haGalil-Themenschwerpunkt Bruno Bettelheim

Bruno Bettelheim (28. August 1903 – 13. März 1990): Ein streitbarer Psychoanalytiker und skeptischer Pädagoge
Zum Todestag eines jüdischen intellektuellen Pragmatikers…

„Ich habe mich die ganze Zeit über gefragt, ob der Mensch so viel ertragen kann, ohne Selbstmord zu begehen oder verrückt zu werden.“
Bruno Bettelheim, 1943 (in: „Individuelles und Massenverhalten in Extremsituationen“)

„If everyone agreed with me I know I would be doing something wrong. I like to be unpopular.“
Bruno Bettelheim (in: Raines, 2002, S. xxi)

“Bettelheim is indeed a charismatic man, but his charisma can go both ways: positively or negatively. Certainly he knows that Love Is Not Enough, and he is not afraid of hate. He has strong opinions, and he often invites strong reactions, but neither his book nor his program at the Orthogenic School is empty.”
Rudolf Ekstein, 1969 (Ekstein 1969a, S. 2)

„Mein Ziel war, das zu sagen, was ich sagen wollte, und das, so gut ich konnte. Und es ziemlich leicht verständlich zu machen. Ich versuche, allgemein verständlich zu schreiben. Ich weiß nicht, ob ich es geschafft habe, aber ich habe es versucht.“
Bruno Bettelheim, 1990 (in: Fremon, 1994, S. 110)

Foto: © Psychosozial-Verlag & Roland Kaufhold

Bruno Bettelheim, ein Überlebender der Schoah, der zu Lebzeiten als einer der bekanntesten und angesehensten amerikanischen Psychoanalytiker und Pädagogen wie auch als ein Experte zur Psychologie der Extremsituation galt, stammt aus einer assimiliert jüdischen Familie. Am 28.8.1903 in Wien geboren wuchs er dort auf, studierte an der Wiener Universität Germanistik, Philosopie und Geschichte, war in der pazifistisch orientierten Wandervogelbewegung engagiert und war mit einigen Pionieren der jungen psychoanalytisch-pädagogischen Aufbruchbewegung – Otto Fenichel, Wilhelm Reich, Fritz Redl und seine Cousine Edith Buxbaum seien genannt – befreundet.

Bettelheim machte aus eigener seelischer Not eine Analyse bei dem Wiener Psychoanalytiker Richard Sterba – der 1938 als Katholik aus Solidarität mit seinen jüdischen Kollegen in die USA emigrierte – und „adoptierte“ für etwas sieben Jahre gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau ein – zeitweise sogar zwei – autistische Kinder. Dessen Mutter war eine Amerikanerin, die zu Sigmund Freud gekommen war, weil sie sich von diesem Hilfe für ihr Kind versprach. Da Freud nicht mit Kindern arbeitete verwies er sie an seine Tochter Anna, die das Kind der Obhut der Bettelheims empfahl. Die Wurzeln für Bettelheims späteres milieutherapeutisches Engagement mit seelisch sehr gestörten Kindern und Jugendlichen in Chicago wurden hier gelegt.

Der Bettelheim-Biograph Roland Kaufhold (Kaufhold, 1993, 1994, 2001, 2003a, 2003b) („Annäherung an Bruno Bettelheim“ – die erste posthume Studie über Leben und Wirken Bruno Bettelheim / Bruno Bettelheim, Rudolf Ekstein, Ernst Federn: Pioniere der psychoanalytisch-pädagogischen Bewegung) portraitiert in der umfangreichen biographisch-werktheoretischen Studie Bruno Bettelheim (1903 – 2003): Frühe biographische Wurzeln in Wien und sein psychoanalytisch – pädagogisches Werk die prägendsten Erfahrungen und Lebensstationen Bettelheims in Wien, wie auch dessen insgesamt 16 ins deutsche übersetzten Bücher – die alle noch leicht erhältlich sind. Wien, woran sich Bettelheim in seinen späten Schriften in nostalgisch-verklärter und doch zutiefst schmerzerfüllter Weise erinnern sollte, blieb für den psychoanalytischen Emigranten und Schoah-Überlebenden eine sein späteres pädagogisch-therapeutisches Engagement sowie seine theoretischen Schriften prägende Erfahrung. Ohne diesen Wiener Hintergrund, seine psychoanalytischen Erfahrungen und Begegnungen im „Wien Sigmund Freuds“ (Bettelheim, 1990, S. 15) ist Bettelheims kometenhaften Aufstieg in seiner neuen Heimat, den USA, ab dem Jahr 1939 nicht verstehbar.

Bettelheim promovierte im Februar 1938 an der Wiener Universität zum Thema „Das Problem des Naturschönen und die moderne Ästhetik“. Kurz darauf, im Mai 1938, wurde Bettelheim zuerst nach Dachau, kurz darauf nach Buchenwald verschleppt. Knapp elf Monate verbrachte Bettelheim in Dachau und Buchenwald, bis zu seiner glücklichen Emigration in die USA, die seine zweite Heimat werden sollte.

