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Europas Städte im Vergleich: Sicher

Neue Erhebung zeigt, wie unterschiedlich die Europäer die Lebensqualität in ihren Städten bewerten…

Die Europäische Kommission veröffentlicht heute die Ergebnisse einer Eurobarometer-Umfrage, mit der die Ansichten der Bürgerinnen und Bürger zur Lebensqualität in 75 großen europäischen Städten ermittelt wurden. In diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Beschäftigungsmöglichkeiten und Wohnkosten weiterhin sehr wichtige Themen. Zwar gibt es bei den Antworten insgesamt starke Abweichungen, die Bereiche Verkehr, Gesundheit und Bildung schneiden jedoch generell gut ab. Die Vielzahl an Informationen, die sich der Studie entnehmen lassen, ist nicht nur für Stadtplaner und Entscheidungsträger nützlich, sondern auch für Bürger, die wissen möchten, in welchen Städten es sich gut leben lässt.

Zu den Ergebnissen der Studie äußerte sich der für Regionalpolitik zuständige Kommissar Johannes Hahn: „Die große Mehrheit unserer Bürger lebt in Städten. Ich habe bereits angekündigt, dass ich daher mit besonderem Nachdruck Stadtentwicklungspolitik betreiben möchte. Die neue Studie ist sehr nützlich und wird uns dabei helfen, die Investitionen in unsere Städte gezielter auszurichten. Wir müssen herausfinden, wo die Bürgerinnen und Bürger Fortschritte sehen und wo sie Verbesserungsbedarf erkennen. Unsere Stadtentwicklungspolitik, die alle wichtigen Aspekte wie Umwelt, Verkehr und Energie umfasst, ermöglicht es uns, optimal auf die komplexen Herausforderungen in unseren Städten zu reagieren.“

Die wichtigsten Ergebnisse der Erhebung:

Gesundheitsdienste, Verkehr, Beschäftigung und Wohnraum

Die Einwohner nordwesteuropäischer Städte sind besonders zufrieden mit den Gesundheitsdienstleistungen: Mindestens 80 % der Befragten äußern sich dort positiv. Der entsprechende Wert liegt in vielen süd- und osteuropäischen Städten niedriger.

Beim öffentlichen Nahverkehr variiert die Zufriedenheitsquote von 12 % in Palermo (IT) bis 93 % in Helsinki (FI). Stadtbewohner wurden gefragt, wie lange sie für den Weg zu ihrem Arbeitsplatz oder ihrer Bildungsstätte brauchen. Erwartungsgemäß sind die Fahrtzeiten in den europäischen Haupt- und Großstädten am längsten, und zwar unabhängig vom Verkehrsmittel. In Amsterdam (NL) gehen 48 % der Befragten zu Fuß zur Arbeit oder fahren mit dem Fahrrad. In griechischen, italienischen und spanischen Städten ist das Motorrad eine verbreitete Alternative zum Auto.

Bei den Beschäftigungsmöglichkeiten zeigt sich ein relativ düsteres Bild: Nur in sechs Städten (Stockholm, Kopenhagen, Prag, München, Amsterdam und Warschau) waren mehr als 50 % der Befragten der Meinung, es sei einfach, eine gute Arbeitsstelle zu finden.

Die Verfügbarkeit von erschwinglichem Wohnraum ist für die Befragten aus zwei Dritteln der untersuchten Städte ein Problem, wobei die Zahlen für Paris (96%) und Rom (88%) besonders alarmierend sind.

Umweltverschmutzung, Bekämpfung des Klimawandels

Erfreulicherweise zeigt sich, dass die meisten Bürgerinnen und Bürger der Ansicht sind, ihre Stadt engagiere sich für die Bekämpfung des Klimawandels.
In den meisten Städten wird Lärm als großes Problem wahrgenommen. Die Zahlen liegen hier zwischen 51 % in Rotterdam (NL) und Straßburg (FR) und 95 % in Athen (GR).
Auch Luftverschmutzung bleibt ein schwieriges Thema, obwohl sich die Situation beispielsweise in Valletta (MT), Bratislava (SK) und Berlin (DE) verbessert hat.

