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Super-versexte Insekten

Beate Uhse ist nichts im Vergleich zu einem neuen Projekt von Forschern der landwirtschaftlichen Fakultät der Hebräischen Universität in Jerusalem. Mit „super-versexten“ männlichen Insekten wollen sie die (Um-) Welt retten. Die sterilisierten aber sex-wütigen Männchen sollen sich auf die Weibchen stürzen, und umweltfreundlich Insektenplagen an den Leib rücken, ohne Gift, sondern nur mit wilder Liebe…

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 17. März 2010

Früher wurde DDT eingesetzt, doch seitdem wurden Insekten resistent und das Gift verursachte mehr Schaden für Mensch und Umwelt denn Nutzen. Nach Angaben einer Pressemitteilung der Universität will Professor Boaz Yuval die klassische „sterile Insekten-Technik“ aufwerten. Sie wird schon gegen mehrere Dutzend Spezies eingesetzt. Dabei müssen die Geschlechter erst mal getrennt werden, um die Männchen zu sterilisieren und dann in wieder in die Freiheit zu entlassen. Nach dem Verkehr können die Weibchen keine befruchteten Eier mehr legen, wodurch die schädliche Bevölkerung reduziert wird.

Problematisch sei es, Millionen Männchen einzufangen, im Labor impotent zu machen und wieder in die Natur zu übergeben, ohne deren sexuelle Konkurrenzfähigkeit zu mindern. Genau das will Yuval bei Fruchtfliegen und Moskitos (Mücken) ändern. Zu dem Zweck studierte er psychologischen Elemente und das Verhalten der Männchen, um jene Faktoren zu identifizieren, die ihr männliches Selbstwertgefühl erhöhen. Yuval habe Wege gefunden, den sterilisierten Männchen das Gefühl zu übertragen, „sexy“ zu sein.

Wohl gemäß dem Motto, dass „Liebe durch den Magen geht“, fand Yuval heraus, dass sich deren „sexuelle Performance“ nach einer proteinreichen Diät spürbar verbessere. Mit anderen Forschern entdeckte er, dass den industriell im Labor zugerichteten Männchen Bakterien fehlten, die jedoch wilde FruchtfliegInnen aufweisen. Mit diesem Wissen ausgestattet, bereitete er ein proteinhaltiges und mit Bakterien angereichertes „Champinion-Frühstück“. Das wurde den sterilisierten Männchen vor ihrer Freilassung in die Natur gereicht. Es habe deren sexuelle Anziehungskraft wesentlich verbessert, heißt es in der akademischen Pressemitteilung.

Yuval glaubt, diese Methode auch weitere Insektenrassen übertragen zu können, die für Plagen verantwortlich sind und Krankheiten auf den Menschen übertragen.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com