Dort, in Buchenwald, lernte Bettelheim den psychoanalytisch vorgebildeten Ernst Federn sowie den Psychoanalytiker Dr. Otto Brief – ein Schüler Wilhelm Reichs – kennen. Nach Ernst Federns Befreiung nahm Bettelheim brieflich wieder Kontakt mit diesem auf. Am 21.8.1945 erneuerte Ernst Federn seine Freundschaft mit dem elf Jahre älteren Bettelheim. Er schrieb ihm:

„Lieber Bruno, Dein Brief vom 11. Juli (1945) hat mich ganz außerordentlich gefreut, von Vergessen kann überhaupt keine Rede sein. Ich weiß noch wie heute, es war beim Ziegelschupfen, als ich Dich wegen eines Blödsinns mit „Niemand“ beschimpfte und sich daran eine Diskussion und zuletzt Bekanntschaft und wie ich hoffe auch Freundschaft geknüpft hat.  Nun freue ich mich sehr, dass es Dir gut geht und bin ausserordentlich an Deiner Arbeit über das Konzentrationslager interessiert.“ (Kaufhold, 1999a, S. 220)

Im Konzentrationslager Buchenwald hatte ihre Freundschaft begonnen. Bettelheim war sehr viel glücklicher als Federn gewesen: nach knapp 11 Monaten wurde er, durch glückliche Umstände bedingt, aus der KZ-Haft entlassen – mit der Auflage, binnen einer Woche zu emigrieren. Mehrere prominente Amerikaner, darunter auch die einflussreiche amerikanische Mutter des von ihm „adoptierten“ autistischen Mädchens sowie seine Cousine Edith Buxbaum – eine außerordentlich mutige antifaschistische Kämpferin, die in Wien Gymnasiallehrerin und Psychoanalytikerin war –  hatten sich nachdrücklich für seine Freilassung eingesetzt.

Ernst Federn hingegen wurde sieben Jahre lang in Dachau und Buchenwald gefangen gehalten und erlangte erst am 11.4.1945, nach der Befreiung Buchenwalds durch amerikanische Truppen, die Freiheit. Ihre enge Freundschaft und die wissenschaftliche Zusammenarbeit dieser beiden Pioniere einer Psychologie des Terrors ist in ihrem 45 Jahre umspannenden Briefwechsel dokumentiert worden (vgl. Kaufhold, 1999a). In der Studie Zum Briefwechsel zwischen Bruno Bettelheim und Ernst Federn – zeichnet Roland Kaufhold für haGalil diesen Briefwechsel – welchen Ernst Federn ihm 1997 zur wissenschaftlichen Publikation anvertraut hatte – nach.

Im Konzentrationslager erkannten Bettelheim und Federn rasch, dass sie nur gemeinsam überleben konnten. Sie mussten die terroristische Realität verstehen, durch welches ihr eigenes Verhalten wie das ihrer Mithäftlinge geprägt wurde. Gemeinsam führten sie mit Hunderten von Mithäftlingen Gespräche, analysierten, gemeinsam mit dem Psychoanalytiker Otto Brief – der später von den Nazis ermordet wurde – , auf psychoanalytischer Basis ihre seelischen Anpassungsmechanismen auf die Extremsituation. Sie versprachen sich in Buchenwald, sollten sie je einmal freikommen, ihre verstörenden Beobachtungen wissenschaftlich aufzuarbeiten und öffentlich bekannt zu machen.

Im Oktober 1943 veröffentlichte Bettelheim seine aus seinen Gesprächen mit Ernst Federn und Otto Brief erwachsene Studie Individuelles und Massenverhalten in Extremsituationen in einer psychiatrischen Fachzeitschrift – die erste psychologische Studie über die deutschen Konzentrationslager. Im August 1944 wurde sie von der auflagenstarken, progressiven Zeitschrift Politics nachgedruckt, wodurch Bettelheim über Nacht berühmt wurde. Zuvor war diese bewusst sehr nüchtern, distanziert formulierte wissenschaftliche Studie über die deutschen Konzentrationslager über ein Jahr lang von mehreren amerikanischen Zeitschriften abgelehnt worden: Man wollte einfach nicht glauben, dass Deutsche zu solchen systematisch grausamen, massenhaften Verbrechen in der Lage seien. Auch warf man Bettelheim vor, feindselig gegenüber den Deutschen eingestellt zu sein. Seine wegweisende Studie gilt, gemeinsam mit Ernst Federns 1945 sowie 1946 verfassten, aber erst  1999 publizierten Terrorstudien bis heute als ein Grundlagenwerk einer Psychologie der Extremsituation, des Terrors (vgl. Kaufhold, 1999, 2001, Federn, 1999a).

Auf dem österreichischen Kongress Vertriebene Vernunft, auf welchem Bettelheim 1987 gemeinsam mit seinen ebenfalls aus Wien emigrierten befreundeten Kollegen Ernst Federn, Rudolf Ekstein und Else Pappenheim sprach, erinnerte er sich: „Als die amerikanische Armee 1945 die Konzentrationslager befreite und damit meine Arbeit Bestätigung erfuhr, ordnete General Eisenhower an, dass alle Offiziere der Besatzungsarmee den Artikel zu lesen hatten“ (Bettelheim, 1988, S. 217). „Nur“, so fügt Bettelheim in seinem Klassiker Erziehung zum Überleben (Bettelheim, 1980) bitter hinzu, „dass eben diese Erkennt­nisse den Millionen, die in den Lagern ermordet worden waren, auch nichts mehr half“ (Bettelheim, 1980, S. 27). Immer wieder sollte Bettelheim in seinen Büchern sowie in seinen „späten“, hier auf haGalil publizierten Interviews auf diese traumatischste Erfahrung seines Lebens zurückkommen. Sie inspirierte sein leidenschaftliches Interesse an pädagogisch-therapeutischen und wissenschaftlichen Fragen.

