Wirbel um Hitler-Parodien auf YouTube

Löschungsaktion von Constantin Film verletzt „Fair Use“-Grundsat…

pte – Das deutsche Filmunternehmen Constantin Film hat dem Internet-Hype um Hitler-Parodien auf der populären Videoplattform YouTube den Kampf angesagt. Nachdem man in den vergangenen Tagen damit begonnen hatte, Szenen des Films „Der Untergang“, die von Usern mit veränderten Untertiteln versehen wurden, von der Seite zu löschen, sieht man sich nun heftigern Protesten vonseiten der Web-Community und Bürgerrechtlern ausgesetzt. Diese können die urheberrechtlich motivierte Säuberungsaktion nicht nachvollziehen und sehen darin eine Verletzung der „Fair Use“-Politik.

Kritik kommt vor allem von der US-amerikanischen Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) http://www.eff.org , die auch gleich das Anti-Piraterie-System von YouTube ins Visier nimmt. „Content ID erlaubt es den Urheberrechtsinhabern, ein Video von der Seite zu löschen, ganz gleich, ob es Elemente enthält, die das Urheberrecht verletzen oder die unter die ‚Fair Use‘-Kategorie fallen“, heißt es in einem EFF-Statement.

Kritik an YouTube-Filtersystem

Im Zusammenhang mit der aktuellen Aufregung um die Entfernung von Hitler-Parodien weist die unabhängige US-Organisation zudem darauf hin, dass das Content-ID-System in seiner derzeitigen Version dringend überarbeitet werden müsste. Eine entsprechende Forderung habe man bereits vor zwei Jahren an Google übermittelt (pressetext berichtete: http://www.pressetext.com/news/090205001/). Das Tool dürfe urheberrechtlich geschützte Inhalte nur dann löschen, wenn die von Usern veränderten Audio- und Videospuren 90 Prozent oder mehr mit dem Original übereinstimmen würden, stellt die EFF klar.

Aber auch das Vorgehen von Constantin Film stört die Bürgerrechtler. „Wenn Urheberrechtsinhaber die Kreativität bei der Wiederverwendung von Filmmaterial unterbinden wollen, sollten sie das über eine formelle Mitteilung erledigen und nicht über ein automatisiertes Filter-Werkzeug“, fordert die EFF. In diesem Fall könnte man bei einem Verstoß gegen den „Fair Use“-Grundsatz nämlich auch gegen falsche Ansprüche der Rechteinhaber vorgehen.

Constantin Film versteht Aufregung nicht

Beim deutschen Filmunternehmen kann man die aktuelle Aufregung indes nicht so recht verstehen. „Es ist unsere Strategie, gegen jede Art von Urheberrechtsverletzung im Internet vorzugehen – und zwar unabhängig davon, um welchen Film es sich handelt“, betont Constantin-Vorstandsmitglied Martin Moszkowicz in einem Interview mit dem Wochenmagazin „Stern“. Im Fall der Hitler-Parodien hätte man ein gutes Dutzend Beschwerden bekommen, aber auch ungefähr gleich viele Zustimmungs-Mails.