Die Peter H. Bach Stiftung

Ausstellung im Studienraum des Jüdischen Museums München, noch bis 23. Mai zu sehen…

Von Bernhard Purin

Der Eröffnung des Jüdischen Museums München im Jahr 2007 gingen jahrzehntelange Bemühungen, eine solche Einrichtung zu initiieren, voraus. Ein 1928 gegründeter Verein zur Errichtung eines „Landesmuseums für jüdische Altertümer“ musste nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 seine Tätigkeit einstellen. Nach der Schoa griffen jüdische Münchner, unter ihnen der langjährige Gemeindevorsitzende Hans Lamm, diese Idee wieder auf, scheiterten jedoch am Desinteresse der Öffentlichkeit und der kulturpolitisch Verantwortlichen. Mit der Eröffnung eines privaten Jüdischen Museums durch den Galeristen Richard Grimm im Jahr 1989 erhielt dieses Vorhaben neuen Schwung und führte, wie an anderer Stelle detailliert dargelegt,[01] fast 20 Jahre später zur Eröffnung des Hauses am Münchner St.-Jakobs-Platz.

In diesem Zusammenhang muss auch an den Emigranten Peter H. Bach erinnert werden, der von Los Angeles aus seit den 1970er Jahren die Errichtung eines Jüdischen Museums in München anregte. Peter H. Bach wurde 1914 in München als Sohn des Mitbesitzers des Kaufhauses Isidor Bach in der Sendlinger Straße, Carl Bach (1882-1980), geboren. Nach einer Ausbildung zum Textilkaufmann emigrierte er als 20-Jähriger 1934 erst nach England und später in die USA. Seine Eltern, die wie viele jüdische Deutsche lange mit der Emigration zögerten, verloren 1936 ihr Kaufhaus durch Zwangsverkauf an einen leitenden Mitarbeiter, Johann Konen, und emigrierten 1939, nachdem Carl Bach nach der Kristallnacht mehrere Monate in Dachau festgehalten worden war, in die Schweiz und 1940 in die USA.


Misrach, München (Kunstgewerbliche Werkstätte Heinrich Schwed), um 1925
Messing, geätzt, Marke: HS/M (= Heinrich Schwed / München), H: 26 cm, B: 28 cm, Erworben 2009, Jüdisches Museum München, # 11/2009
Ein Misrach („Osten“) dient zur Markierung der Gebetsrichtung gegen Osten. Dieser Misrach wurde um 1925 in der kunstgewerblichen Werkstätte von Heinrich Schwed in München entworfen
und produziert.

Nach 1945 erhielt die Familie Bach das Kaufhaus an der Sendlinger Straße im Rahmen eines Wiedergutmachungsverfahrens teilweise restituiert und wurde wieder Teilhaber des Kaufhauses, das allerdings bis heute den Namen ihres „Ariseurs“ Konen trägt. Als das Kaufhaus 2006 das Datum der Arisierung als „70. Geburtstag des Traditions-Modehauses Konen“ feierte, ohne auf die Vorgeschichte einzugehen, löste dies in München eine öffentliche Debatte darüber aus, wie sich der Einzelhandel seiner Geschichte während der NS-Zeit stellt.[02]


Seder-Teller, München (Kunstgewerbliche Werkstätte Heinrich Schwed), um 1923
Messing, geätzt, Marke: Chaim ben Mordechai haLevi, D: 41 cm, Erworben 2009, Jüdisches Museum München, # 09/2009
Dieser Teller für die symbolischen Speisen, die während des Seder („Ordnung“) beim Pessach-Fest gegessen werden, ist der Prototyp eines später in größerer Anzahl in der kunstgewerblichen Werkstätte von Heinrich Schwed in München produzierten Tellers. Im Gegensatz zu den anderen Seder-Tellern Schweds fehlen bei diesem die Matze im Zentrum sowie die sonst übliche Signatur durch das Monogramm Schweds.