Ernst Federn hat mehrere Beiträge über seinen streitbaren Freund und Kollegen – der beispielsweise 1964 Hannah Arendts Prozess-Buch „Eichmann in Jerusalem“ öffentlich verteidigte, was ihm in Israel und in den USA lebenslange, verstörende Feindschaften einhandelte – verfasst. Ihre gemeinsame Erfahrung wie auch ihre sich überschneidenden Interessen verband sie, wie auch in ihrem Briefwechsel dokumentiert ist. haGalil publiziert, neben dem Briefwechsel Bettelheim – Federn, drei Beiträge Ernst Federns: Seinen 1987 in Paris vorgetragenen Beitrag

Gespräche zwischen Bruno Bettelheim, Dr. Brief und Ernst Federn (publiziert in Federn, 1999) – in welchem er erstmals öffentlich über seine furchtbaren sieben Jahre in Dachau und Buchenwald sprach – , seine 1994 verfasste Studie Bruno Bettelheim und das Überleben im Konzentrationslager (Federn, 1994) sowie seinen 2003 geschriebenen Beitrag Die Bedeutung Bruno Bettelheims – seine wohl letzte wissenschaftliche Studie. Ernst Federn verstarb am 24. Juni 2007 in Wien.

Bruno Bettelheim, der wegen seines Judentums sowie seines politischen Engagements von den Nationalsozialisten inhaftiert worden war, verstand sich selbst sehr eindeutig als assimilierter, atheistischer Jude. Die französische Bettelheim-Biografin Nina hat zutreffend formuliert: „Eines ist allerdings gewiss: Zu keinem Zeitpunkt seines Lebens hat Bruno Bettelheim seine Herkunft geleugnet. Er ist als Jude geboren und ist – sehr eindeutig – Jude geblieben bis zum Ende seines Lebens, auch wenn es nicht modern war und selbst als es gefährlich war“ (Sutton, 1996, S. 51). Immer wieder sprach Bettelheim über seine jüdischen Wurzeln, seine Sympathie für das jüdische Schicksal. Regelmäßig publizierte Bettelheim in den USA in jüdischen Zeitschriften, forschte unmittelbar nach seiner Emigration in die USA über Vorurteilsforschung und über die psychologischen Wurzeln des Antisemitismus. Der Staat Israel bildete für Bettelheim einen identitätsstiftenden Orientierungspunkt.

In dem Kapitel „Wichtige Bücher im Leben“ seines letzten Buches „Themen meines Lebens“ (1990, S. 109-123) zeichnet Bettelheim die  Bedeutung des Judentums für seine Sozialisation nach. Bettelheim führt aus:

„Da meine gesamte Familie ein angepasstes Leben führte, war mir über das Judentum nur das bekannt, was ich und meine engsten Freunde, von denen die meisten ebenfalls Juden waren, zu erleiden hatten: die spöttischen Bemerkungen, die Zurückweisungen und manchmal die offene Aggression unserer christlichen Mitschüler und selbst einiger unserer Lehrer. Jetzt hatte mein Judentum plötzlich einen positiven Inhalt. (…) Ich wurde zwar durch die Schriften von Buber und später durch Gershom Scholems Bücher über den jüdischen Mystizismus weder in einen religiösen Juden noch in einen Zionisten verwandelt, doch trugen sie dazu bei, ein Gefühl des Stolzes entstehen zu lassen, weil ich auf diese Weise zum Erben einer ehrwürdigen Tradition geworden war, Erbe eines Stammes, welcher der Welt so viel gegeben hatte.

Dieses neue, positive Selbstbewusstsein als Jude bildete eine weitere Verbindung zwischen mir und Freud; es bedeutete mir viel, dass das letzte große Werk, das er abschließen konnte, `Moses und Monotheism´ war. Meine Bejahung jüdischer Identität wurde besonders wichtig und vielleicht sogar lebenserhaltend für mich, als ich in deutschen Konzentrationslagern verhöhnt und misshandelt wurde, weil ich Jude war“ (Bettelheim, 1990, S. 121).

Diese Themen finden sich auch in dem von Herlinde Koelbl 1998 verfassten Beitrag „Jüdische Portraits – Ein Gespräch mit Bruno Bettelheim“ wieder, welches wir auf haGalil veröffentlichen. Auf Koelbls Frage, ob er Hassgefühle gegenüber seinen Peinigern, gegenüber den Deutschen seiner Generation empfinde, entgegnete Bettelheim:

“Haß? Ich bin nicht jemand, der hasst. Ich bin ein Psychoanalytiker, und meine Aufgabe ist es, zu verstehen und nicht zu hassen. Außerdem glaube ich, dass Hassen kein positives Gefühl ist. Es tut niemandem gut. Ich hasse nicht. Aber dass enge Freunde und einige Verwandte umgebracht worden sind, dass sie, wenn wir nicht geflohen wären, mich ermordet hätten und meine engere Familie, das vergisst man nicht. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass viele Hunderttausende Deutsche damit einverstanden waren. Hat ihnen sehr gut gefallen, die Judenverfolgung. Aber das vergisst man nicht“ (Koelbl, 1994, S. 63).

Seinen letzten, 1990, unmittelbar vor seinem Selbstmord veröffentlichten Essayband betitelte Bettelheim dementsprechend mit „Themen meines Lebens. Essays über Psychoanalyse, Kindererziehung und das Schicksal der Juden

Bettelheim nahm innerlich Anteil am Schicksal Israels. Wenig berührte ihn so sehr wie das Schicksal des jungen jüdischen Staates, des jüdischen Volkes. Auf Herlinde Koelbls Frage: „Wie sehen Sie die Zukunft des jüdischen Volkes in der Welt“ vermochte der sehr kranke Bettelheim nur noch zu antworten:

„Dunkel, dunkel. Trübe und dunkel.
Koelbl: Warum?
Bettelheim: Schauen Sie sich die Geschichte an. Warum sollte sich das plötzlich ändern? Wir haben einen Antisemitismus in Österreich, in Deutschland, in Russland, in Frankreich.“ (Koelbl, 1994, S. 66f.)

