befanden sich…“, schreiben Sie, und zählen dann schöne Erfolge auf – aber man muß bestimmt nicht noch begründen, warum Antisemitismus immer falsch ist.
    Soweit ich es beurteilen kann, gilt Ludwig Thoma aber nicht als „der Dichter Bayerns“ oder sowas. Er gilt als eine Art Heimat-Schriftsteller.
    Ob meine jüdischen Vorfahren vom Antisemitismus Thomas wußten, weiß ich nicht, ich war zu klein und konnte nicht fragen. Sie hatten aber zwei Bücher von Thoma, die ich fand, als ich in das kleine bayerische Hexenhaus kam, in dem meine Leute 1939 versuchten, sich vor den Nazis zu verstecken. Manchmal gibt es das – selbst wenn man weiß, jemand hat Blödsinn und üble Sätze gesagt, man findet das furchtbar, und liest doch was von ihm. Ohne Heidegger wäre die komplette Postmoderne z.B. undenkbar, und deshalb redeten ja auch unglaublich viele Leute an den Unis den Philosophen schön, wie viele Lyriker Benn schönredeten, und trotzdem lasen. Wenn ich wieder in Bayern sein werde, werd ich nach Ihrem wunderbaren Artikel jedem und jeder erzählen, sobald Thoma genannt würde, was er auch war. Sollten sie ihn dann lesen, dann lesen sie ihn halt, man wird sie einfach immer wieder dran erinnern, daß man keinen Halbgott aus Leuten macht, die so einen widerlichen Unsinn erzählten.
    Ein weiterer guter Artikel, auch von hier, von hagalil: http://test.hagalil.com/2009/06/17/sundheimer/
    (den haben ja auch Sie geschrieben – auch wunderbar, danke!)
     
    Von meiner fränkischen Freundin bekomme ich grade bestätigt, was Sie sagen – sie hat ihre Kindheit in Franken erlebt, und Thoma kam da weder in der Schule noch sonstwo vor, man kannte höchstens den Namen :).
     

  3. Inzwischen haben mich mehrere Mails erreicht, in denen ich gebeten wurde, mehr zu dem Antisemitismus des bayerischen Vorzeigedichters und Volkspoeten Ludwig Thoma, den ich in meiner Einleitung oben kurz erwähne, zu berichten.
     
    Ludwig Thoma, wird, wie ich mich in den letzen Jahrzehnten immer wieder überzeugen konnte, vor allem in Oberbayern, Niederbayern und in der Oberpfalz, weniger in Franken und Schwaben, als der bekannteste und beliebteste Literat des weiß-blauen Landes genannt. Nicht Jakob Wassermann, nicht Lion Feuchtwanger, die ebenfalls gebürtige Bayern (aber Juden) waren, internationale Anerkennung fanden und in viele Sprachen übersetzt wurden, nein, Thoma gilt den christlichen Bayern als ‚ihr‘ Schriftsteller.
     
    Entsprechend vorsichtig gingen sehr lange Nachschlagewerke, Biografen und Historiker mit dem Antisemitismus dieses erklärten ‚Volkslieblings‘ um. Thoma hat sich übrigens selbst ausdrücklich als nicht antisemitsich bezeichnet. Dennoch stammen Phrasen wie
     
    dass sich die Beschnittenen bei uns noch einmal mausig machen„,
    in ganz Deutschland gab es keinen räudigen Hund, der so voll Ungeziefer  war, wie hier der reichste Jude oder der Rabbiner„,
    dicke, faule Jüdinnen, die ihren Hintern zu Fettpolstern züchten, krochen aus den Türen„,
    Berliner Saujud“ etc.
    von ihm. Und das mehr als ein Dutzend Jahre vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten, 1920/1921!
     
    Auch heute noch tendieren Bayern in ihrer Ludwig-Thoma-Darstellung in den Medien dazu, ‚Verständnis‘, sehr viel Verständnis, vielleicht zuviel Verständnis, für diese „Entgleisungen“ ihres Idols aufzubringen. Üblicherweise wird dabei auch verheimlicht, dass Bayern das Ursprungsland, die Brutstätte und Wiege des NS war und dementsprechend auch die Rolle Thomas in dieser verhängnisvollen Kette voneinander abhängiger Ereignisse und Zustände, nicht genannt.
     
    Hier eine typische Thoma-Würdigung des Bayerischen Rundfunks („Miesbacher Anzeiger“ ab 8.26).
     
    http://www.youtube.com/watch?v=JM-yY2hxZvA&feature=related
     
    Auch in Geschichtsbüchern, in die der Antisemitismus des bayerischen Nationaldichters allmählich mit aufgenommen wurde (Verschweigen war in diesem besonderen Fall nicht mehr möglich!), wird relativiert, wird versucht zu begründen, was nicht zu begründen (und vor allem nicht zu rechtfertigen!) ist. Thoma ist ein Tabuthema, und wird es in Bayern wohl noch einige Jahre bleiben.
     
    Und das, obwohl bereits 1989 der Münchner Piper-Verlag das aufschlussreiche Bändchen „Ludwig Thoma – Sämtliche Beiträge aus dem ‚Miesbacher Anzeiger‘ 1920/1921“ des bayerischen Historikers Wilhelm Volkert veröffentlichte.
    In jener Zeitung, die das Leib-und-Magen-Blatt der rechtsradikalen und christlich-nationalistischen Kreise Bayerns war, auch vieler späterer Nazis darunter, veröffentlichte der Schriftsteller seine antijüdischen Ergüsse, die heute seinen ‚guten‘ Ruf so sehr reduzieren.
     
    Der genannte Professor, Wilhelm Volkert, ist übrigens, anders als man aufgrund dieser enthüllenden Veröffentlichung vermuten könnte, kein neuer Aufklärer Bayerns geworden. Seine populäre „Geschichte Bayerns“ (C.H.Beck-Verlag, München, 2001) erweist sich bedauerlicherweise immer noch voll der Klitterungen, Auslassungen und Tabus der meisten seiner Vorgänger. Historiker in Bayern sind i.d.R. Beamte und dies verpflichtet sie gewisse Kodizes zu beachten, die die historische Wahrheit ausschließen.
     
    Bayern bleibt eben Bayern.

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