Armut, Sicherheit und Vertrauen

Eine Mehrheit der Einwohner hält Armut für ein Problem in ihrer Stadt, insbesondere in Miskolc (HU), Riga (LV), Budapest (HU) und Lissabon (PT).
In einigen mittel- und osteuropäischen Hauptstädten sowie in Istanbul sind relativ wenige Menschen der Ansicht, dass generell den meisten Personen in der Stadt zu trauen ist.

Die Befragten fühlen sich generell sicherer in ihrem Stadtviertel als in der Stadt insgesamt. Wird eine Stadt als sauber wahrgenommen, fühlen sich die Menschen auch sicherer.
In etwa einem Drittel der untersuchten Städte äußern die Menschen Zweifel daran, dass die Stadt verantwortungsbewusst mit ihren Ressourcen umgeht. In vielen Städten gibt es hierzu jedoch auch positive Einschätzungen, z. B. in Luxemburg (LU), München (DE), Newcastle (UK) und Bordeaux (FR).

Zuwanderung, Präsenz von Ausländern

Die Meinungen zur Präsenz von Ausländern sind generell positiv: In 68 Städten bewerten die meisten Befragten die Präsenz von Ausländern als vorteilhaft. Weniger Befragte sind jedoch der Ansicht, dass sie gut integriert sind.

Die aktuelle Befragung behandelt auch die Zufriedenheit mit öffentlichen Räumen (Märkte, Plätze, Fußgängerzonen) und den Möglichkeiten, sich im Freien zu erholen (spazieren gehen und Rad fahren). Die allermeisten Stadtbewohner sind mit diesen Angeboten zufrieden: Oulu (FI), Helsinki (FI), Groningen (NL) und Cardiff (UK) erreichen in dieser Kategorie hervorragende Werte.

Hintergrund: Die Befragung fand zwischen Oktober und November 2009 in 75 Städten in der gesamten Europäischen Union sowie in Kroatien und in der Türkei statt. Alle Hauptstädte wurden erfasst. In jeder Stadt wurden 500 zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger befragt.

Frühere Erhebungen dieser Art wurden bereits 2004 und 2006 von der Europäischen Kommission durchgeführt (IP/07/1177). Sie ermöglichen den Vergleich zwischen subjektiver Wahrnehmung und „echten“ Daten aus verschiedenen statistischen Quellen zu Themen wie Sicherheit in Städten, Arbeitslosigkeit und Luftqualität, die über Urban Audit verfügbar sind.

In Deutschland und Finnland wurden ergänzende Erhebungen durchgeführt.
Im Rahmen der Kohäsionspolitik werden 2007-13 EU-weit 30 Mrd. EUR in spezifische Maßnahmen zur Förderung der Stadtentwicklung investiert.

Der vollständige Bericht ist abrufbar unter:
http://ec.europa.eu/regional_policy/themes/urban/audit/index_de.htm

Prognose: Wirtschaft erholt sich allmählich

Die Wirtschaft in der Europäischen Union kommt allmählich wieder in Fahrt. In ihrer Frühjahrsprognose bestätigte die Europäische Kommission den positiven Trend. Nach der tiefsten Rezession in ihrer Geschichte dürfte die EU-Wirtschaft 2010 um 1 Prozent und 2011 um rund 1,75 Prozent wachsen. Damit erwartet die Kommission nun für dieses Jahr 0,25 Prozentpunkte mehr Wachstum als noch im Herbst. Vor allem für die Exporte sieht es besser aus. Aufgrund der schwachen Inlandsnachfrage bleibt der Aufschwung dennoch verhalten. Die Geschwindigkeit des Aufschwungs fällt von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat unterschiedlich aus. Für Deutschland erwartet die Kommission in diesem Jahr 1,2 Prozent Wachstum, 2011 könnten es 1,6 Prozent werden. Schlusslicht in diesem Jahr wäre mit 3,5 Prozent Rückgang Lettland, Spitzenreiter Polen und die Slowakei mit jeweils 2,7 Prozent Wachstum.