1964 hatte der seinerzeit 61-jährige Bettelheim einen siebenwöchigen Forschungsaufenthalt im israelischen Kibbuz Ramat Yochanan – dem er in seinem erst fünf Jahre später erschienenen Kibbuz-Buch „Die Kinder der Zukunft“ (Bettelheim, 1969) den Phantasienamen „Atid“ (Zukunft) gab – gemacht. Bettelheim ist diese „Forschung im Eilverfahren“ (Heinsohn, 1994, S. 177) gelegentlich vorgehalten worden; Heinsohn erscheint diese Kritik an Bettelheims relativ kurzem Forschungsaufenthalt nicht überzeugend, da der kritische Forscherblick gerade aus seinen ersten, noch ungetrübten Eindrücken häufig die schärfsten Beobachtungen und Schlussfolgerungen zu ziehen vermöge.

Bettelheims Studie, anfangs wohl nur für ein kleines Fachpublikum gedacht, fand unerwartetes Interesse: Von der aufbegehrenden Studentenbewegung wurde die Kibbuzerziehung, so wie sie Bettelheim analysierte, rasch als ein „Alternativmodell“ zur herkömmlichen Form der „repressiven“, „sexualfeindlichen“ Kindererziehung idealisiert. Bettelheim hebt hervor:

„Im Kibbuz gibt es keine vernachlässigten Kinder, keine, für deren körperliche Bedürfnisse nicht in Gesundheit und Krankheit gesorgt würde, keine, die in der Schule versagen, weil sie Hunger leiden oder keinen ordentlichen Platz zum Schlafen haben. Es versagt auch kein Kind, weil der Wettbewerbs- und Leistungsdruck zu groß ist. Im Kibbuz gibt es keine betrunkenen Eltern, die ihre Kinder schlagen. Diesen Schutz kann der Kibbutz nur gewähren, weil ihm die Mitglieder eine so weitgehende Kontrolle ihres Lebens einräumen.“ (Bettelheim, 1969, S. 265) Und: „Mein Besuch überzeugte mich davon, dass dieses Erziehungssystem ebenso lebensfähig ist wie viele andere“ (ebd., S. 267).

In Israel selbst entfachte Bettelheims Studie z.T. heftigste Kritik und Ablehnung (vgl. Edelist, 2003, Kaufhold, 2001, S. 185-192).

Bettelheim, der sich während seiner Zeit in Israel offenkundig nicht sonderlich wohl gefühlt hatte, gelang es, seine schwierigen Erfahrungen in Israel kreativ-konstruktiv zu bearbeiten: 1973, vier Jahre nach Erscheinen seiner Kibbuz-Studie, leitete er auf Einladung eines ehemaligen Schülers in Israel noch einmal für drei Monate ein Seminar für Lehrerbildung. Er wurde herzlich empfangen. In einem Brief vom Januar 1973 an seine langjährige Lektorin Ruth Marquis schrieb er: „Israel ist aufregend, spannend, verwirrend und überwältigend wie das erste Mal. (…) Vieles hat sich verändert, und nicht immer zum Guten, obwohl es den Leuten viel besser geht als vorher. Ich habe noch einmal einen Tag in Ramat Yohanan verbracht, und ich glaube immer noch, dass der Kibbuz das Aufregendste in diesem Land ist“ (Sutton, 1996, S. 516). Bettelheim hatte endlich seinen so sehnlich erwünschten Frieden mit Israel gefunden.

In seinem Beitrag Bruno Bettelheims Mütter und Kinder des Kibbutz (Heinsohn, 1994) diskutiert und analysiert der Bremer Sozialwissenschaftler und Kibbuz-Forscher Gunnar Heinsohns Bettelheims Kibbuz-Studie.

Gehen wir einen Schritt zurück: 1944 hatte der seinerzeit 31-jährige Bettelheim die Leitung der Chicagoer Sonia Shankman Orthogenic School übernommen und diese gemeinsam mit seinen Mitarbeiterinnen in 30 Jahren in eine international wahrgenommene Modellinstitution zur milieutherapeutischen Behandlung seelisch sehr kranker Kinder und Jugendlichen verwandelt. Die von ihm – wie auch von dem Wiener Emigranten und befreundeten Kollegen Fritz Redl – entwickelte Form einer Milieutherapie mit seelisch sehr kranken Kindern bildete für mehrere Jahrzehnte den Mittelpunkt seines Engagements, welches Bettelheim in mehreren Büchern aufgearbeitet hat (siehe den zweiten Teil der Studie Bruno Bettelheim (1903 – 2003): Frühe biographische Wurzeln in Wien und sein psychoanalytisch – pädagogisches Werk

Bettelheim war während seiner aktiven Tätigkeit in der Orthogenic School, bis 1973, in den USA eine sehr bekannte und angesehene Persönlichkeit. „Nebenbei“ legte Bettelheim zahlreiche wissenschaftliche Publikationen vor, die sich aufgrund seines sprachlichen Talents, gleichermaßen an ein Fachpublikum wie auch an eine breite Öffentlichkeit wendeten. Bettelheim publizierte sowohl in psychoanalytischen und psychiatrischen Fachzeitschriften, in jüdischen Magazinen, in populären Familienzeitschriften wie auch in Tageszeitungen, die vor allem von Intellektuellen gelesen wurden. Nach seiner Emeritierung intensivierte er seine Publikations- und Vortragstätigkeit. Politisch wurde Bettelheim, in seiner Jugend ein begeisterter Zuhörer Wilhelm Reichs, zunehmend konservativer, unterstützte die Wiederwahl Ronald Reagans. Mit besonderer Sorge erfüllte ihn das Schicksal Israels.

