12 Uhr mittags

Yiftach Klein in „12 Uhr Mittags“ beim Heidelberg Stückemarkt 2010…

Von Anke Dreyer

Asher, ein junger israelischer Soldat, der während des Jom-Kippur-Krieges in Gefangenschaft gerät, sieht dort den Film „12 Uhr Mittags“ mit Gary Cooper. Nach seiner Freilassung wird er von der israelischen Armee verhört. Warum haben Sie überlebt? Warum sind Sie nicht genauso gestorben wie Ihre Kameraden? Warum haben Sie nicht auf den Ägypter geschossen als Sie ihm gegenüberstanden?

Fragen, die sich der junger israelische Offizier Asher gefallen lassen muss, und die er einem Brigadegeneral der israelischen Armee beantworten muss. „Weil ich sonst meine eigenen Leute getroffen hätte,“ antwortet Asher. Der Brigadegeneral zweifelt seine Aussagen an. Asher erzählt Situationen, die seinem Verhörer merkwürdig und unglaubwürdig erscheinen, z. B. sei eines Tages ein General einer anderen Einheit gekommen und habe alle Panzerfäuste und Granaten konfisziert. Ashers Einheit sei eh nicht bedroht, so seine zynische Bemerkung.

Krieg bringt Absurditäten mit sich, die sich im Frieden keiner vorstellen kann. Situationen, die im Frieden abnormal erscheinen, sind im Krieg Normalität und können fatale Folgen haben. Die Angst der Soldaten, ihre Unsicherheit, ihre Entscheidungen, die innerhalb von Bruchsekunden getroffen werden müssen, weil sie über Leben und Tod entscheiden, die Grausamkeiten, die Asher in seiner Gefangenschaft erduldet. Diese Situation und die verschieden Charaktere: der Offizier Asher, sein Verhörer, die Kameraden, der ägyptische Verhörer, werden von dem jungen Schauspieler Yiftach Klein, in einer Person verkörpert. Yiftach Klein setzt die einzelnen Charaktere so glaubwürdig und real in Szene, dass die Zuschauer mitleiden und mitfühlen: seinen Kampf ums Überleben, seine Angst um seine zurückgebliebene Frau und sein Kind, die Brutalität der Gefangenschaft. Klein wechselt nicht nur in sekundenschnelle die Charaktere sondern auch zwischen den Sprachen Hebräisch und Arabisch. Eine beeindruckende Leistung, die Klein hier in dem einstündigen Stück zeigt.

Am Ende steht nicht nur Klein auf der Bühne und wird für seine hervorragenden Leistungen beklatscht, sondern auch Shmuel Vilozhny, der das autobiografische Stück geschrieben und Regie geführt hat. Eine bewegende Geschichte, die zu denken gibt.

ZWÖLF UHR MITTAGS 

von Shmuel Vilozhny nach dem Roman I DIDN’T EXECUTE THE MISSION von Arieh Segev

Uraufführung Cameri Theater, Tel Aviv

Buch & Regie Shmuel Vilozhny

auf Hebräisch mit deutschen Untertiteln
 
Mit Yiftach Klein

2.5. 19.00-20.00 THEATERKINO, anschließend Publikumsgespräch in Anwesenheit des Autors Tickets kaufen!

ZWÖLF UHR MITTAGS erzählt die Geschichte eines israelischen Unteroffiziers, der 1973 den Befehl erhält, seinen Dienst am Ufer des Suezkanals anzutreten. Am zweiten Tag von den Ägyptern gefangen genommen, sieht er während der 45-tägigen Gefangenschaft im Lagerkino den Westernklassiker ZWÖLF UHR MITTAGS mit Gary Cooper. In die Freiheit entlassen, muss er sich einer Befragung durch das israelische Militär unterziehen …
Nur mit Hilfe eines Stuhls führt der Darsteller Yiftach Klein einen energiegeladenen Dialog mit den Zuschauern – und mit sich selbst. Er erzählt die Geschichte des Unteroffiziers, stellt sich zugleich den eigenen Fragen und denen der israelischen und ägyptischen Vernehmungsbeamten und gerät in verzweifelte Erklärungsnot.
Die Inszenierung einer schmerzhaften individuellen und politischen Wirklichkeit gewann den ersten Preis beim Theaterfestival TheaterNetto in Tel Aviv und beim Thespis Festival in Kiel. „Vilozhny und Klein bringen ein kraftvolles Stück auf die Bühne, das zudem unterhaltsam und zugänglich ist. Dieses Stück muss gesehen werden.“ Israelische Tageszeitung Makor Rishon

ARIEH SEGEV wurde 1945 in Marokko geboren und emigrierte 1956 zusammen mit seiner Schwester nach Israel. Nach seiner Ausbildung im Neveh Ilan Youth Village und im Kibbutz Mishmar Hasharon diente er ab 1963 im israelischen Militär. Bis 1982 kämpfte er in allen Kriegen Israels und geriet 1973 in ägyptische Kriegsgefangenschaft. Er veröffentlichte zahlreiche Geschichten und zwei Romane.

SHMUEL VILOZHNY, von 1973 bis 1976 Mitglied der Truppenunterhaltung der israelischen Armee, machte 1979 seinen Abschluss an der Beit Zvi School of Performing Arts. Er spielte in israelischen Film- und Fernsehproduktionen und an verschiedenen Theatern Israels, unter anderem am Nationaltheater Habima und am Cameri Theater in Tel Aviv.

Das CAMERI THEATER wurde 1944 gegründet und ist eines der drei großen öffentlich geförderten Theater Israels. Mit zehn Premieren und 20 laufenden Produktionen erreicht es bis zu 900.000 Zuschauer im Jahr. 2003 zog das Cameri Theater in das Tel Aviv Performing Arts Center ein, in dem auch die Oper, das Ballet und das Tel Aviv Museum untergebracht sind. Seit Mai 2009 gehört es wie das THEATER & ORCHESTER HEIDELBERG zu den Mitgliedern der Europäischen Theaterkonvention (ETC).