Übergriff auf neu eröffnete KZ-Gedenkstätte in Hamburg

Glastafeln mit den Namen der im Außenlager Wandsbek inhaftierten Frauen entwendet…

Am vergangenen Sonnabend wurde die kleine neue KZ-Gedenkstätte am Ort des ehemaligen Neuengammer Frauen-Außenlagers Wandsbek in Hamburg in Anwesenheit dreier Überlebender des Lagers eröffnet. Alle drei Frauen äußerten ihre Rührung und Freude darüber, dass nun würdig an ihre Haftzeit und das Leiden ihrer Mithäftlinge erinnert werde sowie über die Anwesenheit auch und gerade jungen Menschen bei der Gedenkfeier. Schüler/innen des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums arbeiten zur Zeit am Entwurf eines Mahnmals, das die Gedenkstätte im Sommer vervollständigen wird.

Bestandteil der neu eröffneten Gedenkstätte waren sechs Granitwinkel mit Glastafeln, auf denen 483 der Frauen namentlich benannt und auch 24 Unbekannte erwähnt wurden. Waren vor einigen Wochen bereits Informationstafeln sowie eine Bank der im Aufbau befindlichen Gedenkstätte mit Hakenkreuzen beschmiert worden, entdeckten Anwohner heute morgen, dass die sechs Glastafeln mit den Namen der dort inhaftierten Frauen aufwendig abgeschraubt und gestohlen worden waren. Zudem waren neu gepflanzte Heckenpflanzen aus der Erde gerissen und liegen gelassen worden. Neonazistische Schmierereien oder weitere Zerstörungen wurden nicht entdeckt. Die Polizei wurde sofort eingeschaltet.

Am 31. August 1944 waren hier über 500 Frauen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück – die meisten von ihnen politische Häftlinge aus Polen, Russland, Slowenien, Belgien, den Niederlanden, Tschechien und Deutschland – zur Zwangsarbeit ins Außenlager Wandsbek gebracht und in der Gasmaskenproduktion der Firma Dräger sowie in den letzten Kriegswochen bei Aufräumarbeiten im zerstörten Hamburg eingesetzt worden.

Die Arbeitsgemeinschaft Neuengamme ist wütend und schockiert über diese erneute Beschädigung der KZ-Gedenkstätte in Wandsbek innerhalb weniger Wochen und hofft auf ihre schnelle Wiederherstellung. Den Zerstörer/innen muss eines klar sein: Wir werden nicht nachlassen in unseren Bemühungen um einen würdigen Gedenkort!

Informationen zum Ermittlungsstand erfahren Sie beim Bezirksamt Wandsbek oder der zuständigen Polizeidienststelle.

PM, Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V., 10.05.2010

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