Zu Bettelheims engsten Freunden und Kollegen nach seiner Emeritierung gehört der Wiener Emigrant, Psychoanalytiker, Sozialist und Psychoseexperte Rudolf Ekstein (vgl. Kaufhold, 1993, 1994, 1994a, 2001).

In seinem Beitrag Mein Freund Bruno (1903-1990): Wie ich mich an ihn erinnere , den Rudolf Ekstein unmittelbar nach Bettelheims Freitod verfasst hat, erinnert sich Ekstein an seine jahrzehntelange Freundschaft und Zusammenarbeit mit Bettelheim (vgl. Kaufhold, 1994a, Fisher, 2008a).

Ende der 1980er Jahre, kurz vor Bettelheims Tod, hatte Ekstein noch einmal ein langes Gespräch mit Bettelheim geführt, in welchem sie sich an ihre Wiener Wurzeln und an ihren Werdegang in den USA erinnerten. Dieses Gespräch wurde mit einer Videokamera aufgezeichnet. Bei einem Besuch in Los Angeles im Frühjahr 1992 übergab mir Ekstein dieses Videoband mit der Bitte, dieses zu transkribieren, zu übersetzen und auf deutsch zu publizieren. Die Verschriftlichung und Übersetzung dieses Zeitdokuments ist ermöglicht worden. Es ist mit Grenzgänge zwischen den Kulturen. Das letzte Gespräch zwischen Bruno Bettelheim und Rudolf Ekstein überschrieben.

Bruno Bettelheim nahm sich am 13. März 1990, dem 52. Jahrestag der Besetzung Österreichs durch die Nationalsozialisten, das Leben. Er war 86 Jahre alt und sehr krank. Die Art seines Suizides war für Viele bestürzend: Er hatte sich eine Plastiktüte über den Kopf gezogen, in seinem Blut wurden Barbiturate nachgewiesen. Sie symbolisierte einen Zustand von absoluter Einsamkeit, Isolation – ein Zustand, aus dem er früher autistische Kinder zu befreien versucht hatte. Die Erinnerungen an die Schoah waren in seinen letzten Lebensjahren und -monaten immer stärker geworden. Der Freitod dieses Überlebenden der Schoah war anfangs ein Schock. Seine Erfolge, sein pädagogisch-therapeutisches Engagement, so glaubte man, hätten doch die Wunden der Schoah mildern müssen. Kurz darauf, posthum, ereilten ihn von einer selbstgerechten Öffentlichkeit, die ihn zuvor idealisiert hatte, Vorwürfe, die seine Integrität und Reputation in Frage zu stellen versuchten.

David James Fisher, Psychoanalytiker aus Los Angeles, Analysand Rudolf Eksteins und enger Freund Bettelheims in dessen letzten Lebensjahren, geht in seinem sehr persönlich gehaltenem Beitrag „Der Selbstmord eines Überlebenden: Einige private Wahrnehmungen zu Bruno Bettelheims Freitod“ der bedrückenden Frage nach, welche traumatischen Lebenserfahrungen Bettelheim zum „freiwilligen“ Schritt aus dem Leben bewogen haben mögen.

Im Herbst 1988 führte David James Fisher zwei lange Tiefeninterviews mit dem seinerzeit 85-jährigen, sehr kranken Bettelheim, in denen dieser in ungewohnt persönlicher Weise auf sein Leben zurückblickte. Er sprach hierin auch über seinen Wunsch, bald in Würde sterben zu dürfen. In seinem Beitrag „Ein letztes Gespräch mit Bruno Bettelheim“ zeichnet Fisher diese Gespräche mit seinem 43 Jahre älteren Kollegen nach. Bettelheim hebt den existentiell verstörenden Einfluss der traumatischen Erfahrungen in einem deutschen Konzentrationslager auf die Überlebenden hervor:

„Ich glaube, dass jeder, der eine Zeit in einem deutschen Konzentrationslager zugebracht hat – es muss nicht unbedingt ein Vernichtungslager sein -, ein Gefühl der Schuld und der Scham niemals los wird. Es ist eine so erniedrigende Erfahrung, dass man sich gezwungen fühlt, sie nicht zuzulassen, sondern die eigene Schuld abzuwehren. (…) Das Problem ist, dass man fühlt, dass niemand wirklich versteht, was man durchgemacht hat. Manche Leute verdrängen es, manche versuchen, mit dem Leben wie gewohnt fortzufahren, als ob nichts sich je ereignet hätte. Das ist eine sehr unzureichende Art, damit umzugehen“ (Fisher, 2003, S. 139).

