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Die Tribüne berichtet über die Kölner Antiwand

Die Proteste gegen die antisemitische Kölner Antiwand des W. Herrmann halten an. Nach Berichten in der „Jüdischen Allgemeinen“ dem „Kölner Stadtanzeiger“, der „Welt“ und der „Jerusalem Post“, und natürlich in haGalil, bringt nun die TRIBÜNE – Zeitschrift zum Verständnis des Judentums in ihrer soeben erschienen Ausgabe (Heft 194, Nr. 2/2010, S. 40-42) einen mit „Ein Überzeugungstäter. Ein Kölner Dauerdemonstrant ‚entdeckt‘ den Antisemitismus“ überschriebenen informativen Hintergrundartikel…

Von Uri Degania

In ihrem Editorial formuliert die Redaktion dieser traditionsreichen jüdischen Zeitschrift:

„`Ein Überzeugungstäter´ (…) Seit zwei Jahrzehnten treibt er sein rassistisches Unwesen vor dem Dom – unbehelligt von der Justiz. Dabei hat er nach Überzeugung etlicher Kölner längst gegen das Verbot von Rassismus und Antisemitismus verstoßen und sich deshalb Anzeigen eingehandelt. Die Staatsanwaltschaft lässt den Mann aber weiter unbehelligt. Ein Zerrbild?“

Der lesenswerte, ironisierende Beitrag wird folgendermaßen eingeleitet:

„Seit 20 Jahren weiß dieser Mensch nichts besseres mit sich anzufangen, als sich tagaus, tagein mit Papptafeln zu umgeben und eine Wahrheit zu verkünden. Öffentlich. Auf der vor dem Kölner Dom gelegenen Domplatte. Seit vier Jahren kennt dieser sich irrtümlich als `links´ gerierende `Dauerdemonstrant´ nur noch ein Thema: Der Jude, der israelische Staat ist böse; er ermordet willkürlich Menschen. Gemeinhin bezeichnet man dies als eine besonders bösartige Variante des Antisemitismus…“ (weiter in: Tribüne H. 194, Nr. 2/2010, S. 40).

Die antisemitische Antiwand dieses Querulanten bleibt in Köln ein Dauerärgernis. Nach dem „Offenen Brief“ verschiedener linker Kölner Jugendorganisationen (antifa ak Köln, Junge Linke Köln, Shutdown Köln, Sonne, Mond & Sterne) sind weitere Proteste gegen diese antisemitische und menschenverachtende Raserei des Walter Herrmann zu erwarten.

Stellungnahme des israelischen Gesandten Emmanuel Nahshon

Kürzlich hat sich sogar Israels Gesandter in der Bonner Botschaft Emmanuel Nahshon hierzu öffentlich zu Wort gemeldet – für einen Diplomaten eine höchst außergewöhnliche Geste. In einem im Kölner Stadtanzeiger vom 22.4.2010 publizierten, mit „Der Hass im Herzen der Stadt“ betitelten Gastkommentar schreibt Nahshon über diese Antiwand:

„Mein Anliegen ist es (…) nicht, eine Entscheidung der Kölner Staatsanwaltschaft anzuprangern. Ich erlaube mir jedoch, als Jude und als israelischer Diplomat, der in Deutschland lebt, meine Sicht auf die moralischen und historischen Aspekte darzulegen, die mit der Entscheidung zusammenhängen, wonach das Bild eines Juden, der ein palästinensisches Kind verspeist, an der so genannten Klagemauer vor dem Kölner Dom nicht volksverhetzend sei. (…) Diese Darstellung ist unmoralisch und stachelt zum Hass auf.
Ich kann nicht beurteilen, ob es im juristischen Sinne illegal ist. Was ich aber beurteilen kann, ist, dass diese Karikatur erniedrigend und widerlich ist. Sie geht beim besten Willen nicht als Israelkritik durch, die vollkommen legitim ist. Sie hat nichts zu tun mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt, der von beiden Völkern gemeinsam in einer Zwei-Staaten-Lösung überwunden werden wird – auf der Basis von Verhandlungen und eines Endes der Gewalt. Die Karikatur hat auch nichts zu tun mit dem realen Leid von Kindern in Gaza, das eine direkte Folge der Tatsache ist, dass Gaza von einer islamistischen Terrororganisation beherrscht wird. Vielmehr hat das an der `Klagemauer´ gezeigte Bild alles zu tun mit dem Versuch, Juden als Monster darzustellen und Hass zu sähen.“

Emmanuel Nahshon fügt abschließend über die verheerenden seelischen Auswirkungen der Kölner Antiwand hinzu:

„Eines Tages, hoffentlich bald, wird es Frieden geben zwischen Israelis und Palästinensern. Wir werden gemeinsam mit Gewalt und Konflikt fertig werden. Doch zuvor haben Tausende Kinder und Jugendlichen die Abscheulichkeit dieser „Klagemauer“ gesehen. Sie wurden vergiftet von diesem Samen des Hasses, der einen Juden als Monster zeigt und dazu geeignet ist, Intoleranz und Hass wachsen zu lassen. Haben wir nicht endlich genug gesehen? 800 Jahre und einige Schritte liegen zwischen dem Hass von gestern und dem Hass von heute.“

Tribüne Heft 194, Nr. 2/2010, 200 S., mit Beiträgen u.a. von Ralph Giordano: Ein Menschheitsverbrechen. Der Völkermord an den Armeniern; Otto R. Romberg, Baruch Licht, Barbara von der Lühe ,Alexander Felsenthal, Roland Kaufhold, Johanna Holler, Ilan Hameiri, Nina Dehos, Ulrich Sahm, Anton Maegerle, Heiner Lichtenstein und Andreas Disselnköter. Weitere Informationen und Bestellung: http://www.tribuene-verlag.de/Zeitschrift.htm