Seit den 1970er Jahren warb der in Los Angeles lebende Peter H. Bach, der München regelmäßig besuchte, für die Errichtung eines Jüdischen Museums in München. In Gesprächen mit Kommunalpolitikern, Museumsfachleuten, der Israelitischen Kultusgemeinde und der Presse wies er immer wieder auf die Notwendigkeit eines Jüdischen Museums hin, „in dem die Jugend lernen kann, was sich während der Hitlerzeit abgespielt hat, um zu verhindern, dass sich so etwas jemals wiederholt.“[03] Um seiner Initiative, die bei den kulturpolitisch Verantwortlichen auf wenig Interesse stieß, Nachdruck zu verleihen, entschloss sich Bach 1992, eine von der Landeshauptstadt München verwaltete Stiftung zu errichten. Im Frühjahr 1993 stimmte der Münchner Stadtrat der Errichtung der „Peter H. Bach-Stiftung, Jüdische Kultur, Geschichte, Religion, Tradition“ zu.[04] Die vom Stifter mit einem Grundstockvermögen von 100.000 D-Mark ausgestattete Stiftung dient dem Wunsch des Stifters gemäß „der Förderung der Pflege und Erhaltung von Kulturwerten der jüdischen Gemeinden in München und Bayern, um die Erinnerung an die kulturellen, religiösen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Leistungen jüdischer Bürger Münchens und Bayerns der Allgemeinheit bekanntzumachen und darzustellen und die Erinnerungen an diese Leistungen aufrechtzuerhalten.“[05] Die Stiftungssatzung enthält auch einen Passus, der vorsieht, dass die aus den Stiftungsmitteln erworbenen Sammlungsgegenstände an „ein offizielles Münchner Jüdisches Museum“ übergehen sollen.[06]


Alexander Behr: Lehrbuch der mosaischen Religion, München (M. Fleischmanns Buchhandlung), 1826
8°, 160 S., Erworben 2008, Jüdisches Museum München, # 12/2008
Als Folge der Emanzipation, die in Bayern mit dem sogenannten Judenedikt von 1813 ihren Höhepunkt fand, regulierte der Staat zunehmend religiöse Angelegenheiten und das Schulwesen der jüdischen Gemeinden und regte auch die Herausgabe von Religionslehren an. Dieses „mit Sr. Königlichen Majestät allerhöchstem Privilegium“ herausgegebene Lehrbuch fand in ganz Bayern Verbreitung.

Die zwischen 1993 und 2007 durch das Münchner Stadtmuseum erworbenen Objekte bilden heute einen wichtigen Grundstock der Sammlung des Jüdischen Museums, das seit seiner Eröffnung 2007 die Peter H. Bach-Stiftung selbst verwaltet und ihren Ertrag für den Erwerb von Sammlungsgut verwendet. Eine kleine Auswahl der aus Stiftungsmitteln erworbenen Exponate zur Geschichte und Kultur der Juden in München stellt diese Ausstellung vor.

Peter H. Bach hat die Erfüllung seines Traums nicht mehr erlebt. Als er am 1. Juli 1998 in Los Angeles verstarb, wurden in München die ersten Weichen zur Errichtung eines Jüdischen Museums in städtischer Trägerschaft gestellt. Peter H. Bachs Beharrlichkeit und die von ihm errichtete Stiftung haben mit dazu beigetragen, dass sich die Stadt München nach langen Jahren des Desinteresses und des Zögerns dieser Aufgabe angenommen hat. Darüber hinaus wirkt die Stiftung durch ihre Tätigkeit im Sinne des Stifters fort und hält die Erinnerung an ihn wach.

Weitere Informationen:
http://www.juedisches-museum-muenchen.de

  1. Stadtarchiv München (Hg.): Das Jüdische Museum München 1989 bis 2006 – ein Rückblick, München 2006; Bernhard Purin: Ein Jüdisches Museum für München, in: Jutta Fleckenstein; Bernhard Purin (Hg.): Jüdisches Museum München, München-Berlin-London-New york 2007, 13-21. []
  2. Antworten auf Stadtratsanfragen: 70 Jahre Bekleidungshaus Konen – 135 Jahre Herren- und Knabenbekleidung Isidor Bach. wann stellt sich der Münchner Einzelhandel seiner Geschichte?, in: Landeshauptstadt München. Rathausumschau, Ausgabe 238 (14.12.2006), 9-12. []
  3. Miryam Gümbel: Porträt: Peter H. Bach – Enkel des Konen-Gründers, in: Süddeutsche Zeitung, 16.05.1989. []
  4. Beschluss der Vollversammlung des Stadtrates vom 17. März 1993. []
  5. Stiftungssatzung, § 2 (1). []
  6. Ibid., § 7. []