Fisher, dies sollte noch hinzugefügt werden, ist sich seiner Identität als liberaler amerikanischer Jude – der sich politisch an dem zweimonatlich erscheinenden linksliberalen, progressiven jüdischen Magazin Tikkun orientiert – sehr bewusst. Er führt aus:

„My mother’s parents came from the region around Kiev, Russia and arrived in America in about 1898. My father’s origins were German-Jewish. I was brought up Reform, or Progressive; I was bar mitzvahed, as were my two brothers and I went to Hebrew School until age 17. However, I am a completely secular Jew, with no belief in God, no allegiance to Jewish theology or rituals or belief systems and I am an atheist. In that, I suppose, I am close to Bettelheim. I belong to a tradition from Freud through Bettelheim to the present, the tradition of the non-Jewish Jew, who is proud of his Jewish identity, fierecely against all forms of racism and anti-Semitism, and who thinks of Jewishness as a calling to serve humanity.“ Und Fisher fügt hinzu: „I am a Jew and I am proud of it“ (Persönliche Mitteilung an den Verfasser, 1.6.2003; vgl. Kaufhold et. al., 2003a, S. 48).

In einer theoretischen Studie analysiert David James Fisher einige psychoanalytische Klassiker aus den Jahren von 1920 – 1950, die, unter Bezugnahme auf Studien Sigmund Freuds, wegweisende psychoanalytische Theorien zum Antisemitismus publiziert haben. Fisher diskutiert die diesbezüglichen Studien von Buno Bettelheim, Otto Fenichel, Ernst Simmel, Erik Homburger Erikson und Rudolf Loewenstein (vgl. Fisher, 2003): „Zum Psychoanalytischen Verständnis von Faschismus und Antisemitismus“ ist seine Studie überschrieben.

Den Abschluss von David James Fishers haGalil- Beiträgen – die wir sowohl auf deutsch als auch auf englisch publizieren – bildet D. J. Fishers dichter Essay „Hommage an Bruno Bettelheim (1903-1990)“. Hierin zeichnet er ein von Sympathie getragenes Portrait von Bettelheims Wirken und Schriften (vgl. Kaufhold, 1994, 2001, 2003b). Abschließend hebt D. J. Fisher hervor:

„Mein Lieblingsbild von Bruno Bettelheim bleibt dasjenige, wo er im Flur der Orthogenic School seinen Arm um die Schulter eines Mädchens legt; es ist ein kraftvolles Bild, mit dem Rücken zur Kamera zeigt es einen Mann, der selbstsicher, beschützend, beruhigend, sensibel war, der Selbstvertrauen ausstrahlte, der fähig war, seine eigenen Zweifel auszuhalten sowie die schreckliche Last seiner eigenen lebensgeschichtlichen Erfahrung  mit Würde und Mut zu tragen“ (Fisher, 2003, S. 176f.).

Obwohl Bruno Bettelheim im Alter zunehmend konservativer wurde, Teilen der 68er Protestgeneration gerne mit scharfem Spott und Ironie begegnete (vgl. Kaufhold, 2001, S. 153f.), verstand er deren Protest doch auch als biographisches Aufbegehren. So formulierte er in seinem vielleicht geruhsamsten pädagogisch-psychoanalytischem Klassiker, in „Ein Leben für Kinder“ (Bettelheim, 1987, vgl. Kaufhold, 2001, S. 205-212), welchen er drei Jahre vor seinem Suizid abschloss:

„Wir sollten immer davon ausgehen, dass ein Kind für alles, was es tut, seine guten Gründe hat, auch wenn es dem oberflächlichen Betrachter noch so befremdend und töricht erscheinen mag. Wenn Erwachsene dagegen wichtige Beschäftigungen ihrer Kinder als dumme Kinderstreiche abtun sollten sie sich nicht wundern, wenn diese Jugendlichen auf dem Standpunkt stehen, dass niemand über dreißig vernünftige Ansichten hat“ (Bettelheim, 1987).

Als bemerkenswert erscheint mir, dass die bevorzugten intellektuellen Gesprächspartner in Bettelheims letzten Lebensjahren (R. Ekstein, E. Federn, D. J. Fisher, D. Karlin, A. A. Rosenfeld) sich selbst vorwiegend als politisch progressiv bzw. als links verstanden.

1973, in der für Bettelheim sehr schmerzhaften Abschiedsphase von seiner aktiven Tätigkeit in der Orthogenic School, hatte er dem französischen Filmemacher Daniel Karlin – dieser war Mitglied der französischen kommunistischen Partei, „aber“ auch Jude – entgegen seinen sonstigen Prinzipien erlaubt, in der Orthogenic School Filmaufnahmen zu machen. Diese wurden in einer vierteiligen Serie zur besten Sendezeit im französischen Fernsehen ausgestrahlt und erregten sehr viel Aufsehen. Kurz danach erschienen sie auch als Buch (Bettelheim & Karlin, 1975). Bettelheim begründete seinen Sinneswandel bzgl. der Dreherlaubnis für Karlin so:

„Fast ein Leben lang, fast dreißig Jahre lang, war die Schule der Mittelpunkt meines Daseins gewesen. Emotional fiel es mir schwer, sie zu verlassen. Als ich mit Daniel Karlin am Telefon sprach, kam mir plötzlich der Gedanke, dass eine Aufzeichnung meines Lebenswerkes, wie er sie vorhatte, diesem eine gewisse Kontinuität geben würde, und das erschien mir damals sehr verlockend. Ich stimmte rasch zu, weil ich wusste, wenn ich länger darüber nachdenken würde, würde ich nein sagen, wie ich es bisher immer getan hatte. Dass ich gegen meine gewohnten Überzeugungen verstieß, hängt auch damit zusammen, dass das Leben in Israel in mir wieder die Erinnerung an den Holocaust wachgerufen hatte, daran, wie er mein `erstes´ Leben ausgelöscht hatte, ohne die geringste Spur zu hinterlassen. Eine Wiederholung dieser Vernichtung dadurch zu unterbinden, dass ich eine visuelle Aufzeichnung meiner Arbeit durch einen Menschen erlaubte, der mir in seiner Haltung so aufrichtig zu sein schien, wie es nur möglich ist, schien mir auf einmal ein sehr verlockendes Ziel zu sein“ (Bettelheim/Karlin 1983, S. 241; vgl. Karlin, 1994, Raines, 2003, S. 382-384, Sutton 1996, S. 516-520, Kaufhold et. al., 2003a, S. 50-52).

