Nachruf: H. Peter Sinclair (1921-2010)

Am 27. April 2010 verstarb H. Peter Sinclair im 89. Lebensjahr in London. 1921 als Hans-Peter Siegel in Bogenhausen geboren, verlebte er seine Kindheit und Jugend in München, begann noch 1937 eine Ausbildung zum Braumeister in der König-Ludwig-Schloßbrauerei in Kaltenberg, die er jedoch 1938 abbrechen mußte…

Sein Vater, Rechtsanwalt Michael Siegel, ein führendes Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde München, wurde bereits 1933, nachdem er sich für den nach Dachau deportierten Kaufhausbesitzer Max Uehlfelder eingesetzt hatte, schwer mißhandelt und mit einem Schild mit der Aufschrift „Ich bin Jude und ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren“ durch München getrieben. Eine dabei entstandene Fotoaufnahme wurde zu einer traurigen Ikone der Verfolgung von Juden in der „Hauptstadt der Bewegung“, die sich in zahllosen
Geschichts- und Schulbüchern befindet.

Familie Siegel erlebte die sogenannte Kristallnacht in München. Hans Peter Siegel gelang im März 1939 die Emigration nach England. Drei Monate später folgte ihm mit einem „Kindertransport seine vier Jahre jüngere Schwester Beate Siegel (heute Bea Green). Erst 1940 gelang es seinen Eltern, ins südamerikanische Exil nach Peru zu flüchten.

Während des Zweiten Weltkriegs diente H. Peter Sinclair in der britischen Armee. Beruflich wurde er in der Bergbau-Branche tätig und war zuletzt Vorsitzender eines Londoner Unternehmens, das Gruben und Schmelzen für Nichteisenmetalle in Südamerika betrieb. Seit seinem Ruhestand betrieb er in vielfältiger Weise bürgerliches Engagement und begann zunehmend, sich mit der jüdischen Geschichte Süddeutschlands und der seiner eigenen Familie zu beschäftigen. Aus dieser Tätigkeit gingen mehrere Veröffentlichungen hervor, zuletzt ein Aufsatz über die Siegels in Arnstein, der 2009 im Jahrbuch des Arnsteiner Heimatvereins erschien.

H. Peter Sinclair hat das Entstehen des Jüdischen Museums München mit großem Interesse verfolgt und stiftete eine Reihe wertvoller Exponate für die Sammlung des Museums. Gemeinsam mit seiner Schwester Bea konnte er die Eröffnung des Museums 2007 in München miterleben. Das Jüdische Museum München verliert mit ihm nicht nur einen Förderer und Freund, sondern auch einen der immer weniger werdenden Zeitzeugen, die aus eigenem Erleben über ihre Erfahrungen mit dem aufkeimenden Nationalsozialismus in München eindrücklich berichten konnte.

Die Autobiografie H. Peter Sinclairs kann online gelesen werden.

PM, Jüdisches Museum München, 27.04.2010