Neonazistisches SS-Gedenken in Bad Reichenhall

Während am Samstag in München ein Neonaziaufmarsch verhindert (blockiert) wurde, konnte am selben Tag in Bad Reichenhall ungestört ein neonazistisches SS-Gedenken stattfinden…

Von Johannes Müller

Am Samstag, den 08. Mai 2010 fand im Bad Reichenhaller Ortsteil Karlstein ein neonazistisches SS-Gedenken statt. Rund 35 Personen glorifizierten mit der geschichtsrevisionistischen Veranstaltung die SS-Division Charlemagne. Unter den Teilnehmer_innen befand sich neben dem lokalen NPD-Kreisvorsitzenden Uwe Brunke[01] auch Edda Schmidt[02] (Baden-Württemberg), die Bundesvorsitzenden des Ring Nationaler Frauen (Frauenorganisation der NPD).

Organisiert wurde das SS-Gedenken u.a. von Uwe Brunke (*1967) dem NPD Kreisvorsitzenden Traunstein-Bertesgaden (Foto oben). Es sprachen bundesweit bedeutende Nazifunktionär_innen wie hier Edda Schmidt, die Bundesvorsitzenden des Ring Nationaler Frauen (Frauenorganisation der NPD) (Foto unten).

Seit ungefähr 35 Jahren findet rund um den 08. Mai in Bad Reichenhall die Veranstaltung der Alt- und Neonazis zu Ehren der Waffen-SS-Einheit, welche überwiegend aus kollaborierenden französischen Freiwilligen bestand, statt. Jahrelang beteiligten sich paramilitärisch auftretende, faschistische Gruppen aus dem In- und Ausland an der „Naziverehrung“.

Welche Gefahr von diesen Neonazis ausgeht, wurde 2006 deutlich, als bei Polizeikontrollen neben Hakenkreuzfahnen auch Sprengmittel, Pistolen, Rauchbomben und andere Waffenteile bei den ca. 130 anwesenden Geschichtsrevisionisten (u.a. aus Deutschland, Frankreich, Italien und Dänemark) beschlagnahmt wurden. Anstatt das Gedenkkreuz, welches sich zum faschistischen Pilgerort entwickelte, zu entsorgen, versetzte die Stadt Bad Reichenhall das Kreuz lediglich vom Parkplatz „Am Kugelbach“ (Ortsteil Karlstein) in den Friedhof St. Zeno. “Eine inhaltliche
Auseinandersetzung mit der Problematik Neonazismus und Gesichtsrevisionismus fand jedoch nicht statt. Die rechte Gedenkfeier kann weiterhin ungestört stattfinden, ohne dass sich in Bad Reichenhall ein zivilgesellschaftlicher Protest gegen die menschenverachtende Propaganda regt“, kritisieren antifaschistische Gruppen aus Oberbayern und Österreich in einer gemeinsamen Presseerklärung.

Der NPD-Kreisverband Traunstein-Berchtesgaden, welcher auch die Gedenkfeier beworben hatte organisiert regelmäßig Neonaziveranstaltungen in Bad Reichenhall. So fand z.B. Ende Februar eine Horst Wessel-Feier statt[03] und für den 11. April 2010 wurde eine Veranstaltung mit Holger Apfel, dem NPD Fraktionsvorsitzenden im Sächsischen Landtag, angekündigt[04]. Aber nicht nur die NPD, sondern auch andere rechte Organisationen wie die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger veranstalten in der Vergangenheit bundesweite Treffen in Bad Reichenhall[05].

Antifaschistische Gruppen wollen dem rechten Treiben in Bad Reichenhall nicht länger zusehen. „Faschismus ist keine Meinung – sondern ein Verbrechen“ meint Anna Jade, eine Sprecherin des antifaschistischen RABATZ-Bündnisses und kündigt für 2011 Proteste an. „Rechte Traditionspflege können und wollen wir in keiner Form akzeptieren“ so die Sprecherin weiter und kritisiert auch, dass in Bad Reichenhall die Bundeswehrkaserne immer noch nach dem Nazigeneral „Rudolf Konrad“[06] benannt ist.

Rund 35 Alt- und Neonazis beteiligten sich am 08.Mai 2010 an dem neonazistisches geschichtsrevisionistischen SS-Gedenken in Bad Reichenhall.