Kurz vor Bettelheims Freitod nahm Daniel Karlin wieder Kontakt mit Bettelheim auf. Karlin führte mit ihm ein sehr persönliches Interview, welches Fishers Tiefeninterview (s.o.) ähnelte. In dem berührenden Beitrag Bruno Bettelheim über seine Arbeit, die Krise der Psychoanalyse, Alter und Selbstmord. Gespräch zwischen Daniel Karlin und Bruno Bettelheim wird dieses Interview in haGalil wiedergegeben.

Die englische Historiker und Essayist Michael Ignatieff, der Bettelheim im Rahmen von Filmaufnahmen kennengelernt hatte, verfasste unmittelbar nach dessen Selbstmord einen sehr berührenden, verstörenden Nachruf. In Die Einsamkeit der Überlebenden geht Ignatieff der beunruhigenden Frage nach, wel­che Motive einen so erfolgreichen, sich seiner scheinbar so sicheren Menschen wie Bruno Bettelheim bewo­gen haben mögen, seinem Leben aus eigener Kraft ein Ende zu setzen. Ignatieff verweist auch auf die Suizide Primo Levis und Paul Celans. Die Angst, die Beunruhigung oder auch die Schuld, die eine solche Motivsuche auslösen mag, verweist auf die existent­ielle Frage nach dem Sinn jeglichen Lebens überhaupt. Das Bestürzende an Bettelheims Freitod war, dass mit ihm ein Mensch starb, der den Menschen in den deutschen Vernichtungslagern von seiner schlimmsten Seite kennen­ge­lernt hatte – und aus diesen verheerenden Erfahrungen dennoch schein­bar ungebro­chen hervorging. Ignatieff hebt hervor: „Ich habe immer geglaubt, dass die Weisheit einen Menschen vor der Versuchung des Selbstmordes bewahren würde. Wie unrecht ich doch hatte“ (Ignatieff, 2004, S. 112). Ignatieff schließt seinen Essay mit der Bemerkung ab:

„Wollen wir die Überlebenden des Holocaust ehren, dann ist Schweigen das Mindeste, was wir tun können, und es bleibt uns nur noch, jenem Geheimnis Respekt zu zollen, das sich hinter der Frage verbirgt, warum sich einige für das Leben und andere für das Sterben entschieden haben. Denn dies ist letzten Endes die Last, die wir Überlebenden zu tragen haben, wenn sich jemand das Leben nimmt: wir können niemals mit Gewissheit sagen, ob sein letzter Schrei ein Schrei um Hilfe oder ein Schrei der Erlösung war“ (Ignatieff, 1994, S. 115).

Nach Bettelheims Selbstmord gab es in den USA Angriffe gegen den toten Bettelheim – der sich nicht mehr zu wehren vermochte – , die teilweise den Charakter einer Kampagne trugen. „Koordiniert“ wurden sie von dem Psychoanalyse-Verächter Jeffrey Masson. In ihrer Übersteigertheit erinnerten sie an die Angriffe gegen den marxistischen Psychoanalytiker Wilhelm Reich (Sutton, 1996) – mit dessen Kreativität und Tragik sich Bettelheim, der ihn in Wien noch erlebt hatte, identifizierte (vgl. Fisher, 2003) -, dessen tragisches Schicksal im amerikanischen Exil eine Mahnung bleibt (Fallend/Nitzschke, 1997). Die französische Bettelheim-Biografin Nina Sutton (vgl. Kaufhold, 1996) bemerkt hierzu: „Gegen Ende des Herbstes 1990 hat der Kampf seinen Höhepunkt erreicht. Binnen sechs Monaten ist es unmöglich geworden, den Namen Bettelheim auszusprechen, ohne sofort eine ausufernde, feindselige beleidigende Polemik zu provozieren“ (Sutton, 1996, S. 25).

Der Spiegel, der Bettelheim zu dessen Lebzeiten immer wieder geradezu hymnisch gefeiert hatte, brachte posthum zwei polemische Beiträge über diesen jüdischen Emigranten. Diese waren frei von eigenen Recherchen und fundiertem Wissen. Der Journalist Johannes Salzwedel, mit der Gnade der späten Geburt gesegnet, gleichermaßen frei von Verantwortungsgefühl für die Mordtaten seiner Eltern- bzw. Großelterngeneration wie von historisch-sachlichem Wissen, brachte es 1997 zustande, in einem einzigen Beitrag den toten Juden und Schoah-Überlebenden als „zähen KZ-Überlebenden“, „jüdischen Überlebenskünstler“, „geltungssüchtigen Patriarchen“, „zwanghaften Hochstabler“, „KZ-Kapo“ und „sadistischen Machtspieler“ zu bezeichnen. Ein Narr, wer ob solcher deutscher Selbstgerechtigkeit und projektiv-bösartiger Manie antisemitische Motive vermutet. Roland Kaufhold widmet dieser stringent ein antisemitisches Vokabular bemühenden Polemik den umfangreichen, ironisierenden Beitrag „Der `Spiegel´ und sein Märchen vom bösen Juden Bruno Bettelheim oder: ein deutscher Journalist erzählt von…“.

Literatur

Aichhorn, A. (1925/1977): Verwahrloste Jugend. Die Psychoanalyse in der Fürsorgeerziehung. Bern, Stuttgart, Wien.
Ammon, G. (Hg.) (1973): Psychoanalytische Pädagogik. Hamburg.
Becker, D. (1992): Ohne Haß keine Versöhnung. Das Trauma der Verfolgten. Freiburg i. Br.
Becker, S. (1994): Die Bedeutung Bruno Bettelheims für die psychoanalytische Sozialarbeit in Deutschland. In: Kaufhold (Hg.) (1994), S. 237–243.
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Anlässlich des 20. Todestages Bruno Bettelheims sind vom Autor soeben folgende Beiträge in Zeitschriften erschienen:

Roland Kaufhold: Vor 20 Jahren starb Bruno Bettelheim, in: Tribüne Heft 193, 49. Jg., Nr. 1/2010, S. 62-66.
Roland Kaufhold: Ein streitbarer Psychoanalytiker und Pädagoge. Vor 20 Jahren starb Bruno Bettelheim, in: Jüdische Allgemeine, 11. März 2010.

Video-Tipp:
Dokumentation zu Bruno Bettelheim „A Sense of Surviving“ von 1986

Dokument online:
Ausbürgerungsantrag der Geheimen Staatspolizei gegen Bruno Bettelheim
Quelle: Politisches Archiv des Auswärtigen Amts, Archivband R 99893 (Ausbürgerungen, 200. Liste). Wir danken für die Genehmigung zur Veröffentlichung, sowie bei Herrn Andreas Peglau, Berlin, für den Hinweis auf das Dokument.

Ein trauriger Epilog

Ich habe in dieser einführenden Studie über Bettelheims akademische Bildung bemerkt: „Am 2. Februar 1938 – zwei Monate vor dem „Anschluss“ Österreichs und drei Monate vor seiner Inhaftierung durch die Gestapo – erhielt er von der Wiener Universität die Promotionsurkunde“.

Hierzu möchte ich einen bezeichnenden Epilog hinzufügen, der die menschliche Fähigkeit zur Verdrängung und Verleugnung, zur seelisch – historischen Auslöschung veranschaulichen mag:

Zwei Jahre später, nach seiner knapp 11-monatigen Gefangenschaft in Dachau und Buchenwald sowie seiner glücklichen Emigration in die USA, wurde Bettelheim – wie etwa 200 weiteren Wiener Wissenschaftlern – am 8.5.1941 aus rassischen Gründen die Doktorwürde wieder aberkannt. Der Jude Bettelheim war in den Augen der Nationalsozialisten „eines akademischen Grades unwürdig“, wie es im Reichsgesetzblatt vom 7. Juni 1939 hieß.

Sechs Jahre nach Ende der Nazizeit, 1955, wurden 181 Personen von der Wiener Universität „rehabilitiert“ – Bettelheim sowie zumindest 31 weitere Wissenschaftler hingegen waren „vergessen“ worden. Es sei daran erinnert, dass Bettelheim seinerzeit aufgrund seiner publizierten psychologischen Studien zur Psychologie der Extremsituation sowie zur Vorurteilsforschung international bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad hatte. Auch gab Bettelheim in besagtem Jahr 1955 in Frankfurt am Main am renommierten Institut für Sozialforschung als amerikanischer Gastdozent ein Seminar über „Gruppenpsychologie“ (vgl. Kaufhold, 2001, S. 164f.). Man hätte sich in seiner früheren Heimat also durchaus an den Vertriebenen erinnern können. Dies geschah jedoch nicht: 50 Jahre lang, bis zu Bettelheims Tod, blieb seine auch akademische Schädigung „vergessen“, verdrängt. Erst am 31. März 2004, also 14 Jahre nach Bettelheims Tod, wurde in einer durch Forschungen von Friedrich Stadler und Herbert Posch  angeregten Zeremonie der Universität Wien und der Medizinischen Universität Wien im Kleinen Festsaal die Aberkennungen von akademischen Titeln während der NS-Zeit aus „rassischen“, politischen oder damaligen strafrechtlichen Gründen für nichtig erklärt. Seitdem hat der seit 14 Jahren verstorbene Bruno Bettelheim nun auch in Wien einen akademischen Titel erworben.

Literatur: Posch, H. & Stadler, F. (Hg.) (2005): „… eines akademischen Grades unwürdig“. Nichtigerklärung von Aberkennungen akademischer Grade zur Zeit des Nationalsozialismus an der Universität Wien. Wien.

7 Kommentare zu “haGalil-Themenschwerpunkt Bruno Bettelheim

  1. Ich danke sehr für die freundlichen Worte! Auch für mich war es in gewisser Weise eine Wiederbegegnung – nach all den Jahren. Michael Ignatieff hat die wohl treffendsten Worte für diese existentiell berührende Tragik gefunden, die die Art seines Freitodes symbolisiert.

  2. Vielen Dank für diese interessanten Texte. Obwohl ich mich vor vielen Jahren mit Bruno Bettelheim beschäftigt habe, war er inzwischen etwas aus meinem Sinn. Es war schön, heute über ihn zu lesen, vor allem auf so eine würdige Art und Weise; und auch noch einmal über die Zeit vor und um seinen Tod, der mich damals tief getroffen hatte.

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