  1. Der von Berlin nach Bergen (Oberbayern) gezogene Führungskader Uwe Brunke (*1967) ist seit 2002 in der NPD aktiv. Zuvor betätigte er sich bei militanten Kameradschaften: Für die „Kameradschaft Beusselkiez“ saß er den „Antifaschistischen Nachrichten“ zufolge 1997 bei der neonazistischen Radiosendung „Radio Germania“ im Offenen Kanal Berlin am Mikrofon. Zum verurteilten Rohrbombenbauer Nick Greger stand Brunke nach dessen Haftentlassung in Kontakt. Brunke konnte zum politischen Umfeld von Björn Wild von der mittlerweile verbotenen Berliner „Kameradschaft Tor“ und von René Bethage von der ebenfalls verbotenen Neonazigruppe „Berliner Alternative Süd-Ost (BASO)“ gezählt werden. Quelle: http://media.de.indymedia.org/media/2005/09/128252.pdf []
  2. „Edda Schmidt ist eine knallharte Nationalsozialistin, die über beste Kontakte zu den neonazistischen „Freien Kameradschaften“ verfügt. Selbst innerhalb der NPD ist sie dem Flügel zuzurechnen, der sich am stärksten am historischen Nationalsozialismus orientiert“ Quelle: http://aoffensive.ao.funpic.de/downloads/Alboffensive-Infoblatt.Edda.Schmidt.pdf; „Die vierfache Mutter war einst die jüngste Pflegestättenleiterin des »Deutschen Kulturwerks europäischen Geistes« und als sogenannte Gaumädelführerin in leitender Position in der 1994 verbotenen Wiking-Jugend aktiv. Nachdem sie Vorsitzende des NPD-Kreisverbandes Zollernalb geworden war, rückte sie in den Landesvorstand der NPD in Baden Württemberg auf, wo sie seit fast zehn Jahren für die Bereiche »Kultur, Brauchtum und Frauen« verantwortlich ist. Sie kandidierte zudem bei den Landtagswahlen 2006 als Direktkandidatin und belegte den zweiten Platz auf der Liste bei der letzten Bundestagswahl.“ Quelle: http://jungleworld.com/artikel/2010/13/40657.html []
  3. An der Horst Wessel-Feier am 27.02.2010 in Bad Reichenhall nahmen u.a. Neonazis aus Rosenheim und Franken teil. Über das Saufgelage zu Ehren des SA-Sturmführer Horst Ludwig Wessel berichtet ein Teilnehmer: „Für einen kleinen Obolus von 10 Euro waren Essen und Trinken frei … und es wurde sowohl viel gegessen als auch getrunken.“ []
  4. Aus der NPD-Zeitung Deutsche Stimme: „11. April: Stammtisch des NPD KV Traunstein/BGL in Bad Reichenhall mit Redebeitrag von Holger Apfel (Fraktionsvorsitzender im Sächsischen Landtag). Nähere Informationen unter 0177-4656189, E-Post: npd-traunstein@t-online.de“ []
  5. Das Bundestreffen der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger fand am 20./21. Oktober 2007 in Bad Reichenhall statt. []
  6. Im Dezember 1941, als der „Blitzkrieg“ gegen die Rote Armee bereits gescheitert war, wurde Konrad von Hitler persönlich zum Kommandierenden General eines Armeekorps ernannt. Kurz darauf (in einem Tagesbefehl von Januar 1942), bekundete ihm Konrad in glühenden Worten die Treue: „Dem Führer und seinem Werk gehört unsere ganze Hingabe. Wir wollen es hüten und siegreich tragen durch das neue Jahr zum Heile Deutschlands“ (Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg, Bestand RH 24-49-47). Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1942 versammelte sich Konrads Korpsstab zu einer Feierstunde. „Es war das Feldherrngenie des Führers“, wurde Hitler aus der Ferne angehimmelt, „welches die deutschen Heere von Sieg zu Sieg eilen ließ. Sein Verdienst war es, das Eindringen der bolschewistischen Horden nach Europa im richtigen Augenblick zu erkennen und den Stoß blitzschnell zu parieren“ (Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg, Bestand RH 24-49-49). Von Ende 1941 bis Anfang 1944 war die Krim (Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer) von den Deutschen besetzt; die Halbinsel sollte zu einem Mustergebiet nationalsozialistischer Herrschaft werden. Konrad ging dabei besonders gnadenlos hart gegen Partisanen und die Zivilbevölkerung vor. Er ließ ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja in Grund und Boden bombardieren (Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg, Bestand: RH 24-49-102, RH 24-49-219). Willig arbeitete der Antisemit Konrad auch mit SS- und Polizeiführern zusammen. In der Anlage zu einer Weisung des Generals vom 7. März 1943 heißt es: „Die Juden sind unser Unglück. Die Juden sind das Unglück der Völker Russlands. Warum wir Krieg führen (Kampf gegen den Weltfeind – das Judentum)“ (Bundesarchiv-Militärarchiv Freiburg, Bestand RH 24-49-210). Quellen: Jakob Knab: „Zeitlose soldatische Tugenden“ in: Die Zeit Nr. 46, 10. November 2005, http://www.zeit.de/2005/46/A-Bundeswehr. Wikipedia: Rudolf Konrad, http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Konrad#cite_note-Knab-0 []

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